Blogs

Outdoor

Muskelspiel der kleinen Herausforderer

laurens van rooijen am Donnerstag den 29. März 2012

Die Welt ist keine Scheibe – und schon gar nicht flach. Darum ist es höchste Zeit, dass auch Rennräder mit den zuverlässigsten Bremsen ausgerüstet werden: Scheibenbremsen. Dieses Frühjahr ist deren Marktreife dramatisch näher gerückt. Und mit Colnago mischt die italienische Rennrad-Traditionsfirma schlechthin ganz vorne mit.

An der «25th Taipei Cycle Show» stahlen drei kleinere Hersteller den Grossen die Show: Formula und TRP zeigten komplett hydraulische Scheibenbremsen für Rennräder, Magura eine hydraulische Felgenbremse. Das Ende wartungsbedürftiger Bremszüge aus Metall scheint auch am Rennrad gekommen. Noch halten die grossen Komponenten-Anbieter Shimano, Campagnolo und SRAM ihre Karten bedeckt. Im Fall von SRAM kursierten aber nach einer Indiskretion erste Produktbilder im Internet. Der Weltradsportverband ist bald gefordert, denn noch verbieten die Reglemente den Einsatz von Scheibenbremsen in Radrennen der Profis. Dieses Verbot ist angesichts der jüngsten technischen Entwicklung nicht mehr zu halten.

Das zeigte sich an der drittgrössten Fahrrad-Messe der Welt im fernen Taipeh mit Nachdruck. In der Hauptstadt Taiwans präsentierten zwei Hersteller unabhängig von einander serienreife Scheibenbremsen fürs Rennrad. Keine Basteleien, sondern ausgereifte Lösungen, die vom Hebel bis zur Bremszange komplett hydraulisch funktionieren. Mitarbeiter der etablierten Komponenten-Anbieter Shimano, SRAM und Campagnolo schauten sich die Bremsen der beiden kleinen Hersteller ganz genau an. Und längst nicht nur sie: Die beiden Bremssysteme von TRP und Formula gehörten zu den meist diskutierten Produkten an der Taipei Cycle Show.

TRP: Grosse Bremsscheiben, eigenwillige Hebel

Der taiwanesische Hersteller TRP ist stark im Quersport verankert und hat dafür mit der «Parabox» bereits eine spezielle Scheibenbremse im Sortiment (siehe Beitrag vom 5. Januar 2012). Aber die funktioniert nicht komplett hydraulisch und ist auch nicht für lange, konstante Bremsungen konzipiert, wie sie auf Passabfahrten vorkommen. Darum ist TRP für die «Hywire»-Scheibenbremse nochmals gründlich über die Bücher gegangen. Und gibt dem System nun an beiden Rädern Bremsscheiben mit 160 Millimetern Durchmesser, grössere Bremskolben und angepasste Beläge mit auf den Weg. Dadurch soll das System auch längere Bremsungen und die dabei entstehende Hitze besser verdauen. Dennoch fallen die Bremszangen sehr filigran aus.

Sehr eigen kommen die Carbon-Bremshebel der «Hywire» daher: Sie lassen sich zum Schalten nicht schwenken und machen nach etwa einem Drittel der Länge einen markanten Knick nach aussen. Das ist optisch gewöhnungsbedürftig, bringt aber die beiden hinter den Bremshebeln angebrachten, mit Shimanos elektronischen Di2-Schaltsystemen kompatiblen Tasten für die Schaltung ideal in Griffweite. Von der Ergonomie passt schon alles, bei der Optik und der Haptik sollte TRP bis zur Markteinführung im Oktober noch nachbessern. Auch wenn das «Hywire»-System mit 600 US-Dollar preislich nicht in einem abgehobenen Rahmen angesiedelt ist, wirkten einige Materialien noch nicht wertig genug.

Traditionsfirma als Trendsetter

Formula hat bei der Entwicklung der Rennrad-Scheibenbremse eng mit Colnago zusammen gearbeitet, der italienischsten aller Rennrad-Traditionsschmieden. Das Resultat heisst «C59 Disc» und kommt sehr aufgeräumt daher. Das Pik-Logo und die Typenbezeichnung «C59» zieren die weiss lackierten, kleinen Zweikolben-Bremssättel. Die ganze Technik stammt von Formulas Mountainbike-Scheibenbremse R1. A propos klein: Bei den Bremsscheiben begnügen sich Formula und Colnago mit einem Durchmesser von 140 Millimetern an beiden Rädern. Prompt meldeten Experten an der Messe Bedenken wegen der Hitzebeständigkeit der Bremse auf langen Abfahrten an. Die Praxis wird zeigen, ob die Grösse der Bremsscheiben ausreicht. Optisch gefällig ist das ungemein kompakte System damit auf jeden Fall.

Gut gelungen ist Formula die Integration der Hydraulik und der Schaltung in Bedienelemente mit gewohnter Form und Optik. Aus Carbon gefertigt, liegt der geschwungene Bremshebel angenehm in der Hand. Dahinter befinden sich zwei Aluminium-Paddel, die als Schalthebel dienen. Wie bei TRP sind diese auch bei Formula für die Kombination mit den elektronischen Di2-Schaltsystemen von Shimano ausgelegt. Für die Rasterung einer per Kabel angesteuerten Schaltung fehlt im Hebel schlicht der Platz, den bereits der Hydraulik-Zylinder beansprucht. Das Mehrgewicht für die Scheibenbrems-Variante des «C59» schätzt Alessandro Colnago, Marketingdirektor beim italienischen Hersteller, übrigens auf bloss 150 Gramm ein. Es stecke vor allem in den Radnaben und der Gabel, während die Felgen leichter ausfallen könnten. Zu kaufen gibt es das «C59 Disc» ab August diesen Jahres, ein Preis für diesen Zwitter aus Tradition und neuster Technik wurde noch nicht kommuniziert.

Hydraulisch auf der Felge bremsen

Bei aller Begeisterung für die neue Technik bleibt ein Problem: Noch sind Rahmen und Gabeln mit den nötigen Bremsaufnahmen Mangelware. Wer nicht gleich ein neues Rennrad kaufen, aber die Vorteile eines hydraulischen Bremssystems geniessen will, wird beim deutsche Bremsen-Spezialisten Magura fündig, in Trekking- und Mountainbike-Kreisen seit langem eine feste Grösse. Mit der «RT8» lanciert Magura eine hydraulische Felgenbremse fürs Rennrad. Beim Design spielte die Aerodynamik eine zentrale Rolle, und die Kombination von präziser Fertigung, hochwertiger Lagerung und hydraulischer Betätigung verspricht eine fein dosierbare, wartungsarme und kraftvolle Bremse. Mit einem kleinen Schönheitsfehler: Die «RT8» lässt sich nicht mit Brems- und Schalthebeln von Shimano, SRAM oder Colnago kombinieren. Und Magura selbst bietet bis auf weiteres nur passende Bremshebel für Triathlon- und Zeitfahrlenker an.

