Trump ist in Kuba eine Kurznachricht

In Kuba sind die Nachrichten andere: Ein Mann verkauft die «Granma» vom 13. Januar 2017 mit der Schlagzeile: «Kuba ist Fidel». Foto: Alexandre Meneghini (Reuters)

In Kuba sind die Nachrichten andere: Ein Mann verkauft die «Granma» vom 13. Januar 2017 mit der Schlagzeile: «Kuba ist Fidel». Foto: Alexandre Meneghini (Reuters)

Wie die Oldtimer und Kolonialruinen sind in Kuba auch die Zeitungen und das Fernsehen aus der Zeit gefallen. Man kann sagen, hier konzentrieren sich die Medien noch auf das Wesentliche. Sie sind (wie fast das ganze Land) ganz und gar werbefrei, die Zeitungen klein, farblos und zwischen vier und acht Seiten dünn, das Fernsehen zeigt bei den häufig wiederkehrenden Themen kostenbewusst sehr oft immer wieder dieselben Bilder, und die Nachrichtensprecher lesen Verlautbarungen der Regierung Wort für Wort ab Blatt vor, mehrmals am Tag. Man muss aber auch sagen, alle Medien gehören und gehorchen dem allmächtigen Staat, die Journalisten sind willfährige Vollstrecker eines monströsen Propagandaapparates mit einer humor- und gnadenlosen Zensurbehörde, durch die jedes Komma und jede Kamerafahrt hindurch muss. Zeitung lesen und fernsehen in Kuba – das ist echt starker kommunistischer Tobak.

Castro schlägt US-Wahl

Egal, was auf der Welt geschieht, in Kubas Staatsmedien ist der Schwerpunkt dieser Welt immer anderswo. Jüngstes Beispiel: Donald Trump. Am Tag, als der Mann Präsident der USA wurde, war in Kuba das Wichtigste, dass Raúl Castro den Angehörigen der Todesopfer eines Flugzeugabsturzes in Kirgistan kondolierte. Gefolgt von der zweitwichtigsten News: die Bedeutung der Muttermilch für Neugeborene, und dass die kubanischen Babys zu den besternährten des Kontinents gehören, weil «die Revolution» eben unter anderem der Muttermilch die nötige Bedeutung zumisst. Trump war eine Kurznachricht. «Ein Magnat, Multimilliardär und Showstar» sei der neue  Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, meldete der Nachrichtensprecher in deprimierendem Tonfall, dazu ein kurzer Kommentar, dieser Herr Trump werde keine Türen öffnen zu einer besseren Welt.

Die «Grossmutter» und das Orchester

Die wichtigste Zeitung in Kuba, das «offizielle Organ der Kommunistischen Partei Kubas» mit dem passenden Namen «Granma» (Grossmutter), erwähnte Trump mit keinem Wort. Am Tag nach dessen Amtseinführung meldete die «Grossmutter» dann die wüsten Proteste, die es gegen den neuen Machthaber in Amerika gab. Etwas näher ans Zeitgeschehen wagte sich das Blatt «Juventud Rebelde» (Rebellische Jugend). Es titelte auf der dritten Seite «Eine neue Trompete im Weissen Haus», dazu eine Doppelseite mit allen Köpfen und Kurzbiografien des gesamten neuen Kabinetts der neuen Trompete. Die Texte waren allesamt so komponiert, dass die Kubaner nun wissen, welch schreckliches Kammerorchester aus Geschäftsleuten, Multimillionären und pensionierten Kriegsgurgeln jetzt das mächtigste Land der Welt regiert.

Vor und nach den Nachrichten aus Kubas Welt strahlt das Fernsehen jeweils beschauliche Aufnahmen aus von Landschaften, Plattenbausiedlungen, Wasserreservoirs und anderen unbekannten Sehenswürdigkeiten des Landes, begleitet von besinnlicher Streichmusik. Die gedruckten Nachrichten enden profaner. Als Toilettenpapier.

