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Archiv für März 2011

Basel zum 15. Mal im Bann der BScene

Luca Bruno am Donnerstag den 31. März 2011

Dieses Wochenende findet die 15. Ausgabe des Basler Clubfestivals BScene statt. Für Musikfans heisst das: Innerhalb weniger Minuten quer durch die ganze Stadt hetzen, nur um dann schlussendlich doch vor verschlossenen Türen zu stehen, da der Club bereits zu voll ist. Oder es gibt Zerwürfnisse in der Gruppe, da man sich wieder einmal nicht darüber einig ist, wo es als nächstes hingehen soll. Auch die ständige innerliche Unzufriedenheit, weil es eben doch ein Fehler war, auf das Konzert dieser einen bestimmten Band zu verzichten, werden wohl viele Basler Musikliebhaber kennen.

«BScene», das heisst allerdings auch: Live mit dabei sein, wenn eine Band vor 500 anstatt 50 Zuschauern auftreten kann und dabei total aufgeht, um dann gleich anschliessend auf dem Weg zur nächsten Location wildfremden Personen, bei denen man ebenfalls ein Festivalbändchen erblickt hat, vorzuschwärmen, was für eine phänomenale Band man soeben entdeckt hat. Und spätestens dann, wenn man am frühen Sonntagmorgen beim Verlassen der Voltahalle an die besten Konzertmomente des Wochenendes zurückdenkt, weiss man, dass sich der Stress jedes Jahr wieder auf’s Neue lohnt.

An den beiden Abenden werden über 50 Bands und Solokünstler auftreten. Die Auswahl ist also wie jedes Jahr riesig und aus diesem Grund haben wir einige Künstler gebeten, uns in eigenen Worten zu sagen, warum man sich ihren Auftritt auf keinen Fall entgehen lassen darf. Wer seine Route für’s Wochenende noch nicht fertig durchgeplant hat, klickt sich durch die Galerie:

2010 pilgerten über 8000 Gäste in die Clubs und blickt man auf die Entwicklung der Besucherzahlen in den letzten Jahren, darf auch dieses Jahr wieder mit einem neuen Besucherrekord gerechnet werden. Passend zum 15-jährigen Jubiläum findet die BScene dieses Jahr übrigens auf 15 Bühnen in 12 Häusern statt, mit dabei auch BScene-Neulinge wie das Goldene Fass oder die Jägerhalle. Und Punkto «Weitläufigkeit» kommt die BScene ihren Besuchern dieses Jahr entgegen: Am Freitagabend finden alle Konzerte im Kleinbasel statt, am Samstagabend - mit Ausnahme des Volkshauses und der Kaserne - im Grossbasel.

Morgen werfen wir an dieser Stelle einen genaueren Blick auf das BScene-Programm der Voltahalle und am Wochenende wird die Schlaglicht-Crew dann in den Basler Clubs unterwegs sein. Das vollständige Programm gibt's auf der Karte und wer uns in letzter Sekunde noch auf einen Geheimtipp aufmerksam machen möchte, hinterlässt uns in den Kommentaren seine persönliche Route.

Jim Knopf und die Wilde 4

karen gerig am Dienstag den 29. März 2011

Hier sind wir wieder, beim Thema Kindertheater. Da wollten wir für einmal die Tochter überzeugen, ihre Meinung zu «Jim Knopf und die Wilde 13» im Theater Arlecchino kundzutun, weil Kindertheater ja am besten von Kindern kritisiert wird, und was sagt der Knirps? «Toll wars.» Punkt, aus, vorbei. Mehr ist ihr beim besten Willen vorerst nicht zu entlocken. Was hat ihr denn am besten gefallen?, fragen wir etwas später. «Alles.» Ach komm, ein paar Worte noch! Spannend sei es gewesen, und die Frau Waas etwas dick. Nun ja, das war vielleicht nicht die Antwort, die wir uns erhofft hatten.

Lukas, der Lokomotivführer (Silvio Fumagalli) und Jim Knopf (Dennis Sorie) auf der Lokomotive «Emma».

