Cäsars Frau muss über jeden Verdacht erhaben sein!

Die Achillesferse des ehemaligen Nationalbankpräsidenten soll also seine Frau sein. Kashya Hildebrand, diese «starke Persönlichkeit», wie Ehemann Philipp es selbt sagte, verwendete die Bankkonten ihres Mannes, um ihre Steueroptimierungstätigkeit fortzusetzen, ohne je ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen.

Dabei ging es darum, die Barguthaben des Ehepaars im Verhältnis 50 zu 50 zwischen US Dollar und Schweizer Franken zu halten, um so beim sehr pedantischen amerikanischen Fiskus in Vergessenheit zu geraten.

Vom Beginn dieser Affäre an war Kritik an der Lässigkeit von Frau Hildebrand zu hören. «Ich bin sehr streng mit der Ehefrau von Herrn Hildebrand, denn sie hat die ganze Welt der Politik in eine sehr schwierige Lage gebracht. Die Partner von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie Herr Hildebrand eine ist, dürfen sich nicht dem Verdacht der Spekulation aussetzen. Das ist inakzeptabel für Politiker und die Mitglieder ihrer Familie!» entrüstete sich FDP-Präsident Fulvio Pelli im Westschweizer Radio. Er, der bestimmt kein schrecklicher Reaktionär ist.

Wo endet die Suche nach der Rechtschaffenheit der Politiker und der hohen Bundesbeamten? Bei welchem Verwandtschaftsgrad?

Kaysha Hildebrand. (Bild: Keystone)

Partner von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens dürfen sich nicht dem Verdacht der Spekulation aussetzen: Kaysha Hildebrand. (Bild: Keystone)

In diesem Fall wird die Tragödie auf allen Ebenen gespielt. Es handelt sich um eine römische Tragödie, nicht um eine griechische. Die Worte von Fulvio Pelli beziehen sich auf einen berühmten Ausdruck, der oft von Politikern mit juristischer Ausbildung zu hören ist: «Cäsars Frau muss über jeden Verdacht erhaben sein!»

Dieser Satz soll laut dem Historiker Plutarch (26 bis 125 n. Chr.) von Julius Cäsar als Begründung gegeben worden sein, seine zweite Frau Pompeia zu verstossen, die unerlaubter Beziehungen verdächtig war. Schuldig oder unschuldig, Pompeia musste auf jeden Fall fallen gelassen werden, erklärte Cäsar, der kurz darauf zum Kaiser auf Lebenszeit ernannt werden sollte. Die Politiker und ihre Angehörigen müssen über jeden Zweifel erhaben sein. Die Frage stellte sich schon zur Zeit des Übergangs von der römischen Republik zum Kaiserreich, also vor zweitausend Jahren.

Und genau das hat Fulvio Pelli irritiert. Als Jurist weiss der FDP-Präsident genau, dass nicht alles, was legal ist, von der öffentlichen Moral akzeptiert wird. Und die politische Welt unseres Landes wurde so aufgefordert, sich im Lager der Gegner oder Befürworter von Philipp Hildebrand zu positionieren. Und Christoph Blocher, eine treibende Kraft in diesem Fall, weiss es auch. Seine Argumentation basierte auf der Kritik der «korrupten» Eliten und der persönlichen Glaubwürdigkeit von Hildebrand. Mehr als jeder andere Schweizer Politiker weiss der SVP-Stratege, dass das grosse Publikum sich nicht von juristischen Spitzfindigkeiten beeinflussen lässt.

Die Frage, die gewisse Beobachter umtreibt, ist nun: Wo endet die Suche nach der Rechtschaffenheit der Politiker und der hohen Bundesbeamten? Bei welchem Verwandtschaftsgrad? Wie weit reicht das Zertifikat für moralisches Verhalten? Will man verlangen, dass sie unverheiratet sind, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden? Wird man einen Richter anprangern, dessen Sohn beim Kiffen auf einer Party von Jugendlichen erwischt wird?

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