Die Krise will uns definitiv zurück ins Haus und an den Herd bringen. So sehen es zumindest die Wohnprofis, welche sich bis letzten Dienstag an der wichtigsten Einrichtungs- und Dekorationsmesse «Maison et Objet» in Paris trafen. Sweet Home war da und hat sich im Grunde selbst gefunden, denn angesagt sind gemütliche Stübchen im Retrolook, schicke Appartements im Vintagestil, Küchen, an denen die Damen von «Mad Men» in ihren Rüschschürzchen stehen könnten, freche Farben und der fröhliche Look der Fünfziger.

Ohne Zweifel gehört Jaques Tati zu den französischen Einrichtungspionieren. Was uns an seinem Film Mon Oncle neben der gekonnten Komik so begeisterte, zieht nun wieder ein. Futuristisch wirkendes, superfröhliches Design, das auch heute noch modern wirkt – und das mehr als ein halbes Jahrhundert später. Hier ist Fifties- Design besonders attraktiv umgesetzt. Der Stand und die Kollektion der französischen Firma Sentou machen Lust auf gemütlichen, bunten und gutgelaunten Retrochic.

Wir wissen natürlich, wie bieder die Fifties eigentlich waren und deshalb werden sie neu humorvoll, kokett und ein wenig schräg interpretiert und inszeniert. In einer der Trendkabinen der Messe Maison et Objet zeigen sich die Retroelemente kunstvoll und ein bisschen bizarr. Die Messe hat sich dem Thema «Crazy» verschrieben und liess drei verschiedene Räume von Künstlern und Designern kreieren, die aus dem Ausstellungsstücken der Messe jeweils eine Trendwelt gestalteten. Diese «Mad Men»-Welt zeigt, dass jeder zu Hause sein eigener Künstler sein kann.

Kissen sind wichtige Mitbewohner und schmücken Sofas und Sessel mit Farben, Muster und Charakter, diese Prachtstücke zeigen Architektur und Design der Fünfzigerjahre und haben viel Mad-Men-Appeal.

Die englische Firma Andrew Martin, kann gekonnt inszenieren und Interiors Dramatik verleihen. Dahinter steckt Martin Waller, der die Firma 1978 gründete. Er wurde mit Stoffen und Accessoires aus Thailand, Indien, Afrika oder China bekannt. Ausserdem peppte er die englischen Interiors grundsätzlich auf, indem er der Highsociety etwa filmreife Wohnungen einrichtete. Daneben kreierte er aber auch echte Filminteriors, zum Beispiel für James-Bond-Filme. Die diesjährige Kollektion ist eine ekletische Mischung von Ethnoelementen, Vintagestücken, edlen Stoffen, Antiquitäten, Trompe-l’Oeil-Tapeten, glamourösen Kissen, dekoriert mit ausgefallenen Spielzeugautomaten aus dem vorletzten Jahrhundert und Plakaten aus der Zirkus- und Cabaretwelt.

Die einfachste und bequemste Art, mit Filmstars das Sofa zu teilen, sind diese glamourösen Kissen von Andrew Martin. Andere Motive sind Zirkus- und Vaudeville-Plakate und Comiczeichnungen.

Coole Küchen sind von gestern, die neuen Küchen sehen alt aus und verströmen Gemütlichkeit und Geborgenheit. Küchenmöbel und Accessoires von: Dialma Brown.

Das Schönste am neuen Retrolook sind die leuchtenden Farben. Technicolor anstelle von Pastell, Blümchen und Schwarz-Weiss wecken, modernisieren und peppen die «Prettyness» frech auf. Beide Bilder vom Stand der französischen Firma Sentou.

Der Interiordesigner Jonathan Adler, Erfinder des Happy Chic, macht den Hollywoodglamour im Kleinformat für alle möglich. Seine Keramikaccessoires, die poppigen Kissen und die interpretierten Empire-Dessins sind so grafisch wie der Art déco und so poppig wie die Sixties. Mit viel Weiss aufgefrischt bringen Sie genau die Portion Kalifornien, die den vier Wänden Sonnenschein und Starappeal verleiht.

