Wir sind wohl alle froh, dass die Kältezeit vorbei ist. Doch was bleibt, ausser der neuen, teuren und viel zu dicken Daunenjacke, die nun fast ungebraucht im Kleiderschrank vor sich hinhängt? Zum Beispiel die Erkenntnis, dass Kälte erfinderisch macht. In den Spalten des «Tagesanzeigers» erschien vor gut zwei Wochen eine nicht ganz ernst gemeinte Anregung zu einer neuen Extremsportart: Auf Schlittschuhen gefrorere Bäche runterrasen.
Es meldete sich eine Reihe besorgter Leser, die warnten, dass es sich dabei um ein sehr gefährliches Vergnügen handele. Für Ursin Tanner war genau dies der Grund es trotzdem oder gerade deswegen zu probieren. Als Beweis, liess er sich dabei filmen. Eine neue Risikosportart, die nun auf dem Video (siehe unten) «downhill iceskating on frozen creek» zu betrachten ist, ist geboren.
Herr Tanner, sind noch alle Knochen heil?
Ja. Doch im Nachhinein bin ich froh, dass wir uns mit Helm und Schoner geschützt haben.
Sie folgten einem nicht ernst gemeinten Leseraufruf im «Tagesanzeiger».
Ich empfand das als sehr spannende Anregung. Kurz darauf bin ich mit meinem Kollegen losgezogen, um einen geeigneten Bach zu finden. Es war nicht ganz einfach, denn die meisten sind zu zerklüftet und werden von Schwellen unterbrochen. Im Meilemer Tobel bei Zürich wurden wir schliesslich fündig.
Wie haben Sie sich auf die Fahrt vorbereitet?
Mein Kollege und ich sind zuerst den Bach hochgelaufen, und haben das Eis auf seine Festigkeit überprüft. Bei der Kontrolle ist uns schon aufgefallen, dass es ein paar dünne Stellen gab. Einige Passagen waren auch von Schnee überdeckt, was das ganze noch unberechenbarer werden liess.
Trotztem wagten Sie den Ritt.
Wir verbrachten insgesamt zwei Tage im Meilemer Tobel. Dabei haben wir gelernt, dass Schlittschuhlaufen auf dem Bach eine spezielle Technik erfordert. Man muss sehr vorausschauend fahren, da das Gelände mit Steinen, Schwellen und Löchern durchsetzt ist. Das Natureis ist unberechenbar. Deshalb ist es auch ein Vorteil, breitbeinig zu fahren und tief in die Knie zu gehen, damit der Schwerpunkt tief liegt.
Gab es Zwischenfälle?
Zweimal sind wir mit den Füssen eingebrochen, weil das Eis zu dünn war. Zudem ist eine Kufe abgebrochen. Nach dem Sturz, der auch auf dem Video zu sehen ist, hatte mein Kollege etwas Kopfweh. Doch es war nur eine kleine Hirnerschütterung, wie ich es beispielsweise auch vom Airboarden her kenne. Am nächsten Tag standen wir wieder auf dem Eis und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.
Was ist die Faszination dieser Tätigkeit?
Das Adrenalin. Es ist zwar nicht schnell, aber doch rasant, weil man nie genau weiss, was als nächstes passiert.
Was würden Sie einem Kind sagen, dass diese Aktion nachmachen will?
Schlittschuhlaufen auf dem Bach ist gefährlich. Doch verbieten kann man es niemandem. Kommt dazu, dass viele Kinder vermutlich besser Schlittschuhlaufen als wir. Ich stehe nicht allzu oft auf dem Eis. Wichtig ist, dass man das Eis zuerst gut überprüft und sich mit Helm und Polster schützt.
Die Suche nach Spass und Kick lässt Menschen erfinderisch werden. Was würden Sie machen, wenn Sie jemanden mit Schlittschuhen das Bachtobel hinunterstürzen sehen? Würden Sie es selbst probieren wollen oder gleich die Polizei anrufen? Die nächste Kältewelle kommt bestimmt.
Adrenalin-Junkie Ursin Tanner (32) ist Vizepräsident des Action-Sport-Vereins Bistraja. Er arbeitet in Nänikon-Greifensee (ZH) als Primarschullehrer.









