Es ist eiskalt, als ich bei «Waldburg» aus der Forchbahn steige. Romantischer kann ein Ort nicht heissen, seine Wirklichkeit wird dem Namen aber nicht gerecht. Auto um Auto schiesst vorbei, statt lauschiger Waldhäuschen steht da ein Flachblock mit Wohnungen, und das Perron verlasse ich durch eine Beton-Unterführung. Immerhin finde ich in ihr den Wanderwegweiser nach «Waltikon, Forch».
Ein paar Meter auf dem Trottoir abwärts und links in den Wald, plötzlich ist alles anders. Der Stumpbach macht exaltierte Schlängelkurven. Die Tannen sind schwer mit Schnee beladen. Und von der Strasse ist bald nichts mehr zu hören.
Wikipedia als Retter in der Not
Nach zwanzig Minuten ein Abzweiger «Zollikon, Keltengräber». Ich folge ihm, biege also nach rechts ein, obwohl ich nach Waltikon und hinauf zur Forch will. Gleich geht es aufwärts und wieder abwärts, aber hoppla, wo sind denn nun die Keltengräber? Ein Mann mit Hund hilft. Ich bin an ihnen vorbeigegangen. Die Keltengräber liegen wenige Meter neben dem Weg auf einem kleinen Hügel, den ich achtlos passierte.
Auf dem Hügel namens Fünfbühl klärt eine Tafel auf: Die Gräber stammen aus der älteren Eisenzeit, 800 bis 500 vor Christus. Viel mehr steht da nicht, das ist unbefriedigend. Denn was ich sehe, ist rätselhaft: ein grosser Stein, vielleicht ein Findling, um den kleine Steine einen Ring bilden. Der Schnee macht das Entziffern des Ensembles nicht leichter. Ich greife zum iPhone, hole mir die Wikipedia, lese nach. Aha! Im 19. Jahrhundert gruben hier zuerst Laien und richteten ein Chaos an. Dann kam der berühmte Archäologe Ferdinand Keller. Unter seiner Leitung wurde unter anderem ein «Brandgrab» mit Essgeschirr als Beigabe freigelegt. Der Ritus verlief so: Man kremierte den Toten in einer Holzfeuergrube, die man dann mit einem Steinring markierte.
Halbzeit mit Verlängerung
Ich gehe zurück zum Wegweiser und nehme meinen ursprünglichen Plan wieder auf. Via Spitzhütte komme ich nach Hohfurren, sehe bald links unten die Forchstrasse und die Trasse der Bahn, sehe wenig später den Kirchturm von Zumikon geradeaus und gerate in die Asphaltzone von Waltikon. Halbzeit der Wanderung.
Auf der anderen Seite der Forch-Verkehrsader geht es weiter. Es ist Sonntagvormittag, ich treffe nur drei, vier Pudelgassigeher, der Rest der Anwohner döst wohl noch. Immer wieder mal steht ein Schild in der Landschaft, das gegen das Flugregime auf dem nahen Flughafen Zürich protestiert: «Flugschneise Süd nein». Der Weg führt leicht aufwärts und durch ein Viertel gediegener, aber zum Grossteil nicht geschmackvoller Villen. Und endlich ist da wieder freies Feld, Weite; auf der anderen Seeseite zieht sich dunkel der Albisriegel.
Der Schneetempel
Zehn Minuten vor Wanderschluss bei der Station Forch erreiche ich das Forchdenkmal. Das «Wehrmännerdenkmal», wie es offiziell heisst, erinnert an die Tausende Schweizer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg umkamen. Nicht im Kampf, den es ja nicht gab, sondern durch Krankheit, vor allem durch die Spanische Grippe. Die Stufenpyramide von vier Metern Höhe, die das Fundament bildet, hat in ihrer Steilheit etwas von einem Aztekentempel.
Oben züngelt ein schmales, gekurvtes, an die 20 Meter hohes Bronze-Etwas gegen den Himmel. Es sieht aus wie eine krankhaft magersüchtige Vase, soll aber eine Flamme darstellen. Also spricht Wikipedia. Vielen Dank für die zweimalige Hilfe, liebe Internet-Enzyklopädie! Du machst das Leben des neugierigen Wanderers einfacher.
Infos:
Route: Bahnstopp Waldburg – Stumpbach-Weg – Fünfbühl/Keltengräber – Spitzhütte – Hohfurren – Waltikon – Forchdenkmal – Forch, Station.
Dauer: zwei Stunden.
Höhendifferenz: circa 100 Meter aufwärts.
Charakter: Leicht, fast ein Spaziergang. Eignet sich für die ganze Familie.
Höhepunkte: Die Keltengräber. Das monumentale Forchdenkmal. Der Rundblick von der Forch.
Einkehr: Empfehlenswert ist die «Krone» Forch am Wanderende. www.kroneforch.ch. Mo/Di geschlossen.
Karte: Es reicht die normale Wanderkarte 1: 50 000.
Thomas Widmers Wanderbücher gibt es im Echtzeit-Verlag, www.echtzeit.ch.
Wanderblog: http://widmerwandertweiter.blogspot.com/







Natascha Knecht ist Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin.
Geboren und aufgewachsen im östlichen Berner Oberland – dem Mekka für Kletterer, Alpinisten und Outdoorsportler –
entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Berge bereits in ihrer Kindheit. Sie lebt seit über zehn Jahren in Zürich. Natascha Knecht betreut im Outdoor-Blog die Ressort
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Laurens van Rooijen (38) ist seit 1989 mit dem Velo im Gelände und seit 2000 als Velo-Journalist unterwegs – bis Ende 2004 als Redaktor der Zeitschrift MOVE, seither als freischaffender Journalist in Sachen Fahrrad für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Web-Formate. Er schreibt neu im Ressort
Martin Sturzenegger (29) ist weder Profisportler noch Experte einer bestimmten Outdooraktivität. Als sportliches Highlight ragt der Bronzemedaille-Gewinn in einem Sprintbewerb für Kinder heraus. Im Outdoorblog betreut er das Ressort 





































grüezi herr widmer,
do, bi eus im zürioberland nännt me s’forch-dänkmal nume de “gfroni furz”!
gruss
urs w. scheu
ps. zwar bin ich kein wanderer, aber ihre kolumne verfolge ich regelmässig.
Danke, Herr Scheu, für die lustige Information! TW.
Guten Tag Herr Widmer,
Ich bin der Verfasser des Wikipedia-Artikels über die Keltengräber und freue mich, dass er Ihnen weiterhelfen konnte. Freundliche Grüsse und weiterhin frohes Wandern; Parpan
guten Tag Herr Widmer
ich frage mich, warum die Krone empfehlenswert sein soll: zu dritt hatten wir an einem Sonntag den Garten genossen, die Speisen waren jedoch nicht zu geniessen. Auf die Beschwerden ging niemand ein, ja man nahm sich nicht einmal die Mühe nachzufragen, warum die Teller fast unangetastet in die Küche zurückgehen……