Eine Zürcher Wohngeschichte

Das junge Architektenpaar Stephan Jack und Miriam Keller wohnt mit seiner kleinen Tochter in einer der neuen hellen Wohnungen im frisch umgebauten Freilagerareal.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Zum ersten Mal gesehen haben Miriam Keller und Stephan Jack ihre Wohnung bei der Schlüsselübergabe. Zum Glück sind beide Architekten und konnten sich das neue Zuhause gut nach den Plänen vorstellen. Denn ab Plan haben sie sich für genau diese Wohnung entschieden. Wir besuchten die kleine Familie und fanden eine grosszügige helle Wohnung mit hohen Räumen, die mit viel Liebe zu gutem Design gemütlich und familientauglich eingerichtet wurde.   

Der Hauptraum der Wohnung bietet Platz zum Wohnen und Essen. Er ist auch Küche, Entree und Zugang zu allen anderen Zimmern und dem Balkon. Was das Architektenpaar so begeistert, sind die hohen Räume. Auch haben sie sich für diese Wohnung an der Marktgasse entschieden, weil sie eine Südlage hat und somit besonders sonnig und lichtdurchflutet ist. Mit einzelnen, ganz unterschiedlichen Möbeln richteten sie sich gemütlich und unkompliziert ein. Einige Stücke haben sie schon lange, andere liessen sie anpassen oder kauften sie neu für diese Wohnung. So ist etwa der Esszimmertisch ein Erbstück von dem Architekturprofessor, bei dem beide studierten. Den Slow Chair von den Bouroullec-Brüdern gönnten sie sich als Designstück. «Wir lieben neues Design, das zu einem zukünftigen Klassiker werden kann», erklärt Stephan Jack, der die Bouroullecs besonders mag.

Bei unserem Besuch war Miriam nur für die Porträtaufnahme zu Hause und musste dann wieder zurück zur Arbeit. Sie arbeitet als Architektin und Partnerin im Architekturbüro Fahrländer Scherrer, das sich neben dem Neu- und Umbau auch stark in der Denkmalpflege betätigt. Die beiden wechseln sich ab mit der Arbeit und Kinderbetreuung. Stephan hatte gerade seinen arbeitsfreien Tag, um Zeit mit Töchterchen Karla zu verbringen. Er arbeitet im Architekturbüro Metron, in das ihn sein Architekturprofessor geholt hat. In der grösseren Architekturfirma wird auch in den Bereichen Raumentwicklung, Städtebau, Verkehr, Landschaft und strategische Planung gearbeitet.

Ein wichtiger Teil der Wohnung, den beide Architekten schätzen, ist die moderne «Enfilade» der Raumplanung. Der Ausdruck kommt vom barocken Wohnungsbau und bedeutet, dass man von einem Zimmer ins andere gelangt. Hier ist es so, dass man von einem Zimmer, nämlich dem Hauptraum, in alle anderen Räume gelangt. Wenn alle Türen offen sind, wirkt die Wohnung noch grösser und luftiger. «Schade bloss, dass nicht grössere Flügeltüren anstelle der einfachen Türen eingesetzt wurden, aber das war wahrscheinlich eine Budgetfrage», meint Stephan. Auf diesem Bild wird der Blick in Karlas Kinderzimmer frei.

Nach dem Diplom leistete sich Stephan dieses Bücherregal von Axel Kufus. Beim raffinierten System werden Tablare und Seitenwände mit Aluminiumschienen verbunden. Das Regal kann so jederzeit erweitert werden. Das ist geschehen, damit es nun genau an diese Wand hinter dem im Raum stehenden Sofa passt. 

Karlas kleines Reich ist gross, das nicht zuletzt dank der Höhe des Raums. So kann auch das Bett ein bisschen höher sein, was besonders Spass macht, da es so auch gleich noch eine kleine Hütte ist.

Vielleicht führen das kleine Regal in Hausform und die schlichte Puppenstube auch einmal zu Liebe zur Architektur; derzeit steht allerdings noch eher das Praktische dieser Spielecke im Vordergrund. 

Einmal rundherum: Die Säulen in der Wohnung können auch noch anderes als bloss stützen.

Das schlichte weisse Wandregal ist eine andere Designliebe der beiden, die sie sich aber erst spät leisten konnten. Auch dieses Regal haben sie für die neue Wohnung um zwei Elemente erweitert. 