Erinnern Sie sich an Sonny Crocketts himmelblauen und rosaroten Hemden und Anzüge und an den slicken, coolen und modischen Style der 80er-Kultserie? Mit viel sommerlichem Weiss tauchen die Farben und die Anmutung dieser Zeit heute auch in den Einrichtungsideen wieder auf.

Wer schon einmal an einer grossen Modeschau einen Sitzplatz in den vorderen Reihen ergattern konnte, kennt sie, die kleinen Goldstücke von Stühlchen. Hier werden sie neuartig und kokett für den einfachen Hausgebrauch angeboten. Sestri Chaise von: Ferrucio Laviani.

Kronleuchter melden sich zurück, so gross und pompös wie nur möglich. Hier zwei wunderschöne Beispiele aus Muranoglas (l.) und als Drahtskulptur (r.).

Sticken ist angesagt, Gobelins zeigen sich auf Kissen und Polsterstoffen. Die Jaquardstoffe sind üppig und farbig. Trendmotive bei den Kissen sind ganz klar Hunde, aber auch der Unionjack fehlte an fast keinem Stand.

Wenn es um das Mischen von Stilelementen geht, wird vor nichts halt gemacht. Hier zeigen sich Vintagestoffe auf Ledersofas im Antiklook und vor einer poppigen Blümchentapete von PIP Studio mit Jagdtrophäen und Ethnoelementen.

Kleine Sesselchen, Blumenvasen, Minisofas, Buffetmöbelchen, hübsche Bilder an der Wand: Miss Marple hätte ihre reinste Freude daran.

In unsicheren Zeiten kommt die Sehnsucht nach alten Werten auf. Das ist ganz klar erkennbar in der Einrichtungsbranche und an der Messe. Egal, ob von der Keksdose über die Teetasse bis hin zum Kühlschank, vom Sofakissen bis zum gemütlichen Sesselchen, von Familienbild im Goldrahmen bis zum Küchenbuffet, alles zieht zurück in die «Midcentury- Zeitperiode», der aufstrebenden Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als Familienwerte, Eigenheime und Idylle Ansporn waren, sich aus der Krise herauszubewegen. Ob der Schritt an den Herd der gleiche sein wird wie damals, ist anzuzweifeln, aber es macht definitiv mehr Spass, Kaffee aus einer Tupfentasse zu trinken, Cupcakes in einer bunten Dose zu lagern oder das Frühstücksbrot in einem Streamlinedesign-Toaster zu rösten. Firma: Natives.

Höchste Zeit, die Brockenhäuser nach echten Fünfzigerjahre-Objekten abzuklappern. Die «Alleskönner-Möbel» wie zum Beispiel dieses Prachtstück von einem Wohnzimmerregal mit integrierter, beleuchteter Vitrine sind superdekorativ und gemütlich. Viele dieser Fiftiesmöbel wurden als Ausstellungsträger oder Stimmungsmacher eingesetzt oder als Neuinterpretationen verkauft.

Was für die Grossen recht ist, geht auch für die Kleinen. Spielsachen im Retrolook sind ganz vorne auf der Trendskala. Ein schönes Beispiel sind diese Spielboxen, die alle Kreativkits beinhalten, wie einen Roboter zum Anmalen, Puppenkleider zum Nähen, Kekse zum Backen oder Bilder zum Malen. Firma: Wu&Wu.

Schwimmen und Sonnenbaden wie Grace Kelly oder Liz Taylor wird mit den hübschen Accessoires und Kleinmöbeln von Honoré möglich. Der Stand entführt auf eine charmante Art an die Côte d’Azur der Fünfziger.