Bleibt uns also nichts übrig, als selber ein Fazit zu ziehen. Die Geschichte von Jim Knopf auf die Bühne zu bringen, das nenn ich schon mal ein Unterfangen. So fallen denn auch einige Szenen dem Kürzstift zum Opfer, anders geht es gar nicht. Als Rahmenhandlung hat Texter Peter Keller eine Szene im Wohnzimmer von Frau Waas gewählt. Jim und Lukas, der Lokomotivführer, kommen gerade von ihrem Abenteuer mit der Wilden 13 zurück. Und nun sollen sie den Anwesenden Frau Waas, Herrn Ärmel, Prinzessin Li Si und König Alfons dem Viertel-vor-Zwölften davon erzählen. Das tun sie nicht nur wortgewandt, sondern spielen die Szenen gleich vor, manch ein Lied wird auch gesungen. Ihre Zuhörer müssen dabei in verschiedene Rollen beziehungsweise Kostüme schlüpfen.

So wird in anderthalb Stunden zusammen mit Sursulapitschi der Magnetfelsen repariert, der fürs Meeresleuchten sorgt, Herr Tur Tur wird vom Drachen Nepomuk befreit, und schliesslich müssen auch noch die wilden Piraten besiegt werden. Dass davon nicht wie im Buch 13 Stück auf der Bühne stehen, sondern nur vier, hat damit zu tun, dass Regisseurin Tanja Horisberger mit Frau Waas, Herrn Ärmel, Li Si und dem König nicht mehr Schauspieler zur Verfügung stehen. Rasant geht die Geschichte auf dem Piratenschiff ihrem Ende zu – etwas zu rasant vielleicht gar. Der Einstieg hingegen ist in dieser Bühnenadaption etwas lange geraten. Vor allem für all jene, die die Figuren aus den Büchern von Michael Ende bereits kennen – und das ist sicherlich mehr als die Hälfte der Zuschauer im Saal.

Weitere Aufführungen gibts bis 29. Mai jeweils samstags, sonntags und mittwochs (mir wenigen Ausnahmen).

Wie viele Persönlichkeiten verkraften wir?

chris faber am Samstag den 26. März 2011

David Bröckelmann ist zurzeit als freischaffender Schauspieler, Regisseur und Autor tätig und mit seinem ersten Soloprogramm „Dr. Klapp hat Hunger – Oder warum man bei Wissensdurst essen sollte“ noch heute in Basel im Fauteuil zu sehen. Vor allem bekannt ist er aus der Satire-Sendung Giacobbo / Müller als genialer Imitator von Matthias Hüppi, Christian Gross, Hakan Yakin, Pascal Couchpin, Christian Levrat und Peter Bodenmann.

David Bröckelmann ist seit 15 Jahren Schauspieler und wird in seiner Figur als Dr. Klapp von Geheimdiensten aus aller Welt gesucht, weil er Menschen jeglicher Art verinnerlichen kann, um sie zu verstehen und zu studieren. Er bringt Prominente, Therapeuten, bachblütige Anthroposophen, Vorarbeiter und Politiker jeder Parteiausrichtung als multiple Persönlichkeit so zusammen, dass Ihre wahrer Charakter aus Ihnen rausgekitzelt wird. Möchten Sie wissen, was passiert, wenn Hakan Yakin, Matthias Hüppi und Christian Gross aufeinandertreffen und rappen? Was hat Kurt Aeschbacher in dieser illustren Runde zu suchen? Lassen Sie sich von seinen Erkenntnissen überraschen! Der erste Teil des Programms ist dabei etwas zu fussballlastig, der zweite Teil umso besser. Nur noch heute!

"Dr. Klapp hat Hunger" Samstag, 26. März 20 Uhr im Fauteuil Basel

Herausgepickt: Fabiola, die Patronin der Betrogenen

karen gerig am Mittwoch den 23. März 2011

Sparen wir uns das Spekulieren über vielfach gestellte Fragen. Weshalb das Schaulager auf eine grosse Ausstellung verzichtet und mit Francis Alÿs' Fabiola-Projekt eine zwar spannende, aber nicht gerade originelle Jahresausstellung ausser Haus bietet, soll uns egal sein. Alÿs bringt immerhin mal ein paar Nasen mehr ins Haus zum Kirschgarten, das 11er-Tram hat dafür ein paar Passagiere weniger. Wir wollen uns auch nicht bei der Frage aufhalten, weshalb Alÿs für sein Sammlungs-Projekt Kopien eines Bildnisses einer Heiligen wählte, von der kaum jemand die Heilige und schon gar niemand das Bildnis kennt.

Bildnis der Fabiola, nach Jean-Jacques Henner.