«Wir sind natürlich noch nicht fertig eingerichtet» erklären uns die beiden, als sie mich nach dem Eintreten durch die Wohnung führen. Rita Palanikumar, die Sweet-Home-Fotografin, kannte die Wohnung schon, da sie als Fotografin am Buch «Freilager Zürich», welches das ganze Projekt dokumentiert, mitgemacht hat. «Dort, wo jetzt Karlas kleine Küche steht, kommt dann mal noch ein Regal hin, und das eine oder andere wird sich ändern», so Miriam. Aber das ist es, was lebendiges Wohnen ausmacht: dass die Einrichtung sich dem Leben anpasst. Interessant ist auch, dass alles in der Wohnung ist, auch Abstellräume und Waschküche. Es gibt keinen Estrich oder Keller. 

Im Entree ist ein anderes kleines Designstück von Ronan und Erwan Bouroullec, nämlich ein Element des Wandregals Corniches.

Ein Blick ins Arbeitszimmer zeigt einen flexiblen Arbeitstisch auf Rollen und Sonnenlicht, das durch die südlichen Fenster hereinscheint.

Wie in vielen Wohnungen ist das Arbeitszimmer auch der Ort für unterschiedliche Dinge und Gästezimmer.

Überall in der Wohnung stehen Blumen. Diese sind vom Blumenladen, der auf dem Areal ist. «Wir kaufen möglichst oft Blumen dort und haben auch einige Vasen von da. Wir hoffen, dass er bestehen bleibt, denn in einem Areal, auch wenn es ein grosses ist, ist die Laufkundschaft halt begrenzt», so Stephan.

Im Schlafzimmer bedeckt die neue Tupfenwäsche von Ikea das formschöne Holzbett von Zeitraum. Andere Möbel sind ein Sessel, eine Kommode und ein grosser Spiegel. Teppich und Wäschekorb zeigen edle geometrische Muster.

Karla geniesst es, uns die Wohnung zu zeigen und die Möbelstücke und Accessoires zu erklären.

Zurück zum Tisch. Er ist ein Erbstück und zeigt einen blauen Anstrich auf der Tischplatte. Sein langes Leben macht ihn interessant und wertvoll, ist doch ein grosser Tisch das Herzstück einer Wohnung. Dieser Tisch begleitete nicht nur Miriam und Stephan durch ihr bisheriges Wohnleben, sondern er stand schon in der Studentenbude ihres gemeinsamen Schweizer Architekturprofessors. Die Essecke bekommt Tiefe und Wohnlichkeit durch das dunkle offene Regal. Darauf steht unter anderem eine raffinierte Vase aus dem Blumenladen des Areals, die origamiartiges Einstellen von Blumen ermöglicht. Die Lampe, die freundlich über dem Tisch baumelt, ist übrigens noch aus dem alten Zollfreilager. So bleibt ein kleines Stück Geschichte ein Teil der neuen Wohnung.

Der grosse runde Balkon ist eine Art grosses Vogelnest, das Outdoorleben auch in einer Stadtwohnung möglich macht. Die Sicht geht hinaus auf eine lebendige Schrebergartenanlage, die aber dann einer Schule mit Grünanlage weichen wird. Viel Grün und ein starkes Stück Natur bringt die grosse Zimmerpflanze in den Wohnraum.

Zum Schluss noch ein Foto des Aussenbereichs, welches Sweet-Home-Fotografin Rita Palanikumar für das Buch «Freilager Zürich» fotografiert hat. Es zeigt eine frische starke urbane Wohnungsarchitektur, bei der einiges vom alten Freilager geschickt miteingeflossen ist. 

Im Buch sind viele Fotos von Sweet-Home-Fotografin Rita Palanikumar zu entdecken. Da sind unterschiedliche Wohnungen, vor und nach dem Einzug, Bilder von den Menschen, die im Freilagerareal wohnen, die gerade einziehen, sich einrichten und zu wohnen beginnen. Hier ein Blick in die Wohnung, die wir in dieser Homestory besucht haben.

Das Buch «Freilager Zürich» ist im Verlag Park Books erschienen.

13 Kommentare zu «Eine Zürcher Wohngeschichte»

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.