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Scheitern, um zu gewinnen

Ewa Hess am Mittwoch den 11. Mai 2016

Seien wir ehrlich: Wir leben in einer Welt, in der nur das Gewinnen zählt. The winner takes it all, sang Abba. Das war eine Prophezeiung, auch wenn sich die Songzeile erst mal auf das Scheitern einer Liebe bezog.

Paradoxerweise haben sich die Gewinner der neuen ökonomischen Ordnung, die omnipotenten Multimillionäre, in eine Kunstrichtung verliebt, welche auffallend oft das Scheitern zum Thema macht: in die zeitgenössische Kunst. Diesen komplexen Sachverhalt machte das Auktionshaus Christie’s zum Thema einer Verkaufsveranstaltung – und gewann damit auf der ganzen Linie. Dies ist die Geschichte des «Bound to Fail»-Abendverkaufs von Christie’s, an dem am Sonntagabend in New York beinahe 80 Millionen Dollar umgesetzt und bis auf ein einziges alle Werke verkauft wurden.

Was: Evening Sale «Bound to Fail» von Christie’s
Wann: Sonntag, der 8.5.2016
Wo: Rockefeller Plaza, New York

Maurizio Cattelan, «Him» von 2001, verkauft für $17,189,000 (inkl. Käuferkommission). Das nur 1 Meter hohe Werk zeigt einen knienden Hitler, das Gesicht wie im Schmerz verzehrt. Bereut er? Bittet um Verzeihung? Oder bedauert er, nicht gesiegt zu haben? Cattelans Werk stellt wie immer viele Fragen, die mitten ins Gewissen zielen.

Maurizio Cattelan, «Him» von 2001, verkauft für $ 17’189’000 (inkl. Käuferkommission). Die nur einen Meter hohe Skulptur zeigt einen knienden Hitler, das Gesicht wie im Schmerz verzerrt. Bereut er? Bittet er um Verzeihung? Oder bedauert er, nicht gesiegt zu haben? Cattelans Werk stellt wie immer viele Fragen, die mitten ins Gewissen zielen. © Maurizio Cattelan (alle Werkabbildungen Courtesy Christie’s)

Früher war das so: Die Aktionshäuser verkauften, was ihnen gerade so an Kunst angeboten worden ist. Manchmal traf es den Nerv der Zeit und verkaufte sich gut, manchmal eben nicht.

Heute geht das oft anders. Begabte Auktionshaus-Kuratoren versuchen zu erahnen, was gerade ein wichtiges Thema sein könnte, und suchen aktiv nach Werken, die dazu passen. Dem Verkauf wird ein Titel verpasst, der die ganze Sache auf den Punkt bringt und eine Versteigerung in ein geschichtsträchtiges Ereignis verwandelt. Die erhöhte Intensität bleibt nicht ohne Einfluss auf die Kaufbereitschaft, wie gerade das Beispiel der «Bound to Fail»-Auktion zeigt.

Loïc Gouzer, Deputy Chairman Postwar and Contemporary, Christie's

Loïc Gouzer, Deputy Chairman Postwar and Contemporary Art, Christie’s

Der kluge Kopf hinter dem Event war diesmal ein Schweizer, der nur 35-jährige Genfer Loïc Gouzer, Christie’s «deputy chairman postwar and contemporary art», also eine Art Sparten-Vizedirektor, oder was der Titel auch immer heissen mag. Gouzer hat schon «Looking Forward to the Past» orchestriert, die berühmt gewordene kuratierte Auktion vom Mai 2015, an der Picassos «Les Femmes d’Alger» von 1955 für fast 180 Millionen Dollar verkauft und so zum am teuersten verkauften Kunstwerk wurden.

Gouzer, der aus einer reichen Familie kommt (die ursprünglich mit Austernverkauf ihr Geld gemacht hat und der ein Teil Genfs gehört), ist befreundet mit einigen der Darlings der neuen Schickeria und weiss, wie sie ticken. Mit Leonardo di Caprio verbindet ihn nicht nur Freundschaft, sondern auch das Engagement für die Umwelt, sie haben schon gemeinsam Werke erworben (Private View berichtete hier).