Nein, wie wollen uns der Heiligen selbst widmen. Jener Frau, die seit dem 19. Jahrhundert, als ein elsässischer Realist namens Jean-Jacques Henner ein Bildnis von ihr schuf, das heute verschollen ist, auf immer dieselbe Weise dargestellt wird – mit seltenen Ausnahmen: Im Profil abgebildet, nach links blickend, mit dem karmesinrotem Schleier eines Büssergewands, ein kleiner, meist brauner Haarbüschel darunter hervorblickend.

Im 4. Jahrhundert lebte Fabiola, soviel wissen wir. Das Geburtsjahr unbekannt, das Todesjahr 399 n. Chr. In Rom geboren, entstammte sie dem noblen Geschlecht der Fabier. Sie war vermögend und wird in der nach ihr benannten Novelle des Kardinals Nicholas Wiseman als verwöhnt geschildert. Vielleicht war sie das, vielleicht auch nicht. Mit ihrem ersten Ehemann hatte sie Pech. Er war ihr zwar ebenbürtig von Geburt, aber er war lasterhaft, so lasterhaft, «dass nicht einmal eine Dirne oder gemeine Sklavin es hätte aushalten können», wie der Kirchenvater und Heilige Hieronymus, später langjähriger Weggefährte Fabiolas, nach ihrem Tod in seiner Lobrede auf die Heilige schrieb. Fabiola wollte sich das nicht bieten lassen – und trennte sich. Ein Fehler im Rom des 4. Jahrhunderts. Denn betrog der Mann die Frau, so war der Mann nicht schuld daran. Eine Frau hatte zu erdulden. Die Frechheit, ihren Mann zu verlassen, bezahlte Fabiola mit dem Ausschluss aus der christlichen Gemeinde.

Fabiola scherte das wenig, sie nahm sich einen zweiten Mann, der wenig später starb. Als Strafe für ihren Hochmut wurde Fabiola das ausgelegt, auch nach ihrem Tod noch. Sie selbst sah es wohl auch so, denn sie tauschte ihre edlen Kleider gegen das Büsserkleid und veräusserte ihr beträchtliches Vermögen. Den Erlös liess sie den Armen zukommen. Hieronymus formulierte es so: «Viel schwerer ist es, von Hochmut als von Gold und Edelsteinen zu lassen.» Fabiola aber schaffte es. In ihrem Büssergewand stellte sie sich am Tag vor Ostern den Blicken von ganz Rom, und «der Bischof, die Priester und das ganze Volk weinten mit ihr, wie sie mit aufgelöstem Haar, bleichem Antlitz und schmucklosen Händen ihren Nacken demütig beugte», schrieb Hieronymus.

Mit dem Erlös aus ihrem Vermögen errichtete sie ein Krankenhaus für die Kranken von der Strasse, die sie selbst ungeachtet ihrer Leiden liebevoll umsorgte. Auch gegenüber der Kirche zeigte sie sich grosszügig und spendabel. Auf einer Wallfahrt nach Jerusalem traf sie Hieronymus und widmete sich zu dessen Freude mit Inbrunst und grossem Lerneifer den göttlichen Büchern. Nach dem Einfall der Hunnen in Jerusalem nahm sie, zurück in Rom, ihren Dienst an den Kranken wieder auf. Als sie starb, ertönten, so Hieronymus, in ganz Rom Psalmen, «und oben an die vergoldeten Deckel der Tempel schlug der Widerhall des Alleluja». Ihr Begräbnis soll nach Hieronymus die römischen Siegesfeiern der Antike übertroffen haben.

Heute ist die Heilige Fabiola weitgehend unbekannt. Trotzdem ist sie die Patronin der Geschiedenen, Betrogenen, Misshandelten, der Krankenschwestern und der Witwen. Die über 370 Porträts, die Francis Alÿs bis jetzt vor allem in Europa und Lateinamerika gesammelt hat, zeugen von ihrer Verehrung.

Die Ausstellung im Haus zum Kirschgarten ist noch bis zum 28. August zu sehen.

«LASSO»: Eine tragbare Ausstellung

Luca Bruno am Dienstag den 22. März 2011
Pedro Wirz: "Ohne Titel (mit Künstler)"

Pedro Wirz, "Ohne Titel (mit Künstler)"

Eigene Texte oder Fotografien veröffentlichen? Das Internet hat es leicht gemacht! Innerhalb weniger Minuten hat man auf dem entsprechenden Sozialen Netzwerk einen Account erstellt und schon kann es mit dem munteren Publizieren losgehen. Doch wer hat eigentlich Zeit, auf diesen Webseiten stundenlang nach geeignetem Material zu suchen?