Noch haben die neuen, hydraulischen Bremssysteme also Hürden zu überwinden: Es wird einige Jahre dauern, bis der Rennrad-Markt eine adäquate Auswahl an Rahmen, Gabeln und Rädern für Scheibenbremsen zu bieten hat. Entscheidend ist sowieso, wie früh und konsequent die grossen Komponenten-Anbieter Shimano, Campagnolo und SRAM eigene Lösungen zur Marktreife bringen. Und im Rennsport zeichnen sich ganz andere Probleme ab: Man denke nur an den neutralen Materialwagen, der zur Not Ersatz-Räder stellt und dann auch noch passende Ausführungen für Scheibenbremsen mitführen müsste.

Von der Funktion und der Zuverlässigkeit her führt aber auch am Rennrad kein Weg an hydraulischen Scheibenbremse vorbei. Die Zeiten, als man an einem tragenden Teil des Velos herum schleifen musste, um zu bremsen, werden bald der Vergangenheit angehören. Zu eindeutig sind die Vorteile von Scheibenbremsen. Die Frage ist nur, wie schnell dies die breite Masse der Hobbyfahrer merken wird. Und ob sich Scheibenbremsen auch bei den Profis durchsetzen können – trotz Bedenken wegen des Mehrgewichts und aerodynamischer Nachteile. Wer schon einmal gesehen hat, mich welchem Tempo ein Fabian Cancellara die Pässe hinab donnert (Beispiel im Video unten), der wünscht ihm eine Bremsanlage, die den dabei erzielten Tempi von deutlich über 100 Stundenkilometern angemessen ist.


Nichts für schwache Nerven: Fabian Cancellara in Gelb während einer Etappe der Tour de France in den Pyrenäen und auf der Aufholjagd bergab.

Wie sehen Sie die neuste technische Entwicklung? Gehört den Scheibenbremsen auch am Rennrad die Zukunft? Oder kann man darauf getrost verzichten?

« Zur Übersicht

58 Kommentare zu „Muskelspiel der kleinen Herausforderer“

  1. SomeintPhia sagt:

    Da sind die “Gümeler” ja ziemlich “hinterwäldlerisch” unterwegs .. ;-) .. Es erstaunt schon, dass die Scheiben im Radsport nicht schon viel früher Einzug gehalten haben.

    • Lucky_Looser sagt:

      Wieso es erst jetzt Scheibenbremsen am Renner “braucht”? Weil man sie nicht braucht.
      Die Bremsanforderungen auf der Strasse und im steilen Offroad-Gelände sind total unterschiedlich.

      • Martin Bürlimann sagt:

        Scheiben sind am Rennrad nicht nötig, es schleift nur. Macht nur Sinn bei Tourenvelo mit etwas breiteren Pneus. Gut für den Komfort bei der Pragel-Abfahrt. An der TDS und TDF sind Scheiben sowieso nicht erlaubt, oder doch?

        • Mark Vieli sagt:

          Schon mal darüber nachgedacht, dass man mit der Felgenbremse an einem tragenden Teils des Velos Material abträgt, da hintersinnt man sich doch automatisch. Mir läufts kalt den Rücken runter :)
          Seid willkommen ihr Scheibenbremsen.

  2. Siero sagt:

    Ich bleibe dabei: für den Hobbyfahrer dürfte sich die Disc-Bremse nicht so schnell durchsetzen. Der Wartungsaufwand ist relativ gross, und der Verschleiss ist ebenfalls klar höher als bei den üblichen Felgenbremsen. Ich stelle mir zudem lieber nicht vor, wie heiss die Bremse wird nach einer längeren Passabfahrt.

    • Laurens sagt:

      Ich halte dagegen: Gerade bei Hobbyfahrern (so das Budget gross genug ist) wird sich die Scheibenbremse am Rennrad zuerst durchsetzen. Denn es geht um gleichbleibend hohe Bremsleistungen bei jedem Wetter und um eine exakt dosierbare Leistung. Power is nothing without control, und bei der exakten Dosierung hat kein kabelaktiviertes System gegen ein hydraulisches eine Chance – ausser, wenn alles frisch verbaut und abgeschmiert ist, vielleicht. Mir ist übrigens lieber, wenn die Bremse heiss wird auf einer Passabfahrt als die Felge, wo ein Collée mit Leim drauf gepappt ist, der unter Hitzeeinwirkung nicht mehr hält. Oder wo ein Schlauch drin steckt, der dann wegen der heissen Felge plötzlich platzen kann. Beides beschwört gefährliche Situationen herauf, die nicht sein müssen.

      Ach ja: Welcher Verschleiss soll denn bitte höher sein? Der von Bremsbelägen und Bremsscheiben? Bis eine Scheibe ersetzt werden muss, dürfte es sehr lange dauern. Beläge wechseln ist ein Klacks. Eine Felge wechseln zu müssen, geht dagegen richtig ins Geld. Auch der Verschleiss der Reifen wird geringer ausfallen, weil die Räder wegen der besseren Dosierbarkeit weniger oft blockieren.
      Ich schlage darum vor: Denken Sie die Sache noch einmal ohne Vorurteile durch. Sie werden zum Schluss kommen, dass Scheibenbremsen in jeder Hinsicht Sinn machen.

      • Daniel Tobler sagt:

        Laurns, du fährst sicher nicht Rennelo: Colle waren einmal. Felgen am Rennrad verschleissen nicht. Hobbyguemeler fahren selten bei Regen. Eine moderne Kabelbremse dosiert fein und bremst perfekt. Nicht die Bremse ist das schwaechste Glied, sondern der Pneu auf der Strasse. Felgen werden heiss, ja. Aber mir ist bis dato noch nie ein Schlauch deswegen geplatzt. Übrigens habe ich >150000km auf Rennvelos zurückgelegt, davon sicher 10000 auf Passabfahrten.

        • Hans sagt:

          Natürlich verschleissen Felgen auch am Rennvelo, wenn Felgenbremsen eingesetzt werden. Du fährst offenbar einfach zu wenig (oder wechselt die Rädle sehr häufig).

