Wie angesagt ist der Quickie?

Von Kopf bis Fuss

Spontaner Sex kann für Männer und Frauen bereichernd sein. Foto: Raisa Durandi

Ich frage mich, ob es viele Menschen gibt, die auf einen Quickie stehen. Was sagt die Wissenschaft dazu?

Als Quickie bezeichnet man Sex, der nur ein paar Minuten dauert. Er wird oft als prickelndes erotisches Abenteuer angesehen, da er sich meist sehr spontan ergibt und an unkonventionellen Orten stattfindet. Denn Quickies passieren dort, wo die Lust beide Partner überkommt. Besonders beliebt scheinen dabei das Auto, Pools, Aufzüge oder öffentliche Toiletten zu sein. Oft läuft der Quickie nicht anders ab als der gewohnte, etwas längere Geschlechtsverkehr, doch fällt das Vorspiel weg oder wird durch Flirten oder Dirty Talk ersetzt.

Danach geht es mehr oder weniger darum, schnell zum Höhepunkt zu kommen und sich der angestauten sexuellen Spannung zu entladen. Der Quickie geniesst bei den Männern einen besseren Ruf als bei Frauen, denn mit einer durchschnittlich langsameren Erregbarkeit erleben Letztere den Quickie oft als unbefriedigende Blitzattacke. Laut einer deutschen Online-Umfrage sind 92 Prozent der Männer im Vergleich zu 56 Prozent der Frauen dem Quickie nicht abgeneigt.

Aufregend und gesund

Dabei gibt es auch für Frauen gute Gründe, dem schnellen Sex zu frönen. Ein spontanes erotisches Aufeinandertreffen kann frischen Wind ins Sexleben bringen. Oft «fehlt» in langjährigen Beziehungen die Zeit für ein ausgiebiges Schäferstündchen. Das birgt die Gefahr, dass das Liebesleben längerfristig einschläft. Hier kann der Quickie helfen, wieder regelmässig Intimität herzustellen, dem Alltagstrott ein wenig zu entfliehen und gewohnte Strukturen zu durchbrechen. Das tut auch der Gesundheit gut, indem es den Kreislauf anregt, zur Ausschüttung von Glückshormonen führt und so Stress reduzieren kann.

Der Umstand, dass ein Quickie oft an etwas ausgefalleneren Orten stattfindet, kann zudem für Nervenkitzel und unvergessliche Abenteuer sorgen, welche beide Partner enger zusammenbringt. Denn nur weil ein Quickie weniger Zeit in Anspruch nimmt, heisst das nicht, dass dabei auch die Qualität leiden muss. Im Gegenteil. Durch die starke Erregung entlädt sich die angestaute Spannung oft leidenschaftlicher als beim geplanten, lang gezogenen Liebesakt. Denn hier läuft man schon mal Gefahr, dass frustrierend lange «rumgedoktert» wird. Und tatsächlich korreliert eine lange Dauer nicht unbedingt mit gutem Sex, wie amerikanische Wissenschaftler in einer gross angelegten Studie bereits 2008 nachgewiesen haben.

Einfach mal probieren

Dabei bewertete die Mehrheit der Befragten eine Liebesspieldauer von drei bis sieben Minuten als ausreichend und eine von sieben bis 13 Minuten als wünschenswert. 13 bis 30 Minuten wiederum wurden überwiegend als zu lang angesehen. Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass Wunsch und Wirklichkeit oft auseinanderklaffen und räumen mit dem gesellschaftlichen Mythos des stundenlangen Liebesspiels auf. Solche Stereotypen sexueller Ideale, ähnlich der Notwendigkeit eines «Riesenpenis mit steinharter Erektion» zur weiblichen sexuellen Befriedigung, haben nämlich mit der Realität oft nur wenig zu tun. Enttäuschungen und Frustration sind da vorprogrammiert und wirken sich wiederum negativ auf die Zufriedenheit in der Beziehung aus.

So gilt auch beim Quickie: Probieren geht manchmal über studieren. Danach kann man immer noch entscheiden, ob man den Quickie in das gemeinsame Sexualleben einbauen möchte oder nicht.

Sexualwissenschaftlerin Andrea Burri beantwortet einmal wöchentlich eine Leserfrage zum Thema Sexualität und Liebe. Diese wird vertraulich behandelt und ohne Namensnennung publiziert. Schreiben Sie uns an sexologisch@tages-anzeiger.ch.

20 Kommentare zu «Wie angesagt ist der Quickie?»

  • Anh Toàn sagt:

    Für einen Quickie bleibt auch Zeit, seit unser Kleiner auf der Welt ist, und da selbst dafür die Abstände sich dehnen, wäre doch schade zu riskieren, dass bereits ein intensives Vorspiel zum Endspiel wird.
    Nina Hagen hat es so schön schmutzig gesagt: „Wenn du scharf bist, musst du ran geh’n.“

    • Anh Toàn sagt:

      Wenn ich darüber nachdenke, komme ich zum Schluss, dass ein Quikie lediglich das Endspiel eines raffinierten Vorspiels ist. Ein Vorspiel aus schmutzigem Reden, Blicken, Andeutungen, Berührungen und Lockungen das sich über einen Abend, einen Tag oder gar eine Woche erstrecken kann. Bis die Spannung soweit aufgebaut wurde, dass sie sich in einer so heftigen wie kurzen Rammelei entladen muss.

