Nur die Besten der Besten der Besten am Bec

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Furchtlos? Nein, das ist die Weltelite der Freerider nicht, wenn sie sich am Xtreme Verbier über die brutal steile und mit Felsen übersäte Nordwand des Bec des Rosses stürzt. Die Fahrerinnen und Fahrer wissen: Für Experimente gibt es hier keinen Spielraum (siehe Bildstrecke). Wer oben am Start steht und runter schaut, der spürt ein Ziehen in der Magengegend, der fühlt sich klein. Demut und Respekt gegenüber dem Berg sind riesig, der Puls rast.

Kein Wunder also, werden am an diesem Wettkampf einzig die Besten der Besten der Besten zugelassen: 12 Skifahrer, 6 Snowboarder, 5 Skifahrerinnen und 3 Snowboarderinnen konnten sich dieses Jahr qualifizieren. Sie waren die Top-Platzierten des Gesamtklassements der Swatch Freeride World Tour (FWT), bei der ohnehin nur die Besten der Besten der Welt mitfahren dürfen. Das Xtreme Verbier ist das Finale der Tour, welche diesen Winter an sechs Stationen in Europa und in Kanada gastierte. Zusätzlich erhielten ein paar wenige FWT-Profis eine Wildcard für den Bec.

Ein Monster von einem Freeride-Berg

Der 3222 Meter hohe, pyramidenförmige Bec des Rosses schürt bei den Fahrern, den Veranstaltern und den Zuschauern Emotionen wie kein anderer Freeride-Berg. Vom Start bis zur Ziellinie sind es 500 Meter. Geländeneigungen zwischen 40 bis fast 60 Grad machen die Abfahrt fast vertikal. Zu überwinden oder umfahren gibt es Felsen jeder Grösse. Sprünge bis 25 Meter sind möglich. Eine technisch hochanspruchsvoller Nordhang, ein Labyrinth in dem es sehr kompliziert sein kann, eine ideale Route zu finden. Wer sich nicht minutiös vorbereitet und konzentriert, kann sich erbarmungslos verirren. Das gilt auch für die Erfahrenen, welche schon mehrfach am Xtreme Verbier mitfahren durften, denn die Wand sieht jedes Jahr anders aus, je nach Schneeverhältnissen. Für die FWT-Profis ist der Wettkampf am Bec des Rosses der grösste Traum und sie geben alles, um dabei sein zu können – und damit dieser Berg für sie letztlich nicht zum Albtraum wird. Mentale Stärke ist mindestens so wichtig, wie professionelle Selbsteinschätzung. Sie müssen wissen, wo ihre Grenzen liegen. Hier geht es um Können und Kreativität, nicht um Tempo und noch mehr Adrenalin, denn letzteres wird sowieso schon maximal ausgeschüttet – so wie bei keiner anderen Sportart.

Diese und weitere Linien am Bec des Rosses wurden schon gefahren. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. (Bild: Freerideworldtour.com)

Wer sagt, die FWT sei ein Wanderzirkus der Waghalsigen und es sei möglicherweise reiner Zufall, dass es  noch nie einen tödlichen Unfall gegeben habe (so wie die «NZZ»), mag recht haben, denkt aber wie eine uralte Tante und blendet bewusst aus, dass es sich hier nicht um Soft-Sport handelt wie etwa Curling oder Pingpong. In den USA gabs bei der Tour der Freeskier tatsächlich schon mal einen Sturz mit Todesfolge. Aber selbst im Ski alpin gab es schon mehrfach im TV live übertragene Stürze mit fatalen Folgen, ebenso im Skicross oder in der Halfpipe, ganz zu schweigen von massenbegeisternden Risikosportarten wie etwa die Formel-1. Das professionelle Freeriden ist eine neue Disziplin des 21. Jahrhunderts und braucht wohl noch Zeit, um in oberkritischen Köpfen als Spitzensport akzeptiert zu werden. Das Leben bringt nun mal Gefahren und Risiken mit sich, auch für Vorsichtige, die ihre Freizeit drinnen auf dem Sofa verbringen, in die Glotze gaffen, Chips futtern und sich draussen nur bei Grün über den Fussgängerstreifen wagen.

Wie auch immer: Vergangenen Samstag fieberten gut 8500 Zuschauer auf dem Col des Gentianes (2950 Meter) mit als das 17. Xtreme Verbier ausgetragen wurde. Am Himmel zeigte sich kein einziges Wölkchen, die Wintersonne brannte, für die Profi-Fahrerinnen und Fahrer herrschten dennoch äusserst schwierige Schneeverhältnisse: mal windverpresst und verharscht, dann wieder tiefer Pulver. Die Bedingungen im Hang waren härter als in den Vorjahren. Es gab zwar Stürze, aber nur kleine und glimpfliche ohne nennenswerte Verletzungen. FWT-Direktor Nicolas Hale-Woods: «Wieder einmal haben wir auf diesem Hang, der niemals enttäuscht, unglaubliche Leistungen gesehen. Momentan erobert eine neue Generation gut ausgebildeter und talentierter Freerider die Szene.» (Interview mit Hale-Woods hier.)