          Und Collés werden natürlich auch noch eingesetzt, einfach schon längst nicht mehr flächendeckend.

          Dass moderne Rennbremsen perfekt seien, hat’s schon immer geheissen. 1980 mit den einfachen Shimano-600-EX-Bremsen. Die wurden dann massiv durch die neuen 600er getoppt. Später durch die heute noch gebräuchlichen Dual-Pivot-Bremsen. Jeder Evolutionsschritt hat die Bremsen so stark verbessert, dass kaum jemand freiwillig mit den Vorgängerversionen fahren wollte. Und dass heutige Bremsen stark genug und gleichzeitig fein zu dosieren seien, bezweifle ich selbst bei trockenen Strassen (mach mal den Direktvergleich mit Scheibenbremsen); aber bei nassen, dreckigen, steilen, schnellen Abfahrten ist der Unterschied zu Scheiben phänomenal.

          A propos Schwanzvergleich: ich bin das doppelte gefahren (darum auch die langjährige Erfahrung). Dass man schon 1980 als Jugendlicher mit den aus heutiger Sicht unzumutbaren Bremsen Pässe runter fahren konnte, beweist weder, dass die besonders gut oder sicher waren, noch dass sie für den heutigen, deutlich intensiveren Strassenverkehr genügend Reserve aufweisen.
          Die 150000 km kann ich übrigens

        • Laurens sagt:

          Daniel, ich fahre sehr wohl Rennvelo. Kein Rennelo, aber Rennvelo ;)
          Collées sind leider nicht passé: Zu viele Hobby-Fahrer orientieren sich bei der Materialwahl an den Profis. Und müssen dann die gleichen Über-Carbonräder haben, die es nun einmal NUR für Collées gibt. Leider hat sich die Tubeless-Technologie (also ein luftdichter Reifen auf einer luftdichten Felge montiert, ohne Schlauch) bisher beim Rennrad nicht durchgesetzt. Ich hab das System ein Jahr lang testen können (Laufräder DT Tricon, Reifen Hutchinson Atom) und war begeistert, weil man den Luftdruck im 30% absenken kann, ohne mit mehr Rollwiderstand bestraft zu werden. Auf schlechten Strassenbelägen ein Traum.
          Rennvelo-Felgen und -Bremsklötze verschleissen übrigens nur bei Schönwetter- und Wenigfahrern nicht.
          Und ja: die Felgenbremsen sind verbessert worden, aber die Achillesfersen dieser Bremsen sind der wartungsbedürftige Kabelzug und der Reibungspartner, im Klartext die Felge.

          Daniel, Du lehnst eine Technik ab, mit der Du noch keine Praxiserfahrungen sammeln durftest. Open your mind.

          • Daniel Tobler sagt:

            Laurens, ich habe mehr Innovation mitgemacht, als du dir vorstellen kannst. Meist an vorderster Front. Aber Scheibenbremsen werden auf dem Rennvelo nicht den Fortschritt bringen, wie auf dem Bike. Zugeben muss ich, dass dank Scheibenbremsen sich die Carbonfelgen durchsetzen werden. Dort gibt es Innovation.
            Aber Biker die Glauben, dass sich Scheibenbremsen am Rennvelos ebenso viel bringen, wie auf dem Bike werden enttäuscht sein. Felgenverschleiss sind kein Thema (Sorry Hans, ich bin mittlerweile Gutwetterfahrer, wie 90% der Guemmeler. Und die machen den Umsatz). Beim Bremsen mit Dual Pivot Bremsen ist die Haftung auf der Pneus auf der Strasse der Schwachpunkt. Wenn der Kabelzug harzt, Gore-Kabelzüge und fertig sind die Sorgen.
            Wohl werde ich auch nicht um Scheibenbremsen herumkommen. Damit kostet mein neues Rennvelo dann wieder 1000 Franken mehr und wenn ich irgendwo in der spanischen Pampa ein Leck im Oelsystem habe, kann ich das Trainingslager abbrechen. Das sind meine Bedenken.

  3. fred sagt:

    Solange eine normale Felgenbremse die dünnen Rennradreifen jederzeit blockieren kann, ist die erhöhte Bremswirkung sicher kein Thema. Dass die Scheibe beim Rennvelo nun seit einiger Zeit doch diskutiert wird, liegt vor allem an zwei Entwicklungen: ersten die Carbonfelgen der teuren Systemlaufräder, die keine gute Bremswirkung zulassen und vor allem viel zu teuer sind, um als Verschleissteil verbraten zu werdne und zweitens – für die Profis relevant – die Gewichtsuntergrenze der Rennräder laut UCI-Reglement, die mittlerweile so problemlos eingehalten wird, dass bei sicherheitsrelevanten Teilen nicht mehr aufs Gewicht geschaut werden muss.
    Und marketingtechnisch wird dieser Trend von den Radherstellern natürlich extrem gern gesehen – denn wegen der fehlenden Aufnahme am Rahmen wäre man als Kunde gezwungen, ein neues Komplettrad zu kaufen. Das gab´s das letzte mal bei der Einführung der Fulliies im MTB-Bereich, und das ist auch schon ein Weilchen her. Also wird´s mal wieder Zeit…

    • Roland K. Moser sagt:

      Dosierbarkeit ist auch gefragt! Die ist bei Scheibenbremsen bei nassen Verhältnissen sicher besser. Für Profis das Richtige. Ich brauche sie nicht. Auch nicht am MTB.

  4. captain kirk sagt:

    Ich sehe den Hauptvorteil einer Scheibenbremse am Rennrad nicht in der Bremskraft sondern der Dosierbarkeit. Denn diese ist bei einer Scheibenbremse nunmal um ein vielfaches besser. Besonders wenn es nass ist.
    Ein weiterer Vorteil der Disc kommt noch hinzu. Jeder Allwetterfahrer hat mit sicherheit schonmal ein Metallsplitter aufgesammelt der sich im Bremsbelag festgesetzt hat und dort bei jeder Bremsung die Felge einkerbt.

    Wartungsaufwand einer mit Mineralöl betriebenen Scheibenbremse ist nicht grösser als bei einer Felgenbremse.

    Nur stört mich der Gedanke eine Elektroschaltung am Rennrad zu haben.