Sweet Freak heisst eine andere Trendkabine an der Messe Maison et Objet. Hier wurden die süssen, poppigen, knalligen Elemente gross angerichtet und als riesengrosse, üppige Party inszeniert. Wir können uns also auf viel Neues, Buntes, Nostalgisches und Schickes freuen, welches unser Zuhause zum Sweet Home macht.
Schlagworte: Einrichten Dekorieren, Trends, Wohnaccessoires
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Marianne Kohler ist Stylistin und Journalistin, sie begann ihre Karriere als Textildesignerin, arbeitete in Paris und New York, bevor sie einige Jahre das Moderessort der Zeitschrift Annabelle leitete. Heute arbeitet sie für Zeitschriften wie «Glamour» sowie Interior-Firmen im In- und Ausland. Marianne Kohler lebt mit ihrem englischen Mann David und ihrem Hündchen Miss C. in Zürich. 


































































Endlich! Die Farbe kommt zurück ins Haus. I like.
i dont like und ich werde halbwegs impotent nur schon beim angucken
Sorry, aber was heisst hier der Retro Look is back. Betrachtet man die ganzen Zeitepochen, so muss man klar sagen, alles wurde gezeigt und somit ist dies keine echte Leistung, da der Markt mit allem schon geprägten geprägt wurde. Das Leben ist nun einmal eine wechselseitige Entwicklung die durch den Wechsel lebt, aussr man lebt in einem rigiden Lebensabschnitt, der keinerlei Entfaltungsmöglichkeiten zu lässt.
Sehr schön! Doch wo bleibt der Anspruch auf Bildqualität in diesem Artikel? Muss man sich langsam an die unscharfe iPhone Photografie Gewöhnen?
ja das nächste Mal bitte eine bessere Kamera mitnehmen, wenn Sie an die Maison & Objet gehen.
Man verschone mich mit diesem Nifties-Fifties-Nierentischchen-Retro-Look, bitte, bitte! In Züri versuchen verschiedenste Second-Hand-Shops schon seit Jahren, den Jacques-Tati-Look zum neuen Trend zu verklären. Das Zeug ist- und bleibt- veraltet! Zudem riecht es nach Generation Opel Rekord kurz vor der Kubakrise.
Retro-Look is back? Der Retro-look war niemals weg! Die erfolgreichsten Designermöbel aller Zeiten wurden alle in den 1920er Jahren erfunden und entwickelt. Diese Möbel (Breuer, Grey, Corbusier etc.) sind bereits seit Jahrzehnten absolute Renner in jeder gepflegten Einrichtung.
Bei dieser unmenge von nutzlosen Staubfängern wundert es mich gar nicht, dass damals die Männer so klug waren, der Haushaltsarbeit fernzubleiben! ;-) Als Mann hätte ich damals auch lieber im pflegeleichten Designerbüro mit der charmanten Sekretärin Überstunden gemacht. Julia Sieber
Wunderbar, die Zeit der Hosenträger und Sockenhalter. Fehlt nur noch die Hausfrau im Röcklein bis zum Schienbein und kleinem weissen Schürzchen. Mit dem Staubsauger auf den Ernährer Rühmann wartend, der um 12.10 zum Mittagessen erscheint. Mit Aktenmappe und einer Nelke in der Hand.
So, ich habe angeschaut und entschieden: ich werde definitiv meine Wohnung nicht dem Trend anpassen, wenn dieser so aussieht. Einiges weniges finde ich witzig, das meiste gefällt mir nicht. Aber eben: über Geschmack lässt sich nicht streiten ;-)
Sieht aus wie Kindergeburtstag nach dem zünden einer Tischbombe…
Ich find’s einfach grässlich. Aber jedem das Seine….
Gekonnt in Szene gesetzt sind die 50er Jahre, egal ob Retrolook oder Accessoires der Filmstars von damals.
Auf jeden Fall wird auf die Mode von einst gesetzt und das gekonnt!
Wahnsinn, wie die Räume gestaltet werden können. Da sieht man mal was so alles mit guten Ideen zu machen ist. Super Accessoires wurden verwendet ! Klasse