Ariane Koch, Damian Koch und Alain Gloor gehen mit ihrem Magazin «LASSO» einen anderen Weg. Ausser dem vorgeschriebenen Thema der jeweiligen Ausgabe lassen sie den involvierten Textern und Künstlern zwar genauso viel Freiheit wie das Internet, bezüglich Veröffentlichung gehen sie allerdings den altmodischen Weg. «LASSO» erscheint in Heftform, in jeweils streng limitierter Auflage.

Letzten Winter erschien die erste Ausgabe und ein Grossteil davon war im Nu vergriffen. Nun haben die drei mit Unterstützung zweier Gastkuratoren nach über drei Monaten Wartezeit die zweite Ausgabe «Schauspiel» fertiggestellt. Anlässlich der Release-Party, die diesen Mittwoch, dem 23. März 2011, in der Hinterhof Bar über die Bühne gehen wird, haben wir uns mit Alain Gloor über «LASSO» unterhalten.

Woher stammt die Idee zum «LASSO»-Magazin?
Alain Gloor: Das liegt schon etwa zwei Jahre zurück, wir haben jedoch eine gute Zeit haben am Konzept gefeilt. So einfach und wirksam es heute erscheint, es war ein langer Weg bis dorthin. Warum wir das Projekt genau in Angriff genommen haben, wissen wir nicht mehr so genau. Wir hatten einfach Lust, etwas zu versuchen, wollten Kräfte bündeln, etwas für Basel und vielleicht sogar die Schweiz tun.

Vom «Wilden Westen» zum «Schauspiel»: Was für eine Bedeutung haben die jeweiligen Themen für das Magazin?
Das jeweilige Thema soll dem Magazin eine Richtung geben und trotzdem eine offene künstlerische Herangehensweise zulassen oder zu einem Beitrag anstiften. Wir suchen zu dritt nach neuen Schlagwörtern. Manchmal dauert es auch ein paar Tage, bis wir alle von einem neuen Vorschlag überzeugt sind, wie es bei «Kopf» geschah, unserem neuen Thema, für das wir bis zum 1. Juni 2011 Beiträge entgegennehmen. Eine Bedeutung haben die Themen auch insofern, als dass wir die Release-Partys grob mit dem Titel des Magazins in Verbindung zu bringen versuchen. Zum «Wilden Westen» spielte die Band Little White Mice letzten Herbst einen Sound, den wir uns zur Unterlegung eines jeden Western hätten vorstellen können. Diesen Mittwoch werden in der Hinterhof Bar passend zum aktuellen Thema «Schauspiel» Performances verschiedener Künstler stattfinden.

Claudia Link, "The Secret Behind the Scene"

Claudia Link, "The Secret Behind the Scene"

Für eure zweite Ausgabe «Schauspiel» habt ihr über doppelt so viele Einsendungen erhalten, wie ihr schlussendlich publizieren werdet. Wie funktioniert euer Auswahlprozess?
Für die zweite Ausgabe haben wir zwei Gastjuroren beigezogen, was das Ganze etwas vereinfacht hat. Wir sassen zehn Stunden am Küchentisch und haben uns über mehrere Runden beraten. Bekommt eine Arbeit drei Stimmen, dann ist sie vorerst mal dabei. Zuletzt muss jedes Werk aber auch ins Gesamtbild der jeweiligen Ausgabe passen. Da kippen manchmal Arbeiten raus, auf die wir eigentlich nur ungern verzichten würden. Und es muss selbstverständlich auch bezahlbar bleiben. Will heissen: Viel mehr als die sechzig Seiten, welche die zweite Ausgabe nun hat, können wir uns gar nicht leisten.

Ausser dem Thema sind die Autoren in der Wahl ihrer Text- bzw. Veröffentlichungsform komplett frei. Hattet ihr auch schon mit zu abstrakten Einsendungen zu kämpfen?
Es kommt auf die Empfindung des Betrachters an, was dieser als aparte Einsendung einstufen würde und was nicht. Wir haben von gewöhnlichen Ferienfotos zu Fotografien einer Performance der Wiederauferstehung von Jesus Christus bis zu Stickereien und riesigen Kritzeleien alles schon gehabt. Alles ist erlaubt. Und im Kontext des Magazins und im Zusammenspiel mit anderen Arbeiten ergeben auch gerade verquer anmutende Beiträge eine spannende Bild- und Textwelt, die, so hoffen wir, das LASSO ausmacht.