Natascha Knecht ist Journalistin und Outdoor-Sportlerin. Aufgewachsen im östlichen Berner Oberland, dem Mekka für Kletterer und Alpinisten, lebt sie seit über zehn Jahren in Zürich. Im Outdoor-Blog betreut sie die Ressorts
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Anette Michel ist Umweltnaturwissenschaftlerin und im Bereich Energieeffizienz tätig. Daneben hat sie mehrere Jahre als Velokurierin gearbeitet und dabei ihre Leidenschaft fürs Fahrrad entdeckt. Sie fährt seit fünf Jahren in ihrer Freizeit Rennvelo. Sie schreibt im Ressort 


























































Bezeichnend für Adrenalin-Jäger ist, dass es meistens Personen männlichen Geschlechts sind. Es bleibt jedem überlassen, sich mit Sportarten abzugeben, die ein hohes Verletzungsrisiko beinhalten. Für meinen Teil ist es unverantwortlich, diese neu ausprobierte Art des Schlittschuhlaufens zu publizieren. Nachahmer gibt es immer!! Ein erblindeter Extremsportler sagte in einem TV-Interview, er würde alles daran setzen, junge Leute von gefährlichen Sportarten abzuhalten, denn ein Kick lohne sich nicht. Das Leben mit einer Behinderung dauert länger!!
Ja jetzä! Die händ ja nur chlie gschlittschüendlet! Bi denä Wassertüfene und mit eme Helm cha vo Extremsport kei Red siie!!
Eine temporeiche Sportart, welche viel Ausdauer und geschickt braucht. Es wäre nicht schlecht mal die red bull cracked ice Schlittschuhläufer der Schweiz aufzusuchen und bei einem ihrer Rennen zu begleiten. Ich sah die Tausendsassas vor einem Jahr in Quebec, war sehr beeindruckt.
Ich kann meinem Vorschreiber nur beipflichten! Ich finde es langsam mehr als übertrieben um nicht zu sagen krank, was alles als” Sport” herhalten muss nur weil sich, seien wir doch mal ehrlich, bestimmte Leute langweilen! Man geht skifahren ab von der Piste und gefährdet nicht nur sich selber und andere Leute sondern auch die Tiere. Das gleiche ist mit den Mountenbikes, Gleitschirmen und jetzt noch mit downhill ice skating! Vor allem im Winter, sollten Tiere Ruhe haben.
Aber nein: Wenn nur I C H – I CH den Kick bekomme, alles andere ist egal! Es lebe das EGO!
Was ist verwerflich dran, wenn jemand seine Freizeitaktivität auf kreative Art und Weise nutzt? Ich kann mich erinnern, in meiner Jugend weitaus “gefährlichere” Dinge gemacht zu haben. Was ich daraus gelernt habe? Meine Freiheit anders zu Nutzen als vor der Glotze, mit Gefahren umzugehen und sie richtig einzuschätzen.Heutzutage werden Kinder teilweise derart geschützt und verweichlicht, dass sie sich in der Natur bewegen, wie ein Ausserirdischer auf Erden. Die Herren im Video erfüllen gar eine Vorbildfunktion, zumal sie sich für ihren Spass auch ausreichend geschützt haben..
Nun, man könnte auch Lawinensurfing betreiben… Sicher auch spannend, aber noch weniger klug.
Jeah! Lawinensurfing. – Tönt intressant, aber das hätte ich an dieser Stelle lieber nicht erwähnt…
Wie unheimlich langweilig muss das Leben gewisser Menschen sein, dass sie “Kicks” suchen. Solch eine Langweile stelle ich mich in de Hölle vor.
Respektiere deine Grenzen – das gilt nicht nur für Wildruhezonen in den Bergen. Auch Waldtiere und -vögel im Mittelland haben es bei solchen Verhältnissen ohnehin schon schwierig genug. Dass auf den Spazierwegen Jogger, Hündeler und Biker unterwegs sind, kennen sie und können diese Zonen meiden. Sind nun plötzlich auf dem Bach auch noch Menschen unterwegs (und dies teilweise an Orten, wo nicht der Weg nebendran verläuft, Tobelschluchten etc.), wird es eng für sie.
Zum Glück ist nicht jeder Winter so kalt wie dieser! Ich finde wenn man das macht, sollte auch der Aufstieg auf die gleiche Art bewältigt werden;)
Jetzt beruhigt euch einmal! Gut geschützt, wie die Jungs sind gefährden sie sich einiges weniger als diejenigen Wintertouristen, die Abfahrtsrennen und Après-Ski vermischen. Und vor allem gefährden sie niemand anderen.
