Die verlogene Welt der Kayla Itsines

Von Kopf bis Fuss

Kayla Itsines ist die Fitnesskönigin der sozialen Medien. Foto: Kayla Itsines/Facebook

Sie heissen Christmas Abbott, Amanda Bisk, Emily Skye oder Lauren Fisher – gut trainierte, sexy Damen, die auf Facebook, Twitter und vor allem auf Instagram Tausende Jüngerinnen haben. Dem Zeitgeist entsprechend haben sie einen dünnen Körper mit muskulösen Betonungen von Bauch und Oberarmen. Sie posten täglich Fitnessübungen, tolle Ernährungstipps und natürlich viele selbstverliebte Fotos.

Was die Zahl der Fans angeht, stellt Kayla Itsines zurzeit alle in den Schatten. Der 25-jährigen Australierin und Personaltrainerin folgen allein auf Instagram 6,3 Millionen Menschen, vorzugsweise Frauen (Roger Federer hat 2,8 Millionen Follower). Zusammen mit den Anhängerinnen auf Facebook und Twitter kommt Kayla auf 17 Millionen. Die Medien sprechen vom Kayla-Movement. Es gibt Kayla-Sportflaschen, -Springseile, -Apps und -E-Books, die sich wie blöd verkaufen. Geködert werden die Käuferinnen bei Gratis-Workouts. Was Kayla Itsines zur Multimillionärin gemacht hat.

In Kürze erscheint ihr Buch «28 Tage zum Bikini-Body» auf Deutsch. Es handelt sich um einen Ernährungs- und Lifestyle-Ratgeber. Was an Itsines’ Tipps neu sein soll, ist völlig rätselhaft – sie verkauft alten Wein in neuen Schläuchen. Seitenlang referiert sie im Buch über gesundes Gemüse, über Nüsse und Superfood und gibt den Rat, möglichst «farbig» zu essen. Kern des Buches ist ein durchgetakteter Ernährungsplan für 28 Tage mit Rezepten, die man tausendfach gesehen hat (Knäckebrot mit Ei und Gurken). Zur Belohnung gibts dann «Cheat-Day» – einen Tag, an dem man einmal etwas Ungesundes geniessen darf. Auch das ist nichts Neues. Das Motto über allem: «Ausgeglichen, flexibel, unkompliziert.» Dazwischen sieht man sie auf vielen bunten Motivationsbildern, wie sie in ultrakurzen Shorts und mit bauchfreiem Shirt mit Früchten und Gemüse jongliert.

Die Sache mit den Vorher-Nachher-Fotos

Ihre Leitsätze, um das Programm durchzuziehen, sind ziemlich widersprüchlich: «Wenn du mit dir und deinem Körper zufrieden bist, dann hast du einen Bikini-Body.» Warum also ihren Ernährungsplan durchziehen? Aber schon folgt ein Satz, der einen unter Druck setzt: «Nicht zu planen, bedeutet, seinen Misserfolg zu planen.»

Vorher-Nachher-Bild auf Kayla Itsines’ Instagram-Seite. (Foto: Instagram)

Mit einer Kombination aus ihrem Ernährungsplan sowie Cardio- und Kraftübungen, so Itsines, soll man bald zum Superbody kommen. Den gibt es offenbar – und da beginnt Itsines’ Trick: Ihre Fans posten auf Kayla Itisnes’ Instagram-Account freiwillig Vorher-Nachher-Fotos. Ein übergewichtiges Entlein nach dem anderen verwandelt sich in eine Sportskanone. Wann das geschehen ist und wie lange dieser Körper hält, weiss man natürlich nicht. Gerne zeigen die Jüngerinnen unter #deathwithkayla auf Instagram, wie erschöpft und glücklich sie nach dem Training aussehen. Viele Frauen der Vorher-Nachher-Fotos betonen, dass sie ein bis zwei Kinder haben. Umso eindrucksvoller kommt ihr flacher Bauch daher.

Die Selfies der «Kayla-Soldatinnen» sorgen immer wieder einmal für Kontroversen. Mit der richtigen Beleuchtung und Position lässt sich manches Körperbild faken – das wissen nicht nur Fotografen. Auch kann man nicht ausschliessen, dass die Frauen ihre Bilder teilweise bearbeitet haben. Filter und Bearbeitungsprogramme sind ja der Kern von Instagram. Selbst wenn jede Frau dieser Welt Kayla folgte: Nur wenige haben überhaupt die genetische Veranlagung, so schnell Muskeln aufzubauen. Mit dem Kayla-Movement scheint es ein wenig wie mit Trump zu sein: Sie findet genug Deppen, die ihr folgen.