Immer geradeaus – quer durch die Schweiz

  • Thomas Ulrich (l.) und Mario Heller auf dem Mittellegigrat des Eigers.

  • Auf dem Kilometer 1160 durchquert Ulrich die Schweiz ...

  • auf einer geraden Linie: Direttissima Schweiz, so heisst das Projekt.

  • Mario Heller begleitet Thomas Ulrich auf den alpinen Etappen ...

  • ... wie hier beim Zustieg zur Nordostwand des Eigers. Fotos: zvg

Gibt es noch echte Wildnis in der Schweiz? Kann es die überhaupt noch geben in einem kleinen Land, in dem die Zivilisation stets in Gehweite liegt? «Ja», sagt Thomas Ulrich. Und wenn das einer wie er sagt, der bekannt geworden ist mit spektakulären Expeditionen und Grönland und Patagonien, dann muss es so sein. «Ich habe selber gestaunt, wie wild die Schweiz sein kann, wenn man sich mal abseits der Wege bewegt», erklärt er auf der Kleinen Scheidegg. Ulrich war am Morgen von Lauterbrunnen aufgestiegen, hier verläuft seine Linie, die ihn quer durch die Schweiz führt.

Das Unterfangen heisst Direttissima Schweiz: Entlang des Kilometers 1160 will Thomas Ulrich die Schweiz von West nach Ost durchqueren. Er nutzt dabei lediglich den Korridor von 500 Metern nördlich und südlich des Kilometers 1160. Will heissen: Ulrich kann praktisch nie angelegte Wanderwege oder andere Infrastruktur nutzen, sondern muss sich seinen Weg stets selber innerhalb des Korridors suchen.

Ein Gleitschirm, aber keine Brücken

Anfangs führte ihn das durch Felder und Hügel des Jura und des Waadtlands. Dann erhoben sich die Freiburger Voralpen, und schliesslich stehen die mächtigen Gebirge des Berner Oberlands an – das Herzstück. Er quert Berghänge und Gräben, muss Gewässer ohne Brücken passieren oder Felswände überklettern. Nach Möglichkeit nutzt er den Gleitschirm. Insgesamt misst die Tour 330 Kilometer und 45’000 Höhenmeter.

Zum Video-Interview mit Thomas Ulrich:

Wie genau er es mit seinem Korridor nimmt, wird auf der kleinen Scheidegg deutlich: So liegt das Restaurant Eigernordwand, wo Ulrich sich eine Käseschnitte gönnt, nördlich des Bahnhofs und somit gerade noch im Korridor. Alle anderen Verpflegungsmöglichkeiten auf der Kleinen Scheidegg sind tabu.

Erstbegeher kamen von der Linie ab

Es ist nicht das erste Mal, dass dieses geografische Abenteuer realisiert wird. Die Idee stammt von einer Gruppe Bergsteiger unter der Leitung von Markus Liechti, die im Sommer 1983 die Schweiz im selben Korridor durchquerte. Ulrich fand die simple Idee bestechend. Was bietet die eigene Heimat, wenn man sie anders betrachtet?

Allerdings kamen die «Erstbegeher» an gewissen Punkten nicht darum herum, den gesetzten Korridor zu verlassen. Etwa bei der Etappe von der Kleinen Scheidegg Richtung Schreckhorn: 1973 schien es keinen anderen Weg zu geben, als unterhalb des Mittellegigrats nach Süden über den Gletscher abzusteigen. «Hier hilft mir der Klimawandel», sagt Ulrich, der im Fels einen Weg gefunden hat, den der schmelzende Gletscher freigegeben hat. Bislang musster er den Korridor nie verlassen.

Kommt Ulrich weiterhin so voran wie bislang, dürfte er am 25. Juli sein Ziel erreichen: Der Klein Tarscher Kopf auf der Grenze zu Italien bildet das östliche Ende seine Korridors.

Verfolgen Sie Thomas Ulrich im Livetracker. Lesen Sie auf der Alpinismusseite des «Tages-Anzeigers» vom kommenden 27. Juli den ganzen Bericht zu Ulrichs Direttissima Schweiz.

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