Unanständig tolle Kurven

 

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Für zwei US-Sender war ein TV-Spot für Unterwäsche mit dem Model Ashley Graham und drei seiner Kolleginnen zu «unanständig». Er wurde nicht ausgestrahlt. Foto: Ashley Graham (Instagram)

Vor kurzem wurde publik, dass die amerikanischen Fernsehsender ABC und NBC einen Werbespot des Labels Lane Bryant von der Mattscheibe verbannt haben. Die Begründung: Das Filmchen sei nicht «anständig» genug. Vier Frauen zeigten sich darin leicht bekleidet in einem Werbespot – so what?

Die vier Frauen, die in lasziven Posen posierten, waren allerdings keine der üblichen Size-Zero-Girls, sonst hätte es sicher keine Zensur gegeben. Doch die fülligen Plus-Size-Models Ashley Graham, Tara Lynn, Denise Bidot und Georgia Pratt erregten den Unmut der TV-Bosse.

Vor allem Graham wird zurzeit medial enorm gepusht. Sie zierte vor kurzem das Cover der legendären Swimsuit-Ausgabe von «Sports Illustrated». Die Presse jubelte: Hurra, die vollen Frauen sind da! Endlich verabschiedet sich diese Gesellschaft vom anorektischen Hungerhakenideal der 90er-Jahre. Und frohlockte weiter: Es leben Frauen mit Kurven! Mit Speck auf den Hüften, einem ausladenden Busen oder sogar einem richtigen Hintern. Wurde hier wirklich ein neuer Trend geboren?

Nein! Frauen mit Kurven sind in der Mode genauso selten wie Grauhaarige auf dem Laufsteg. Zwar tut die Modewelt zurzeit so, als wäre ein Zeitalter der Toleranz angebrochen, Dicke, Alte, Transgender oder Models mit körperlichen und psychischen Behinderungen werden gefeiert wie Stars, aber dienen doch nur dazu, mehr Aufmerksamkeit zu erzielen.

Denn wenn es um den Alltag, in diesem Falle um einen simplen TV-Spot geht, dann ist fertig mit der Toleranz. Und das in einem Land wie den USA, das, wie ein internationales Team aus über 700 Wissenschaftlern im medizinischen Fachjournal «The Lancet» schreibt, nach wie vor den Spitzenplatz in Sachen Übergewicht innehat.

Fazit: Wer also die Realität abbildet, ist unanständig. Und ich stelle mir die Frage: Wie würde wohl unser Staatsfernsehen auf einen solchen Spot reagieren? Hier das zensurierte Stück – unzensuriert:

Plus-Size-Models: Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag «Die Ausnahmeerscheinung» über Robyn Lawley.

22 Kommentare zu «Unanständig tolle Kurven»

  • Martin sagt:

    Die Frau, die auf dem Sofa liegt, hat ein schönes Gesicht, aber ich finde sie zu dick. Ich sage immer so: Eine Frau sollte einen flachen Bauch haben und man darf die Rippen nicht sehen. So sieht für mich eine „normale“ Frau aus. Aber man kann nicht alles in einen Topf werfen, da es verschiedene Körpertypen auch bei Frauen gibt. Die einen sind eher zierlich gebaut, die anderen etwas kräftiger. Ach ja und noch was: Meiner Erfahrung nach, sind hübsche, schlanke Frauen nicht immer arrogant. Meistens sind sie sogar die angenehmere Gesellschaft als die dicken, runden. Wieso? Keine Ahnung.

  • Martin Künzle sagt:

    Auch ich finde die abgemagerten Hungermodels schrecklich, aber deswegen gefallen mir nicht gleich Frauen mit solchen massigen Fettrollen.
    Ich mag es, wenn Frauen Kurvem haben! Dies bezieht sich jedoch auf Kurven, welche die Weiblichkeit betonen – also eine Figur mit Talie und wohlgeformtem Hintern und Busen. Eine Figur in welcher vor lauter Fettrollen die Talie weg ist und alles nur noch nach riesigem Fettkuchen aussieht, hat keine erotische Ausstrahlung mehr. Wir Männer sind halt auch visuell sehr erregbar. Eine Frau, bei welcher die genitalen Bereiche durch Fettansamlungen völlig verdeckt sind, ist einfach gar nicht sexy. Fettkurven können auch Männer haben und auch bei Männern kann Genitalbereich weitgehend durch Fett verdeckt sein. Auch das ist nicht sexy. Es ist sogar gruusig.