Jelena Savic, "Rabbits In Disguise"

Jelena Savic, "Rabbits In Disguise"

Heutzutage eröffnet man innerhalb von 5 Minuten einen tumblr-Account und kann dort Bilder, Texte oder sogar Videos innerhalb weniger Sekunden mit der ganzen Welt teilen. Warum habt ihr euch gegen das Netz und für ein Heft entschieden?
Wir haben absolut nichts gegen das World Wide Web. Wir haben ja selber eine Website und erreichen darüber viel mehr Menschen, als wir das sonst tun würden. Für uns ist das Internet eine riesige Vereinfachungsmaschine. Nur: Mit dem physischen Release schaffen wir eine Grundlage und bringen Menschen zusammen, und zwar nicht nur im Netz. So entstehen neue Ideen. Das Herstellen eines Magazins ist tatsächlich aufwändiger, als rasch einen tumblr-Account zu eröffnen. Wir denken aber, dass das auch die Leute, die uns Beiträge zuschicken, animiert. Wir geben uns grosse Mühe und wissen, dass auch den beteiligten Künstlern viel an ihren Werken liegt. Auch soll das Heft wie eine Art tragbare Ausstellung funktionieren, die man weiterempfehlen kann und die sich taktil, also mit dem LASSO in den Händen, erfahren lässt.

Dies führt allerdings dazu, dass ihr euch momentan auf Texte und Bilder beschränken müsst. Könnt ihr euch vorstellen, irgendwann auf andere Kunstformen wie Videos oder Installationen zu «expandieren» und dementsprechend auf eine andere Veröffentichungsform zurückzukommen?
Zuerst: Videostills und Fotografien von Installationen haben wir ja auch im LASSO. Aber es stimmt natürlich, dass diese immer eine Verkürzung des eigentlichen Kunstwerks bedeuten. In diesem Sinne sind wir auf jeden Fall offen, andere Richtungen einzuschlagen – wir sind der festen Überzeugung, dass der Prozess des Kuratierens in Zukunft noch bedeutungsvoller werden wird. Das Magazin soll aber immer Grundlage des ganzen Unternehmens und einzigartig bleiben. Mehrere Möglichkeiten der Weiterentwicklung sind schon angedacht, aber damit überraschen wir lieber, wenn es auch soweit sein wird.

LASSO Release-Party N°2 «Schauspiel»: Diesen Mittwochabend (26. März) im Hinterhof. ab 19:30, mit Performances verschiedener Künstlern und musikalischer Unterstützung von Deck Mental & Lord Soft (Team Taperape).
Ausserdem ist die Bewerbungsphase für die dritte Ausgabe «Kopf» mittlerweile angelaufen. Der Einsendeschluss für diese Ausgabe ist am 1. Juni; mehr Informationen dazu gibt's auf der offiziellen Website des Magazins.

Hinterhof Offspace: Tetrix-Module für bewegliche Kunst

karen gerig am Montag den 21. März 2011

Ausstellung? Wer sich aktuell in den Hinterhof Offspace begibt, der wird sich eher in einer Werkstatt wähnen als in einem Ausstellungsraum. Eric Andersen, schweizerisch-dänischer Plakatkünstler, hat nicht nur Plakate mitgebracht, sondern stellt sie hier gleich her. Zu Dutzenden hängen sie an Wäscheleinen von der Decke, immer dasselbe Motiv, mit immer anderen Fehlern – weil beim Siebdruck gar nichts anderes möglich ist. «Genau das ist es, was mir daran gefällt», sagt Andersen. «Es ist nicht wie beim Offsetdruck, wo entweder alles perfekt aussieht oder beabsichtigt Flecken produziert werden, die dann bei jeder Kopie an derselben Stelle sitzen. Beim Siebdruck ist jedes Plakat ein Unikat – trotz des seriellen Gedankens.»

