Yukon im Berner Oberland

Diese Woche zur Pfingstegg und in die Gletscherschlucht in Grindelwald (BE)

  • Was für ein schöner Morgen. Bei der Bushaltestelle «Oberer Gletscher» in Grindelwald.

  • Gleich bei der Haltestelle steht die Kabine des historischen Wetterhorn-Aufzugs.

  • Unterwegs auf dem Gletschersand-Weg.

  • Bei der einstigen Talstation des Wetterhorn-Aufzugs.

  • Voilà, die ausrangierte erste Zwischenstation des Aufzugs.

  • Sieht man die Treppe den Fels hinauf? Sie ist gesperrt.

  • Hübsch alt: das Chalet Milchbach. Es war geschlossen.

  • Terrassenblick vom Chalet nordwärts.

  • Noch einmal die Zwischenstation des Wetterhorn-Aufzugs.

  • Hübscher Weg zur Pfingstegg.

  • Ein Tunnel unterquert das gefährliche Geröllfeld der Breitlouwina.

  • Wir oben, Grindelwald unten.

  • Beim Restaurant Pfingstegg.

  • Die Seilbahn bringt uns wieder hinab.

  • Attraktion zwei, von der Pfingstegg-Talstation zu Fuss in 30 Minuten erreicht: die Gletscherschlucht.

  • Sie ist für die Touristen schön zugänglich gemacht.

  • Eindrücklich. Und kühl, die Schlucht hilft auch gegen Sommerhitze.

  • Etwa in der Mitte kommt man zu einem Netz. Es ist begehbar, man sieht hinab aufs Wildwasser.

Ich habe in Grindelwald manch grosse Wanderung gemacht; hier eine kleine, die mir sehr gefiel.

Bei der Bushaltestelle «Oberer Gletscher» an der Strasse zur Grossen Scheidegg stieg ich aus. Ich sah unglaubliche Berge, aber auch Cartouristen sowie Berggänger mit fetten Rucksäcken. Einer war nicht da: der Obere Gletscher. Er hat sich zurückgezogen, das Gletscherdorf Grindelwald ist heute auch ein Nichtgletscherdorf.

Die erste Schwebebahn der Schweiz

Am Rand des Parkplatzes stand eine Seilbahnkabine. Ein Relikt des Wetterhorn-Aufzugs von 1908, der ersten Personen-Schwebeseilbahn der Schweiz. In vier Sektionen sollte sie zum Wetterhorn führen. Realisiert wurde nur die erste Sektion, der Erste Weltkrieg würgte den Tourismus und die Investitionslust ab.

Ich ging Richtung Gletschersand, ins einstige Vorfeld des Gletschers, und wählte den Gletschersand-Rundweg; ein zweites Schild empfahl mir besonders die Ruine des Wetterhorn-Aufzugs. Geblieben ist von der Talstation nicht viel. Aber das alte Tragseil war ausgestellt. Und als ich den Kopf in den Nacken legte, sah ich in der senkrechten Felsfluh die Bergstation der ersten Sektion. Was für ein kühner Platz.

Etwas später passierte ich den Treppenweg mit 890 Stufen, der auf einen 160 Meter höheren Terrassenfels führt; oben gab es eine Wirtschaft, aber die ist zu. Der Treppenweg auch.

Halt, stopp. Sollten sich hier Negativgefühle ausbreiten, wäre dies falsch. Die Natur rundum samt der Schwarzen Lütschine: Yukon in der Schweiz, faszinierend. Und die vom Gletscher bauchartig geschliffenen Felsen rundum kamen mir vor wie stille Tiere. Kurzum: Es war ein Augenfest.

Das Schluchtabenteuer

Auf dem Wanderweg stieg ich zum Chalet Milchbach auf. Es war geschlossen. Von der Terrasse blickte ich über grüne Matten Richtung First und Grosse Scheidegg. Auf dem bekannten, fast horizontal laufenden Pfingstegg-Höhenweg ging ich anschliessend parallel zum Talboden. Ein Vergnügen in dem gerölligen Gelände des steilen Hangs der Breitlouwina-Fussgängerstollen.

Auf der Pfingstegg setzte sich eine Grossgruppe arabischer Touristen vom Golf gerade auf die Schlitten der Sommerrodelbahn. Die strikt verschleierten Frauen kicherten, riefen einander Dinge zu, freuten sich.

Mit der Seilbahn fuhr ich runter nach Grindelwald. Fertig war mein Tag nicht. Unten nahm ich den Weg zur Gletscherschlucht, geschaffen vom Unteren Gletscher. Auch dieser ist weggeschrumpft. Doch seine Hinterlassenschaft hat es in sich: Ich löste ein Ticket und kam in einen Felsschlitz, der mit allen wegmacherischen Kniffen bewältigt war, mit Galerien, Tunnels, Stegen.

Eine Stunde war ich unterwegs, hin und retour, wobei mich das Spiderweb besonders faszinierte. Mitten in der Schlucht ist ein Netz von einer Wand zur anderen gezogen, es ist begehbar. In der Mitte blieb ich stehen, schaute in die Tiefe, schaute wieder auf – und grinste der arabischen Familie zu. Die grinste zurück. Wir waren uns einig: Was für ein Abenteuer.

Route: Grindelwald, Oberer Gletscher (Bus ab Bahnhof) – Gletschersand-Rundweg – Ruine Talstation alter Wetterhorn-Aufzug – Unterer Treppenansatz zum Aussichtsfels Oberer Gletscher (Treppe geschlossen) – Chalet Milchbach – Breitlouwina – Pfingstegg.

Wanderzeit: 1½ Stunden.

Höhendifferenz: 281 Meter auf-, 120 abwärts.

Zugehöriger Ausflug: Von der Pfingstegg (Rodelbahn, Spielplatz mit Hüpfburg, Restaurant) mit der Seilbahn ins Tal. Von dort in 30 leichten Gehminuten auf Nebensträsschen zur Gletscherschlucht Grindelwald. Begehung der Schlucht auf touristisch zurechtgemachten Wegen ab Eingang, hin und retour: 1 Stunde. Am Eingang gibt es ein Restaurant. Nach der Besichtigung: Bus 122 fährt vom Restaurant Gletscherschlucht zum Bahnhof Grindelwald.

Wanderkarte: 254 T Interlaken, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Kurze, aber spektakuläre Wanderung mit interessanten Dingen, danach ein Turnschuhausflug in die Gletscherschlucht – perfekt für die Familie sowie als Heute-will-ich-Grindelwald-kennenlernen-Route.

Höhepunkte: Die alte Wetterhorn-Aufzug-Kabine beim Hotel Wetterhorn. Der Terrassenblick vom Chalet Milchbach. Der Breitlouwina-Fussgängertunnel. Und natürlich die Gletscherschlucht.

Kinder: Passt gut bei der in den Bergen üblichen Vorsicht.

Hund: In der Gletscherschlucht ist es zu eng für Hunde.

Einkehr: Viele Restaurants in Grindelwald. – Gleich zu Beginn beim Aussteigen aus dem Bus: Hotel/Restaurant Wetterhorn. – Pfingstegg. – Gletscherschlucht, Eingang. – Hotel/Restaurant Gletscherschlucht.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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