Der heutige Beitrag ist ein Gastblog von Anette Michel.
Mit Startnummer 137 bin ich in wenigen Sekunden als Letzte dran. Bereits auf dem Velo, fahre ich ein Kreislein, um über die imaginäre Startlinie zu beschleunigen, sobald die grosse Digitaluhr auf Null wechselt. Null! – Los gehts! Im Wiegetritt beschleunige ich ein paar Meter weit, danach fahre ich in einem kräftigen Rhythmus im Sattel sitzend die ansteigende Strasse hinauf.
Einmal habe ich bereits an diesem Bergrennen, an dem die Teilnehmenden einzeln den Berg hoch sprinten, teilgenommen. Die Zeit, die ich vor drei Jahren gefahren bin, möchte ich nun unterbieten. Würde es mir gelingen, obwohl ich mich zurzeit nicht in Topform fühle? Die Strecke ist kurz – entsprechend muss man auf jedem Meter alles geben. Eigentlich nicht mein Ding, so kurze, kraftintensive Aufstiege. Ich ziehe lange Bergfahrten vor, die man etwas ruhiger angehen kann.
Velokultur wird zelebriert
Lange vor der ersten von insgesamt vier Haarnadelkurven komme ich ins Schnaufen und muss das Tempo etwas drosseln. Gemäss Eigenangaben der Veranstalter befinde ich mich mitten im «härtesten Bergrennen der Welt». Über 3 Kilometer und knapp 250 Höhenmeter führt es in der Nähe von Zürich die sogenannte Buchenegg–Ostwand hoch. Die Strecke kenne ich mittlerweile bestens. Auch sonst weiss ich, dass man sich vom Klettervokabular, von den Superlativen und den Bildern von schwitzenden Radrennfahrern der 50er-Jahre im Programmheft nicht allzu stark beeindrucken lassen muss: Spass und das Zelebrieren der Velokultur stehen an diesem Plausch-Bergrennen im Vordergrund. Das anschliessende Fest mit Wurst und Bier vom Fass dauert Stunden, während das Rennen für die einzelnen Teilnehmer nach höchstens 20 Minuten vorbei ist.
Das Bergzeitfahren ist ausdrücklich ein Anlass für Hobbyfahrer: Inhaber einer Rennlizenz sind ausgeschlossen. Etliche schöne alte Stahlrenner werden am Renntag präsentiert, und fast alle Teams haben eigens für diesen Anlass Velotrikots gedruckt. Bewunderung ruft der Herr hervor, der ganz in Tweed gekleidet mit seinem schwarzen Stahlvelo aus den 30er-Jahren ein Sechserpack Quöllfrisch auf die Buchenegg transportiert. Trotz dieser lockeren Atmosphäre geben die Teilnehmenden auf der Strecke alles – schliesslich wird nicht nur für eine gute individuelle Zeit, sondern auch um die Teamwertung gekämpft.
Die Bronchien schmerzen
Langsam kann ich das Tempo wieder etwas steigern, muss aber mehrmals etwas Druck aus den Pedalen nehmen – Lungen und Oberschenkel schmerzen bereits. Kurz vor der zweiten 180°-Kurve kann ich ein Mitglied des Teams AARRG überholen, dann habe ich mit der Kurve das steilste Stück der Strecke überstanden. Noch zwei Kurven im Wald, dann ist der Waldrand und damit das Ende der Steigung erreicht. Die Beine fühlen sich besser an als erwartet und ich schalte ein paar Gänge höher, um nochmals in die Pedale zu drücken – so stark es der nun spürbare Gegenwind und meine im Grenzbereich operierende Lunge zulassen. Eine letzte Kurve um eine Scheune – und die Ziellinie ist erreicht. Leicht zitternd steige ich vom Velo und setze mich keuchend auf den Boden.
Das Rennen ist wirklich hart. So kurz es auch ist, die hohe Intensität fordert einem alles ab: Meine Bronchien schmerzen noch Stunden später. Längere Bergrennen sind viel schonender für die Lungen – wer versucht, bei einer Fahrt über Tausende von Höhenmetern zwischendurch im roten Bereich zu fahren, schafft es nicht unbedingt ins Ziel.