    • Lara sagt:

      Also bei den drei Damen ist nichts „durch Fettansammlungen verdeckt“, und ich sehe auch eine ganz deutliche Taille. Die Ladies haben Übergewicht, aber optimal verteilt, was eben die Crux der Sache ist – ich habe „normalgewichtige“ Freundinnen, welche weniger weibliche Formen als die Damen im Video haben, dünne Beine, kein Füdli aber dafür eine kleine Wampe. Ich sehe auch wie die Videofrauen aus, und erfahre kein mangelndes Interesse seitens der Männer, jedenfalls nicht, wenn es um Lust geht. Für eine Beziehung solls dann aber lieber doch eine schlanke Frau sein, wobei meist nach ein paar Monaten wieder eine anzügliche Nachricht vom Liierten kommt. Finde ich echt traurig und rückgratlos. Man sollte ehrlich seinen Präferenzen folgen, ob zierlich oder stattlich.

      • Mara Kant sagt:

        Vielen Dank für Ihre Worte – Sie haben in Ihrem Kommentar ausgedrückt, was ich empfinde… Mein Umfeld bezeichnet mich als muskulös, sehr schlank, aber robust… ich hätte sehr gerne eine solch weibliche Figur, weil diese eben die weiblichkeit unterstreicht, auf natürliche Art. Meinem Empfinden nach können diese Frauen sehr stolz sein auf ihren Körper, den sie tragen den Schatz der natürlichen Weiblichkeit in sich…

  • Hanspeter Müller sagt:

    Jetzt kommen wieder all die Kommentare, die betonen wie ungesund Uebergewicht ist.Völlig neben der medizinischen Realität vorbei. BMI ist sowas von out, den braucht niemand wirklich mehr.Mit dem schädlichen Bauchfett ist nicht der Schwimmreifen aussenrum gemeint, sondern das im Bauchraum um die inneren Organe herum.Sieht man typischerweise bei den straffen Bierbäuchen;aussenrum schön straff und innen prall gefüllt. Und wenn wir schon dabei sind: Adipositas allein ist nicht schädlich. Prinzipiell sind fitte Dicke viel gesünder als schlaffe Schlanke. Die Aktivität und die Muskelmasse macht den Unterschied. Und alles Andere wie „attraktiv“ „schön“ „weiblich“ etc ist pur und einfach Geschmackssache. Das ist o.k., hat aber weder mit Fakten noch mit Gesundheit auch nur ansatzweise zu tun.

  • Max Weber sagt:

    Die Frau ist laut Steckbrief 175 cm gross und 91 kg schwer und damit an der Grenze zur Adipositas. Das ist weder gesund noch ästhetisch.

  • edith schmidt sagt:

    1. ich schliesse mich voll dem wunsch von therese lüthy an
    2. warum immer am text herummeckern.. kann einfach allen passieren schnell ein buchstabe mehr od weniger! also klappe halten!
    3. die amerikaner sind leider schon immer prüde gewesen.. hinten rum dann aber eher das gegenteil.. etwas unglaubwürdig…
    4. jeder mensch hat ein recht auf seine ,,form,, des lebens.. also wenn schon so viele gerne und noch intensiver schlank sein wollen ( was aber nicht gleichzeitig gesund und sportlich bedeuten muss) dann haben doch alle etwas runderen personen ( frauen wie männer) auch das recht ihre körperansichten auf intensive art zu verbreiten.. balance ist gefragt und
    5. für mich bitte immer! solche themen.. diskutieren ( nicht zu verwechseln mit schlecht kritisieren ) macht spass !! edith

  • Beatrice sagt:

    Hm, ich weiss nicht so recht was ich davon halten soll.

    Generell finde ich es toll, dass Magersucht nicht (mehr) glorifiziert werden soll. Aber Uebergewicht sollte dies genauso wenig.

    Ich finde die Frauen im Spot ehrlich gesagt nicht nur einfach weiblich sondern wirklich übergewichtig. Schön finde ich das nicht. Ich frage mich oft, ob diesen Damen wirklich so wohl ist in ihrer Haut. Ich selber war auch schon leicht übergewichtig (postnataler Babyspeck :-), ich hab mich nicht wohl gefühlt.

    Warum immer vom einen Extrem ins Andere? Normalgewichtig ist das Zauberwort in Bezug auf die Gesundheit. Aber mit einem ’normalen‘, gesunden, sportlichen Körper (nicht Muki-Fitness-6pack) lässt sich halt kein Geld verdienen. Es sind die Extreme die die Leute scheinbar faszinieren.

