Wo einem die Welt zu Füssen liegt

Diese Woche der Höhenweg im Parsenngebiet GR

  • Nach der Seilbahnfahrt: Tiefblick vom Gotschnagrat ins Tal von Klosters.

  • Wanderstart ...

  • Der Davosersee, den wir immer wieder mal sehen werden.

  • Die Munggahütta.

  • Munggahütta und Parsennhütte im Rückblick.

  • Zeitweise wechselt die Farbe der Wanderung von Grün auf Grauschwarz.

  • Wegzeichen für Schlechtwetterwanderer.

  • Im Meierhofer Tälli.

  • Wieder der Davosersee ...

  • Der See im Zoom mit dem eiförmigen Hotel Intercontinental.

  • Lawinenverbauungen zeigen das nahe Wanderende an.

  • Die Parsennbahn oberhalb der Station Höhenweg.

  • Die Station Höhenweg.

  • In der Standseilbahn geht es talwärts.

Letzten Winter gingen wir von Klosters auf gespurten Wegen hinab nach Küblis, wir hatten die Gegend mehr oder minder für uns. Freilich gruselte uns ganz zu Anfang beim Bahnhof Klosters-Platz vor der Gotschnabahn; die Talstation quoll über von Leuten, die in die Höhe wollten.

Umso erfreuter bin ich, als ich ein halbes Jahr später wieder besagte Talstation ins Auge fasse – diesmal mit dem Plan, auf den Gotschnagrat zu fahren. Das Gebäude, offensichtlich für den Wintertourismus dimensioniert, ist praktisch leer. Ein altes Ehepaar, eine junge Deutsche und ich, wir sind die Passagiere.

Das routinierte Paar

Wir fahren los, Klosters bleibt zurück, dafür zeigt sich mit jedem Aufwärtsmeter mehr von den grauen Bergen des Rätikon, des Grenzgebirges zwischen Prättigau und Montafon. Oben Morgenfrische. Stille, durchbrochen vom Klappern der Stöcke, die das alte Ehepaar ausfährt. Ihre Wortlosigkeit verrät, dass sie Routine miteinander haben und einen klaren Plan.

Fünf Minuten später, nachdem ich das imposante Grüenhorn vor mir gemustert habe, starte ich ebenfalls. Bald überhole ich die junge Deutsche, die mir in der Bahn erzählt hat, dass sie in Klosters im Service arbeitet. Ihr Hund ahnt wohl, dass der Tag 30 Grad bringen wird. Er wälzt sich in dem kleinen Schneefeld, das vom Winter übriggeblieben ist, und will nicht weiter.

Munggen, Pinguine des Gebirges

Gleich noch ein Tiererlebnis: Immer wieder geben Munggen per Pfiff durch, dass ein Mensch naht. Indigniert stehen sie in der Landschaft und wollen nicht begreifen, dass diese nicht ihnen alleine gehört. Irgendwie, denke ich angesichts der strammen kleinen Körper, erinnern mich Munggen an Pinguine.

Ich passiere die Parsennhütte in ihrer Senke, komme zur Munggahütta, nehme einen Kaffee. Es ist Mitte Vormittag, bereits ist es heiss, und ich bin zufrieden, mir nicht zu viel vorgenommen zu haben. Ich bestelle einen zweiten Kaffee.

Das Ei im Tal

Der Pfad führt mich in die Gegend der Totalp und des Meierhofer Tälli, eine neue Szenerie wartet: Dominierte zuvor Wiesengrün, hat nun ein eigenartiger, vielleicht nordisch zu nennender Farbmix übernommen. Grau, schwarz, braun und rostrot sind die Steine und Felsen. Das karge Gelände hat etwas Wüstenartiges.

Tief unten zu sehen: der tiefblaue Davosersee und das verstädtert sich kilometerweit ziehende Davos. Markant eiförmig das Luxushotel Intercontinental und dahinter, genau in meiner Blickachse, das langgezogene Dischma-Tal. Mir kommt in den Sinn, wie wir via die Tällifurgga nach Sertig-Dörfli zogen an einem strahlenden Herbsttag – auch dieser Route empfehle ich.

Zahnspangen in Rostrot

Rostrote Lawinenverbauungen, diese Zahnspangen des Gebirges, kündigen an, dass die Wanderung bald fertig ist. Vor mir zeigt sich das Trassee der Parsennbahn zum Weissfluhjoch hinauf, gerade zieht eine Komposition vorbei. Ich unterquere die Schienen, gehe parallel zu ihnen talwärts und erreiche die Station «Höhenweg» mit ihrem Restaurant. Hier endet meine Unternehmung.

Gut zwei Stunden hat sie gedauert – abwechslungsreich war er, der Panoramaweg; dass er dazu Aussicht bot, verrät schon der Name. Wer damit nicht genug hat, dem empfehle ich den Gang oder die Fahrt aufs Weissfluhjoch und allenfalls auf die Weissfluh, die vom Joch per Luftseilbahn zu erreichen ist. Oben ist der Rundblick total, wieder einmal liegt die Welt dem Wanderer zu Füssen.

 

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Route: Bergstation Gotschnagrat (Seilbahn ab Klosters-Platz) – Parsennhütte/Munggahütta – Totalp – Meierhofer Tälli – Unterführung Parsenn-Standseilbahn – Station Höhenweg der Parsenn-Standseilbahn (Talfahrt nach Davos).

Wanderzeit: 2 1/4 Stunden.

Höhendifferenz: 192 Meter auf-, 256 abwärts.

Wanderkarte: 248 T Prättigau, 1: 50 000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Tipp: Von der Station Höhenweg statt abwärts zuerst aufwärts fahren zum Weissfluhjoch. Und allenfalls gar weiter aufwärts auf die Weissfluh (Seilbahn).

Charakter: Herrliche und doch leichte Höhenwanderung. Sie spielt sich ganz auf über 2000 Metern ab, daher braucht man stabiles Wetter. Für die ganze Familie. Aussichtsreich und abwechslungsreich.

Höhepunkte: Der Tiefblick von der Bergstation Gotschnagrat nach Klosters und auf die Berge des Rätikon. Der erste Anblick des Davosersees. Der Wechsel von Grün auf Grau im Gebiet Totalp.

Kinder: Gut machbar bei der üblichen Vorsicht.

Hund: Problemlos.

Einkehr: Berggasthaus Gotschnagrat. Parsennhütte. Munggahütta gleich daneben. Restaurant Höhenweg bei der gleichnamigen Bahnstation am Ende.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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2 Kommentare zu «Wo einem die Welt zu Füssen liegt»

  • sam davis sagt:

    Stimmt das? Das wäre aber sehr schade! Qualitativ top, informativ top, ich habe sie immer gelesen, die gps daten runtergeladen und bin sie teilweise nachgewandert.
    Wieso verschwindet die Kolumne?

  • Bernd Arzner sagt:

    Leider muss ich, einmal mehr, lesen, dass mit Thomas Widmer’s sehr beliebten wöchentlichen Wanderkolumne wieder etwas immer sehr lesenswertes aus dem Tagi verschwindet. Wirklich schade.

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