Mit Spass purzeln die Pfunde

Sangudo

Wer Freude an der Bewegung hat, braucht nachher selten eine süsse Belohnung. Foto: Sangudo, Flickr.com

Sport treiben macht schlank – an diesem Credo ist kein Vorbeikommen. Nur: Es stimmt in vielen Fällen überhaupt nicht. Forscher quer über den Erdball haben festgestellt, dass Menschen, die beginnen, Sport zu treiben, um Gewicht zu verlieren, oft nicht so stark abnehmen wie erwartet. Einige nehmen sogar zu! Und das, obwohl ihre Energiebilanz durch die zusätzliche Bewegung teilweise einen deutlich grösseren Verbrauch aufweist. Bald schon fand die Wissenschaft dafür eine logische, biologische Erklärung: Die sportliche Betätigung kann die Produktion von hungeranregenden Hormonen steigern. Das führt dazu, dass einige auch nach einem nur leichten Training Heisshunger verspüren – sie verdrücken dann weit mehr, als sie verbraucht haben.

Diese Erklärung reichte einer Gruppe französischer und amerikanischer Forscher nicht aus. Sie fanden heraus, dass vor allem mit Spass die Pfunde purzeln. Eine gewichtige Rolle spielt beim Abnehmen nämlich die Bezeichnung der sportlichen Betätigung.

An der Studie nahmen 56 gesunde, mehrheitlich übergewichtige Frauen teil. Sie alle legten dieselbe Meile zurück, variiert hat lediglich die Bezeichnung und damit die innere Einstellung der Probandinnen zur Ertüchtigung. Die Hälfte der Frauen ging von einem Training aus, bei dem der Fokus auf ihrer körperlichen Leistung liegt. Die andere Hälfte erhielt Musik auf die Ohren und nahm die Strecke in Angriff in der Annahme, der Spass am Spaziergang liege im Vordergrund. Bei ihrer Rückkehr gaben die Probandinnen zu Protokoll, wie weit sie die zurückgelegte Distanz schätzten, wie es um ihre Laune und ihren Kalorienverbrauch stand. Die Forscher stellten fest, dass die «Trainierenden» schlechtere Laune hatten und sich müder fühlten als das Spassteam. Die Schätzungen zur Distanz und zum Energieaufwand waren indes bei beiden Gruppen vergleichbar. Markant erschien den Wissenschaftlern aber, was danach geschah: Die Trainierenden schlugen zu Tisch deutlich mehr zu und konsumierten mehr Süssgetränke und -waren.

Die Wissenschaftler führten diesen Test nochmals durch, mit dabei waren diesmal auch männliche Teilnehmer. Wieder trainierte die eine Gruppe auf der Strecke, während sich die andere auf einer Sightseeingtour befand. Als Dankeschön durften die Probanden nach getaner Arbeit eine Tüte mit M&M’s füllen. Die Trainierenden nahmen im Durchschnitt doppelt so viel davon nach Hause.

Um ihre Erkenntnisse in einem realitätsgetreuen Umfeld zu prüfen, begaben sich die Wissenschaftler an einen Staffellauf. Die 231 Läufer waren zwischen 16 und 67 Jahre alt und hatten eben zwischen 5 und 10 Kilometer zurückgelegt. Ihnen boten die Forscher wahlweise einen Schoko- oder einen Müsliriegel an und stellten fest: Die Läufer, die frustriert waren und angaben, ein hartes Rennen hinter sich zu haben, griffen meist nach der Schoggi. Anders die zufriedenen Sportler: Sie entschieden sich für die gesündere Variante.

Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass die meisten Menschen nach einer körperlichen Ertüchtigung einer Belohnung bedürfen. Personen mit Spass an der Bewegung futtern danach weniger, weil ihnen die Bewegung an sich Freude bereitet hat, und offenbar spielt bereits die Bezeichnung eine Rolle. Es hilft also, statt ins Kraftstudio in den Adonistempel zu gehen oder statt einen Wettkampf zu bestreiten, Fangis zu spielen – und für den Fall, dass die Wortklauberei nichts nützt, habe ich bei Wettkämpfen meist einen Schoggi-Vorrat mit… Und Sie?