  5. tömsi sagt:

    Ich finde wer mit 100 Sachen einen Pass runterbrettert hat die besten Bremsen verdient und das sind nun mal Discbreaks. Soll aber nicht meine Sache sein ich bin ein Mountainbiker mit Leib und Seele. Wenn sich mit Scheibenbremsen Unfälle vermeiden lassen, dann wäre es insbesondere bei den Hobbyfahrern höchste Zeit für den Wechsel. Aber noch fehlen halt die technischen Möglichkeiten überhaupt Scheiben sowie Bremsenbacken zu befestigen und die Kombi Schaltung/Bremshebel.

    • Bänni sagt:

      Wer mit 100 Sachen abwärts brettert, dem helfen im Notfall auch die weltbesten Scheibenbremsen nichts. Dem helfen nur eine Armee von Schutzengeln, professionelle Fahrtechnik mit extremer Reaktionsfähigkeit und die nötige Portion Glück. Im normalen Rennbetrieb überwiegen vorläufig noch die Vorteile einfacher, absolut zuverlässiger, dh. mechanischer Technik, Robustheit und Gewicht.

  6. fredi emmenegger sagt:

    Ich fahre beides: MTB und Rennvelo. Während für mich am Bike wegen überwiegender Vorteile kein Weg an der Scheibe vorbeiführt, habe ich die am Rennvelo nie vermisst. Mein erstes MTB hatte auch noch Cantilever-Felgenbremsen und waren (bei richtiger Justage) auch bei mittleren Downhills durchaus noch brauchbar. Für das Rennvelo sind jedoch solche Downhills kein Thema, vielleicht noch die besagten langen Passabfahren. Gerade da hat die Felgenbremse sogar noch einen systembedingten Vorteil, da die Wäremabführung über die (Alu-) Felge gut funktioniert. Bei (am Rennvelo aus Gewichts- und ästhetischen Gründen) zu kleinen Scheiben und den dadurch schlechten Abkühlungseigenschaften sind eher Fading-Problem durch Überhitzung zu erwarten. Auch der angesprochene Wartungsaufwand würde eigentlich eher für Felgenbremsen sprechen. Die Einstellarbeiten sind da zwar kniffliger im Vergleich zur Disk, auch die Bremsseile/-hüllen müssen hin und getauscht werden (allerdings nur sehr sehr selten, da beim Rennvelo verschleissträchtige Schlamm- und Regenfahrten eher selten sind), sind aber auch ohne Spezialwerkzeug und ohne grosses technisches Wissen selber zu bewerkstelligen. Ausserdem, was oben nicht deutlich genug erwähnt wurde, ist die Scheibenbremse durch das viel aufwändigere System deutlich teurer – und zwar sehr deutlich (min. 2 bis 3fache der Felgenbremse)!
    Natürlich wird sich, wenn die vorgenannten Nachteile irgendwann mal ausgemerzt sind, voraussichtlich die Disk auch beim Rennvelo durchsetzen. Die Substitution erfolgt dann aber nicht unbedingt aus Gründen der Notwendigkeit, sondern eher aus Marketing-, Prestige- oder technophilen Gründen!
    NB: Die grosse Ausnahme ist für mich der Zwitter Crossrad, bei dem es mich (schon aufgrund der viel widrigeren äusseren Bedingungen) schon lange gewundert hat, dass offiziell keine Scheibenbremsen erlaubt sind.

  7. Paul Mircher sagt:

    Ich verstehe den Titel nicht, Formula, Colnago und TRP sind alles keine “kleinen” Hersteller.

    Fürs Rennrad muss gar keine neu Bremse entwickelt werden, es gibt genügend leichte MTB Bremsen.
    Man könnte höchstens den Bremssattel Aerodynamisch gestalten und schon ist die Rennrad Scheibenbremse fertig.
    Beim Bremshebel ist dies natürlich anders…

    @Lucky_Looser: Die Anforderungen sind genau gleich, wo soll da ein unterschied sein? Ich bringe meine Scheibenbremse am MTB nur auf Teerstrassen (Passabfahrten) an die Grenze, im Gelände schaffe ich das auch auf den extremsten DH-Strecken nicht.

    @Siero: Der verschleiss ist nicht höher, wenn man miteinberechnet, dass kein tragendes Teil abgenutzt wird. Was ist das Problem wenn die Scheibe heiss wird? Lieber die Scheibe als die Felge wo der Reifen draufgeklebt ist.

    • Siero sagt:

      Welcher Rennradler fährt denn heute noch mit Collés – wohl nur derjenige, welcher einen “Hofmechaniker” beschäftigt…aber das ist wieder eine andere Geschichte;-).

      • Paul Mircher sagt:

        Ob Collé oder Schlauch, bei Hitze ist es das gleiche Problem.

      • captain kirk sagt:

        die meisten Vollcarbonräder wie z.b. jene von lightweight und co sind für Collés.

        • Tom sagt:

          Ich fahre sehr gerne mit Collés und einen Hofmechaniker brauche ich dazu keinesfalls. Natürlich ist die Montage etwas mühsamer, dafür wird man jedoch mit einer eleganteren Felgenkonstruktion und der besseren Rollqualität von hochwertigen Collés belohnt.

    • Roland K. Moser sagt:

      Also ich bin mit dem Rennvelo vom Gotthard runtergebrettert bis nach Erstfeld. Mein Rennvelo ist 15 Jahre alt mit Shimano 600. Da wurde nichts zu heiss. Und danach konnte ich noch ca. 100 km nach Hause fahren. Ich habe überlebt – Zustand wie vorher.

  8. Christian Rocha sagt:

    es ist ganz einfach: die scheibenbremsen bieten war viel konfort, aber sind auf dem rennvelo einfach nicht nötig. im gegenteil: das direkte und aggressive bremsverhalten der scheibenbremsen könnte auf der strasse zu heftigen stürzen führen. zudem ist es besonders im wettkampfbereich aus sicherheitsgründen sehr fragwürdig mit scheibenbremsen zu fahren. bei massenstürzen könnten die scheiben zu heftigen schnitt- und brandwunden führen. auch diese problematik besteht beim mtb-sport eigentlich nicht. für mich ist es zwar eine sehr spannende entwicklung, aber der weltradsportverband uci ist def. nicht gefordert.

    • Paul Mircher sagt:

      “zudem ist es besonders im wettkampfbereich aus sicherheitsgründen sehr fragwürdig mit scheibenbremsen zu fahren. bei massenstürzen könnten die scheiben zu heftigen schnitt- und brandwunden führen.”
      Solange Autos und Motorräder im Feld mitfahren und so selten blöde Absperrungen an den Seiten stehen sind heisse Bremsscheiben das kleisten Problem bei einem Massensturz. Mit den Fingern in die Speichen eines anderen Fahrers zu kommen ist sehr viel wahrscheinlicher und auch gefährlicher….