Am Ziel gibts ein Bier
«Super – 11:35! Du warst die Schnellste!», gratuliert mir der Captain unseres Teams. Ich bin einen neuen Damen-Rekord gefahren! Mit meinem Team der Velokuriere kann ich zudem auf den dritten Rang in der Teamwertung anstossen – und mir dafür fast als letzte ebenfalls das verdiente Bier zapfen.
Wie lange bleibt die neue Damen-Bestzeit bestehen? Für sensationell halte ich sie nicht, ist sie doch weit entfernt von den Zeiten, die von den schnellsten Männern gefahren werden (dieses Jahr 10:00 Minuten). Doch sind auch in diesem Velorennen die Frauen in der Minderheit (2012: 22 von total 121), und die Abstände auf der Rangliste sind relativ gross, während bei den Männern zumindest an der Spitze halbe Sekunden entscheiden. Weiter hinten auf der Rangliste sind hingegen auch bei den Herren die Abstände grösser. Doch schliesslich hat ja schon viel gewonnen, wer mitmacht – neben einem kleinen Sieg über die Schwerkraft vor allem auch einen netten Sonntag. Dabei sein ist alles, das gilt fürs Buchenegg-Bergrennen noch etwas mehr als für andere Hobby-Velorennen.
Wer übrigens noch dieses Jahr mit seinem Team um einen Bergpreis fahren möchte, kann dies an der Madruns-Classic am 6. Oktober in Bergün tun – am «härtesten Radrennen der Ostalpen».
Haben Sie schon an solchen Velorennen teilgenommen? Finden Sie, der Aufwand lohnt sich für so ein kurzes Rennen – oder nutzen sie einen schönen Sonntag lieber für eine längere Ausfahrt?








Natascha Knecht ist Journalistin und Outdoor-Sportlerin. Aufgewachsen im östlichen Berner Oberland, dem Mekka für Kletterer und Alpinisten, lebt sie seit über zehn Jahren in Zürich. Im Outdoor-Blog betreut sie die Ressorts
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Anette Michel ist Umweltnaturwissenschaftlerin und im Bereich Energieeffizienz tätig. Daneben hat sie mehrere Jahre als Velokurierin gearbeitet und dabei ihre Leidenschaft fürs Fahrrad entdeckt. Sie fährt seit fünf Jahren in ihrer Freizeit Rennvelo. Sie schreibt im Ressort 
























































Gibts Dallenwil-Wiesenberg noch? Emmenbrücke-Eigenthal? Malters-Schwarzenberg? Das waren Bergrennen für Amateure und Elite, aber mit Massenstart. Da ists schwieriger, seinen eigenen Rhythmus zu fahren. Die Buchenegg ist auch toll, aber leider zu kurz für Trainingszwecke. Deshalb fährt man sie zwei- bis dreimal in einer Schlaufe via Türlersee und Albis. Ideal, wenn man nicht den ganzen Tag zur Verfügung hat. Trotzdem: Nichts geht über eine richtige Passfahrt.
.. zumindest die beiden letzten gibts nicht mehr… Malters-Schwarzenberg habe ich noch als autogrammjagender Schüler erlebt (mit Xaver Kurmann, Willy Lienhard & Co.). Emmenbrücke-Eigenthal sagt mir hingegen gar nichts, gabs das wirklich? (nicht eher Kriens-Eigenthal?)
Ja, auch Dallenwil-Wiesenberg….ist wohl Dallenwil-Wirzweli……
Emmenbrücke-Eigenthal bin ich selber gefahren als Amateur, die Strecke führte übers Renggloch. Der Sieger der Elite war der spätere zweifache Bahnweltmeister Xavi Kurmann, der war schnell
Auch Dallenwil-Wiesenberg (oder Wirzweli, erinnere mich nicht mehr genau) hab ich absolviert, ein brutaler Cheib! Und natürlich Malters-Schwarzenberg, eine ganz tolle Strecke, nicht steil, sondern “roulant”.
Die Strecke beträgt 2750 Meterl Länge und hat eine Höhendifferenz von 237 Meter. Diese Falschangaben im Bericht…tztztzt… !