Gab der Auktion den Titel: Bruce Naumans Gusseisenskulptur von 1970 mit dem Titel «Henry Moore Bound To Fail». Sie zeigt Bruce Naumans auf dem Rücken zusammengebundene Hände. Ein Bild für die Ohnmacht, aber auch für die Kraft eines Künstlers, der aus seinem Handicap seine Stärke bezieht

Gab der Auktion den Titel: Bruce Naumans Gusseisenskulptur von 1970 mit dem Titel «Henry Moore Bound to Fail». Sie zeigt Bruce Naumans auf dem Rücken zusammengebundene Hände. Ein Sinnbild für die Fähigkeit eines Künstlers, gerade seine Schwäche in Stärke umzumünzen.

Paris Hilton, die jetzt öfter in New York anzutreffen ist, seitdem sie das Kühestreicheln in Schindellegi aufgegeben hat, hauchte nach der Auktion am Sonntag den anwesenden Reportern ins Mikrofon, dass «Loïc ein sehr guter Freund» von ihr sei. Kelly Crow, die allwissende Auktionsberichterstatterin des «Wall Street Journal», twitterte zudem, dass sie den Hollywood-Beau Christian Slater in der Menge gesichtet habe. Dabei fand die Auktion ungewöhnlicherweise an einem Sonntag, und das schon um 17 Uhr, statt. Manche kamen ausser Atem, weil sie die letzten Cocktails der Kunstmesse «Frieze» noch austrinken mussten.

Bildersuche per Instagram

Bildersuche per Instagram.

Man kann nicht sagen, dass Gouzer nicht wusste, was er wollte. Er wusste es ganz genau. Nach Werken seiner Wahl suchte er unter anderem auf Instagram, vor aller Augen.

Zu Martin Kippenbergers Skulptur «Martin, ab in die Ecke und schäm dich» schrieb Gouzer auf Instagram etwa: «would kill to have it in #boundtofail auction and ready to offer significant money for it – any ideas?» Worauf die Sammlerin und Art Advisor Eleanor Cayre kommentierte: «Finde es, Loïc, ich gebe eine Garantie dafür!» Womit sie auf die Gepflogenheit anspielte, dass man den Anbietern einen Preis im Voraus verspricht, egal wie die Auktion dann läuft.

Nun, diesen Kippenberger fand Loïc nicht, dafür den schönen gekreuzigten Frosch «Zuerst die Füsse», der dann auch für 1,325 Millionen Dollar verkauft wurde, eine gute halbe Million höher als geschätzt.

Martin Kippenbergr, «Zuerst die Füsse»., mit Autolack bemalte Holzskulptur, 1990, verkauft für $1,325,000. «Fred the Frog», des Künstlers Alter ego, hängt häretisch am Kreuz. Was für grosse Entrüstung der Kirchekreise sorgte, ist im Grunde ein trauriges Selbstbildnis des Künstlers selbst, mit Bierkrug und Spiegelei. Kippenberger, der sich selbst nie ernst nahm, beeinflusst nach wie vor ganze Generationen von Künstlern.

Martin Kippenberger, «Zuerst die Füsse», mit Autolack bemalte Holzskulptur, 1990, verkauft für $ 1’325’000. «Fred the Frog» des Künstlers Alter ego hängt häretisch am Kreuz. Was für grosse Entrüstung der Kirchenkreise sorgte, ist im Grunde ein trauriges Selbstbildnis des Künstlers selbst, mit Bierkrug und Spiegelei. Kippenberger, der sich selbst nie ernst nahm, beeinflusst nach wie vor ganze Generationen von Künstlern.

Aus Schweizer Sicht höchst erfreulich: Natürlich hat der Genfer eine bessere Kenntnis der Schweizer Szene als die Amis. Und placierte in seiner illustren Verkaufsschau einige CH-Helden, die ein glorreiches Werk aufweisen, aber noch nicht die exorbitanten Preise der deutschen Grossmeister erzielen. So setzte «Bound to Fail» (oder, wie manche spotteten, «Bound to Sell») Marktrekorde für die helvetischen Stars John Armleder und Olivier Mosset. Höchste Zeit, dass ihr Werk auch preislich zum Weltniveau aufschliesst.

Schweizer Maximalismus und Minimalismus schliesst preislich auf. Links: John Armleder, «Chabasite» von 2003, Acryl auf Leinwand, verkauft für $221,000 . Rechts: Olivier Mosset, Untitled von 1969, verkauft für $137,000 .

