Während der FC Basel auf europäischer Ebene dank einer herausragenden Champions-League-Saison den Ruf eines gefürchteten Wadenbeissers geniesst und die Schweizer U-21 als EM-Finalist bei den Olympischen Spielen in London antreten darf, steckt die A-Nationalmannschaft in einer sportlichen Depression. Trotz eines Weltklassetrainers wie Ottmar Hitzfeld und international begehrten Spielern wie Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka. Das wirksamste Antidepressivum liegt für die Schweizer aber schon bereit. Es handelt sich um ein elfköpfiges Monstrum mit 22 Beinen und ebenso vielen Füssen. Sein Name: deutsche Nationalmannschaft. Nichts würde das Innenleben und die äussere Wahrnehmung der SFV-Equipe positiver beeinflussen als ein Sieg über den grossen Nachbarn, der beim Blick auf die Statistik noch ein bisschen grösser erscheint.
Seit über 70 Jahren hat die Schweiz die Deutschen nicht mehr besiegt. Zuletzt gelang dieses Kunststück einer SFV-Abordnung am 1. Februar 1942. Damals setzten sich die Schweizer vor 35’000 Zuschauern im Wiener Praterstadion gegen das sogenannte Grossdeutsche Reich mit 2:1 durch. Die Expedition nach Wien ist trotz des Sieges kein Ruhmesblatt in der helvetischen Fussball-Historie, genauso wenig wie der 2:1-Heimerfolg in Bern am 20. April 1941, dem 52. Geburtstag des Diktators Adolf Hitler nebenbei bemerkt. Damals traten ausser der Schweiz nur Länder gegen die Deutschen an, die entweder mit den Nazi-Diktatoren verbündet oder von deren Truppen besetzt waren. Der schreckliche Umgang der Nationalsozialisten mit Juden, poltischer Opposition, Homosexuellen und anderen Unschuldigen war längst hinlänglich bekannt, die Verkündung der Nürnberger Rassegesetzte ebenso geschehen wie die kriegerischen Überfälle auf Polen und die Sowjetunion.
Der letzte Sieg über Deutschland, auf den der Schweizerische Fussball-Verband stolz sein darf, ist daher schon beinahe 74 Jahre her – das legendäre 4:2 im Wiederholungsspiel des WM-Achtelfinals von 1938 im Pariser Prinzenpark (siehe Video unten). Die aus verspielten Österreichern und vierschrötigen Deutschen zusammengesetzte DFB-Auswahl lag zwar nach etwas mehr als 20 Minuten und einem Schweizer Eigentor 2:0 in Führung, liess sich vom Anschlusstreffer durch Eugen Wallaschek kurz vor der Pause aber derart verunsichern, dass Fredy Bickel und dem Doppeltorschützen Trello Abegglen nach dem Seitenwechsel noch die spektakuläre Wende gelang. Es war ein Triumph, der die ganze demokratische Welt freute. Als Reaktion auf die aggressive Aussenpolitik der Nationalsozialisten waren die deutschen Spieler sogar mit Tomaten und Eiern beworfen worden.
Am Samstag hat das Spiel Schweiz-Deutschland – Gott sei Dank – keine politische Bedeutung mehr. Die beiden Völker sind friedlich und einander freundlich gesinnt. Trotz Steuerstreit, Kavallerie-Sprüchen à la Peer Steinbrück oder populistischen Forderungen von SVP-Blondchen Natalie Rickli, man möge doch die Zuwanderung der Deutschen in die Schweiz kontingentieren. Die sportliche Rivalität aber ist unbestritten. Und so bekommen die Schweizer Fans doch noch so etwas wie eine kleine EM mit Beteiligung der eigenen Mannschaft zu sehen. Kurz und gut: Der Vergleich mit Deutschland ist ein Freundschaftsspiel, aber eines, bei dem die Schweizer viel gewinnen können: Respekt, Motivation und nicht zuletzt Goodwill. Eine positive Stimmung ist in der Qualifikation zur WM 2014 in Brasilien viel wert. Fragen Sie einmal die Deutschen: Deren 4:1-Erfolg im Testspiel gegen Spanien nach der katastrophalen EM 2000 mit dem Knockout in der Vorrunde war der erste Stein beim Wiederaufbau der DFB-Elf.
Von 25 Experten für das Fussballmagazin Zwölf zum grössten Schweizer Spiel aller Zeiten gewählt: Der 4:2-Sieg gegen Deutschland an der WM 1938.









Mämä Sykora (36) ist Chefredaktor beim Fussballmagazin
Alexander Kühn (33) ist Sportredaktor bei Newsnet und leidgeprüfter Fan des deutschen Zweitligisten Dynamo Dresden. Mangels fussballerischen Talents beschränkt er sich auf kritische Einwürfe von Tribüne und Schreibtisch aus.









Sportbilder











































































