Gute Architektur kann auch alt und einfach sein. Die Häuser der Unterengadiner Gemeinde Guarda sind schön, stattlich, stolz und einzigartig und bestechen mit kunstvollen, überraschenden Details. Lassen Sie sich von dieser kleinen Winterreise durch eines der schönsten Dörfer der Schweiz inspirieren.

Fernab vom grossen Ski- und Snowboardzirkus ist das wunderschöne Engadiner Dorf Guarda eine Reise wert für alle, die schöne Häuser und gemütliches Wohnen lieben. Die zum Teil uralten Engadiner Häuser zeigen interessante und wunderschöne Details. Überall ist Fassadenschmuck in Sgraffito-Technik und als Malereien zu entdecken. Ornamente, Dekorationen und Trompe-l’Oeil-Effekte unterstützen die Architektur. So sind Türen, Fenster, Erker und Ecken besonders betont. Das Resultat ist eine harmonische Mischung von Reduziertem und Filigranem.

Bei den Engadiner Häusern ist der Ausblick sehr wichtig. Ein entscheidender Moment im dörflichen Alltag war der Gang zum Dorfbrunnen. Dieser war streng geregelt, jeder hatte seinen Platz in der Reihenfolge. Um aber zu sehen, ob man denn nun an der Reihe ist, musste man auch Sicht auf den wichtigen Brunnenplatz haben. So gibt es bei jedem Haus einen kleinen Vorsprung mit Fensterchen, die nicht auf die Strasse gerichtet sind, sondern zum Brunnen. Auch Erker bieten diese Sicht. Hier zwei fantastische Erker, der eine schlicht und der andere ornamental verziert. Auf dem rechten Bild, aussen rechts, ist ein typischer kleiner Aussbau zu sehen mit kleinen Fensterchen, die Brunnensicht bieten.

Auch die Ziegen von Guarda haben eine tolle Aussicht auf das Dorfgeschehen und die Strasse – und das von einem exklusiven Balkonplatz aus. Dieser wunderschöne Ziegenstall bietet den Tieren Winterauslauf auf eine Terrasse. Auch der Holzstall ist mit Tannenzweigen und Ziegenglocken geschmückt.

Viele der Häuser, Brunnen und Ecken von Guarda sind durch das Kinderbuch Schellenursli weltbekannt. Der Schweizer Künstler Alois Carigiet hat die Geschichte der Autorin Selina Chönz illustriert und das Buch, das 1945 erstmals erschien, gehört bis heute zu den berühmtesten Bilderbüchern der Schweiz.

Diese stattliche Holztüre war Vorbild für die Haustür des Elternhauses von Schellenursli. Sehr schön kommen hier die verschiedenen Strukturen, Materialien und Muster zur Geltung: alt und doch modern in ihrer Klarheit und Schlichtheit.

Ein schöner Gegensatz zu den grossen, schlichten Steinhäusern sind die vielen filigranen Details. Oft sind Blumen, Blüten, Girlanden und Ranken mit Sgraffito-Technik als Fassadenschmuck eingekratzt. In den kleinen Fensterchen zeigen sich zauberhafte kleine Spitzenvorhänge und Rosetten, die in feinster Filettechnik in Handarbeit entstanden sind. Viele der Frauen im Dorf bieten solche textile Kunstwerke zum Kauf an.

Das Schöne an dem Dorf ist, dass man spürt, dass hier gelebt wird, es wirkt nicht museal oder herausgepützelt, sondern schlicht und einfach schön und echt. Viele der Fassaden sind jahrhundertealt und zeigen das lange Leben. Ein besonders schönes Beispiel ist dieses kleine, ein bisschen verlebte Prachtstück.

Eines meiner Lieblingshäuser ist dieses elegante, grosse Haus am Dorfausgang. Es ist nicht das typischste Engadiner Haus, aber eine raffinierte Mischung von Eleganz und Kargheit. Die Ornamente an den Häusern sind zum Teil dekorativ, haben aber oft auch eine symbolische Bedeutung. Es existieren vielerlei mystische Gestalten, die Häuser und Bewohner schützen. Auch Sprüche sind auf die Häuser geschrieben.