12 Kommentare zu «Mit Spass purzeln die Pfunde»

  • Rosa Grün sagt:

    Diese Forschungsergebnisse kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung nur bestätigen: wenn man einige (20 und mehr) kilos zu viel auf den Rippen hat, dann soll man den Sport ruhig angehen lassen. Nicht Leistung, sondern spass soll im Zentrum stehen, Bewegung soll nicht als anstrengend empfunden werden, Muskelkater sind zu vermeiden, jeglicher Ehrgeiz auch.
    Ich habe mit Schwimmen gute Erfahrungen gemacht „durch das Wasser gleiten“, saubere Technik, nicht auf Tempo, ohne ausser Atem zu kommen, ohne Stoppuhr, dafür mit viel Abwechslung. Nur nicht hetzen!
    So konnte ich in 1 Jahr 25 kg verlieren und bin ohne es zu wollen beim Shwimmen schneller geworden, von 1500m in 70 min auf 2000m in 60 min.

  • Hanspeter Müller sagt:

    Die Autoren der Studie sind zwei Dozenten für Marketing und ein Dozent für Verhaltenspsychologie. Kein Mediziner, kein Sportwissenschaftler, kein Ernährungswissenschaftler. Publiziert wurde sie in einer Fachzeitschrift Namens „Marketing Letters“. Was kann ich da aus dem Inhalt schliessen?

  • Felix Z. Schreiber sagt:

    „alle legten dieselbe Meile zurück“, also 1.6 km . Dies ist bei jedem Tempo eine zu kurze Distanz. Abnehmen findet nach längerer Zeit statt, bei diesem Schreiber erst ab 30 Minuten rennen, irgendwo bei 45 Minuten ist ein gutes Minimum an Lauflänge für Schreiber. Wobei es mehr auf die Zeitdauer ankommt als auf die Geschwindigkeit, welche als Minuten pro km sowieso recht statisch ist ( individuell pro Mensch, aber fast unvariabel für diesen Menschen).
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    Es hilft zudem, vor dem Schlafengehen einen KH-Blocker zu schlucken, dann wird Zucker vernünftiger verdaut (optional, gilt vielleicht nicht für alle).
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    Vielen Dank fürs Thema

  • Philipp Rittermann sagt:

    joggen macht keinen spass. auch nicht mit schokolade. aber es braucht ja auch keinen spass um abzuspecken -, sondern – „dischiplin“. und wenn die dicken im freien rumschwabbeln ist das auch nicht zweckmässig. -> hometrainer anschaffen und im stillen leiden, bis man mit gutem gewissen wieder unter die leute kann.

    • Mery 85 sagt:

      @Herrn Rittermann
      Schade, dass Sie keinen Spass am Joggen haben. Ich bin mir aber sicher, dass es eine andere Sportart gibt, die Ihnen gefällt/gefallen könnte.
      Ich finde draussen zu joggen extrem befreiend und es macht mir grossen Spass mich lebendig und frei zu fühlen, ausserdem hilft es mir nach der Arbeit extrem den Kopf frei zu machen.
      Ja ok, manchmal wenn ich müde bin oder es kalt ist draussen, sind die ersten paar Minuten mühsam. Dies vergeht aber rasch! Und das rennen auf dem Laufband? Manchmal versuche ich es, jedoch halte ich da nicht durch, denn ich find’s langweilig und die frische Luft fehlt mir. Falsch essen vor dem Laufen ist ebenfalls ein totaler Lustkiller.

      @ Alle die es mit Joggen versuchen wollen, geht nach draussen an die frische Luft, am schönsten finde ich den Wald. Auch im Winter. Das hilft das Immunsystem zu stärken, macht glücklich und hält fit! :-) Und wen interessiert’s wie man beim Joggen aussieht?!?! JEDER Jogger musste erst mal damit anfangen und jeder hat die ersten Wochen/Monate durchgemacht und weiss, wie sich das anfühlt ;-)

      • Philipp Rittermann sagt:

        früher ging ich sehr viel joggen. stundenlang. heute arbeite ich lieber im garten, (im winter mach ich dann draussen schneengel – so nach dem 5. whisky). daneben ergometer kombiniert mit hanteltraining. da kann man ruhig auch das fenster dazu öffnen. viele wildtiere wie beispielsweise rehe, maulwürfe, igel und schneeleoparden erschrecken ob den buten jogging anzügen. das ist nicht gut. und die welche weniger bunt angezogen sind, laufen gefahr im winter überfahren zu werden.

  • Christoph Bögli sagt:

    Es ist grundsätzlich ein Mythos, dass mit Sport an sich eine substantielle Gewichtsabnahme erreicht werden kann. Dafür ist die durch eine normale Hobbysportler-Trainingseinheit zusätzlich verbrauchte Energie viel zu gering! Hinzu kommt dann eben die komplexe Dynamik des Körpers: Bei sinnvollem Training legt man Muskelmasse zu, zudem wird verbrauchte Energie wie im Artikel aufgezeigt meist durch verstärkte Nahrungsaufnahme kompensiert. Sporteinheiten an sich führen darum im Normalfall zu keiner Gewichtsabnahme. Dies trotzdem zu predigen resultiert maximal in Enttäuschung und Kapitulation.