Schweizer Maximalismus und Minimalismus schliesst preislich auf. Links: John Armleder, «Chabasite» von 2003, Acryl auf Leinwand, verkauft für $ 221’000. Rechts: Olivier Mosset, Untitled von 1969, verkauft für $ 137’000.

Auch einige Italiener profitierten von der dekadenten europäischen Stimmung (in der düstere Vorahnungen des Versagens gefeiert werden). Der kleine kniende Hitler von Maurizio Cattelan, eine Skulptur namens «Him», kroch langsam von den geschätzten 10 bis auf 15,2 Mio. Dollar (17,2 mit Käuferkommission).

Und eine fotografische Arbeit der 45-jährigen italienischen Künstlerin Paola Pivi ging für 227’000 Dollar weg, auch für sie ein Marktrekord. Es bleibt mir persönlich komplett unverständlich, warum ein sehr schönes Kartoffelfeld von Sigmar Polke nicht verkauft wurde – es war das einzige Werk, auf dem das Auktionshaus sitzen blieb. Ich hätte es sehr gern gekauft, wenn ich eine schwerreiche Sammlerin wäre (bin aber weder das eine noch das andere).

Paola Pivi, «Untitled (Donkey)», Fotoprint, 2003, verkauft für $227,000 . Mitten im blauen Ozean eine verlorene Kreatur. Wo gehört sie hin? Wird sie jemand retten? Eine simple Metapher, die viele unserer Ängste anspricht.

Paola Pivi, «Untitled (Donkey)», Fotoprint, 2003, verkauft für $ 227’000. Mitten im blauen Ozean eine verlorene Kreatur. Wo gehört sie hin? Wird sie jemand retten? Eine simple Metapher, die viele unserer Ängste anspricht.

Das war also der Anfang der Frühlingsauktion-Saison in New York. Obwohl die Preise angesichts des komplexen Themas moderat blieben (im Vergleich zu den exorbitanten Zuschlägen an anderen kuratierten Auktionen), muss man sagen, dass das Event alles andere als eine Niederlage war. Im Gegenteil, man müsste fast eine andere Songzeile, die von Bob Dylan, bemühen, der einst sang «there’s no success like failure» (wenn auch bei Dylan die Aussage sofort ins Gegenteil verkehrt wird, «but failure’s no success at all»).

Aber zurück zur Auktion – sie zeigte, dass eine Abkühlung des Kunstmarktes auch ihre guten Seiten hat. Sie erlaubt den Anbietern und den Käufern, die schwierigen Kunstwerke so richtig aufs Pedestal zu stellen, auch wenn sie nicht die absoluten Preiskönige sind. Richtig so, denn das Schwierige, das Dunkle und das mit der Welt Unversöhnte bleibt nun mal der Stoff, aus dem die beste Kunst schöpft.

Schweizer Qualität bei Sotheby's Auktion am 31. Mai in Zürich: John Armleder (OHNE TITEL (U 39), 1991, Lack, Bronzelack und Firnis auf Leinwand 300 x 180 cm) und Diego Giacomettis "Chat maitre d'hotel»

Überlegene Schweizer Qualität bei der Sotheby’s-Auktion am 31. Mai in Zürich: John Armleders wunderbares Werk von 1991 (Lack und Firnis auf Leinwand, 300 x 180 cm), Diego Giacomettis witzige Skulptur «Chat maître d’hôtel»

Post Scriptum: Für uns Schweizer war übrigens die Botschaft, welche diese New Yorker Auktion vermittelt hat, auch in materieller Hinsicht «good news». An den kommenden Auktionen der Schweizer Kunst in Zürich werden nämlich Ende Mai Werke von Armleder, Mosset und anderen angeboten, die qualitativ über den in New York verkauften stehen. Für die hiesigen Sammler ein nicht zu unterschätzender Hinweis aus Übersee.


Ein kleiner Einblick ins Auktionsgeschehen (Courtesy Christie’s).

Tanz mit den Divas

Ewa Hess am Dienstag den 22. September 2015

John Armleder ist einer unserer wichtigsten Künstler, liebe Leserinnen und Leser, und heute will ich von einer aussergewöhnlichen Arbeit des Malers, Performers und Konzeptkünstlers aus Genf berichten. Ich habe sie in einer meiner Lieblingsgalerien entdeckt – bei Susanna Kulli im Kreis 4 in Zürich.

