Der Psychotrick des Gegners

Das Ziel ist der Greifenseelauf, der Weg ist lang. Marc Jäggi beim Training. Foto: Urs Jaudas

Mit dem Erscheinen dieses Blogs bricht die sechste Trainingswoche unserer Running Challenge an. Bis zum eigentlichen Showdown – dem Greifenseelauf am 16. September – ist es zwar noch weit, mein Gegner Peter Wick zaubert aber schon jetzt erstaunlich professionell den einen oder anderen Psychotrick aus dem verschwitzten Laufschuh.

Seine Methode ist zwar simpel, aber hocheffektiv: Das harte Training möglichst kleinreden, die kalorienreichen Sünden des Alltags aufbauschen, und schon entsteht der Mythos vom «Lazy Sport-Punk», der Genussmensch bleibt und trotzdem stetig Fortschritte macht. «Zieh dein Ding durch, achte nicht auf deinen Gegner!», hat mir der ehemalige Radprofi Franco Marvulli kürzlich eingeimpft, als ich ob meines Zeitrückstandes auf den Wetterfrosch leicht panisch um Ratschläge gebeten habe. Recht hat er.

Macht einen auf «Lazy Sport-Punk»: Peter Wick bei Wein und Fritten.

Jünger, aber langsamer

Für alle Erbsenzähler, Statistikerinnen und Faktenliebhaber: Hier kommt ein kurzer Blick auf die Daten unseres ersten längeren Trainingslaufes. Peter Wick und ich haben beide in den letzten zwei Wochen – neben dem üblichen Training –  je einen längeren Lauf absolviert. Peter ist 16.01 km gelaufen. Im Schnitt hat er dabei den Kilometer in 6 Minuten 30 Sekunden zurückgelegt. Ich habe es auf 16.29 km gebracht. Meine durchschnittliche Zeit pro Kilometer lag bei 6 Minuten 57 Sekunden.

Die Zahlen sagen es klar und deutlich: Vorteil Wick. Zehn Jahre älter, im Schnitt 27 Sekunden schneller pro Kilometer. Chapeau, alter Mann! «Zieh dein Ding durch, achte nicht auf deinen Gegner!», höre ich Franco Marvulli im Hinterkopf flüstern und fokussiere mich sofort wieder auf die Strategie, die mein Coach, Marathonläuferin und Outdoor-Bloggerin Pia Wertheimer, ausgearbeitet hat. In der momentanen Phase heisst dies: drei bis viermal wöchentlich im aeroben Bereich laufen, um ein solides Konditionsfundament auf- und Fett abzubauen.

Der aerobe Bereich bewegt sich in meinem Fall bei einer Herzfrequenz von 140 bis 150 Schlägen pro Minute. Ab ungefähr 160 Schlägen pro Minute kommt man in den anaeroben Bereich. In dieser Liga «spielen» wir aber erst ab ungefähr Mitte April. Meinen Puls während des Lauftrainings messe ich übrigens mit einem Bluetooth-Pulsmessgurt für 69 Franken. Dieser ist mit meiner Tracking-App verbunden. So sehe ich nach jedem Lauf Maximal-, Minimal- und Durchschnittswert meiner Herzfrequenz, kann die Daten bequem meinem Coach zur Kontrolle weiterleiten, und selber habe ich den Überblick über meine Fortschritte. Eine gute Sache.

Ansatzreizung der Muskulatur!

Zum Schluss noch dies: Erfahrene Läuferinnen, vernünftige Jogger, emsige Kommentarschreiber und Peter Wick werden sich ins Fäustchen lachen. Diese Woche bin ich nämlich vom Lauftraining suspendiert. Stattdessen sitze ich im Gym auf dem Ergometer und arbeite unter Neonlicht an meiner Ausdauer. Grund: Es hat sich beim Schienbein eine Art Muskelkater bemerkbar gemacht. Sofort habe ich Pia Wertheimer per SMS gefragt, ob sie dieses Phänomen kenne? *Grinsesmiley* *Schweisstropfensmiley*.

Marcs aktuelle Zeit: 6 Minuten 57 Sekunden pro Kilometer. Foto: Urs Jaudas

Die Antwort kam Sekunden später: *Verschrecktessmiley* Schienbeinkantensyndrom! Offenbar ein recht häufiges Leiden bei übermotivierten Laufneulingen. Es handelt sich dabei um eine Ansatzreizung der Muskulatur durch Überbeanspruchung. Da war die Laufeuphorie offensichtlich stärker als die Vernunft. Besser jetzt als in ein paar Wochen, sagte mein Coach und hat mir jedes Laufen für ein bis zwei Wochen untersagt. Sonst bestehe die Gefahr eines Ermüdungsbruches.

Selbstverständlich hilft auch der richtige Laufschuh dabei, Verletzungen zu vermeiden. Gerade kürzlich durfte ich von einer hochtechnologisierten Fussanalyse profitieren. Sie hat mich zu meinem perfekten Laufschuh geführt. Das zentrale Thema «Material» beleuchten wir in der nächsten Running-Challenge-Kolumne.

Über seine Running Challenge berichtet Marc Jäggi zudem immer mittwochs um 7.35 Uhr auf Radio 1 (93.6 oder DAB+)

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