  • Max Blatter sagt:

    Quickie? Die Quizsendung beim mdr-Fernsehen?

  • Zora sagt:

    Biologie hin oder her – Sexualität braucht Abwechslung, damits spannend bleibt. Da ist ein Quickie zwischendurch doch erfrischend, insbesondere auch für Paare. Tipp an Frauen: dann einen Quickie initiieren, wenn die Lust eh schon da ist… wegen Erregungskurve und so.

  • Martina sagt:

    Die Autorin ist Trägerin des Satire-Preises 2017 der schweizerischen psychologischen Gesellschaft. Zurecht.

  • Zufferey Marcel sagt:

    „(…) Dabei bewertete die Mehrheit der Befragten eine Liebesspieldauer von drei bis sieben Minuten als ausreichend und eine von sieben bis 13 Minuten als wünschenswert. 13 bis 30 Minuten wiederum wurden überwiegend als zu lang angesehen.“

    Schön, dass man mal auch etwas darüber erfährt, was gemeinhin als zu lang empfunden wird! Die Frage nach der Intensität des Aktes steht freilich nicht zur Debatte. Das entspricht haargenau unserem materialistischen, oberflächlichen Zeitgeist: Dauer und Zahl der Akte- nur was klar messbar ist, wird bewertet. Das wirkt irgendwie armselig, sorry.

  • raton lavor sagt:

    Dsr Quickie ist vor allem für meinen Parasiten attraktiv, der sich so hervorragend verbreiten kann.

  • Marek sagt:

    Und die ganze Stopp AIDA Kampagne ist am Arsch… Uter Quicki verstehen doch die meisten den schnellen Sex mit einer Fremden…

    • Carolina sagt:

      Was haben Sie gegen Kreuzfahrtschiffe?

    • Christoph Bögli sagt:

      Seit wann ist es verboten, bei einem „Quickie“ oder generell „schnellem Sex mit Fremden“ Kondome zu benutzen? Ich würde eher behaupten, dass bei solchen Sexualkontakten die Bereitschaft, sich zu schützen, wesentlich stärker ist (und die Übertragungsgefahr bei einmaligem Verkehr zudem relativ gering ist). Die wesentlich grösseren Ansteckungsherde sind da Affären und Beziehungen, bei denen viele zu schnell meinen, es ginge ja jetzt ohne, obwohl weder der Gesundheitsstatus abgeklärt wurde noch zwangsweise Treue herrscht..

    • Ron Meier sagt:

      Unter die Meisten verstehen Sie offenbar fast ausschliesslich die Männer.. weil unter ’schnellen Sex mit einer Fremden…‘ wohl nur Frauen gemeint sind. Sie meinen also ein Quickie wird mehrheitlich von Männern initiiert und Frauen sind die willfährigen fremden Statisten?!

  • Alter Hase sagt:

    Die Photos finde ich manchmal fast so gut wie die Textbeiträge :-))

  • Carl sagt:

    logisch dass der quickie für den Mann viel interessanter ist. Evolution lässt grüssen.
    So kann ich viel effizienter meine Spermien möglichst breit in der Weltgeschichte streuen und verschwende keine unnötige Zeit….
    Für die Frau macht es wenig Sinn, denn sie muss sich ja sehr genau überlegen ob und mit wem sie sich einlässt…. kann ja längst nicht so viele Nachkommen erzeugen wie er

    • tina sagt:

      quickies eignen sich doch super für morgens, wenn man nicht so viel zeit hat, oder wenn man abends zu müde ist eigentlich. also durchaus mit dem festen partner und ohne die absicht ein kind zu zeugen

    • Christoph Bögli sagt:

      Es schmerzt immer, wenn Leute irgendwas mit „Evolution“ begründen wollen, die von evolutionärer Biologie offensichtlich keine Ahnung haben und lediglich ihre selbstgestrickten Vorurteile zum Besten zu geben.

      Solche ah hoc-„Erklärungen“ lassen sich natürlich auch für die weibliche Seite konstruieren. „Quickies“ sind z.B.. für Frauen in der fruchtbaren Phase von Vorteil, da eine rasche Frequenz die Chancen einer Befruchtung erhöht. In der unfruchtbaren Phase kann solches Sexualverhalten nützlich sein um potentielle Partner möglichst effizient zu „testen“ oder zu binden. Und da der Mann zudem nicht sieht, in welcher Phase die Frau ist, lässt sich durch viele Quickies mit verschiedenen Partnern bei allen der Eindruck wecken, sie wären der Vater..

      • Christoph Bögli sagt:

        Auf der anderen Seite sind kurze Sexualkontakte für männliche Organismen eher von Nachteil, da dadurch mehr Zeit für andere in der fruchtbaren Phase bleibt. Aus genau diesem Grund gibt es bei vielen Lebewesen ausgeprägte Versuche, das Weibchen möglichst dauerhaft zu „besetzen“ damit eine exklusive Befruchtung sichergestellt werden. Bei manchen Insektenarten etwa haben sich sogar eigens dafür Penisse mit Wiederhaken entwickelt. Die Hypothese, dass „Quickies“ für Männer per se vorteilhafter wären, lässt sich alleine darum so nicht halten.

      • Sofia Baffo sagt:

        @Bögli: Sehr interessant, was Sie da schreiben, danke!

Kommentar

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