      Dieses “agressive” Bremsverhalten (hat nicht mal meine MTB Bremse mit 180mm Scheiben) lässt sich einstellen. Da die Bremse hydraulisch und nicht mechanisch ist, könnte man jedes beliebige bremsverhalten “produzieren”.

    • Tom Sutter sagt:

      …”das direkte und aggressive bremsverhalten der scheibenbremsen könnte auf der strasse zu heftigen stürzen führen. “…

      Im Gegenteil, der Vorteil der Scheibenbremse liegt neben mehr Power gerade in der besseren, feinfühligeren Dosierbarkeit. Die Felgenbremse ist dagegen eher digital (0/1). Wie dringend der Rennradler diesen Vorteil braucht, ist dann Ansichtssache.

  9. Jack sagt:

    Wieso braucht man für ein Rennvelo Scheibenbremsen, wenn man die Bremskraft sowieso kaum auf Strasse bringt. Da behalte ich doch lieber meine Shimano Zangen.

    • Laurens sagt:

      Genau bei der Dosierbarkeit spielen Scheibenbremsen, zumal hydraulische Systeme, ihre Vorteile voll aus. Es geht eben nicht um mehr Bremskraft, sondern um eine verbesserte Kontrolle der Bremskraft. Und darum, dass Nässe kaum einen Einfluss auf die Bremswirkung hat. Das sind zwei gravierende Schwächen der bisherigen Bremszangen.
      Und das gilt umso mehr, wenn diese altertümlichen Bremszangen mit den immer verbreiteteren Carbon-Felgen kombiniert werden, die an immer mehr Serienrennern ab Werk verbaut sind. Denn Carbon-Felgen sind nicht nur zu schade, um sie mit Blemsklötzen zu malträtieren, sie sind vor allem denkbar schlecht geeignet als Reibungspartner, und das vor allem bei Nässe.

      Was die Kommentare “Wer braucht schon Scheibenbremsen, es ging bisher ohne” betrifft, so entgegne ich: Mit dieser innovationsfeindlichen Grundeinstellung würden wir noch jetzt in Höhlen oder bestenfalls in Lehmhütten hausen und uns ganz sicher nicht im Internet über die Notwendigkeit dieser Innovation austauschen.

  10. mensch sagt:

    nur ein stichwort; ihr sprecht über ein tribologisches verschleisssystem – ob dies auf einer scheibenbremse stattfindet oder an einer felge sind massive unterschiede.

    es gab da auch beschichtete felgen, die sich im vergleich mit scheibenbremse (bei allen witterungsbedingungen) als hervorragend zeigten; jeodch aus preisgründen (für den hobbyfahrer) nicht realisieren liessen

  11. Dani Kobler sagt:

    Ich kann mich nicht erinnern an meinem Rennvelo je die Bremskötze gewechselt zu haben. Im Gegensatz zum Mountainbike wo regelmässig Klötze und Felgen gewechselt wurde, da war der Schritt zur Scheibenbremse eien Wohltat für Portemonaie und Finger.
    Aber ich fahr auch nicht mit 100km/h den Pass hinunter, mehr als 85 hatte ich noch nie auf dem Tacho. Und bei 85 genügt es den Kopf zu heben und der Wind bremst dann schon.
    Sicher wird es Scheibenbremsen am Rennvelo geben, dann kommt die gefederte Vordergebel und schliesslich ein Fully Rennvelo – für das Kopfsteinplaster in der Tremola :-)
    Ich investiert das Geld lieber in ein Bikeweekend.

    • captain kirk sagt:

      bist wohl nicht gerade ein Vielfahrer was? ;-)

      Es ist schon so das die Klötze viel länger halten als am XC-Bike aber wenn man ab und zu mal bei Schlechtwetter fährt, nutzen diese schon ab.

    • Quael Dich Du Sau sagt:

      Bei Regen sind die Bremskloetze schon nach einer langen Passfahrt faellig.

    • tömsi sagt:

      Federgabeln beim Rennvelo gibt es schon lange. Hat übrigens schon mal ein Franzose oder Belgier ein berümtes Rennen mit viele Pavee Abschnitten “Vorne-gefedert” gewonnen! Ich glaub es war ein Cannondale mit ner Fatty Gabel.

  12. Der Gümmeler sagt:

    Vergleiche ich die Probleme der Disc gegenüber den Felgenbremsen, die ich auf dem Rennvelo habe, dann muss ich sagen: Nein Danke. Hatte auf einem Bike eine Magura Felgenbremse, die war mitunter das Beste, was ich je hatte. Jetzt habe ich eine SRAM der obersten Preisklasse, die endlich in Sachen Wartungsfreundlichkeit der Magura das Wasser reichen muss. Disc-Systeme sind viel heikler und haben deutlich mehr Teile. Am Renner schätze ich die übersichtliche Technik, auch wenn ich ab und zu die Klötze wechseln muss.
    Das Bike ist inzwischen derart kompliziert geworden, dass ich die Einfachheit am Renner mehr und mehr schätzen gelernt habe.

    • Peter Michel sagt:

      Das Bike ist kompliziert geworden, dass ich nicht lache! Was soll daran kompliziert sein? Einmal im Jahr zum Service bringen und alles läuft perfekt. Wenn man aber das 8000.- Hightechbike haben muss, dann soll man sich auch nicht wundern wenn immer wieder etwas eingestellt werden muss. Leicht, wartungsarm und stabil, diese drei Eigenschaften lassen sich bei Federelementen und Bremsen nicht vereinigen. Ein F1 Auto fährt auch nicht 20 000 Km ohne Service!

  13. Kamran Safi sagt:

    Also ich habe an meinem Stadtmountainbike Scheibenbremsen und liebe sie, vor allem wenn der Kinderanhänger mit voller Ladung drin ist und wir bergab sausen. Am Rennrad habe ich die ganz normalen Felgenbremsen und eigentlich viel mehr als dass ich zuwenig Druck auf die Felgen bringen kann, habe ich das Problem, dass die dünnen Reifen nicht genug Haftung bringen. Wenn ich eh nur homöopathisch dosiert bremsen kann, wegen den Reifen, sehe ich den Vorteil der Scheiben nicht wirklich. Ich sehe schon, dass Dosierbarkeit besser ist, aber das war bisher nie das Problem. Das bisschen feiner Dosieren macht den Braten nicht fett. Auf Fabian Cancellara bezogen, mit 100 km/h auf den dünnen Reifen glaube ich gibts sowieso keinen Unterschied zwischen Felgen oder Scheibenbremsen, ausser vielleicht es regnet und dann würde Beten wohl die beste Strategie sein. Bedingung ist ein top gepflegtes Strassenvelo, was angesichts der -auch von uns Normalsterblichen zu erreichenden- Tempi ein Muss ist. Aber cool sehen die Scheiben auf jeden Fall aus.