Martin Stollenwerk und Eric Andersen (r.) am Handdrucktisch im Hinterhof. (Foto Dirk Wetzel)

Dass Eric Andersen seinen Handdrucktisch in den Hinterhof Offspace verlegt hat, hat seinen Grund. In wenigen Wochen wird er zusammen mit dem Fotografen Martin Stollenwerk nach New York reisen, um die hier hergestellten, vom Dadaismus inspirierten Plakate in einer Druckerei mit Texten zu versehen. Und weil bis dahin die Zeit drängt, wurde die geplante Ausstellung kurzerhand zur Work-in-Progress umfunktioniert. Für den Besucher wirds so noch spannender: Schliesslich kann man nicht nur zugucken oder aber die fertigen Werke betrachten, sondern auch gleich mit dem Künstler plaudern, wenn man Fragen hat.

Eingeladen hat den in Zürich tätigen Künstler Johannes Willi – die Plakate Andersens waren ihm in Zürich öfters aufgefallen, dann hat er ihn zufällig kennengelernt. Zusammen mit Thomas Keller und Philippe Hersberger betreibt Willi den Hinterhof Offspace. Die drei bestimmen, wer dort ausstellt, allerdings nicht nach festen Kriterien – ausser einem: «Uns muss überzeugen, was jemand macht», sagen sie. Es müssen auch nicht zwingend bildende Künstler sein.

Thomas Keller (l.) und Johannes Willi vom Hinterhof Offspace-Team. (Foto Dirk Wetzel)

Die aktuelle Ausstellung ist nach einer Gruppenschau Anfang Jahr erst die zweite in diesem 200 Quadratmeter grossen Raum, den die Betreiber mittels mehrerer Bausteine, die an ein Tetrix-Spiel erinnern, unterschiedlich gestalten und einteilen können. «Jeder Künstler kann so den passenden Rahmen für seine Werke schaffen», erklärt Thomas Keller. Wem die Module zu kleinteilig sind, der baut daraus einen grossen Würfel oder eine Wand. Eric Andersen hat einen Raum im Raum gebaut, mit Nischen und kleinen Ablageflächen. So grenzt sich ein kleiner Ausstellungsraum, der die Entstehung seiner Plakate zeigt, von der Werkstatt daneben ab.

«Wir wollen, dass dieser Raum lebt», sagt Willi. Dazu gehört die Beweglichkeit der Infrastruktur genauso wie das, was darin gezeigt wird. Das Team wählt in diesem Sinne auch die Künstler und Künstlerinnen für Ausstellungen aus. «Wir sehen uns nicht als Galerie, die einfach Bilder an die Wände hängt», sagt Willi. Das zeigt die aktuelle Ausstellung klar, und auch die erste Schau war so konzipiert: Damals arbeitete beispielsweise Mañana-Sänger Manuel Bürkli an neuen Songs. Ins Konzept passt auch, dass die Ausstellung jeweils abends geöffnet ist, während des Barbetriebs. «So kommen einige Leute hier rein, die sonst vielleicht nicht kommen würden. Die Hemmschwelle ist um einiges weniger hoch, vor allem wenn man vielleicht schon ein, zwei Bier getrunken hat», erzählt Keller. «So entstehen vielfältige Arten von Kontakten.»

Ende Jahr soll die Lagerhalle, die den Hinterhof beherbergt, abgerissen werden. Zwar hoffen die Initianten, dass dieser Termin sich verzögert, doch «dieses Datum zwingt uns auch, uns jetzt so richtig reinzuhängen», sagt Willi. Und so wird weiter nach passenden Künstlern gesucht, geplant und fleissig von Ausstellung zu Ausstellung umgebaut – wenn nötig gar mit der tatkräftigen Unterstützung der Eltern. Und wenn denn tatsächlich Schluss sein sollte Ende Jahr, dann sucht man sich für das Projekt einen neuen Ort. Soviel scheint schon man sicher.

Wir haben abgeräumt, jetzt geht's nach Hause

the glue am Sonntag den 20. März 2011

Gestern Abend erreichten wir den Höhepunkt unserer Reise: Die Harmony Sweepstakes Regional Competition im Miller's Theatre in New York. Das ist die wichtigste Veranstaltung für a-cappella Musik in ganz Nordamerika und zahlreiche weltbekannte Gruppen haben ihre Karrieren dort gestartet. Insgesamt nahmen zehn Gruppen teil und neben den drei Hauptpreisen gab es Auszeichnungen in den  Kategorien Publikumsliebling, bestes Arrangement und beste Eigenkomposition.