Was: «Jericho» von John M. Armleder
Wo: Galerie Susanna Kulli, Dienerstrasse 21, 8004 Zürich (Di–Fr 13–18, Sa 11–16)
Wann: Bis auf weiteres

John Armleder und Susanna Kulli 1963 beim Einrichten der ersten Ausstellung in St. Gallen

John Armleder und Susanna Kulli 1983 beim Einrichten der ersten gemeinsamen Ausstellung in St. Gallen – es war die vierte Ausstellung der jungen Galerie Kulli überhaupt.

Es ist eine kleine Galerie, aber lasst euch nicht täuschen. Susanna Kulli ist unsere Marian Goodman, obwohl sie natürlich viel jünger ist als die allseits respektierte amerikanische Galeristin, die so viele tolle europäische Künstler als Erste in den USA vertrat – und still going strong mit Räumen in Paris und London! Susanna Kulli hat ihre Pioniertätigkeit in St. Gallen begonnen. In ihrem Programm machte sie von Anfang an keine Kompromisse, und in ihrem künstlerischen Urteil blieb sie bis heute unbeirrt. In ihrer zweiten Ausstellung überhaupt zeigte sie schon Gerhard Merz, in der vierten John Armleder. Wenig später war bei Susanna Kulli übrigens der andere wunderbare Romand dran, Olivier Mosset. 1993 widmete sie eine Schau dem jungen Thomas Hirschhorn. Den Namen hat damals zuvor noch niemand gehört.

Und erst vor wenigen Jahren hat mir die unermüdlich entdeckungsfreudige Galeristin das Werk von Bertold Stallmach vorgeführt, eines 31-jährigen in Zürich lebenden Künstlers, das mich mit seiner innovativen Energie verblüfft hat. Heute kennt man Stallmach besser, und bestimmt steht Kullis Interesse wieder am Anfang einer internationalen Karriere.

So kommt es, dass die inzwischen gross und grösser gewordenen früheren Schützlinge, die in der Weltliga mitmischen, mit ihren unkonventionellen Arbeiten schnurstracks in die Galerie Susanna Kulli marschieren. Sie wissen – hier wird man verstanden und unterstützt. Und just von Armleder hängt bei Frau Kulli seit einigen Monaten eine Arbeit an der Wand, die im Werk des Genfers absolut einmalig ist – die einzige, in welcher er sich mit Fotografie auseinandersetzt.

Susanna Kulli in ihrer Galerie vor dem Werk «Jericho»

Susanna Kulli in ihrer Galerie vor dem Werk «Jericho»

Ich wollte dieses «Jericho» schon lange anschauen gehen, am Samstag fand ich endlich Zeit. Und muss es sofort mit euch, liebe Leserinnen und Leser, teilen, denn es ist eine wunderbare Geschichte. Es handelt sich bei diesen 88 Fotos eigentlich um ein Fundstück. Der Künstler selbst hat sie mit seiner dafür berühmten feinen Hand  arrangiert. Es war eine Schachtel, die bei einem Fotohändler stand. Armleder schaute ein Bild nach dem anderen an – und siehe da, es war eine ganz und gar ungewöhnliche Sammlung. Lauter Bilder von Showbusiness-Stars, die entweder gerade fotografiert werden oder gar zurückfotografieren.

Was heute gang und gäbe ist, nämlich dass jeder knipst so wie er atmet, war in den Jahren, aus welchen diese Bilder stammen, eher eine Ausnahme. In schönster Fluxus-Manier nimmt Armleder (die Arbeit ist auf 2013 datiert) den in der Fotoschachtel gefundenen Ton auf und beschäftigt sich mit dem Thema auf seine Weise. «Mir kommt es wie eine der Performances Armleders  vor», sagt die Galeristin zu «Jericho». Es sei, als ob der Künstler mit dem Thema tanzen würde. Und auch mit den unbekannten Fotografen, welche diese Bilder geschossen haben sowie den leicht verblichenen Filmdivas, die hier abgebildet sind.

Was man aber in der Ausstellung nicht sieht, liebe Leser, sind die Fotorückseiten. Da die Bilder gerahmt an der Wand hängen, sind die Rückseiten unsichtbar. Aber die gehören unbedingt dazu. Die Galeristin hat sie eingescannt und zeigte sie mir am Bildschirm. Wir kamen ins Rätseln und manchmal auch ins Kichern! Schön wars.

