Der Obelisk im Gebirge

Diese Woche von Brambrüesch bei Chur zum Dreibündenstein und nach Feldis (GR)

Wir fahren nach Chur, nehmen die Schwebebahn zum Känzeli, wechseln auf die Gondelbahn, schon sind wir auf Brambrüesch. Eigentlich könnten wir jetzt vorerst auf flachem Boden vorwärtshalten, doch wählen wir stattdessen den aussichtsreicheren Weg rechterhand über die Spundisköpf, der im Wald gleich saftig steigt.

Wir wandern ungefährlich und doch hart an der Kante, an der das Gelände abbricht, tief unten liegen Chur und die Ebene von Domat/Ems, wir fühlen uns ein erstes Mal wie Adler. Auf einer Terrasse mit Geländer ist der Blick perfekt, die Calandakette zieht sich gegenüber, weiter zur Surselva hin sehen wir den Flimserstein.

Der Bombervorfall

Es kommt ein eher flaches Stück, vor uns zeigt sich bereits unser Gipfelziel, das Furggabüel auf 2174 Metern. Bald steigt der Pfad wieder, surreal hängen über uns die Sessel einer ruhenden Bahn. Nach den Hühnerköpfen leisten wir uns einen 20-minütigen Abstecher und folgen dem Pfad, der zur Rechten durch die Furggabüel-Flanke zieht. Er führt zu einem Gedenkstein, 700 Kilo, Quarzit. Er erinnert an den November 1944. An dieser Stelle zerschellte damals der US-Bomber Lady Patricia. Die 12-köpfige Besatzung rettete sich per Fallschirm und verbrachte den Rest des Krieges friedlich in der Schweiz.

Zurück auf der Direttissima zum Furggabüel, machen wir uns an ein letztes Steilstück. Oben Freude über die umfassende Rundsicht, ein Alpenzeiger erklärt all die Berge. Die steindurchsetzten Wiesen rundum sind eher gelb und ockerbraun als grün, der Boden ist sumpfig.

Zwerge spielen Versteckis

Zehn Gehminuten weiter steht der Dreibündenstein. Der Obelisk von gut zwei Metern Höhe ersetzte vor einem Jahrhundert seinen Vorgänger von 1722. Beide erinnern sie an jene Zeit, als an dieser Stelle die Territorien der drei alten rätischen Bünde zusammenkamen: Gottesbund, oberer oder grauer Bund, Zehngerichtebund.

Wir bleiben nicht lange, weil wir schon beim Furggabüel ausgiebig pausierten; auch ist der Stein umlagert von Wanderern und Bikern. Stattdessen brechen wir auf in die zweite Routenhälfte. Das Terrain fasziniert, der Boden ist gewellt, in den Grashöckern könnten Zwerge Verstecken spielen. Noch auf dem Plateau passieren wir einen Tümpel. Weiter unten gegen Term Bel wird der Weg schnurgerade und folgt einer Steinmauer, die eine alte Grenze markiert.

Farben des Herbstes

In Term Bel eine Überraschung, die Skihütte ist offen. Leute vom Ski- und Snowboardclub Domat/Ems wirten an den guten Wochenenden. Für uns resultieren Schüblig und Gerstensuppe und das eine oder andere Bier. Wir sind dankbar und denken wieder einmal, dass unerwartete Einkehren die besten sind.

Der Rest der Route wird uns leicht. Wir kommen am Sumpfseelein Leg Palus vorbei. Kurz darauf könnten wir links abbiegen nach La Mutta und den Sessellift nach Feldis hinab nehmen. Aber weit ist es ohnehin nicht mehr. Bald sind wir unten im Dorf und, nachdem wir die kleine Seilbahn genommen haben, in Rhäzüns. Dort gehen wir noch einmal einen trinken und sind uns einig: Das war eine grosse Unternehmung. Und die Farben des Herbstes, das Braun-Gelb-Dunkelgrün auf der Hochebene, sind für immer im Auge gespeichert.
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Route: Brambrüesch (Buslinie 1 ab Chur HB bis «Brambrüesch/Stadthalle», dann zuerst auf die Seilbahn und anschliessend auf die Gondelbahn) – Spundisköpf – Hühnerköpfe – Furggabüel – Dreibündenstein – Term Bel (Skihütte) – Leg Palus – Pro Niev – Feldis (Luftseilbahn nach Rhäzüns).

Wanderzeit: 4 1/4 Stunden (ohne den Abstecher zum Lady-Patricia-Gedenkstein).

Höhendifferenz: 713 Meter auf-, 831 abwärts.

Kürzer: Nach dem Leg Palus zur Sesselbahn Mutta – Feldis abbiegen. Die ganze Route braucht so bloss 3 1/2 Stunden, und man vermeidet gut 500 Höhenmeter abwärts. Die Sesselbahn fährt täglich bis 16. Oktober bei gutem Wetter. Von der Talstation Feldis bis Feldis Dorf braucht man zusätzlich 1/4 Stunde.

Wanderkarte: 247 T Sardona, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Bergwanderung mittlerer Anstrengung mit einigen coupierten Passagen. Ungeheure Aussicht. Speziell schön durch die moorigen, braunroten Böden.

Höhepunkte: Der Blick von den Spundisköpf auf Chur und Domat/Ems. Der Rundblick vom Furggabüel mit all den Bergen. Das urtümliche Moorseelein Leg Palus.

Kinder: Im Bereich der Spundisköpf muss man sie beaufsichtigen.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: In der Hütte von Term Bel wirtet der Ski- & Snowboardclub Domat/Ems. Einfach und sympathisch. Die Hütte ist bei gutem Herbstwetter in der Regel offen von Samstag 11 bis Sonntag 17 Uhr. Restaurant Wildenstein in Feldis (etwas komplizierte Öffnungszeiten). Falls man in Feldis vor verschlossenen Türen steht, gibt es unten in Rhäzüns Restaurants.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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5 Kommentare zu «Der Obelisk im Gebirge»

  • Thomas Widmer sagt:

    Danke für die Ergänzung, Herr Hächler. Und nein, liebe Frau Sommer, kein Geocacher dabei.

  • Fam. Tobler sagt:

    Diesen Sommer haben wir die Wanderung von Feldis nach Brambrüesch gemacht.
    Das nächste mal werden wir sie von der anderen Richtung (Brambrüesch nach Feldis) laufen, mit unserem jungen Flat Retriever.
    Einfach schön, nicht zu anstrengend.

  • Valentin Sigrist sagt:

    Haben Sie den Messner schon gefragt, ob er auch dagegen etwas hat? Mir sind Gott und diese Kreuze allerdings viel näher als seine Meinung.

  • Hächler Dominik sagt:

    Das Berghotel Sterna und das Restaurant Raschuns (an der Talstation des Sesselliftes) haben auch offen, so dass kein Gast durstig oder hungrig Feldis verlassen muss.

  • Anna Sommer sagt:

    gehört da auch ein geocacher zum wandertrupp? ;-)

Kommentar

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