Ausser uns war noch eine weitere Gruppe aus Europa angereist: Lai Skan aus Lettland, alle anderen warenUS-Bands und hatten natürlich beim Publikum einen Heimvorteil. Wir hatten allerdings auch eine Fangruppe dabei, die eine Reise nach New York gleich mit einem Besuch der Competition verband. Ein super Bild, wie eine ganze Sektion mit Schweizer Flagge und zujubelte. Und zunächst ging auch alles gut. Get in, Soundcheck. Leider durften wir nicht unseren eigenen Techniker haben, damit alle die gleichen Bedingungen hatten. Aber das Gefühl war gut, wir waren gut vorbereitet und alles schien geklärt. Natürlich waren wir schrecklich nervös. Auf diesen Moment hatte die ganze Tour zugesteuert und jetzt war der Moment plötzlich da. Wir hatten zehn Minuten, um die Jury zu überzeugen. Zehn Minuten, in denen absolut gar nichts falsch laufen durfte. Und prompt war Gregors Mikrophon nicht an, als wir anfingen. Der Techniker hatte es verschlafen. Somit gerieten wir beim ersten Song Come what may etwas in Schieflage. Mit El Topo und Sandburgenbauen bekamen wir die Leute aber schnell in den Griff und am Ende waren wir ganz zufrieden, rechneten aber nicht damit, irgendeine Chance auf eine Platzierung zu haben. Als die Jury dann auch noch verkündete, es sei einer der besten Jahrgänge gewesen, sank unsere Hoffnung auf ein Minimum. Doch siehe da. Beste Eigenkomposition: Sandburgenbauen von The Glue und zweiter Platz in der Gesamtwertung: The Glue. Den ersten Platz belegte eine reine Frauengruppe aus New York namens Traces. Somit belegten wir von allen Männerformationen, die in der a-cappella Szene klar die Mehrheit ausmachen, den ersten Platz. Wir haben es irgendwie wieder geschafft, die Konkurrenz zu überflügeln und damit  einer super Tour am Ende noch die Krone aufgesetzt. Jetzt fliegen wir glücklich und zufrieden zurück in die Schweiz.

Boston gerockt, Flug gecancelt und jetzt in New York

the glue am Freitag den 18. März 2011

Die letzten Tage haben wir unglaubliche Strecken zurückgelegt. Vor allem Laurenz und Tumasch. Doch zunächst spielten wir noch im Swissnex Boston am Tag der offenen Tür. Eine super Sache. Wir spielten zweimal zwanzig Minuten und die Leute waren hin und weg. Im Anschluss trafen wir uns mit den Gästen in der John Harvard Brewerie und feierten bis in den Morgen. Unter anderem fanden wir uns in einem Pub mit Livemusik wieder, wo eine Bluegrass Band so richtig abging, obwohl nur etwa 12 Leute da waren. Das kann man sich zum Vorbild nehmen.

Am Tag danach nahmen wir Abschied vom tollen Swissnex Boston Team und steuerten unsere letzte Etappe an: New York. Wir msusten uns ziemlich beeilen, weil Tumasch und Laurenz noch den Van weiter nach Washington bringen mussten. Gegen 14h kamen wir bei unserem Hotel in New York an, und während der Rest der Band die ersten Schritte in der grossen Stadt machten, fuhren wir zwei weitere vier Stunden in den Süden. Kurz vor sieben erreichten wir Washington und sollten um neun eigentlich zurück nach New York fliegen. Doch schon beim Einchecken zeigte es eine halbe Stunde Verspätung an. Das setzte sich dann mit schöner Regelmässigkeit fort, bis der Flug um Mitternacht dann ganz gecancelt wurde. Das hiess eine Nacht mehr in Washington auf Kosten von Delta Airlines. Am nächsten morgen flogen wir dann endlich nach New York und versuchten natürlich, soviel wie möglich nachzuholen. Ground Zero, Wallstreet, Freiheitsstatue und am Abend sogar ein Spiel der New York Knicks. Zudem war Donnerstag auch noch St. Patricks Day, und natürlich wird der irische Nationalfeiertag auch hier von allen begangen. Neben der offiziellen Parade beim Central Park wimmelte es überall von grüngekleideten sturzbetrunkenen Menschen. Ein Bild zum Abgewöhnen. So wie der Harassenlauf in Basel, nur voll legal und ohne Militäreinsatz.

Jetzt bleiben uns noch drei Tage. Morgen die grosse Harmony Sweepstakes Competition.