  14. Roland K. Moser sagt:

    Am MTB sind glasklar Scheiben die bessere Lösung. Am Rennvelo braucht es sie schlichtweg nicht. Was nicht heisst, dass sie nicht kommen werden.

  15. Es gibt mehrere Gründe, die für Scheibenbremsen am Rennrad sprechen, Laurens van Rooijen hat in seinem Artikel und im ergänzenden Kommentar einige der wichtigsten genannt: Die bessere Dosierbarkeit ist eines der wichtigsten Argumente.

    Zudem wird aus Gewichtsgründen wird immer mehr auf Carbonfelgen gesetzt, und diese sind wie es LvR beschreibt, kein günstiger Reibungspartner für Felgenbremsen. Wer einmal bei Regen mit Rädern von Lightweight & Co unterwegs war, kann das bestätigen. Leichtbau-Hersteller sind bereits jetzt fähig, Carbonfelgen unter 200 Gramm herzustellen. In Serie werden diese aber noch praktisch nicht gefertigt, weil sie nicht standfest genug sind, um auch als Verzögerungspartner für Felgenbremsen zu dienen. Scheibenbremsen können einem weiteren Gewichtstuning förderlich sein.

    Weiter spielten hydraulische Bremsen am Rennvelo einem weiteren Trend in die Hände: Aerodynamik wird am Rennvelo immer mehr ein Thema, und dabei setzen die Entwickler auf aussergewöhnliche Lenkerkonstruktionen, innenverlegte Züge und die Anordnung der Bremsen im Windschatten, z.B. auf der Gabelrückseite oder unter dem Tretlager. Alle drei Konstruktionen bringen enge Kabelbögen mit sich, und diese erhöhen die Zugreibung. Mit einer hydraulischen Leitung wird dieses Problem erfolgreich gelöst.

    @Paul Mircher: Colnago ist im wirtschaftlichen Vergleich mit Giant, Trek, Specialized ein genauso kleiner Fisch wie TRP und Formula im Vergleich zu wirklich grossen Komponentenfirmen Shimano und Sram. Image und Umsatz sind zweierlei paar Schuhe.

    • frank peters sagt:

      was soll an einer bremsscheibe aerodynamisch sein?

    • Paul Mircher sagt:

      @Urs Rosenbaum : Desswegen sind es aber noch lange keine kleinen Firmen. Ich vegleiche auch nicht BMW mit Tesla Motors und sage dann Tesla Motors ist eine kleine Firma :D

      So fragil wie die Carbonlaufräder jetzt schon sind, werden sie nie im leben Scheibenbremsen Standhalten. Ich denke man wird mit Schweibenbremsen kein Gewicht sparen können, dies ist aber auch gar nicht nötig. Die 6,8 Kilo die laut UCI gefordert sind hält man auch mit Scheibenbremsen problemlos ein.

    • fredi emmenegger sagt:

      Carbonfelgen haben sich deswegen nicht flächendeckend durchgesetzt, weil die (wie auch im Artikel erwähnte) UCI-Gewichtsuntergrenze auch mit Alu locker erreicht wird. Somit eigentlich kein Argument pro Scheibe, zumindest *noch* nicht.
      Auch wird der Begriff “Dosierbarkeit” von einigen angeführt. Bitte mal näher erklären, was “Dosierbarkeit” überhaupt ist. Die Marketingaussagen der Bremsenhersteller muss man ja nicht wiederholen.
      Hierzu vielleicht nur kurz: Das “Dosieren” der Bremskraft tut man eigentlich mit den Händen. Wobei mit Scheibenbremsen und Felgenbremsen unterschiedliche Bremskennlinien haben (Scheibe eher progressiv). In der Praxis bringt auch jeder Hobbyradler mit beiden Bremssystemen die Räder kontrolliert zum Blockieren. Eine allfällig “schlechte Dosierbarkeit” bei Felgenbremse liegt somit eher an einer nachlässigen Justage der Bremszangen.

      • Paul Mircher sagt:

        Die Gewichtuntergrenze der UCI hat sicher nichts mit der Verbreitung der Carbonlaufräder zutun. Es ist extrem viel vorteilhafter leichte Laufräder zu haben und dafür den Rahmen schwerer zu machen als umgekehrt. Wie leichter die rotierende Masse ist, desto schneller ist der Fahrer. Bei Autos oder Motorrädern ist meistens auch das beste Tuning, die Räder zu erleichtern und nicht irgendwo anders gewicht zu sparen. Bei allem was sich dreht ist der Effekt des Gewichtsparen um ein vielfaches höher.

        Ein Rad mit Scheibe wird zwangsweise mehr Gewicht haben als eines ohne Scheibe…

        • fredi emmenegger sagt:

          Einverstanden, rotierende (=zu beschleunigende) Masse wäre ein Argument für leichte Carbonfelgen. Inwiefern man das Material Carbon jedoch auch angesichts von Sicherheits- und Dauerhaltbarkeitsaspekten für Laufräder verwenden kann, wird erst die Zukunft zeigen. Letztendlich ist das wohl auch eine Sache des Budgets…

      • captain kirk sagt:

        Dosierbarkeit: Es geht dabei darum dass man die Bremskraft schön gleichmässig und Linear steigern kann. Ja sie wird gegen ende hin Progressiv das stimm. Eine V-Brake tut dies auch, aber viel Stärker. Zumindest war dies bei meinen Avids der Fall. Meine DuraAce am Renner sind da etwas besser.

        Dies ist bei einer Felgenbremse nicht annähernd gleich gut möglich. Das kann jeder bezeugen der mit beidem unterwegs war/ist.

        Warum kommen alle immer mit dem Argument das man auch mit einer Felgenbremse das Rad Blockieren kann? Klar geht das, aber genau dies will man ja nicht. Ein blokiertes Rad bremst weniger als ein Rad welches nur kurz davor steht. Mal abgesehen davon das es schlechter zu kontrollieren ist. => Stichwort ABS beim Auto.
        Der Vorteil der Scheibe ist genau der, dass man viel besser kurz vor dem Blokieren verzögern kann.