Die alten Häuser sind aus Stein gebaut und zeigen sich oft mit Bauch und Rundungen.

Das Dorf ist klein, aber so schön und verwinkelt, dass man immer wieder Neues entdecken kann. Die Gastfreundschaft des Hotel Meisser ist so liebevoll und persönlich, wie man es in einem Hotel nie erwarten würde. Die supergemütlichen und warmen Zimmer sind mit allem ausgestattet, was man sich in den Bergen wünscht, sogar einem guten, sportlichen Rucksack. Das Hotel hat eine lange Geschichte, ist in einem alten Bauernhaus und der wunderschöne Restaurant-Raum war einmal der Stall. Neben den Zimmern kann man auch in einer gemütlichen Stube mit brennendem Cheminée wohnen und sich ganz einfach zu Hause fühlen. Ein Muss ist auch die jeweils Freitagmorgen um halb zehn stattfindende interessante, persönliche und kompetente Dorfführung von Theresa. Sie erzählt von der Dorfgeschichte, den Häusern, ihren Bewohnern und den Tieren. Ausserdem lohnt sich auch die Polenta in der Usteria Crusch Alba und eine kleine Shoppingtour in den vielen Werkstätten und Bauernläden. Angeboten werden Handarbeiten, Salsiz, Berghonig oder Käse.

Stattlichkeit und Verspieltheit mischen sich gekonnt zu einem romantischen, wohnlichen und eleganten alpinen Stil. Hier der wunderschöne Restaurantsaal und ein liebevolles Detail aus dem Hotel Meisser.

Dekorative Farben und Muster findet man in und an den Häusern
Schlagworte: Inspiration
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Marianne Kohler ist Stylistin und Journalistin, sie begann ihre Karriere als Textildesignerin, arbeitete in Paris und New York, bevor sie einige Jahre das Moderessort der Zeitschrift Annabelle leitete. Heute arbeitet sie für Zeitschriften wie «Glamour» sowie Interior-Firmen im In- und Ausland. Marianne Kohler lebt mit ihrem englischen Mann David und ihrem Hündchen Miss C. in Zürich. 




























