Darum hier, nachfolgend, eine veritable Private View – nur für Euch, liebe Leserinnen und Leser, einige der Bilder und ihre Rückseiten. Enjoy.

Vorderseite

Vorderseite: Zwei Fotojägerinnen.

Rückseite: Man hält es für wichtig, Caroline Kennedy zu erwähnen. Dass man die Schauspielerin Ali McGraw sowieso erkennt, nahm man vielleicht selbstverständlich an

Rückseite: Man hält es für wichtig, Caroline Kennedy, die Tochter von J.F.K., rechts zu erwähnen. Dass man die Schauspielerin Ali MacGraw (links) sowieso erkennt, nahm man vielleicht als selbstverständlich an.

Den erkennt man

Den erkennt man, oder?

«The Killing Fields» - es muss in einer Drehpause entstanden sein

«The Killing Fields» – das Porträt muss in einer Drehpause entstanden sein.

Shirley McLaine, natürlich, und der Mann mit der Kamera?

Shirley MacLaine, natürlich, und der Mann mit der Kamera?

Der junge Alain Delon, who else. Am Set von «The Yellow Cadillac»

Aha, natürlich, der junge Alain Delon. Am Set von «The Yellow Rolls-Royce».

Eine mysteriöse Szene mit einem beleibten Kerl im Vordergrund

Eine mysteriöse Szene mit einem beleibten Kerl im Vordergrund.

Marlon Brando

Es ist Marlon Brando, April 1980 – wohl nicht am Set von «The Formula», sondern bei einem privaten Ausflug des Schauspielers.

Gepflegtes Heim...

Gepflegtes Heim …

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… von den Hollywoodstars Stewart Granger und Jean Simmons.

Was wird hier Ingrid Bergmann an die Hand gemalt?

Was wird hier Ingrid Bergmann auf die Hand gemalt?

Makeup-Touchups

Make-up-Touch-ups, fotografiert von Yul Brynner auf dem Set von «Anastasia» in London. «It is the first American-made movie in which Miss Bergmann has appeared since she left the U.S. eight years ago …» Wir schreiben das Jahr 1956.

Sterbeszene?

Eine Leidensszene aus?

Offensichtlich

Diese Rückseite gibt Rätsel auf. William Read Woodfield, muss man wissen, ist jener eigentlich wenig erfolgreiche Drehbuchautor, der der Serie «Mission Impossible» zu ihrem frühen Erfolg verholfen hat, indem er «magische Tricks» in den Plot eingeführt hat (er war Hobby-Magier). Danach wurde er Filmfotograf und erlangte eigenartigen Ruhm als einer jener Fotografen, die Marilyn Monroe am Pool fotografiert hatten, als sie sich entschloss, das Badekostüm komplett abzulegen (s.g. Blue Pool Aufnahmen). Doch welche Filmszene fotografierte er hier? Und wer ist die oder der mysteriöse F.P.G., dem das Foto zugeeignet ist? Die Dame könnte junge Liz Taylor sein…

Das muss doch die fotografierende Kleopatra sein.

Hier erkennt man die Protagonistin sofort, vor allem am Kostüm. Es fotografiert: die Kleopatra.

 

Natürlich, the one and only Liz Taylor

Natürlich, the one and only – Liz Taylor.

Erwartungsvoller kann man die Kamera wohl nicht im Anschlag halten.

Erwartungsvoller kann man die Kamera wohl nicht im Anschlag halten.

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Und schon wieder ist die weniger bekannte angeschrieben: Lauren Hutton (rechts). Die links kennt man auch heute, natürlich Geraldine Chaplin.

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Kann man den Finger hoch halten mit französischem Akzent?

Jericho_John Armleder_0012a_back_Galerie Susanna Kulli

Ja, denn es ist das Jahr 1934 und Maurice Chevalier kommt gerade in New York an, das seinem Pariser Charme restlos verfällt.

Grüsse von John Waters, er kommt!

