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Gerhard Fehr am, Dienstag 10. April 2012

Ist ein starker Franken gut für uns? Warum die Bindung an den Euro Sinn ergibt

Am Donnerstag vergangener Woche war es tatsächlich für einen Moment lang so weit: Ein Euro kostete 1,1992 Franken. Das erste Mal seit September 2011 war die Währung unter 1,20 Franken gerutscht. Die Nationalbank reagierte prompt. Am Nachmittag lag der Euro wieder über der Kursgrenze, die der ehemalige Notenbank-Chef Philipp Hildebrand im Vorjahr ausgegeben hatte und die de facto eine Bindung des Franken an den Euro darstellt.

Die damals kritisierte Massnahme erweist sich rückblickend als Erfolg. Sie brachte die Notenbank zurück in die schwarzen Zahlen. Sie verringerte die Wechselkursvolatilität und gab den Unternehmen Planungssicherheit. Und, so die SNB in ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung im März: Es mehren sich die Anzeichen, dass sich die Wirtschaftslage in der Schweiz stabilisiert.

Für 2012 wird ein moderates Wirtschaftswachstum von einem Prozent erwartet, die Inflation wird mit -0,6 Prozent prognostiziert. Über Null gerät sie dann erst wieder im nächsten Jahr (+0,4 Prozent), 2014 sollen es +0,6 Prozent sein.

Inflation, so scheint es, ist vorerst also kein Grund, besorgt zu sein. Und selbst wenn die SNB in Zukunft weiter im grossen Stil Franken drucken muss, um europäische Währung in unbegrenzter Menge kaufen zu können, ändert das daran nichts.

Inflation muss kein Nachteil sein

Ein gesundes Mass an Inflation wird auch die Schweiz vertragen. Und vielleicht braucht sie das sogar, denn moderate Inflation ist ein Schmiermittel unserer Wirtschaft, das aus mehreren Zutaten besteht.

Eine davon ist zum Beispiel die Geldillusion: Sie sorgt dafür, dass wir uns auch dann reicher fühlen, wenn wir in Wirklichkeit ärmer geworden sein – zum Beispiel, wenn unser Lohn um 1 Prozent steigt und die Teuerung gleichzeitig 2 Prozent beträgt. Das kommt zwar de facto einer Lohnkürzung gleich, doch wir nehmen sie nicht als solche wahr. Fazit: Wenn der Markt durch Inflation die Löhne senkt, ist das ein anonymer Mechanismus, der viel eher akzeptiert wird, als wenn ein Unternehmer die Löhne senkt.

Doch was passiert bei null Inflation? Da treten noch ganz andere Phänomene auf, wie der Verhaltensökonom Ernst Fehr vor einigen Jahren heraus fand: Keine Inflation hat eine ökonomische und eine psychologische Wirkung.

Psychologisch, weil eine Lohnkürzung um 1 Prozent hier deutlich sichtbar in Franken ausgedrückt werden müsste, was besonders weh tut – und das verletzt die Fairnesspräferenzen so, dass Vorgesetzte lieber darauf verzichten und im Notfall sogar eher entlassen, um diesem Effekt zu entgehen.

Null Inflation kann zu Arbeitslosigkeit führen

Ökonomisch, weil eine Firmenpolitik, die auf diesem irrationalen Verhalten beruht, fatal sein kann: Da die Nominallöhne gegen unten starr sind, funktioniert der Arbeitsmarkt nicht mehr richtig, sobald die Inflation gegen null sinkt. Daraus kann Arbeitslosigkeit entstehen.

Droht diese Gefahr nun auch in Zeiten der Bindung des Franken an den Euro, die genau das eigentlich verhindern soll, nämlich Arbeitslosigkeit wegen eines starken Franken?

Nicht unbedingt, wie ein Blick in die Geschichte zeigt: 1978 hatte die Schweiz den Franken an die D-Mark gekoppelt, um die Aufwertung zu stoppen. Die Geldmenge wurde ausgeweitet, mit einem Abstand von drei Jahren führte das zu einem Anstieg der Inflationsrate von 0,4 auf 7,5 Prozent. Auf die Arbeitslosenrate hatten damals weder die Koppelung, noch die darauf folgende Inflation aussergewöhnliche Auswirkungen.

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