Ich bin früher öfters mal ein PizzaCup oder Parkmassaker Rennen mitgefahren. Die Anlässe sind super. Da meist die üblichen “Verdächtigen” dabei sind, gibt es immer was zu plaudern nach dem Rennen bei Wurst und Bier.
Oh Mann oh Mann. Was für eine Zeit Annette. Als Gründer des Bergzeitfahrens steh ich mit 14:59:80 zu Buche.
Wünsche dem OK und allen Fahrern noch viel Erfolg und Spass,auf das das Rennen ewig lebe.
Da hat doch jahrelang immer derselbe gewonnen, oder nicht? Frank mit Vornamen? Kennt jemand seine Bestzeit?
Reto Wälchli ist die sagenhafte Bestzeit letztes Jahr gefahren: 8:53!
ciao Oli
eifach nur gross:-) hoffe bis bald mal am tresen zur Weihnachtszeit
liebscht us canada;-)
Für Mountainbiker gibt es anfangs September das 100plus in Galgenen. Wie der Name sagt, muss der Fahrer inkl. Bike und allfälligem Zusatzgewicht mindestens 100kg schwer sein (Frauen 70kg). Die Höhendifferenz beträgt 700 Meter.
Es ist ein Plauschrennen für Hobbyfahrer. Die Schnellsten sind ziemlich fit, aber es gibt auch viele “Sonntagsfahrer”. Oben Spaghetti-Essen und gemütliches Beisammensein. – Ja, mitmachen lohnt sich.
Hallo zäme,
Warum schreibt da niemand von den ELF APOSTELN, der ultimativen ‘Berggeissen’- Herausforderung welche über 11 der höchsten Hügel im Zürcher Unterland führt??? Organisiert von den Velo-Gurus Martin Born und Hugo Faas, gab’s da jeweils nach dem ‘Chrampf’ ebenfalls noch einen ‘Mampf’, und zwar Spaghettata im Garten der beiden Organisatoren…..Tempi passati !
Dodici Apostoli fand vor 3 Wochen statt, mit Zieleinlauf Rennbahn Oerlikon.
Wo sind die Helme?
Keine Helmpflicht?
Und falls es tatsächlich keine Helmpflicht gab, so ist das vollig unverantwortlich.
Das wäre doch auch noch was:
http://www.vc-meiringen-brienz.ch/0000019b6a0b0c008/index.html
9 Kilometer/ 900 Höhenmeter
Rekord ist soviel ich weiss schwer unter 30 Minuten!
Super Zeit und stimmungsvoller Artikel! Ich muss mir ein Team suchen, um da auch mal mitzumachen..
Wer gerne Bergradrennen fährt, dem sei Andeer-Juf empfohlen. 28km und 1144 Höhenmeter. Steile Rampen, nasse Tunnels, aber auch einige flächere Zwischenstücke. Jedes Jahr Mitte August.
das sind ja wohl die ewiggestrigen, die heute noch ein Radrennen ohne Helmpflicht organisieren…..
… oder auch hippe Velokuriere.
In einem Procylcing(Magazin) hat Chris Boardman mal ein Fahrrad getestet, auf der dazugehörigen Bilderserie trug er keinen Helm. Als Kommentar des Magazins stand etwa folgendes dazu: Wenn er einen Helm tragen würde, erwecke dies den Anschein, dass Radfahren gefährlich wäre. Ok, bei Chris Boardman können wir den Zusammenhang zwischen Doping und dem Schwinden der Hirnzellen erkennen. Aber bei Anette Michel ?
Gut, ich kenne noch einige, die der Meinung sind, einen Helm zu tragen sei unsportlich. Sie hätten das die letzten 40 Jahre auch nicht gebraucht. Das sind dann aber meistens auch die Leute die vor 40 Jahren mit dem sportlichen Radfahren aufgehört haben. Schlussendlich ist es eine persönliche Entscheidung von jedem.
Ich staune eher über den Entscheid des Organisators, den Helm nicht als Pflicht anzusehen.
Die Veranstaltung an sich finde ich aber sehr gut. Von denen müsste es in der Schweiz mehr geben. Wenn ich allerdings all die Tipps aus den Kommentaren zusammentrage, werde ich die nächsten paar Jahre einiges zu tun haben…
Einen Tipp kann ich auch einbringen: http://www.rrcnordwest.ch/ organisiert das Bergrennen von Eptingen auf den Oberbölchen.