Meniskusriss – kleiner Schaden mit Konsequenzen

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Wer Sportarten mit häufigen Richtungswechseln ausübt, riskiert eher einen Meniskusriss: Ruhende Knie in den Ferien. (Bild: Flickr/muffet68/heidi)

Wer Sportarten mit häufigen Richtungswechseln ausübt, riskiert eher einen Meniskusriss: Ruhende Knie in den Ferien. (Bild: Flickr/muffet68/heidi)

Sie sitzen beim Arzt und starren ungläubig auf viele kleine Bilder einer MRI-Untersuchung. Da zeigt sich eine kleine, feine weisse Linie in einem schwarzen Dreieck. Der Arzt sagt Ihnen, dass es sich um einen Meniskusriss in Ihrem Knie handelt und dass dies operiert werden muss.

Dabei hatte alles so harmlos begonnen. Beim Lauftraining sind Sie über eine Wurzel gestolpert und haben sich dabei das Knie verdreht. Seither plagen Sie immer wieder Schmerzen an der Innenseite des Knies bei denselben Rotationsbewegungen in Kniebeugung.

Wozu der Meniskus überhaupt da ist, wie ein Riss entstehen kann und welche Behandlungsmethoden möglich sind, erklärt unser Running-Doc *Dr. med. Martin Narozny-Willi, Facharzt der SportClinic Zürich:

Anatomie und Funktion
Der Meniskus ist eine halbmondförmige Struktur aus Faserknorpel, elastisch aber dennoch reissfest. In jedem Knie gibt es einen Innen- und einen Aussenmeniskus, welche 60 Prozent der Gelenkfläche bedecken. Von der Seite her betrachtet hat er einen dreieckförmigen Querschnitt. Seine Funktion ist, den Druck vom Oberschenkel auf das Schienbein zu verteilen, Stossbelastungen zu absorbieren, den Gelenkknorpel zu schützen und zur Gelenkstabilität beizutragen.

Meniskus

Der Meniskus.

Meniskus

Der Meniskus von der Seite.

Unfallhergang
Meist entsteht ein Meniskusriss durch eine plötzliche Rotationsbewegung im Knie, ausgehend von einer Kniebeugung in Richtung Streckung. Oft betroffen sind Sportarten mit häufigen Richtungswechseln und Stop-and-go-Bewegungen wie Fussball, Eishockey und Basketball. Ebenso kann ein Riss auch beim Skifahren oder beim Stolpern während des Lauftrainings auftreten. Der Innenmeniskus ist deutliche häufiger betroffen. Meniskusrisse können aber auch ohne Unfallereignis entstehen. Mit zunehmendem Alter wird der Meniskus spröde und reisst nach und nach ein.

Beschwerden
Nach dem Unfall tritt ein punktueller Schmerz im Gelenkspalt auf, der sich immer durch die gleiche Bewegung provozieren lässt. Oft wir der Meniskusriss im akuten Stadium auch durch einen leichten Erguss im Knie begleitet. Zeitweise kann es zu Blockaden im Knie kommen.

Untersuchung
Es gibt zahlreiche Tests zur Untersuchung eines Meniskusrisses. Alle basieren sie auf einer Kombination von Rotation und Scherkräften auf den Meniskus. Die bekanntesten sind der McMurray- und der Apley-Test. So kann der typische Schmerz provoziert werden. Mit der Kenntnis des Unfallherganges und der Untersuchung ist es dem Arzt bereits möglich, recht sicher zu sagen, ob es sich um einen Meniskusriss handelt.

Bildgebung
Heute hat sich das MRI (magnetic resonace imaging) als Methode der Wahl durchgesetzt. Diese Untersuchung wird in einem grossen Magnetfeld durchgeführt und funktioniert ohne Röntgenstrahlung, ist darum auch ungefährlich. Das MRI zeigt den Riss als feine weisse Linie im dreiecksförmigen Meniskus. Daneben wird auch noch nach Begleitverletzungen am Knorpel und am Kreuzband gesucht. Je nach Unfallhergang kann manchmal vorgängig auch ein Röntgenbild hilfreich sein.

Meniskus MRI

MRI Meniskus

Meniskusriss MRI

MRI Meniskusriss

Meniskusrisse

Meniskusrisse

Operation
Ist die Diagnose eines Meniskusrisses eindeutig gestellt, ist meist nur eine Operation erfolgversprechend. Der Meniskus zeigt leider nur im Kindesalter eine gewisse Spontanheilung. Heutzutage wird ausschliesslich die Arthroskopie, das heisst die Schlüssellochmethode durch zwei kleine Schnitte von 1 Zentimeter Länge durchgeführt. Je nach Art des Risses kommen verschiedene Operationen in Frage. Sofern der Meniskus ganz basisnah gerissen ist, kann eine Naht durchgeführt werden, weil in diesem Bereich die Durchblutung gewährleistet ist und eine gute Heilungschance besteht. In den meisten Fällen muss der eingerissene Teil jedoch entfernt werden. Dabei sollte so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig entfernt werden. Muss ein grosser Teil oder gar der ganze Meniskus weg, kommt es zu einer frühzeitigen Abnützung im Gelenk, zu einer sogenannten Früharthrose. Die Operation kann in Teilnarkose erfolgen, das heisst nur die Beine schlafen, und sie dauert 30 bis 60 Minuten.

Die Meniskusoperation ist die häufigste Knieoperation. Selten, unter 1 Prozent, kommt es zu Komplikationen wie Blutungen, Infektionen und Thrombosen. Die Rate eines erneuten Risses nach einer Meniskusnaht ist leider mit bis zu 30 Prozent deutlich höher.

Nachbehandlung
Die Nachbehandlung nach einer Meniskusteilentfernung ist nicht besonders anspruchsvoll. Sie umfasst die Behandlung der Schwellung, die Wiederherstellung der Beweglichkeit, der Belastbarkeit, den Muskelaufbau und die Koordination. Die Zeitdauer der Rehabilitation ist individuell verschieden, meist kann nach sechs Wochen wieder mit leichten sportlichen Aktivitäten begonnen werden.

Deutlich komplexer stellt sich die Rehabilitation der Meniskusnaht dar. Die Naht ist mechanisch kaum belastbar. Darum darf während 4 bis 6 Wochen das Knie nicht voll belastet und gebeugt werden.

Der Meniskusriss ist eine häufige Verletzung am Knie und kann meist nur operativ behoben werden. Bei korrekter Durchführung zeigt die Operation sehr gute Ergebnisse und geringe Komplikationsraten.

Was sind Ihre Erfahrungen?

Dr. med. Martin Narozny-Willi

Dr. med. Martin Narozny-Willi, unser Doc bei «Running im Outdoorblog».

* Dr. med. Martin Narozny-Willi, Facharzt Orthopädische Chirurgie, Sportmedizin SGSM und Verbandsarzt Swiss Ice Hockey. SportClinic Zürich, Sportmedizin und Leistungsdiagnostik. Die Klinik ist eine Swiss Olympic Medical Base.