Für den Schlaglicht-Blog berichtet die Basler A-capella-Band The Glue noch bis Ende März von ihrer Nordamerika-Tournee.

Zurück in die USA: Technik und Kniesalbe in Boston

the glue am Dienstag den 15. März 2011

Sonntag Abend spielten wir erneut ein tolles Konzert in Kanada, im Centre des Arts KoSA. Leider fanden an diesem kalten Sonntag Abend nicht so viele Leute den Weg zu uns. Die, die da waren, erlebten aber einer super Abend, wie auch der Schweizer Konsul in Montreal in seinem Kommentar bestätigt. (siehe Kommentar zu Kanada im Schnee und eine Kulturattachée). An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Michael Zaugg für die Organisation unseres Kanada-Aufenthaltes.

Am Montag verliessen wir Kanada wieder in Richtung USA. Nach sieben Stunden und einem kurzen Grenzproblem (Oliver hatte keinen Stempel in seinem Pass) erreichten wir dann endlich Boston und fuhren sogleich zum hiesigen Schweizer Konsulat Swissnex, um den stellvertretenden Konsul Andreas Rufer zu treffen, der für uns am Dienstag einen Auftritt an ihrem Tag der offenen Tür ermöglicht hat. Michis erste Frage galt einer heilenden Salbe für sein Knie, das er sich irgendwie nächtens in Montreal verletzt hat. Das war natürlich kein Problem. Auch dafür sind Konsulate da. Drinnen erwartete uns ein immenser technischer Aufbau, der nicht nur etwas übertrieben war, sondern auch optisch nicht gerade gut aussah. Die Technikfirma hatte unseren Technical Rider sehr grosszügig interpretiert. Nach kurzer Rücksprache reduzierten wir das Equipment aufs Nötigste und gingen dann zu einem Essen mit Mitarbeitern des Konsulats und assoziierten Studenten. Ein guter Abschluss eines langen Tages. Morgen steht ein Besuch in Boston an, am frühen Abend dann das Konzert im Swissnex.

Für den Schlaglicht-Blog berichtet die Basler A-capella-Band The Glue noch bis Ende März von ihrer Nordamerika-Tournee.

Irrlauf durch die unterirdische Stadt

the glue am Sonntag den 13. März 2011

Da Montreal, wie wir am eigenen Leibe erfahren durften, sehr oft und sehr schnell von Tonnen von Schnee bedeckt ist, haben sich die Stadtväter überlegt, dass es doch sinnvoll wäre, die wichtigsten Gebäude der Stadt unterirdisch miteinander zu verbinden. Daraus entstanden ist die grösste unterirdische Stadt der Welt. Über 30 Kilometer erstreckt sich das Labyrinth von Gängen, Rolltreppen und Plätzen. Das mussten wir uns natürlich anschauen, zumal es da anscheinend Menschen gibt, die im T-Shirt aus ihrer Wohung kommen und über die unterirdische Stadt ihren Arbeitsplatz erreichen. Nur erwies es sich als  nicht so einfach, diese unterirdische Stadt zu finden. Wir hatten uns natürlich auch eine futuristische Metropole à la Matrix vorgestellt. Die Realität war dann doch etwas ernüchternd. Über relativ karge Gänge sind die grössten Gebäude Downtown miteinander verbunden. Im Untergeschoss erstrecken sich Malls und Restaurants. Um die Sache etwas annehmlicher zu gestalten, wurde das Ganze in einen Art Walk verwandelt, so dass man von Kunstwerk zu Kunstwerk pilgert, während man sich von Gebäude zu Gebäude bewegt. Tatsächlich scheinen dort unten aber Menschen zu leben, denn es begegneten uns einige Leute im T-Shirt.
Fast interessanter erschien uns die oberirdische Stadt. Ein wilder Mix von klassischer Architektur und modernen Hochhäusern. Abends besuchten wir noch das Konzert unseres Gastgebers Michael Zaugg mit seinem St. Lawrence Choir. Zu Stücken von Hindemith, Debussy, Ravel und zwei zeitgenössischen kanadischen Komponisten entwarfen acht Künstler während des Konzertes Gemälde, die die Stimmung wiederspiegelten. Eine spannende Idee, die Ergebnisse schienen uns aber von unterschiedlicher Qualität.  Heute steht uns nächstes Konzert an. Wir spielen im  Centre des Arts KoSA in Montreal.

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