        Ich fahre seit 13 Jahren sehr Aktiv Bike/Rennrad wenn auch in der letzen Zeit etwas weniger.. An all meinen Bikes ist eine Scheibenbremse montiert. Nur das RR ist die Ausnahme. Für mich ist die Scheibe schlicht und einfach tausend mal besser als jede V-Brake, Cantilever.

        Aber da Rennradfahrer mitunter etwas vom Rückständigsten sind was es im Radsport anzutreffen gibt, denke ich wird es noch lange dauern bis sich Scheiben am Rennrad durchsetzten können.

        • fredi emmenegger sagt:

          Ich bin selber Biker und mit der Disk voll zufrieden. Rennvelos als prinzipell rückständig zu bezeichnen finde ich aber übertrieben. Viele Innovationen aus dem MTB-Bereich wurden sehr schnell für das RR übernommen (Bsp. SIS, Hyperglide, Rahmendesign, Lagertechnologie), andere sind wiederrum nicht anwendbar oder kaum vorteilhaft (Bsp. Federung, Triple Combound Pneu, und eben Disks). Natürlich sind RR-Fahrer meist eher aus dem konservativen Lager. Die Vorteile durch allerneuestes High-Tech Material sind im RR-Bereich aber auch viel geringer als beim MTB.

  16. little Spartacus sagt:

    Also was das gezeigte Video von Fabian Cancellara angeht…. bitte nicht vergessen, dass er (auch im Profi-Feld) einer der besten Techniker/Abfahrer ist!

    Dazu kann ich absolut bestätigen, dass eher die Haftung auf der Strasse das Problem ist als die “Kraft” der Bremse…. klar mag die Dosierbarkeit mit Discs besser sein….. aber bin mir nicht so sicher ob das durch die andere Ergonomie im Unterlenker-Griff am Rennrad wieder aufgehoben wird. (müsste man ausprobieren)

    Von der Optik her…. finde das schöne am Rennrad ist grad eben das schlanke/leichte Aussehen, da würden mich die Scheibenbremsen optisch eher stören.

    Und zu guter letzt…. wer mit dem Rad schneller bergab fährt als der Fahrer und die Bremse verkraften oder meistern kann sollte mal über die Bücher gehen.
    Man sollte die Grenzen von sich und seinem Sportgerät (ob MTB oder RR) kennen…. und ich für mich bremse lieber mal ein bisschen früher auf einer Abfahrt…. vor allem bei Seitenwind in Kombination von einem leichten Rennrad und Hochprofil Felgen.

  17. Roger Zweifel sagt:

    Das wichtigste Argument, warum sich die Scheibenbremse noch eine ganze Weile bei den Radrennen nicht durchsetzen wird, ist für mich der Radwechsel bei einem Defekt. Nur Teamleader wie Cancellara können notfalls das ganze Velo wechseln. Bei den anderen wird das defekte Rad gewechselt. Ich wette, dass erstens ein Radwechsel mit Scheibe deutlich länger dauert und zweitens die Scheibe danach in 95% der Fälle an den Bremsbelägen streift. Das ist das Killer-Kriterium im Rennsport. Im Hobbysport spielt das keine Rolle und so kann ich mir durchaus vorstellen, dass in ein paar Jahren die Scheibenbremsen am Rennrad etabliert sind.

    • Hans sagt:

      Ich wette dagegen. Bei meinem MTB dauert der Radwechsel nicht länger als am Rennvelo und dort bin ich so schnell wie die Rennmechaniker in der Glotze. Schleifen tut anschliessend auch nichts.

      Dein Kommentar ist exemplarisch für viele hier: was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.

    • fredi emmenegger sagt:

      Da ich beide Systeme kenne, muss ich leider widersprechen. Der Radwechesl ist reine Übungssache und geht mit Scheibe praktisch gleich schnell. Erfahrungsgemäss ist es sogar mit dem Schleifen genau anders herum: beim Radwechsel schleift eher mal die Felgenbremse. Eine Disk stellt sich selber nach und leicht unterschiedliche Felgenbreiten spielen keine Rolle.

  18. Alfred Siffert sagt:

    Potz tusig:) Was für Kommentare:) Ja, am Sonntag mit dem Thöemus Bike für 4000 Franken den Gurten runter oder mit nem SCOTT Carbon aus der Ebucht einmal um den Bieler See, und schon ist man Veloprofi:)

    Aber man im Ernst: Jeder der schon mal ein richtiges Rennvelo mit ORIGINAL Campagnolo-Gummis drann hatte weiss, dass man mit 50 km/h und einem Zug vom kleinem Finger nen Bremsplatten machen kann. Was soll da ich da mit schweren Scheibenbremsen? Vielleicht gleichzeitig vorne und hinten nen Bremsplatten holen?

    Und wenn ich mit dem kleinen Finger bei 50 ne Vollbremsung mache, was mach ich den mit Scheiben? Nehm ich da dann die Zungenspitze zum Bremsen?? Wie richtig gesagt wurde: die Haftung ist das Problem. Mit 22 Pneus und mehr bringt ne Scheibe schon was…

    Und wenn es regnet, dann hat ne Scheiben vielleicht mehr Bremswirkung (am Anfang). Aber bitte: mit Rennslicks auf nem Rennvelo im Regen auf ner Passstrasse, da ist das Bremsen das kleinste Problem :)

    Campi-Bremsen genügen absolut (wobei Shimano ja auch ganz tolle Produkte hat…).

    Und nochwas an die Carbon statt Kondition Fraktion: Guckt euch mal Jan Ulrich an der Tour de France (war es 99), als er mit seinen “3-Speichen-Rädchen” die Pässe runter zuckelt und von Nonames überholt wird. Kurvenfahren im Highspeedbereich (mit dem Rennvelo) ist etwas ähnliches wie carven. Das Rad muss federn…es mus leben, darf nicht zu hart sein. Man druckt es in die Kurve und dann kommt der Gegendruck. Verwindungssteife Konstruktionen wie sie Jan Ulrich hatte, mögen leichter und stabiler sein, aber man hat keinen Spinn mehr, kein feeling. Und ich hab gelacht, als ich sah, wie Jan Ulrich mit seinem 20’000 Euro Carbonrad gefühlos die Kurven runtergeholpert ist…

    Gute Carving-Skis federn übrigens auch und mit diesem Federn kann man in der Kurve spielen. Aber das ist high art, von 1000 Skifahrern spüren das vielleicht 100? Maximal….