8 Kommentare zu «Trump ist in Kuba eine Kurznachricht»

  • Wolfgang Fischer sagt:

    Ich lese gelegentlich die Zeitschrift „Periodico Victoria“ der Isla de la Juventud, man findet sie im Netz. Diese Zeitung uebt sehr wohl konstruktive Kritik, und macht Vorschalege, z.B. zur Verbesserung des oeffentlichen Transports, des Wohnungsbaus, und auch heikle Themen, welche z.B. Jugendliche betreffen, werden beleuchtet.
    Was US Praesidenten betrifft, so ignoriert dieser Artikel z.B. die enorme Aufmerksamkeit, welche Obamas Besuch geschenkt wurde; auch dessen Reden wurden (mit spanischer Uebersetzung) direkt uebetragen.
    Ueber Trump steht eher wenig, das stimmt, und es ist ein wohltuender Gegenpol zu Medien mit Schlagzeilen wie: „Trumps Sohn nahms ganz locker“,
    „Die Frau, die sich um Trumps Zahnpasta kümmert…“ (beides Zitate aus dem Tagi).

  • Albert Fiechter sagt:

    Dem Herr Alba ist zu wuenschen, dass er weiterhin ueber die eklatanten Zustaende in diesem Land berichten kann und nicht irgendeinmal als Persona non grata (weil er es wagt, die Wahrheit zu sagen) ausgewiesen wird. Der Staat koennte es sich sparen, die als Klopapier benutzten Zeitungen ueberhaupt zu drucken; sie wuerden auch so ihren Dienst erfuellen.

  • Florian Müller sagt:

    Von Trump wird seit Jahrzehnten jeder F…. berichtet, was auch ein Grund für seine Wahl ist. Und nun sind die Schweizer Medien auf diesen Zug aufgesprungen, wie wenn es nicht wichtigeres gäbe. Natürlich wird er in hoffentlich weniger als 4 Jahren die Welt verändern, wir könnten aber bereits beginnen, eine Welt nach Trump aufzubauen. Zwei Worte: Resist und Vernetzen.

  • Albert Muri sagt:

    Wie erholsam das sein muss, wenn sowohl Schreiber als auch Leser gar nicht erst so tun als ob es eine Wahrheit bzw. keine Interessen hinter dem Pressgeschäft gäbe.

  • Monique Schweizer sagt:

    Eigentlich die beste Strategie gegen Trump – wenn man ihn einfach ignorieren und totschweigen würde, das würde diesen Narzisten am meisten kränken!

  • Sandra Studer sagt:

    Warum wird eigentlich immer so despektierlich über Kuba geschrieben? Das ist doch genau so ideologisch wie das, was man Kuba vorwirft. Immerhin hat sich Kuba in 50 Jahren Sanktionen erstaunlich gut geschlagen. Während der Rest der Welt vor den USA kuscht und jeden, aber auch wirklich jeden Quatsch von dort nachahmt, machen die Kubaner eben ihr eigenes Ding. Wäre Fidel nicht gewesen, wäre Kuba eine Drogen- und Prostitutionshölle und Billiglohnland für die Amis. Ich habe jedenfalls sehr grosse Sympathie für dieses Volk und hoffe, dass sie sich ihre Einzigartigkeit bewahren können.

    • Peter Aletsch sagt:

      Nein, Kuba wäre in unserer gesitteteren Zeit ein mittelentwickeltes friedliches Land etwa wie Costa Rica. Dort sind neben einigen Schweizern auch viele Amis (etwas Prostitution gibt es dort, sie ist dort erlaubt und wird altersmässig kontrolliert). Eine Amerikanerin hat mich einmal im Hotel ausfindig gemacht, als ich die Kreditkarte am Strand verloren hatte.

  • Anabel Santos sagt:

    Ach, Herr Alba, natürlich ist Zeitunglesen in Kuba starker zensurierter Tobak, aber wie fast immer ist die Wirklichkeit mehrdimensionaler: es gibt in Kuba neben den offiziellen Zeitungen diverse alternative Kanäle, über die man sich informieren kann, was auch rege getan wird (und das wissen Sie). Und immerhin ist die Berichterstattung in Kuba transparent: alle wissen, dass zensuriert wird. Welche Interessen hinter unserer gehypten, hyperventilierenden Berichterstattung stehen, welche subtile Form der Zensur ausgeübt wird und wie der Informationsfluss gelenkt wird, ist bei uns komplett intransparent. Welche Nachricht schafft es in die Zeitungen und Newsportale? Und warum? Weshalb werden unsere Sinne durch Unmengen an“ Informationen“ über z.B. Kardashian getrübt?

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