Hinauf ins Weiss

Diese Woche eine Winter-Rundwanderung auf Brambrüesch nah Chur (GR)

  • Aus der Seilbahn zum Känzeli sieht man Chur wie aus dem Helikopter.

  • Nach der Seilbahn geht es weiter in der Gondel.

  • Brambrüesch, die ersten Wandermeter.

  • Winter hat halt schon etwas.

  • Schon könnten wir nach zehn Minuten einkehren.

  • Die Sonne zeigt sich so halb.

  • Nah der Edelweisshütte.

  • Winter, du bist schön.

  • Den nehmen wir!

  • Jetzt kehren wir aber wirklich ein: Wieder das Bergrestaurant Brambrüesch.

  • Heimwärts, in der Gondel.

  • Bei blauem Himmel wäre der Churer Hausberg noch schöner. Foto: Arno Balzarini (Keystone)

Man kann in Chur so manches unternehmen, mein Liebling ist das Rätische Museum. Die haben dort ein echtes Sennentuntschi, eine geschnitzte Puppenfrau für einsame Älpler. Aus dem Calancatal stammt es, ist 40 Zentimeter hoch und trägt auf dem Kopf die Haare einer echten Frau – Bergvoodoo.

Gern fahre ich auch, wenn ich in Chur Zeit habe, nach Brambrüesch hinauf. Es handelt sich um den Hausberg, falsch, die Hausterrasse der Churer auf gut 1600 Metern. Im Sommer wird dort gewandert und gebikt, im Winter kann man Ski fahren, schlitteln, schneeschuhen und winterwandern.

Eine Portion Schönheit

Als ich dieses Mal Brambrüesch anvisiere, ist das Wetter durchzogen und das Licht fahl. In der Känzeli-Seilbahn mag ich es wieder einmal, wie die Stadt unter mir zurückbleibt, ich fühle mich wie ein Helikopterpilot. Vom Känzeli nehme ich die Gondelbahn und bin schnell oben.

Da ist ja nichts! Das dachte ich, als ich das erste Mal auf Brambrüesch ausstieg. Ungastlich wirkt der Ort aufs Erste, neben dem zugigen Gebäude der Bergstation gibt es bloss eine Art Garage für den Brambolino, das sommerliche Tschu-Tschu-Gefährt in Rot für Familien. Ich gehe los, passiere bald den Abzweiger zum Hotel Malixerhof und danach die Bergwirtschaft direkt am Weg. Brambrüesch ist sehr wohl gastlich.

Die Unternehmung des Tages ist kurz. Brambrüesch bietet nun nicht eine unendliche Zahl von Winterwanderungen. Meine ist der Standard und heisst «Edelweissrundgang» oder auch «Brambi-Weg»; die Route führt hinauf zur Edelweisshütte und darüber hinaus zu jenem namenlosen Wendepunkt, der auf der Wanderkarte die Höhenangabe 1641 trägt. Bei ihm vollzieht der Weg, der übrigens bestens unterhalten und signalisiert ist, eine enge Schleife, und es geht retour.

Anderthalb Stunden brauche ich für die Runde und stelle fest, dass sie eine rechte Portion Schönheit serviert. Mit Schnee beladene Tannen säumen den Weg. Die Berge über der Lenzerheide, darunter das Parpaner Rothorn, markieren den Horizont. Unter den Füssen knarzt der trockene Schnee.

Lob der Faulheit

Fast am Schluss kehre ich im erwähnten Bergrestaurant ein, Kaffeehalt. Als ich wieder ins Freie trete, ist die blasse Sonnenscheibe verschwunden. Dafür hudelt es waagrecht. Ich verzichte darauf, meiner Route sozusagen eine zweite anzuhängen: Von der Brambrüesch-Bergstation könnte man in einer guten Stunde, grösstenteils auf der Schlittelpiste, zum Känzeli absteigen; auch dies ist ein offizieller Winterwanderweg.

Und da wir nun bei den Varianten sind: eine ganz andere, von den Brambrüesch-Betreibern vorgeschlagene Tour führt via Dreibündenstein nach Mutta, wo der Sessellift hinab nach Feldis fährt. Dafür freilich muss man die Schneeschuhe montieren. Und die Sache ist anstrengend, man steigt 580 Meter auf und 210 ab und braucht gut vier Stunden.

An meinem Tag wäre das nichts, ohne Kompass wäre ich in dem Schneetreiben verloren.  Und grundsätzlich geniesse ich es, ab und zu faul zu sein. Ich gondle also wieder in die Stadt hinab. Dort führe ich mir am Bahnhofplatz in der Confiserie Maron ein Stück Schwarzwäldertorte zu. Auch dies eines der Rituale, mit denen ich mir Chur bei jedem Besuch neu versüsse.

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Route: Brambrüesch, Bergstation. Von hier aus ausgeschilderter und unterhaltener Winterwanderweg «Edelweissrundgang»: zum Brambus-Center, hinauf zur Edelweisshütte, Linksschleife abwärts, retour via Alpenwaldweg zum Brambus-Center.

Anreise: Mit dem Bus Nr. 1 ab HB Chur nach Brambrüeschbahn/Stadthalle in 6 Minuten. Zu Fuss braucht man eine Viertelstunde. Danach per Kabinenseilbahn zum Känzeli und per Gondel weiter nach Brambrüesch.

Wanderzeit: 1 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: je 165 Meter auf- und abwärts.

Wanderkarte: 247 T Sardona, 1: 50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Länger: Nach der Rundwanderung von der Bergstation Brambrüesch zum Känzeli hinabgehen. Offizieller Winterwanderweg, der grossteils mit dem Schlittelweg zusammenfällt. 1 Stunde.

Schneeschuhtour: Wesentlich anstrengender ist die offizielle Schneeschuhroute Brambrüesch–Dreibündenstein–Mutta (Sessellift nach Feldis). 4 Stunden, 580 Meter aufwärts, 210 abwärts. Wer sie macht, erkundigt sich am besten am Vortag nach den Schneeverhältnissen und Gefahren.

Charakter: Kurze, aber sehr schöne Route, eignet sich gut für Familien mit Kindern.

Höhepunkte: Der imperiale Blick auf Chur aus der Känzeli-Seilbahn. Die verschneiten Tannen überall. Der Blick auf die Berge über der Lenzerheide.

Kinder: Perfekt.

Hund: Auch perfekt.

Einkehr: Direkt am Weg liegen das Bergrestaurant Brambrüesch, die «berg.baiz» (nach knapp zehn Gehminuten), und die Edelweisshütte. Ganz nah am Weg liegt linkerhand nach ein paar Gehminuten das Hotel Malixerhof. Alle drei sind in der Wintersaison durchgehend offen.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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