    Darum mein Fazit: das breite Volk soll ruhig Thöemus & Co fahren, mit viel Carbon und Scheiben. Die paar Profis, die unterm Sattel was fühlen, bleiben beim Altbewährten, ausser es ist zu schwer oder die Kompromisse sind ok.

    Gruss aus Bern

    AS

    ps

    Ich hab mal einen Halbprofi zu Moser nach Bümpliz geschickt (leider pensioniert…). Dieser hat zwei handgemacht Alureifen an das Proficolnago geschraubt und der Profi war blass, als er am Frauenkappelnstutz auf der Testfahrt mit mir bei 55 den Lenker loslies und das Velo weniger Vibrationen hatte als vorher mit 30 gerade aus… Yamaha oder Stradivari? Das ist die Frage:)

    Nur, gibt es noch Mechaniker, die mit den Speichen reden können? Wenn ich nen schlechten Mech hätte, würde ich wohl auch eher Carbon-Standart als handgemachte Speichen fahren…

  19. ich halte dagegen, gerne sogar.

    Im mountainbike weltcup gibt es ja auch Materialwechselposten. Da scheinen die Mechaniker Laufradwechsel durchaus zeitnah hinzukriegen … Wenn das ein sooo grosses Problem darstellen würde hätten sich die Bremsen am Wettkampfrad niemals durchgesetzt und da die meisten Hobbyfahrer das kaufen was die Profis im Gelände fahren …..
    Falls im Strassenrennsport tatsächlich fähige Mechaniker fehlen sollten müsste man die halt bei den Mountainbikern abwerben.

    Schleifenden Discbrakes könnte man auch mit mechanischen Scheibenbremsen entgegenwirken (falls das tatsächlich ein problem sein sollte) Da lassen sich die Beläge weiter von der Scheibe weg einstellen, die Bremsleistung reicht alleweil und wenn man Züge/hüllen ab und zu wechselt gibts da auch nicht so grosse Reibungsverluste wie manchmal Gerüchtehalber vorhanden. Eventuell könnte man hydraulische Bremsen mit mehr Abstand zwischen Scheibe und Belägen konstruieren, ganz bestimmt sogar falls das taatsächlich ein PRoblem wäre, und etwas schleifen tut jede disc nach einer Abfahrt ….

    Colnago ist im Rennradsport auch kein besonders kleiner Player. Auch wenn die fast ausschliesslich Rennräder bauen unterstützen sie seit ewigkeiten über 50 Strassenteams und haufenweise Einzelsportler. Das übersteigt wohl alleine schon den Output vieler kleiner Hersteller.

    Das Image von Colnago ist sicher um einiges grösser als die tatsächlichen Verkaufszahlen. Einer der drei grössten Fahrradhersteller der Welt ( Giant) hält (30% ?) Aktien an Colnago und produziert auch einen rechten Anteil der Colnago Fahrräder. Als diese Partnerschaft begann wurde das, im gegensatz zu vielen andern ähnlichen Deals, auch offen kommuniziert.

  20. olli Bretscher sagt:

    wie siehts mit Mehrgewicht aus? Ein ganz entscheidender Faktor bei Rennrädern! Nicht nur das Bremssystem wiegt mehr als die bisherigen. Die Gabel muss auch viel steiffer und schwerer kontruiert werden. Die Grösste Belastung der Gabel ist plötzlich unten bei der Nabe und die Hebelwirklung um einiges grösser als bei einer Bremse unterhalb des Steuerlagers. Gleichzeitig muss die Gabel Seitensteif aber auch Dämpfend wirken. Glaube nicht, dass hier noch 300g Gabeln möglich sind. Hier gibt es noch viele Probleme zu lösen. Aber der Markt wird es richten.

  21. andrej sagt:

    auf die gefahr hin, viel zu wiederholen:
    1. warum etwas anderes, wenn es scheibenbremsen gibt? siehe töff, auto, bahn. wo das rad (und dadurch das fahrzeug) gebremst werden soll, ist scheibe dran. traktion ist ein anderes thema. dosierbarkeit lebt von direkter kraftübertragung.
    klar gibt es auch omas dreigangschaltung immer noch und der starrlauf (heute: “fixie”) ist weiterhin beliebt wie vor hundert jahren.
    2. tragende teile sollten nicht abgeschmirgelt werden. sagt der fahrradmechaniker. und jeder brückenbauer.
    3. die scheibenbremsen sind überlegen wegen ihrem anpressdruck=effizienz in der wandlung von bewegung in wärme.
    die anpassungsschwierigkeiten von den hebeln bis zu gabel/rahmen und den aufnahmen sind fortschritt live. das gibt nur mehr auswahl, wo liegt das problem? sollte das rad immer noch rund und aus stein sein weil’s so auch schon rollte?

    • Roland K. Moser sagt:

      Die Masse bei Autos und Töffs ist viel grösser, deshalb werden Scheibenbremsen verbaut. Ich bin kein Gegner der Scheibe, bin aber der Meinung, dass es nur bei Profis Sinn macht, oder am MTB. Wobei ich dort auch noch mit meiner 97er XTR V-Brake rumfahre und das geht gut.

    • Ronny Kobler sagt:

      Ich stimme im Prinzip zu, auch ich hasse abgeriebene Felgen, aber beim Rennvelo fehlt der schmirgelnde Dreck/Nässe in dem Umfang wie er beim Bike normal ist. Meine Bikes haben auch alle Scheiben, und ich immer genug zum basteln …Leider funktioniert die Scheibenbremse nach über 10 Jahren immer noch nicht sorglos. Bei manchen Bremsen sind sogar die meisten Veloläden überfordert. Eine V Brake hat man mit wenigen Handgriffen, und Teilen die es überall zu kaufen gibt schnell selbst repariert. Auf einer Tour mit Ersatzbelegen und einem Zug ist man für Alles gewappnet. Das sieht bei Scheiben leider völlig anders aus. Man stelle sich mal einen Problemthread einer V Brake mit 117 Seiten vor… so was gibt es nur bei Scheibenbremsen:
      http://www.mtb-news.de/forum/showthread.php?t=379466

  22. Ronny Kobler sagt:

    Das wird kommen, egal ob es jemand braucht oder auch nicht. warum? Weil die Industrie das so will. Bestes Beispiel ist das MTB, am Rennvelo war jetzt mal ein paar Jahrzehnte (abgesehen vom Rahmenmaterial) Innovationspause, das kann so natürlich nicht weitergehen. Wobei, vor 10 Jahren ist schon der Einzug der Federgabel am Rennvelo missglückt, von daher -> die Hoffnung auf stirbt zuletzt.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.

© baz.online