Geburt einer Bike-Destination

  • Mit Bike und Boot: Inselhüpfer bringt die Biker an die stillen Buchten und kleinen Dörfer. (Bilder: Stefan Hunziker Sportsphotography)

  • Naturbelassene schmale Trails, Biken von Badestopp zu Badestopp.

  • Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ...

  • ... durch weiss gekalkte Dörfer und über unzählige Treppenstufen.

  • Die freundlichen Einwohner wundern sich erst ob der behelmten Kohorte.

  • Und fragen im nächsten Moment nach einer Bike-Empfehlung.

Same procedure as every year – nur zögerlich gibt der Winter im Frühjahr die Bergpässe frei. Und weil wir weder warten können noch wollen, bis die letzten Schneereste wegtauen, buchen wir reflexartig den Flieger nach La Palma, Mallorca oder Teneriffa. Samt Bike. Samt Sonne! Samt Wärme! Doch, halt: Es müssen nicht immer die Standard-Inseln sein. Nur drei Flugstunden entfernt, tut sich was im östlichen Mittelmeerraum.

Noch gelten sie als Geheimtipp: Wie versteckte Perlen ruhen die vier Inseln Kos, Patmos, Leros und Lipsi in der östlichen Ägäis. Und während die fetten Touristenströme an den westlich gelegenen Kykladen stranden, weiss man hier auf den Dodekanos-Eilanden noch das stille, ursprüngliche Inselleben zu schätzen. Gut für uns. Denn hier gibt es alles, was es braucht zum Biker-Glück: naturbelassene schmale Trails, breite Schotterwege und Ziegentrittpfade, sanfte Anläufe und sportliche Steigungen, viel urtümliches Hinterland, Biken von Badestopp zu Badestopp, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, von Windmühle zu Windmühle, durch weiss gekalkte Dörfer und über unzählige Treppenstufen und, vor allem: «Kalimera! Kalispera! Kalinichta!»

Neue Wege und erfahrener Veranstalter

Ja, hier gibt es sie wirklich noch: freundliche Einwohner, die mit breitem Grinsen die radelnde Stippvisite begrüssen – und sich höchstens ein ganz klein wenig wundern über die behelmte Kohorte. Und die schon im nächsten Augenblick nachfragen, welches MTB man so empfehlen könne zum Selbst-mal-über-die-Insel-Heizen. So entstehen also derzeit erste hiesige Bike-Clubs, Wege werden gescoutet, markiert und in Karten gezeichnet, sogar MTB-Rennen veranstaltet. Fehlt nur noch eines: ein Veranstalter, der uns dorthin bringt – zu all den stillen Buchten und kleinen Dörfern. Auf bestmögliche Reisemanier, nämlich per Boot. Gepäck samt Bike und Gear stets dabei. Auch das gibt es: Pionier der ersten Stunde ist ein deutscher Anbieter aus Konstanz.

Und ja, die wissen, was sie tun: Seit 30 Jahren machen die «Inselhüpfer» nichts anderes, als Biketrips per Boot an lohnende Destinationen der Welt zu organisieren. Fast ebenso alt sind die hiesigen, sorgsam gepflegten Kontakte. Darum schert man sich bei Inselhüpfen auch keine Sekunde um «offizielle» politische Ressentiments. Dafür bleibt einfach keine Zeit bei rasanten Mountainbike-Tagestrips und abendlichen Sirtaki-Tänzen in der Taverne, bei denen sich zuverlässig Deutsche, Schweizer, Griechen und Türken ausgelassen in den Armen liegen. Da werden bei Mezze, Yamas und Ouzo manche Biker-Freundschaften geschlossen, die länger als eine Saison halten. Denn wie sehr Sport verbindet, wissen wir spätestens, seit es die Olympiade gibt – auch die ist ja eine griechische Erfindung, auch wenn die Zweirad-Disziplin erst heute auf den Inseln einzieht.

«Für alle, die gern gut leben!»

Dass dem so ist, ist Mountainbike-Legende Ernst «Ernesto» Hutmacher (mehr dazu im Beitrag in zwei Wochen) von der Bikestation Massa Vecchia und ebenso Catharina Flämig von Inselhüpfen zu verdanken. Seit 20 Jahren verbringt sie als Tourguide jährlich sechs Monate im sonnigen Süden, ist längst eine Botschafterin des Landes – und könnte nicht mehr ohne: «Besonders in der Vor- und Nachsaison sind die östlichen Inseln hier ein Traum. Für Biker, Hiker – und alle, die gern gut leben!»

Was meinen Sie – lohnt sich die Anreise samt Dreistundenflug aus der Schweiz, um dem mitteleuropäischen Schmuddelwetter ein Schnippchen zu schlagen? Oder bevorzugen Sie es, daheim auf Schneeschmelze und schönes Wetter zu warten?

4 Kommentare zu «Geburt einer Bike-Destination»

  • R.H. aus Z. sagt:

    Schmuddelwetter ein Schnippchen zu schlagen… Ich sehe während der kalten Jahreszeit im Zürichsee keine harten Kerle schwimmen. Während der „Zwischensaison“ dort zu biken, wo es im Vergleich mit der Schweiz angenehmer ist, finde ich bereichernd.
    Bisher bin ich noch nicht per Flug in die Bike-Ferien gereist, da ich gerne mit eigenem, mir vertrautem und auf mich abgestimmtem Equipment unterwegs bin. Ich tue mich bisher mit dem Gedanken schwer, fremdem Equipment zu vertrauen… vielleicht unbegründet. Dem kalten, nassen Schweizer Wetter in die Toskana entflohen war ich schon und reise gerne zum Biken dorthin – die erwähnte Bikestation ist empfehlenswert. Aber eben, mit dem Auto anreisend und mit „meinem Zeugs“.

  • loulou55 sagt:

    „…weiss man hier auf den Dodekanos-Eilanden noch das stille, ursprüngliche Inselleben zu schätzen. Gut für uns.“
    Ja, „Gut für euch“, schlecht für den Rest der Menschheit, die Tierwelt und eben diese „ursprüngliche Stille“.
    Wozu brauchen Biker eigentlich „schönes und warmes Wetter“? Ich dachte das brauchen nur wir „Weicheier“ auf dem Strassenvelo.

  • Pk sagt:

    Ich zweifle dass sie jemals auf Kos gewesen sind…schade weil das wirklich eine ideale Insel ist zum biken!

  • Heinz Blaser sagt:

    Weder noch; ich ziehe mich entsprechend an (und aus und an) und gönne dem Bike auch mal eine Schlamm- und Schneematschpackung.

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