Die besten Fitness-Vorsätze

Kinderleicht ist das mit der Fitness leider nicht – nicht einmal für dieses Mädchen. Foto: Brendan McDermid (Reuters)

Haben Sie die ersten Vorsätze bereits gebrochen? Dann sind Sie in bester Gesellschaft. Schon der irische Schriftsteller Oscar Wilde wusste: «Gute Vorsätze sind Schecks, auf eine Bank gezogen, bei der man kein Konto hat.» Der deutsche Schauspieler Siegfried Lowitz sah es noch fatalistischer: «Ein guter Vorsatz ist wie ein Startschuss, dem oft kein Rennen folgt.»

Ich will Sie an dieser Stelle aber auf keinen Fall demotivieren – sondern vor unnötigen Kosten und überflüssigen Frustrationen bewahren. Gerade in diesen Tagen begegnen uns im Werbefernsehen und in Zeitungsbeilagen auffällig viele Fitnessgeräte, die aus jedem wohlstandsverwahrlosten Büromenschen über Nacht ein Unterhosenmodel, eine Schönheitskönigin oder einen Rettungsschwimmer machen sollen. Die Wunderdinger heissen «Wonder Core Smart», «5 Minutes Shaper», «Fitmaxx 5» oder «Magic-Belt». Gemäss Botschaft der Fitnessindustrie sollen sie neben der physischen Vollkommenheit sogar noch Spass und Glücksgefühle herbeiführen. Was dann aber bleibt, hat mit Traumerfüllung und Lebensfreude nicht viel zu tun: mehr Blasen an den Fingern als beim Zusammensetzen von Ikea-Möbeln oder Playmobil-Schlössern. Der einzige Gewinner ist die gebührenpflichtige Sperrgutentsorgung.

Der fiese «Faktor 20»

So bleiben dem Neujahrs-Sportler zwei desillusionierende Erkenntnisse: Die PR-Maschinerie der Fitnessindustrie ist der Trainingslehre (mindestens) einen Schritt voraus. Und der Kampf gegen den inneren Schweinehund kann weder mit einem vibrierenden Gürtel noch im Media-Shop gewonnen werden. Dies stellte schon der deutsche Schauspieler Werner Finck fest: «Die schwierigste Turnübung ist, sich selber auf den Arm zu nehmen.»

Legendär: «Fit mit Jack». Quelle: Youtube

 

Der ehemalige Spitzensegler Fritz Bebie weiss, wies geht. Er gilt als erster Personal Trainer der Schweiz und rief schon zu täglichen Fitnessübungen auf, als Vorturner Jack Günthard die Schweiz per UKW-Signal («Fit mit Jack») in Bewegung hielt. Trotz langjähriger Erfahrung kennt allerdings auch Bebie keine Abkürzung zur Top-Form. Ganz im Gegenteil. Seine Kernaussage verursacht beim Festtagssündern zusätzliche Bauchschmerzen: «Am einfachsten ist es, wenn man gar nie zu viel isst. Um ein Kilogramm Körpergewicht abzutrainieren, braucht es viel mehr Aufwand, als es zuzunehmen.» Der Fachmann spricht vom «Faktor 20». Fitness-Apps wie Schritt- oder Treppenstufenzähler fürs Smartphone können motivationssteigernd wirken. Gleichzeitig sind die Daten aber mit Vorsicht zu geniessen: «Kalorienverbrennung und Energieverbrauch unterscheiden sich individuell sehr stark», erklärt Bebie.

Der Fitness-Berater rät dazu, die körperliche Betätigung so selbstverständlich in den Alltag einzubauen wie das Zähneputzen. Wer eine Haltestelle früher aus dem Tram steigt und den restlichen Weg zu Fuss zurücklegt, wer die Treppe benutzt anstatt des Lifts, wer das Kind nicht mit dem «Elterntaxi», sondern spazierend zur Schule begleitet, mache schon sehr viel für die eigene Gesundheit. Auch die Anschaffung eines Hundes könne Wunder bewirken, so Bebie – allerdings nur, wenn sich der Mensch dem Bewegungsdrang des Tieres anpasst und nicht umgekehrt.

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