Sind wir jetzt ein Land der Denunzianten?

  • Pin this page0
  • 0

Unser Bankgeheimnis stirbt aus. Einige freuen sich darüber – aus Scheinheiligkeit oder aus Vergesslichkeit – und bedauern sogar, dass es jemals eingeführt wurde. Andere haben sich mit seinem Dahinscheiden abgefunden und sind der Ansicht, dass seine Verteidigung purer Sturheit gleichkommt.

Gerade jene, die seine Unantastbarkeit predigten, waren die Ersten, die dessen Sturz vorantrieben. Gewisse Banker schafften es, dem Bankgeheimnis durch ihr verantwortungsloses Handeln innerhalb von wenigen Monaten mehr Schaden zuzufügen als die gesamte Linke in mehreren Jahrzehnten.

Weder ist es die Aufgabe unserer Behörden, für die Vergehen unserer Banken ausserhalb der Schweiz geradezustehen, noch sollten die Steuerzahler dafür büssen.

Es ist nicht Aufgabe der Schweiz, für andere Länder Steuern einzutrieben: Timothy Geithner und der Schweizer Botschafter Urs Ziswiler.

Es ist nicht Aufgabe der Schweiz, für andere Länder Steuern einzutreiben: US-Finanzminister Timothy Geithner und der Schweizer Botschafter Urs Ziswiler nach der Unterzeichnung eines Steuerabkommens, 2009.

Aber haben diejenigen, die jetzt triumphieren oder resignieren, auch nur ein einziges Mal daran gedacht, was die Abschaffung des Bankgeheimnisses für unsere Wirtschaft bedeuten würde? Hand aufs Herz, wer kann behaupten, dass die Schweiz auch ohne die Unterstützung durch den Finanzplatz denselben wirtschaftlichen Aufschwung in der Nachkriegszeit erlebt hätte? Gewiss gab es Missbräuche und diese mussten angeprangert werden. Aber heute ist unser Land zur Zielscheibe der USA und der EU geworden, deren Wirtschaften dringend frisches Geld brauchen und die sich nicht scheuen, sich zu Moralaposteln aufzuschwingen, um ihr Ziel zu erreichen.

Schluss mit der Selbstquälerei! Weder ist es die Aufgabe unserer Behörden, für die Vergehen unserer Banken ausserhalb der Schweiz geradezustehen, noch sollten die Steuerzahler dafür büssen. Schliesslich sind wir nicht die Handlanger ausländischer Steuerbehörden. Unsere Kontrolle sollte sich darauf beschränken, zu prüfen, ob die an unsere Banken überwiesenen Einkünfte am ausländischen Wohnsitz zum Erwerbszeitpunkt deklariert wurden. Wenn ausländische Staatsangehörige der Meinung sind, dass ihr Erspartes in der Schweiz besser aufgehoben ist – Argumente dafür gibt es genug –, dann ist es sicher nicht unsere Aufgabe, sie zu denunzieren.

Diese Praxis der Denunziation, die sich ganz offiziell breitmacht, ist eine Schande für unser Land. Wir liefern anderen Ländern Menschen aus, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben, die indirekt zum Wohlstand unseres Landes beigetragen haben und genau aus dem Grund der Vertraulichkeit, die wir ihnen garantierten, zu uns gekommen sind. Rechtfertigt die Staatsräson denn jede Schandtat?

Auf internationaler Ebene ist Schwäche fatal. Und was macht unsere Regierung? Sie zeigt laufend Zeichen der Schwäche. Es ist Zeit, Nein zu sagen. Wenn die in unseren Banken – oft seit geraumer Zeit – deponierten Gelder nicht aus illegalen Tätigkeiten stammen und nicht am ausländischen Fiskus vorbeigeschleust wurden, muss das Bankgeheimnis gewährleistet sein. Die Schweiz darf nicht die Rolle des Angestellten von allen François Hollandes dieser Welt übernehmen, die denken, dass jeder Mensch, dessen Einkommen 4000 Euro pro Monat übersteigt, aus Prinzip reich sei!

Es wird Vergeltungsmassnahmen geben, sagen Sie? Natürlich ist es immer riskanter, aufrecht zu gehen als zu kriechen. Aber hat jemand je die Risiken abgeschätzt, die die aktuell betriebene Politik der Selbstaufgabe mit sich bringt? Unsere Banken sind bereit zu kapitulieren und bereits werden Strukturen vorbereitet, um anderswo Gewinne einzufahren.

In einer nahen Zukunft werden wir das Bankgeheimnis, das wir bei unseren ausländischen Kunden aufgeben, wohl auch für Schweizer Steuerzahler abschaffen – alles im Namen eines attraktiven, aber trügerischen Konzepts von «sauberem Geld». Die Steuerbehörden werden dann ohne weiteres Schreiben an alle Banken des Landes richten können, um Auskünfte über deren Kunden zu erhalten.

Erst wenn die Vertrauensbeziehung zwischen Bürger und Staat von allgemeinem Misstrauen abgelöst wurde, werden wir begreifen, dass wir mehr als nur eine Einnahmequelle verloren haben.

// <![CDATA[
document.write("„);
// ]]>