Ewa Hess am Dienstag den 9. Dezember 2014

War das eine Aufregung! Zuerst die Gala des Swiss Institute in New York, dann Art Basel in Miami Beach. Hier schon mal Entwarnung: Alles ging gut. Was sage ich gut, es war noch nie besser! Swiss Institute still going strong, und in Miami haben sich die Sammler die Werke aus den Händen gerissen. Und weil nach den Exzessen des Marktes immer ein schaler Nachgeschmack bleibt, wird Private View heute zwei Männer feiern, die dem goldenen Kalb nie dienten, stets aber den Mainstream herausgefordert haben – als Priester des ausgefallenen Geschmacks. Meet John Waters und This Brunner.

This Brunner (rechts) und seine atmosphärische Tashlin-Installation am Benefiz des Swiss Institute am 1. Dezember in New York

This Brunner (rechts) und seine atmosphärische Tashlin-Installation am Benefiz des Swiss Institute am 1. Dezember in New York.

This Brunner kennen Sie bestimmt: Der immer mit einer lässigen Eleganz gekleidete Gentleman war 35 Jahre lang der künstlerische Leiter der Zürcher Arthouse-Kinos. Er revolutionierte die Schweizer Kinoszene, zeigte Anfang der Siebzigerjahre Warhols frühe Untergrundfilme in Zürich, auch Fassbinder, Herzog – die Leute sind Schlange gestanden! Es waren die ersten Nocturnes in der Stadt. Als wir vor fünf Jahren This Brunner interviewt haben, fragten wir ihn, ob der Film oder die Kunst seine erste Liebe seien. Wir: Was war Ihre erste Liebe? This: Kino, natürlich. «Hänsel und Gretel». Wir, erstaunt: Was, «Hänsel und Gretel», der Kinderfilm? This, lachend: Ja. Am Schluss bin ich beim Hänsel hängen geblieben. (Hier das von Matthias Lerf und mir für die «SonntagsZeitung» geführte Interview in voller Länge).

Ja, vielleicht ist Film seine erste Liebe, aber die grosse Lebensliebe von This Brunner (eigentlich Matthias) war der legendäre Zürcher Galerist Thomas Ammann, und nach dessen frühem Aidstod blieb This Kunst – seine lebenslange Passion. Wer schon mal in seiner Wohnung war, weiss, wie voll sie ist mit auserlesenen Werken, die nicht selten dem charismatischen Kinomann von den Künstlern selbst geschenkt worden sind. (Dass er den Schlüssel zu Andy Warhols Pariser Wohnung einst hatte, gibt er offen zu).

Installationen von This Brunner: Links und rechts «Elevation 1048» in Gstaad, in der Mitte Installationsobjekt «Magnificent Obsessions»

Installationen von This Brunner: Links und rechts «Elevation 1048» in Gstaad, in der Mitte das Objekt «Magnificent Obsessions».

Ich weiss aber nicht, wie stark es sich bereits herumgesprochen hat, dass This Brunner jetzt selbst Kunst macht. Seine Installationen haben mit Kino zu tun – es sind atmosphärische Inszenierungen der Szenen und der Gefühle, die Kino auslösen kann. This macht die besten, intensivsten Szenen aus seinen Lieblingsfilmen sozusagen zu Kunstobjekten, welche sie doch eh sind. Genial! Ich habe im Januar die Installation in Gstaad gesehen, anlässlich der Alpenbiennale «Elevation 1049». Da hat er Szenen aus Daniel Schmids Filmen in einem alten Bunker eingerichtet. Es war ein Highlight der von Neville Wakefield und Olympia Scarry kuratierten Schau, und das will etwas sagen, waren doch tolle Künstler wie Olivier Mosset, Christian Marclay und Fischli/Weiss dabei.

Die Galas des Swiss Institute sind immer ein Vor-Art-Basl-Miami-Beach-Highlight in New York, das Gedränge war gross, und selbst die Sexepertin Ruth Westheimer(links)  kam und twitterte begeistert vor einer Skulptur der deutschen Künstlerin Sarah Ortmeyer

Die Galas des Swiss Institute sind immer ein Vor-Art-Basl-Miami-Beach-Highlight in New York, das Gedränge war gross (rechts), und selbst die Sexepertin Ruth Westheimer (links) kam und twitterte begeistert vor einer Eis-Skulptur der deutschen Künstlerin Sarah Ortmeyer.

