Eines kalten Januartages fahren wir nach Boniswil AG. Es tröpfelt, dann regnet es, später wird es schneien. Die Strecke vom Dorf auf seiner Terrasse hinab zum Hallwilersee ist rutschig. Bei fabrikneuen Handys klebt auf dem Display eine Kratzschutz-Folie; genau so eine Folie, praktisch unsichtbar, bedeckt den Boden. Sie ist aus hauchdünnem Eis.
Der Hallwilersee hat bei Wanderern einen guten Ruf. Okay, er war in den Achtzigerjahren, weil überdüngt, praktisch tot und wird seither künstlich beatmet. Aber erstens hat er sich einigermassen erholt. Zweitens ist er wunderschön anzuschauen. Und drittens sind seine Ufer über weite Strecken unverbaut. Die erste Etappe bis Mosen an der Südspitze des Sees ist sorgloses, simples Gehen. Bleigrau ruht das Gewässer, die Pfützen auf dem Pfad sind gefroren, viele Hündeler und Jogger sind unterwegs. Und auch einige Wir-müssen-jetzt-mal-richtig-reden-Paare; sie mit leiser Stimme sprechend und mit den Händen das eigene Befinden skizzierend, er konzentriertes Zuhören mimend.
Ertränkte Reformierte
Nach Mosen entfernt sich der Weg kurz vom See. Die Kirche von Aesch: ein stattliches Gebäude im klassizistischen Stil. Während und nach der Reformation ging es in der Kirchgemeinde hart auf hart. Fanatische Reformierte brachen, erzählt die Kirchen-Homepage, die Altäre auf und spöttelten hernach im Dorf, es seien «nur Rebhühnlibein und Spinnhupfen» zum Vorschein gekommen. Als die katholische Seite wieder obenauf schwang, mussten die Täter dran glauben. Sie wurden in Säcke gebunden und «geschwemmt». Ertränkt.
Nah der Kirche ist bei einem Hof an der Lädergasse ein Selbstbedienungs-Kiosk eingerichtet. Ich kaufe ein Fläschchen Williams, Freund Pierre nimmt den Zwetschgen. Es schneit nun, wir frieren und haben Hunger. In der schönen und einigermassen luxuriösen Seerose essen wir eine Stunde später. Meine Eglifilets sind fein, und wir haben einen Tisch direkt am Fenster zum Wasser. Die Seerose gehört zu Meisterschwanden. In dem Ort lebte Swatch-Uhrenpionier Nicolas Hayek.
Design aus der Urzeit
An der Schifflände von Meisterschwanden dümpeln die Kursschiffe dem Frühling entgegen. Dann passieren wir das Arbeiterstrandbad Tennwil, eine Errungenschaft der Arbeiterbewegung, die sich Mitte der 1930er-Jahre ihren Platz am Ufer erkämpfte. Hernach legt die Natur noch einmal an Charisma zu mit weiten, teilweise überschwemmten Riedflächen. Ein Pfahlbauhaus steht da, das unter Obhut der nahen Steinzeitwerkstatt Seengen 1989 entstand. Sein Schilfdach ist Design der Urzeit. In der Uferzone gab es damals ganze Dörfer, man kann sich die Pfahlbauer vorstellen, wie sie Schnepfen jagten und am Feuer brieten.
Letzter Höhepunkt: das Wasserschloss Hallwyl unweit des Sees. Es ist auf zwei Inseln erbaut, die von drei Armen des Aabaches umflossen sind. Der Wanderweg führt ums Schloss herum, was erlaubt, das Ensemble von Türmen, Mauern und Brücken von allen Seiten zu mustern. An einer Stelle sehen wir alte Grabkreuze. Auf dem einem steht der Spruch: «Auf Wiedersehen.»
Als wir wieder in Boniswil anlangen, steht da gerade der Zug. Der Lokführer wartet, wir rennen, bloss Rainer schlendert demonstrativ. Er hat noch kein Billett. Und tatsächlich lassen wir unseren Wanderfreund allein zurück. Auf der Fahrt nach Lenzburg betäuben wir unsere Schande mit Pierres Zwetschgenschnaps.
Gehzeit: 5 1/2 Stunden.
Höhendifferenz: vernachlässigbar.
Charakter: Viel unverbauter See auf einem Pfad weitgehend abseits der Dörfer. Ried und Röhricht. Und eine Portion Historie.