    • Eva Blum sagt:

      Liebe Beatrice
      Ich finde diese Frauen nicht im geringsten „wirklich übergewichtig“. Und sehr schön und erotisch.
      Genau wir Frauen haben da eine ziemlich verschobene Wahrnehmung und treiben uns gegenseitig in den dauerenden Diätenwahn. Vielleicht machen Sie sich mal schlau, wie frühere – und manchmal auch heutige – Maler die Frauen und zwar nie „Normalen“ dargestellt haben. Nämlich so wie auf diesen Foto.

      • Beatrice sagt:

        Liebe Eva, da muss ich mich nicht schlau machen. Ich kenne die Altmeister der Malerei.

        Aber wie schon gesagt; es ist halt Geschmacksache. Was ich erotisch finde, lasse ich mir nicht aufdiktieren. Nur weil man endlich erreicht hat, dass Dicke nicht diskriminiert werden und sogar noch Laufstegerfolge feiern, heisst das noch lange nicht, dass nun alle Frauen endlich Speckrollen kriegen sollen um den Bauch (was erwiesenenmassen sehr gesundheitsschädigend ist – das Bauchfett).

        Wie gesagt, ich finde weder das eine noch das andere Extrem anziehend. Ein bisschen Reserve in Form von Fettdepot hat sicher noch niemandem geschadet. Mir gefallen Frauen mit Six-Pack auch nicht. Aber unter Normalgewichtig verstehe ich etwas anderes.

      • Christoph Bögli sagt:

        Die Frauen sind wohl (noch?) nicht wirklich fettleibig, als übergewichtig qualifiziert das aber durchaus. Ob man das „schön“ findet oder nicht ist dafür eigentlich irrelevant, da Schönheitsideal subjektiv sind und sich ständig wandeln. Kommt hinzu, dass die meisten dieser Frauen noch unter 30 sind, wie sich das also bis ins reifere Alter entwickelt (und dann auch aussieht), ist eine andere Frage.

        Im übrigen, das Problem bei der Wahrnehmung besteht m.E. eher darin, dass einem in dem Kontext immer suggeriert wird, Frauen könnten entweder nur dysproportionale Fettbatzen oder abgemagerte Knochengerüste sein. Dabei gibt es jede Menge dazwischen, das sowohl deutlich besser aussieht als auch gesünder ist. Und dem eigentlich die meisten Frauen in meinem Umfeld entsprechen..

      • Ylene sagt:

        Als Frau finde ich diese Frauen auch zu dick, aber dafür wenigstens mit einem schönen Gesicht, Ausstrahlung u Lebensfreude. Die ‚regulären‘ Laufstegmodels finde ich viel, viel zu mager u vor allem so abgelöscht-depressiv. Ich finde beide Trends idiotisch. Warum gibt es keine Models mit Grössen von 36 bis 44 wie die riesige Mehrheit aller Frauen? Warum immer Size Zero (ca. 32) oder dann gleich ‚Richtige Frauen haben Kurven – u die müssen min. 90 kg sein‘?

  • N. Schenker sagt:

    Redaktion: Bildunterschrift „Ashley Graham und drei *ihrer* Kolleginnen…“

    • B. Baier sagt:

      „seiner“ bezieht sich wohl auf „Model“ (DAS Model und somit SEINE Kolleginnen)?

  • Don Max sagt:

    Schöne Frauen!
    Aber eben liebe Autorin, es sind Frauen!
    Seit wann ist Ashley Graham ein Mann?
    Dies sugeriert der einführende Satz „…dem Model Ashley Graham und drei SEINER Kolleginnen…“
    Sollte Ashley Graham so wie ich es einschätze eine Frau sein, müsste es natürlich „…dem Model Ashley Graham und drei IHRER Kolleginnen…“ heissen.

    • Pasquale Fischer sagt:

      Nein, Don Max, das „seiner“ in der obigen Bildunterschrift bezieht sich auf „das Model“ und nicht den Namen Ashley Graham. Grammatikalisch richtig ist „DAS Model und SEINE Kolleginnen“.

    • Silvia Aeschbach sagt:

      Lieber Don Max, da ist uns tatsächlich ein Fehler unterlaufen! Danke!

  • hugobarth sagt:

    typisch Feministin: werden leichtbekleidete Frauen abgebildet, ist dies ein Zeichen für das frauenunterdrückende Partriarchat und sexistisch. Wenn Frauen nicht abgebildet ebenso. Immer die gleiche Platte. Wie langweilig. Und wie vorhersehbar

  • Therese Lüthi sagt:

    Wow….was für schöne Frauen!!! bitte noch mehr davon…

  • Heiri Müller sagt:

    …drückt den Girls eine Gun in die Hand und der Spot wird problemlos ausgestrahlt…

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