Die unbelehrbare Katze

Diese Woche von Cham via Obfelden zur Station Bonstetten-Wettswil (ZG/ZH)

  • Kurz nach Wanderstart im Villettepark in Cham.

  • Cham spielt Venedig.

  • Das Gebäude von Tesla.

  • En Guete!

  • Das Kloster Frauenthal. Wir machen den kurzen Abstecher.

  • Nun geht es Richtung Maschwanden.

  • In Maschwanden machen wir Pause.

  • Die Maschwander Allmend in ihrem unverkennbaren Braun.

  • Tod eines Flusses: die Lorze (links) mündet beim Rüssspitz in die Reuss.

  • Obfelden voraus!

  • Nach dem Zmittag geht es über den Isenberg.

  • Bald sind wir in Hedingen.

  • Die Station von Hedingen.

  • Zum Schluss gibt es eine schöne Höhenwegpassage.

  • Kurz vor der Station Bonstetten-Wettswil. Hinten der Uetliberg.

Ein «Williwälli» ist im Appenzellerland eine Person, die nicht weiss, was sie will. Die Lorze, die den ersten Teil unserer Wanderung prägt, scheint mir ein solcher Williwälli. Von Norden her strömt sie unweit von Zug, durch einen neuzeitlichen Kanal verdoppelt, in den Zugersee. Und gleich macht sie rechtsumkehrt und verlässt den See ganz nah bei Cham wieder Richtung Norden.

Wir starten in ebendiesem Cham, von den Einheimischen «Chom» ausgesprochen, am Bahnhof. Als Erstes gehen wir durch den Villettepark, den einst ein Zürcher Bankier und Handelsmann anlegte; heute erfreut die Anlage alle Welt. Dann sind wir bei der Lorze und nehmen wie sie Kurs gen Norden. Auf dem ersten Abschnitt ist der Fluss inmitten von Häusern und Fabriken eng gefasst, angesichts der hohen Wände, der Stege und Brücken fühlen wir uns wie in Venedig.

Geniale Erfindung Pavatex

Immer wieder passieren wir Infoschilder eines Industriepfades. Interessantes Detail: Pavatex wurde in der Papierfabrik Cham erfunden, die die Vision hatte, aus ihren Holzabfällen stabile Platten zu pressen. Das war 1932.

Allmählich kommen wir ins freie Land, geprägt von der Landwirtschaft. Rumentikon ist schnell durchzogen. Grossartig der Anblick des Klosters Frauenthal auf einer Insel der Lorze. Wir leisten uns den Fünf-Minuten-Abstecher, schauen uns um. Seit 1231 besteht das Kloster. Zisterzienserinnen bewohnen es, jener Orden hat eine Affinität zu flachem, flussnahem Gelände und zur Müllerei. Schade, ist der Klosterladen gerade zu, wir hätten gern einen Imbiss gekauft.

Rösti bei Monsieur Yvon

Macht nichts, bald sind wir in Maschwanden, der Volg hat offen, es gibt Kaffee, die beiden Raucherinnen rauchen draussen auf der Treppe eine. Hernach streben wir weiter dem Albisriegel zu, der den Horizont zeichnet. Zur Linken zeigt sich etwas abgesenkt eine Ebene, die sich durch ihr sumpfiges Braun von den Wiesen rundum abhebt. Es ist die Maschwander Allmend, die weiter vorn in den Rüssspitz übergeht. 127 Hektaren gross, ist dies eine der letzten grossen Riedflächen des Schweizer Mittellandes. Eine Heimstatt der Vögel.

Im Rüssspitz endet die Lorze, indem sie sich in der Reuss auflöst; adieu, du bist uns ans Herz gewachsen, Williwälli. Nach kurzer Andacht steigen wir hinauf nach Obfelden. Dort gibt es Zmittag. Die Rösti im Löwen, serviert von Monsieur Yvon, wie sich der Wirt draussen auf dem Schild nennt, schmeckt.

Tod eines Vogels

Dreieinviertel Stunden haben wir gebraucht, das ist respektabel, wir könnten heimfahren. Aber das Wetter ist dafür zu gut. Und so geben wir zweidreiviertel Stunden zu. Wir gehen über den Isenberg, halten via Zwillikon nach Hedingen und steigen wieder auf. Sehr schön danach der Weg am Hang, eine Art Höhenweg. Noch kurz durch Bonstetten, dann langen wir bei der Station Bonstetten-Wettswil mit der S-Bahn nach Zürich an.

Jede Wanderung hat ein Bild, das bleibt. In diesem Fall ist es eine Momentaufnahme etwas ausserhalb von Rumentikon: Eine Katze duckt sich ertappt ins Gras. Sie hat einen Vogel in der Schnauze, dessen letztes Drittel samt Schwanzfeder herausschaut. Mir fällt eine Bekannte auf, eine Frau, die ihre Katze über die Jahre immer neuen Gesprächssitzungen unterzieht und ihr erklärt, dass man Vögel und Mäuse nicht totbeissen darf. Nützen tut es nichts. Die Katze ist therapieresistent und jagt nach wie vor.

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Route: Cham, Bahnhof – Cham, Villettepark – Rumentikon – Frauenthal – Islikon – Maschwanden – Rüssspitz (Mündung der Lorze in die Reuss) – Obfelden – Isenberg – Zwillikon – Hedingen – Bonstetten – Bonstetten-Wettswil, Station.

Wanderzeit: 5 Stunden 50 Minuten. Mit dem kleinen Abstecher zum Kloster Frauenthal genau 6 Stunden.

Höhendifferenz: 434 Meter auf-, 322 abwärts.

Wanderkarte: 235 T Rotkreuz und 225 T Zürich, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Von Bonstetten-Wettswil per S-Bahn direkt nach Zürich oder Zug.

Kürzer: Bis Obfelden braucht man 3 1/4 Stunden, bis Hedingen 4 3/4 Stunden.

Charakter: Viel Abwechslung und nicht allzu viel Hartbelag.

Höhepunkte: Der Weg die Lorze entlang in Cham, eine Art Klein Venedig. Das einsam gelegene Kloster Frauenthal. Der Rüssspitz. Die höhenwegartige Passage vor Bonstetten.

Kinder: Einfach, doch weit.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: In den Dörfern. Löwen in Obfelden: Mo bis Fr Nachmittagspause. Sa durchgehend ab 11.15. So geschlossen.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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1 Kommentar zu «Die unbelehrbare Katze»

  • Denise sagt:

    Cham mit Venedig zu vergleichen, ist jetzt doch etwas gar tollkühn, lieber Herr Widmer. Ich mag ja Ihre Wanderberichte sehr – aber beim aktuellen hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Was ich auf den Fotos sehe, ist eintönig, ausgeräumte, verbaute Landschaft, typisch für die heutige Schweiz. Aber immer noch hält sich hartnäckig die Fabel von der schönen Schweiz. Ich finde sie schon seit Jahren praktisch nirgends mehr. Warum fällt das den meisten nicht auf? Psychologisch gäbe es interessante Erklärungsansätze dazu. – Fährt man kurz über die Grenze, fällt der Unterschied sofort ins Auge – unverbaute Landschaft, intakte Dorfbilder, mäandrierende Bäche, Hecken und Gehölze voller Vögel…

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