Für die Gala am Swiss Institute hat This Brunner Szenen aus den Komödien von Frank Tashlin, genannt Tish Tash, inszeniert. Die Stimmung war berückend, und der Auktionator Simon de Pury hat sich zum Ausruf hinreissen lassen, dass dies die beste Installation sei, die er je im Swiss Institute gesehen habe. Ja, «the best ever»! Die grosse Überraschung des Abends war die Laudatio, die ein anderer Freund von Brunner hielt: the one and only John Waters, der König des Trash-Kinos.

Die Ansprache hielt Waters per Video. Als ein besonderes Schmankerl, liebe Freundinnen und Freunde von Private View, kann ich nun diese Videobotschaft mit euch teilen. John Waters hat es mir erlaubt! Be our guests.

John Waters Video - seine mutter wollte immer, dass er This Brunner heiratet!

John Waters’ Video – seine Mutter wollte immer, dass er This Brunner heiratet!

Ohne Frage, John Waters ist ein Fan von This Brunner. (Den Text von Waters’ Videobotschaft habe ich unten für Sie transkribiert, so geht kein Wort verloren). Und da ich ganz sicher bin, dass es in Zürich auch viele Waters-Fans gibt, will ich am Ende dieses Beitrags die beste Nachricht nicht verschweigen: John Waters kommt! Im August 2015 veranstaltet das Kunsthaus eine schöne Waters-Schau unter dem sprechenden Titel: «How much can you take?». Für das Haus ein doppelter Anlass zur Freude, denn die ausgestellten Fotos und Kunstobjekte werden danach in den Besitz des Kunsthauses übergehen. This Brunner schenkt sie dem Kusnthaus! Ja, seine  gesamte John-Waters-Sammlung: Fotografien, Drehbücher, Objekte. So bleibt von dieser Freundschaft auch der Öffentlichkeit ein Schatz erhalten. Wenn das nicht wie Weihnachten klingt!

John Waters beim Autostoppen quer durch Amerika, wovon sein letztes Buch «Carsick» erzählt, in den USA ein Bestseller

John Waters beim Autostoppen quer durch Amerika, wovon sein letztes Buch «Carsick» erzählt (in den USA ein Bestseller) und This Brunner in seiner Zürcher Wohnung unter einem Werk von Waters, das er bald dem Kunsthaus Zürich schenkt (Das Porträt von This machte Basil Stücheli für die NZZ).

Video-Transkription:

«Hi I am John Waters and I would love to be with you tonight. But I am in the middle of the spoken word act for my John Waters Christmas Tour. Ho! Ho! Ho!

The Swiss Insititute special Tribute. I meant to give it to This Brunner from the day I’ve met him. When he as a projectionist was facing a jail term for showing my film «Pink Flamingoes» in a coutry known for good taste, Switzerland!

This has perfect taste, high or low, he knows what is acceptable and I was following his leading from the day I’ve met him. I came to know great people through This: Fischli and Weiss, Walter Keller, Bice and Jacqueline, Maja Hoffmann, Thomas Ammann. I’ve had many glamourous nights with This in Gstaad, too, even if I was the only one to ski down the ski lift after the fancy dinners. And the Cannes Film Festival! This always knew, which film would be hot. And he appreciated the low life, too. I’ve shown him the sex bars in New York, This have shown me the sex bars in Zurich. He was trusted everywhere. Sex Bars? Fancy Museum? All the same.

This, who suffers the indignity of sometimes being referred to as «this» in America, because of his name, has made a huge contribution to the arts. His love and knowledge of films is legendary. His brilliant eye collecting is amazing. He understands contemporary art and is educational in explaining it to others. Sturtevant – he had her before any other collector did. He is a first read journalist, too. And most recently a fine artist. Whose installations are not only smart, but beautifull, and willing. This Brunner is an ultimate gentleman. My mother, who was slow coming around to gay marriage, always said: «Why can’t you marry This Brunner»?

He never purpously hurts anybody. If takt were gold, This would be the richest man on earth. He is a great friend, too. He keeps secrets. He returns you phone calls, even if you had bad reviews by press or fines. This, I salute you. A swiss diplomat of a very highest order.»

John Waters als «Bad Santa»

John Waters als «Bad Santa».

Und hier noch – als kleines Samichlaus-Geschenk – die John-Waters Xmas Playlist, die er auf seiner Tour kommentiert. Enjoy!