Amerikas krassester Bürgermeisterkandidat

(Bild: Joe Morrissey)

Politische Provokation: Joe Morrissey und seine Frau Myrna posieren in Kostümen aus dem alten Virginia. (Bild: Joe Morrissey)

Im November wird nicht nur der Präsident gewählt. Abgeordnete, Senatoren, Richter, Bürgermeister, Stadträte: Alle werden gewählt. Wahltheater findet also überall statt, von der Pampa in den Dakotas bis zu den Trailerparks in Georgia. In der Provinz wird kein grosses Theater geboten, eher schon gibt es Possen und Operetten, Telenovelas und seichtes Entertainment auf niedrigem Niveau.

Mit einer Ausnahme allerdings: Bei der Bürgermeisterwahl in Richmond, einst die Hauptstadt der konföderierten Südstaaten, jetzt nur noch Kapitale des Staats Virginia, bewirbt sich ein Demokrat namens Joe Morrissey. Trump ist ein Amateur im Vergleich zu «Sextin’ Joe», wie Morrissey genannt wird. Trump war dreimal verheiratet, Joe ist frisch zum ersten Mal verheiratet. Allerdings hat der 59-jährige Anwalt drei erwachsene Kinder von drei Frauen.

Hansdampf in allen Gassen

Ausserdem hat Joe zwei kleine Kinder mit seiner 20-jährigen Frau Myrna. Joe ist ein Hansdampf in allen Gassen. Er ist Anwalt, fiel durch mehrere Schlägereien auf, war Abgeordneter im Staatsparlament, wo er bei einer Debatte über Schusswaffenkontrolle mit einer AK-47 auftauchte. Das allein hätte ausgereicht, um ihn für den Job des Bürgermeisters von Richmond zu disqualifizieren.

(Keystone)

Bürgermeisterkandidat Morrissey und seine Frau Myrna. (Keystone)

Doch es kam noch dicker: Für seine Kanzlei heuerte Joe als Empfangsdame eine 17-jährige Afroamerikanerin an. Ihr Name war Myrna Warren. Sie ist klug und hübsch. Bald bahnte sich etwas an zwischen Joe und Myrna. Joe schickte sogar Nacktfotos von Myrna an einen Freund und gab an, er habe Sex mit Myrna gehabt. Weil Myrna noch keine 18 war, verstiess der Sex gegen die Gesetze.

Man buchtete Joe ein, obschon er sich damit verteidigte, ein Hacker habe die Nacktfotos verbreitet. Überdies habe er mit dem Geschlechtsverkehr zugewartet, bis Myrna 18 gewesen sei. Es half nichts: Joe verbrachte die Nächte im Jail, die Tage im Staatsparlament. Im Juni heiratete er Myrna. Zuvor sorgte er für einen weiteren Skandal, als er sich und seine Liebste samt Baby in Kostümen aus dem alten Virginia ablichten liess. Er sehe aus wie ein Plantagenbesitzer, sie wie seine Sklavin, heulten die Kritiker.

Richmonds Afroamerikaner mögen «Sextin’ Joe»

Joe hingegen möchte nochmals so ein Foto machen. «Wir lieben das!», sagte er der «Washington Post». Das weisse Establishment in Richmond ist zutiefst geschockt. Hillarys Vize Tim Kaine war mal Bürgermeister der Stadt! Jetzt aber führt Joe das Kandidatenfeld an, weil Richmonds Afroamerikaner ihn mögen. Ungefähr die Hälfte der Wählerschaft ist schwarz. Joe hat sich immer für sie eingesetzt. Myrna steht voll hinter ihm und kritisierte Joes Feinde, «die meinen Namen wie eine Waffe auf meinen Ehemann werfen».

Der hat sogar versprochen, nach einem Wahlsieg das Denkmal für den konföderierten Bürgerkriegspräsidenten Jefferson Davis abreissen zu lassen. Das wäre ungefähr so, als wenn das Telldenkmal in Altdorf abgerissen würde. Natürlich war Tell nicht ein Sklavenhalter wie Jefferson Davis.

Kandidat Joe glaubt, dass er der Stadt als Bürgermeister Glamour verleihen werde. Repräsentierten er und Myrna Richmond, «werden die Leute sagen: ‹Was für eine coole Stadt›, und sie werden massenweise in diese Stadt strömen». Sogar Trump sieht dagegen spiessig aus. Nicht einmal er reicht an «Sextin’ Joe» heran.