Und dann (schon wieder) das Wildtier-Argument… Gott, wollt ihr eigentlich jeden Wald zur Wildruhe-Zone mit Betrettverbot erklären? Schon rein von den Voraussetzungen wird das keine neue Trendsportart, die den Tieren ernsthaft schaden könnte…
Coole, kreative Aktion! Gratuliere
Hallo. Ganz ehrlich? Ja, ich würde tatsächlich gerne jeden Wald zur Wildruhe-Zone erklären: Betreten nur auf vorhandenen Wegen erlaubt. Als Ornithologin weiss ich, dass beispielsweise eine Mehrzahl der Vögel ihr Nest am Boden haben. Ich weiss auch, welchem Stress Jungtiere diverser Tierarten ausgesetzt sind, wenn Menschen in ihrer Nähe herumtrampeln. Und ich habe schon letzte Orchideenstandorte gesehen, die unwissentlich zertrampelt wurden. OK, das betrifft nun alles weniger das Bach-Ice-Skating, so jahreszeitlich gesehen
Eine neue und ernsthaft schädliche Trendsportart dürfte daraus tatsächlich kaum werden.
Na ja, ihre Meinung. Sehr radikal und glücklicherweise nicht mehrheitsfähig. Das freie Betretungsrecht im CH-Wald finde ich etwas wunderbares. Wir müssen sowieso mit immer mehr Einschränkungen klar kommen. Da darf doch mind. im Wald noch ein Stück Freiheit vorhanden sein. Wobei Freiheit natürlich immer mit Verantwortung verbunden ist.
Die Mehrzahl der Bodenbrüter im Wald müssten Sie mir aber dann noch aufzählen…
Ach, wissen Sie, so radikal bin ich denn doch nicht, ich kann mit der bestehenden Regelung leben. Denn glücklicherweise wird das Betretungsrecht im Allgemeinen tatsächlich verantwortungsbewusst ausgeübt. Schon nur, da zumindest im Mittelland unsere Wälder so dicht mit Wegen durchkreuzt sind, dass ein Verlassen der Wege kaum je überhaupt verlockend ist. Und wo keine Wege sind, ist das Gelände wortwörtlich unwegsam. Wütend und dadurch radikal denkend werde ich, wenn z.B. mitten in der Setzzeit eine Laufgruppe quer durch den Wald hetzt, leider gibt es halt solche Unverantwortlichen, oder wenn aus Unwissenheit beim Spielen im Bach ein Wasseramselnest zerstört wird.
Am Boden bis Kniehöhe brüten z.B. die häufigen Rotkehlchen, Zaunkönige, Zilpzalpe, am Waldrand Goldammern; in niedrigem Gestrüpp (Menschenhöhe) Amsel, Singdrossel, Mönchsgrasmücke, Heckenbraunelle. Finken, Meisen, Spechte, Goldhähnchen sind “ausser Reichweite” am Baumstamm und in den Baumkronen. Im Wald sind die Bodenbrüter daher wohl nicht in der Mehrzahl (über alle Lebensräume gesehen schon).
Auf ein weiterhin freundliches, rücksichtsvolles Zusammenleben im Wald
Das tönt jetzt schon viel gemässigter!
Ich denke, dass sehr viel Schaden durch Unwissenheit verursacht wird. Für mich ist es logisch, dass ich im Frühling nur wenn nicht anders möglich (Forstwirtschaft) eine Dickung betrete. Habe aber schon einen 22 jährigen Outdoorsportler(!) vom Lande(!) mit Fachhochschulabschluss gekannt, der den Unterschied von einem Reh zu einem Hirsch nicht kannte. (Verdammter Disney-Bambi-Film!) Wie will so einer wissen, was er im Wald darf und was nicht?
Hier sollte einmal unser Volksschule Bio-Unterricht ansetzen. Ich war als Schüler kein einziges Mal im Wald im Bio, musste aber im Schulzimmer Seiten lang über den Regenwald im Amazonas lesen. Ist für den Ar…!
Wann endlich sind die Versicherrung M Ü N D I G, sich solchen Gegebenheiten zu stellen, und klar das Risiko auszugrenzen. Die Versicherten bezahlen schlussendlich die Zeche!
Von Extremsportlern aus meinem Umfeld weiss ich, dass diese eine Zusatzversicherung für risikoreiche Sportarten (Gleitschirm, Bike-Downhill, …) besitzen.
Sind sie schon lange. Wer bei Risikosportarten ein Wagnis eingeht, bekommt keine oder gekürzte Leistungen. Ob dieses Schlittschuh-Laufen ein Wagnis im rechtlichen Sinn darstellt, weiss ich nicht. Könnte es mir aber vorstellen.
Könnte mir auch gut vorstellen, dass die Jungs eine Zusatzversicherung abgeschlossen haben, falls sie öfters solche Dinge tun.