    Aber: Trotzdem ist Sport natürlich essentiell beim Abnehmen und für die Gesundheit, bloss halt aus anderen Gründen. Entscheidend ist aber, dass Sport ohne Umstellung des gesamten Lebensstils, insbesondere der Ernährung, nicht viel bringt. Ohne eine verbesserte Ernährung ist alles andere weitgehend sinnlos. Weshalb es umso fataler ist, dass sich die ganzen Sport-Anfänger gerne massenhaft vollgezuckerte Energy-Drinks und Co. reinhauen, weil man das ja gemäss Werbung unbedingt braucht, auch wenn man nur im Schritttempo einmal um den Block geschnauft ist..

  • Luise sagt:

    Da spielen mehrere Gründe mit. 1. schlechte Essgewohnheiten. 2. Temperatur: Wenn man bei Kälte draussen läuft, wird man hungriger als im Sommer. 3. Veranlagung: Es gibt Leute, die nehmen schneller zu als andere.

    • Fred sagt:

      1. Sicher – sonst hätte man ja das Übergweicht nicht. Die Aussage ist also banal.
      2. Das ist eine kühne Hypothese, die Sie da aufstellen. Selbst wenn sie stimmt, wäre das gar nicht so einfach zu beweisen. Wie messen Sie Hunger objektiv?
      3. Unterschiede im Metabolismus als Ursache werden immer von den Dicken als Ausrede gebracht.
      Hier sehe ich zwei Fragezeichen: ist der Unterschied im Metabolismus wirklich Ursache oder Wirkung der Fresserei? Neueste Ergebnisse zeigen ja auch Unterschiede in der Darmflora zwischen Dicken und Dünnen – aber ob die schon immer anders war oder sich nur an das Essverhalten angepasst hat, ist wohl noch nicht sicher.
      Womit gleich die zweite Frage auftaucht: ist das alles genetisch programmiert (also Veranlagung) oder angelernt?
      Schlussendlich muss man wohl konstatieren, dass auch der sportlichste Mensch kaum so viel trainieren kann, dass er die verbrauchte Energiemenge nicht locker wieder aufnehmen kann. Was uns zu der traurigen Wahrheit führt, dass zum Abnehmen immer ein Energiedefizit – sprich Hunger- notwengig ist. Wenn man nun seinen Grundumsatz durch Sport erhöht hat man die Chance, schneller abzunehmen. Vorausgesetzt, man hat seinen Hunger im Griff.

      • Luise sagt:

        2. ich spüre, dass ich bei Kälte mehr essen muss – das ist natürlich subjektiv.

        Genetisch vorprogrammiert oder nicht – diese Frage können wir hier nicht beantworten. Stimmt, Dicke brauchen das oft als Ausrede. Stimmt ebenfalls: Auch wer regelmässig trainiert kann nicht einfach soviel essen wie er/sie will

      • Rosa Grün sagt:

        Nein, man braucht keinen Hunger, um abzunehmen. Das Energiedefizit kann man auch herbeiführen, indem man grössere Volumen/Massen an wenig energiedichten Lebensmitteln (sprich: Gemüse, etwas Obst, Suppe mit Wasser) isst, und dazu kleinere Mengen an energiedichten Speisen (Eiweiss, langsame Kohlehydrate, Fett, möglichst wenig schneller KH und Zucker, Süssigkeiten).

        Bei mir bremst Bewegung den Appetit, ich habe nach Sport keinen Hunger. Sport im Freien in der Kälte verbraucht an sich mehr Energie als dieselbe Bewegung in der warmen Stube (weil der Körper zum Warmhalten recht viel Energie braucht).

        Sport regt Stoffwechsel an, daher ist Bewegung & gute Ernährung die beste Kombination.

    • Rosa Grün sagt:

      zu „Veranlagung“: Jeder Mensch hat seinen Grundverbrauch und seine mehr oder weniger gründliche Absorption der Lebensmittel bzw. mehr oder weniger ausgeprägten Sättigungssignale.

      Trotzdem glaube ich, dass das Problem eher ist, dass z.B. kleine Frauen wesentlich weniger Grundverbrauch haben und daher schon zu viel essen, wenn sie das essen, was für andere normal oder genau richtig ist. Da kann die soziale Komponente eine wichtige Rolle spielen. Tipp: kleinere Teller kaufen, viel Salat & Gemüse auf den Teller laden, Suppe als Vorspeise essen…

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