Zum Dank an die «Papierliausländer»

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Von wegen leichtfertige Vergabe des Schweizer Passes: Die kommende Abstimmung ist eine Gelegenheit, Hürden abzubauen. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Am 12. Februar stimmen wir darüber ab, ob wir jungen Menschen, deren Grosseltern vor Jahrzehnten in die Schweiz gekommen sind, eine erleichterte Einbürgerung ermöglichen. Solche Menschen sind überall um uns herum, in der Schule, im Job, im Sportverein, ohne dass wir sie als solche erkennen. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich erfahre, dass Bekannte, die ich für Schweizer hielt, noch immer «Papierliausländer» sind.

Auch für die Betroffenen selbst ist das eine merkwürdige Situation. Ihre Wurzeln sind hier in der Schweiz, sowohl ihre Eltern als auch sie selbst sind hier geboren und zur Schule gegangen – und sie sprechen oft nicht mal mehr die Sprache ihrer Grosseltern. Es macht schlichtweg keinen Sinn, diese Menschen bei der Einbürgerung gleich zu behandeln wie jemanden, der erst seit zwölf Jahren in der Schweiz lebt.

Abbau von Willkür und Bürokratie

Es handelt sich bei dieser Vorlage nicht um eine leichtfertige Vergabe des Schweizer Passes. Auch jemand, der erleichtert eingebürgert werden will, muss gut integriert sein und die Werte unserer Verfassung achten, die Gesetze einhalten, nicht von Sozialhilfe abhängig sein und so weiter. Die Einbürgerung geschieht also nicht automatisch, aber es würden einige der Hürden abgebaut, die dazu geführt haben, dass diese jungen Menschen bisher noch nicht offiziell zu Schweizern wurden. Das sind aus meiner Sicht insbesondere die folgenden zwei:

  • Erstens ist der Einbürgerungsprozess in der Schweiz bürokratisch und oft willkürlich. In den Kantonen und Gemeinden gelten unterschiedliche Vorschriften, in einigen gibt es Erleichterungen für die dritte Generation, in anderen keine – jedes Mal ist aber ein zeitraubender und langwieriger Prozess zu durchlaufen, der auch viel kostet. Für eine Familie mit zwei Kindern beispielsweise kann es ein beträchtliches Hindernis sein, wenn neben dem administrativen Aufwand auch noch Kosten von bis zu 7000 Franken anfallen.
  • Zweitens entsprechen die Fristen im Einbürgerungsprozess nicht mehr dem modernen Lebensstil. Denn bis anhin gilt: Jedes Mal, wenn jemand in eine andere Gemeinde zieht, auch wenn sie nur ein paar Kilometer entfernt ist, beginnt die jahrelange Frist wieder von vorne, die man für einen Einbürgerungsantrag abwarten muss. Gerade jungen Leuten, die für berufliche Tätigkeiten oder fürs Studium den Wohnort wechseln, werden so unnötig Steine in den Weg gelegt.

Mit dem erleichterten Verfahren werden diese bürokratischen Hürden gesenkt und durch klare, einheitliche und faire Regeln ersetzt, die dem hohen Integrationsgrad der dritten Generation viel eher gerecht werden.

Stärkung der Demokratie

Junge Menschen, deren Familien seit Generationen positiv zu unserem Wohlstand und zu unserem gesellschaftlichen Leben beitragen, sollen auch politisch aktiv mitgestalten können. Die Schweiz war schon immer ein Land mit Menschen unterschiedlicher Abstammung – wir definieren uns als Willensnation mit einer starken und direkten Demokratie. Diese Demokratie sollten wir stärken, statt immer mehr Menschen von den politischen Entscheidungen auszuschliessen.

Als Glarner wünsche ich mir, dass die jungen Menschen der dritten Generation, die hier geboren und mit uns zur Schule gegangen sind, Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit oder im Sportverein sind, auch mit uns an der Landsgemeinde mehren und mindern können. Am 12. Februar geht es nicht um Ausländer – das sind sie nur auf dem Papier. Die jungen Menschen der dritten Generation gehören zur Schweiz so wie wir alle auch. Deshalb sage ich Ja zur ihrer sinnvollen erleichterten Einbürgerung.