An die Arbeit, ihr faulen Nichtsnutze!

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Er geizt nicht mit Vorschlägen für die Lösung der Eurokrise, Peter Brabeck. Wie aus dem Ei gepellt, makellos gebräunt, so hat der Präsident des Nestlé-Konzerns sein Wunderrezept am Rand des WEF vorgestellt. «Das Problem der Wettbewerbsfähigkeit in Europa wäre gelöst, wenn die Leute etwas mehr arbeiteten», betonte der Topmanager am Sonntag, nicht ohne die Gewissenhaftigkeit der Schweizer zu loben.  Ein Monat vor der Abstimmung über die Volksinitiative «Sechs Wochen Ferien für alle» haben jene Kreise der Wirtschaft, die sich dem Projekt widersetzen, einen Verbündeten gefunden.

Man hätte die bittere Pille geschluckt, wenn der Präsident des Lebensmittelriesen nicht in verachtendem und spöttischem Ton hinzugefügt hätte: «Mehr arbeiten schadet niemandem, ehrlich.» Eine Aussage so bitter wie eine Tasse Nescafé. Leicht zu sagen bei einem Verdienst von 8,7 Millionen Franken im Jahr. Überstunden sind oft deshalb unbeliebt, weil sie mit Freizeit statt mit Geld abgegolten werden. Es ist schwierig, sich für die eigene Arbeit zu begeistern, wenn die eigene Kaufkraft stagniert, die Managerlöhne aber explodieren.

Kurz gesagt, man muss für seine Arbeit leben, und wenn möglich ein paar Überstunden machen. Und wer das nicht verstanden hat, ist eine gescheiterte Existenz.

Präsident des Nestlé

Mehr arbeiten schadet anscheinend nicht: Nestlé-Präsident Brabeck. (Bild: Keystone)

Seien wir ehrlich. Peter Brabeck gibt wenigstens ein Beispiel. Mit 67 arbeitet er immer noch. Sein Vermögen soll 100 Millionen Franken übersteigen, so die Zeitschrift «Bilan». Der Präsident von Nestlé macht daraus sogar ein moralisches Prinzip. «Wenn man den Leuten sagt, es sei eines der Hauptziele, nicht mehr zu arbeiten, so zerstört man den Sinn des Lebens», erklärte er in einem moralisierenden und pathetischen Ton dem Westschweizer Fernsehen. Kurz gesagt, man muss für seine Arbeit leben, und wenn möglich ein paar Überstunden machen. Und wer das nicht verstanden hat, ist eine gescheiterte Existenz. Die grosse Lektion des Lebens.

Es ist gut, das Schweizer Modell zu loben, aber es auf die Arbeitsmenge zu beschränken, ist höchstens etwas für CEOs. Gewiss arbeiten wir zwischen Genf und Romanshorn länger als unsere EU-Nachbarn und können zu Recht stolz darauf sein. Im Jahr 2010 haben die Schweizer im Durchschnitt 1931 Stunden gearbeitet (Quelle: Bundesamt für Statistik). Im Vergleich dazu arbeiteten die Franzosen nur 1679 Stunden und stehen daher am Schluss der europäischen Rangliste. Dies zeigt eine Studie des französischen Büros Coe-Rexecode vom 10. Januar.

Diese Umfrage über die Arbeitszeiten in Europa birgt jedoch einige Überraschungen. Mit nur 1904 Stunden stehen nicht die Deutschen mit der stärksten Wirtschaft Europas an erster Stelle. Nein, zuoberst auf dem Treppchen steht Rumänien, gefolgt von anderen Staaten Osteuropas. In Bukarest und Umgebung arbeitet man durchschnittlich 2095 Stunden.

Sogar die Griechen arbeiten mehr als die Schweizer. Genau 40 Stunden mehr pro Jahr, eine ganze kleine Woche. Demnach garantiert viel Arbeiten nicht unbedingt die Konkurrenzfähigkeit eines Landes. Peter Brabeck übergeht eine der Stärken der Arbeitskräfte in der Schweiz. Nicht wegen der Präsenzzeit im Büro oder in der Werkstatt, sondern wegen der Berufsethik, der Loyalität und der Tradition, hervorragende Arbeit zu leisten, nimmt unser Land einen Spitzenplatz in der Weltwirtschaft ein. Diese Charaktereigenschaften sind zerbrechliche Pflänzchen. Sie brauchen eine optimale Umgebung, um Produktivität zu steigern; Überstunden und längere Arbeitszeiten hingegen sind für sie Gift .

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