Die Schweizer dieses Jahr im Mittelfeld

Gewonnen haben das Xtreme Verbier auf Ski zwei Schweden: Reine Barkered bei den Herren und Christine Hargin bei den Damen. Auf dem Snowboard der Franzose Jonathan Charlet und die Amerikanerin Maria DeBari. Sie alle belegen auch beim Gesamtranking der FWT die ersten Plätze – und dürfen sich Freeride Weltmeister 2012 nennen. (Für die Sieger-Run-Videos bitte Namen anklicken.) Wie die Jury die individuellen Runs bewertet, lesen Sie hier.

Das Best-of-Video:

Das End-of-the-Line-Video:

Die drei Schweizer an der dieserjährigen Tour klassierten sich im Gesamtranking im Mittelfeld: Der Zermatter Samuel Anthamatten, Vize-Weltmeister Ski 2011, erreichte den 7. Rang. Newcomer Richard Amacker aus Nendaz den 8. Platz. Und Emilien Badoux aus Sitten, der ebenfalls das erste Jahr dabei war, belegt mit dem Snowboard den 6. Platz.

Anthamatten nach dem Wettkampf: «Ich habe mein Saison-Ziel, meinen Titel vom vergangenen Jahr zu verteidigen, nicht erreicht. Aber das ist okay. Ich habe in diesem Winter sehr viel dazugelernt und werde nächstes Jahr selbstsicherer antreten können.»

Anne-Flore Marxer dieses Jahr unter den Zuschauern

Auch Favoriten wie Xavier de le Rue konnten in Verbier nicht überzeugen. Er war diese Saison nur bei zwei Stopps dabei, konzentrierte sich vor allem auf Filmaufnahmen, um an seinen spektakulären Streifen «This is my Winter» anzuknüpfen. Sein neuer Film wird im Spätherbst erscheinen und de le Rue verspricht, darin wieder Abfahrten zu zeigen, wie sie bis jetzt noch nicht zu sehen waren.

Unter den Zuschauern befand sich auch Anne-Flore Marxer, die vergangenen März das Xtreme Verbier gewonnen hatte und Weltmeisterin Snowboard 2011 wurde. Auch sie konzentrierte sich diesen Winter auf Filmaufnahmen, nahm an keinem Wettkampf der FWT teil, weil sie mit den – im Vergleich zu den Herren – viel tieferen Preisgeldern nicht einverstanden ist. Filmaufnahmen seien für die die Karriere gleich wichtig wie Wettkämpfe, sagt sie. Wehmut sei nicht aufgekommen, nicht selber am Start des Xtreme Verbier zu stehen, aber sie habe mit den Fahrerinnen und Fahrern gezittert, sagte sie. «Es ist für mich einfacher, selber zu fahren als von unten zuzusehen, welche Schwierigkeiten zu bewältigen sind.»

Anne-Flore Marxer zeigt die Uhr, die sie entworfen hat. (Bild: Swatch)

Anne-Flore Marxer zeigt die Uhr, die sie entworfen hat. (Bild: Swatch)

Übrigens:
Als Journalistin erhielt ich von Swatch, dem Hauptsponsor der Freeride World Tour, eine Uhr aus der neuen Sports Collection, welche erst Ende April 2012 in die Läden kommt. Sechs Athleten aus dem Swatch Proteam entwarfen je eine Uhr. Mein Modell heisst «Wonder Flora» und wurde von Anne-Flore Marxer designt. Sie hat die Uhr für mich signiert, was das Stück zu einem Unikat macht. Ich verschenke dieses Exemplar an Sie, liebe Leserin, lieber Leser. Es kann sowohl von Frauen wie von Männern getragen werden. Zifferblatt: Schwarz. Armband: Opakes mintfarbenes Silikon mit schwarzem Muster.

So können Sie gewinnen: Schreiben Sie (unten) in die Kommentarbox, was Sie vom Freeriden halten und weshalb Sie die Uhr möchten. Wichtig: Sie können Ihren Kommentar unter einem Pseudonym-Namen schreiben, aber geben Sie unbedingt eine Mailadresse an, über die wir Sie kontaktieren können und die Sie regelmässig prüfen. Die Mailadresse wird nicht publiziert, Ihre Angaben werden nicht anderweitig genutzt. Wer die Uhr bekommt, entscheide ich zusammen mit Anne-Flore Marxer. Der Rechtsweg ist – wie immer bei Wettbewerben – ausgeschlossen.