“Gute Architektur kann auch alt und einfach sein.”
Schau, schau! in der Architektur kann man noch Entdeckungen machen!
Wenn ich diese schönen Häuser mit denen von heute vergleiche….
So was schones und echt-romantisches vermisst mein Herz, da muss sehr ruhig sein. Komme ich vorbei morgen nachmittag.
Wer noch mehr Lust auf Schellenursli hat, kann ihn auch auf dem Dorfplatz von Zuoz besuchen. Auch dort gibt es viele wunderbare Engadinerhäuser. Eines davon ist soeben renoviert und in den Skiferien teilweise noch frei: http://www.chesafluor.ch.
@Stefan Stahl: was sind denn das für Wucherpreise …
Da kann man natürlich mit 2 Familien hingehen bei den vielen Zimmern… Aber ich find’s auch teuer. Seufz.
haha toooolllle designerküche die ihr da anbietet! wucherpreise für das gebotene! also lieber nicht vermieten wenn das engadinerhäuschen zu teuer wird und man keine kohle mehr für eine anständige einrichtung hat oder dann wenigstens vernünftige preise…tztztz
Ich kenne das Chesa Flour aus meiner Kindheit. Tatsächlich kann man dort ganz wunderbare Ferien mit mehreren Familien geniessen. Das schöne an dem Haus ist, es bietet viel Platz und trotzdem eine gemütliche Atmosphäre. Ich träume noch oft von dem Haus und von Zuoz und komme ganz bestimmt mal wieder!
Wer dieses Dorf Guarda und auch andere wie z.B. Ardez,Ftan,Sent,Ramosch,Tschlin etc.gesehen hat,ist überwältigt vor allem im Winter.Im wunderschönen Unterengadin wurde eine einmalige Architektur angewendet.Vor Jahrhunderten mit viel Liebe von unschätzbaren Wert erschaffen,einfach einzigartig,weltweit.
Ich bin schlicht begeistert von diesen Geschichten erzählenden Prachtsbauten aus dem Engadin! Mit wieviel hingebungsvollem Aufwand und künstlerischer Detailverliebtheit wurden in dieser rauhen Umgebung Kunst am Bau Werke geschaffen! Ich vermisse genau diese Hingabe an das Kunsthandwerk in der modernen Architektur. Fassadenmalereien können auch zu vernünftigen Preisen eine schlichte Nordwand mit wenig Fenstern enorm aufwerten und einzigartig bereichern. Oder ein schmales Fenster mit Glasmalerei verziehrt eine wahre Lichtorgie bei Sonneneinstrahlung in die Innenräume zaubern…(*schwelg)
Wo sind übrigens die zauberhaften Glasmalereien in Privathäusern hingekommen, welche die Farbtherapie ersetzen könnten?
und an diesem schönsten Ort habe ich geheiratet :-) mitten im Winter…. ZAUBERHAFT!
@Simone. Danke für den Hinweis. Es sind wirklich viele Zimmer und sehr grosszügiger Wohnraum. Tatsächlich buchen oft bis zu vier Familien zusammen. Dann relativieren sich die Kosten.
wunder-wunder-wunderschön! hab mich schon oft gefragt warum solch liebevolle harmonische Details Formen und Farben bei Neubauten praktisch nie zu finden sind..??
Ja, im Unterengadin gibt es wunderschöne Dörfer mit ebenso schönen Häusern. In den weniger überlaufenen Dörfern sind die Preise in der Gastronomie dazu deutlich niederiger als in Guarda.
“Gute Architektur KANN auch alt und einfach sein”? Dem Satz liegt die Annahme zugrunde, dass moderne Architektur unbesehen gut ist, alte sich jedoch zu behaupten hat. Immerhin hat die überlebende alte Architektur eine brutale Selektion hinsichtlich Ästhetik, Funktionstüchtigkeit, Beständigkeit und Menschlichkeit durchgemacht – eine Prüfung, bei der viele Exemplare der modernen Architektur in wenigen Jahren durchfallen.
Es gibt auch heute Kuenstler das Handwerk und alte Techniken mit Innovation und Kreativitaet pflegen.
Zum Beispiel die jetzt laufende Ausstellung “Meeresweite- Alpenraum” im Hotel Belvedere in Scuol von Claudio Viscardi
http://www.claudioviscardi.net
Architektur, alte wie neue, ist dann gut, wenn es sich darin gut leben lässt! Bei älteren Häusern ergibt sie die Aussenerscheinung oft aus dem verwendeten Baumaterial und dem Gelände. Wichtig für die Lebensqualität ist die zu wenig beachtete Energiequalität des Bauplatzes, dem so genannten Standort. Ungünstige Standorte vermindern Wohlbefinden und Gesundheit, chronische Leiden sind häufiger. Das ist alles unabhängig von Architektur, Aussicht, technischem Ausbau, Verkehrslärm oder romantischem Baustil.
Dank an Frau Kohler. Endlich mal wieder ein goldener Schnitt in einer Fassade, eine mittig gesetzte Türe. Ist zwar nicht meine Welt, die Welt aus Stein, doch genüsslich und ruhig wirken die verschneiten Bauten. Und sogar eine Spur Verspieltheit in den Blicken der Häuser. Schön… Kommt jetzt noch schöner, oder gar der Superlativ…?
Und innen? Würde mich interessieren.
Als geborener Rätoromanischer Bündner und Architekt fasziniert mich diese Architektur sehr! Unschätzbare Kinder-und Jugenderinnerungen werden wach…zum Beispiel “Calonda Marz”!
Wow! Sind ein paar ganz schöne Bilder dabei.