Höhepunkte: Die Naturnähe der Ufer. Die Einkehr in der Seerose am Wasser. Das Pfahlbauerhaus und gleich darauf Schloss Hallwyl.
Einkehr: In den Dörfern. Direkt am See liegt in Meisterschwanden die Seerose, www.seerose.ch. 356 Tage geöffnet, eher gehobenes Lokal.
Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com







Natascha Knecht ist Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin.
Geboren und aufgewachsen im östlichen Berner Oberland – dem Mekka für Kletterer, Alpinisten und Outdoorsportler –
entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Berge bereits in ihrer Kindheit. Sie lebt seit über zehn Jahren in Zürich. Natascha Knecht betreut im Outdoor-Blog die Ressort
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Laurens van Rooijen (38) ist seit 1989 mit dem Velo im Gelände und seit 2000 als Velo-Journalist unterwegs – bis Ende 2004 als Redaktor der Zeitschrift MOVE, seither als freischaffender Journalist in Sachen Fahrrad für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Web-Formate. Er schreibt neu im Ressort
Martin Sturzenegger (29) ist weder Profisportler noch Experte einer bestimmten Outdooraktivität. Als sportliches Highlight ragt der Bronzemedaille-Gewinn in einem Sprintbewerb für Kinder heraus. Im Outdoorblog betreut er das Ressort 





































Sehr geehrter Herr Widmer, ob Ihrem Foto eines “unverbauten Ufer” habe ich mich köstlich amüsiert. Eine Beton/Steinmauer als leicht gebogene Umrandung eines Sees nenne ich verbaut, natürlich ist da nichts. Aber evt. wollten Sie ja einfach sagen, dass es am Ufer keine Häuser hat, sprich, dass die Ufer nicht BEbaut sind?
Beim Betrachten dieses Fotos ist mir genau der gleiche Gedanken aufgekommen, wie Ihnen. Aber vielleicht ist Herr Widmer bei der Auswahl des Bildes ein kleiner Fehler unterlaufen?
Toller Artikel, Herr Widmer ! Habe mich köstlich amüsiert.
Pommes Frites zu Eglifilet ?? Ist aber auch eine kleine Schande…;o)
Die Speisekarte klang verführerisch, nur Schade das der Fotograf die Preise nicht auch noch fotografiert hat!
Lieber Herr Widmer, ich bin in Beinwil am See aufgewachsen und habe 39 Jahre lang dort gewohnt. Und ich muss zugeben: BESSER HÄTTE ICH DEN SEERUNDGANG NICHT BESCHREIBEN KÖNNEN! Sehr schön beobachtet, auch wenn sie ausgerechnet über mein schönes “Böju” kein einziges Wort verlieren!
Egal, Seetal Tourismus hätte allen Grund, ihnen als Dank ein Fläschchen Zwetschgenschnaps zu überreichen!
Ja die Auswahl der Fotos ist nicht gerade prickelnd. Bin am Hallwilersee aufgewachsen und habe ihn unzählige Male umwandert. Es hätte seh rviele schönere Sujets gegeben. Mein Tip noch mal auf Wanderschaft gehen und an den schönsten Orten nicht nur szaunen sondern fotographieren.
Danke für Kritik und Lob, liebe Leser. Und drei Dinge. 1. Für einen Anwohner des Zürichsees ist “unverbaut” = keine Häuser. Wir sind da weniger verwöhnt. 2. Ich habe durchaus schönere Ansichten fotografiert. Aber bei der Fotostrecke möchte ich zwar Appetit machen, aber auch die Wahrheit zeigen; sie soll eine Idee geben, wie es wirklich ist. 3. Zum Egli esse ich immer Pommes. Allerdings findet mein Arzt dieser Tage, ich müsse jetzt langsam auf das Cholesterin achten.
Lieber Herr Widmer
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Sie sind zwar ein guter Schreiberling, aber eine kulinarische Katastrophe. Dazu haben Sie auf Ihrer Wanderung nur ein relativ teueres Restaurant vorgestellt, wo es sicher noch einige gemütliche Beizli geben würde. Nehmen Sie doch bitte auf Ihre nächste Wanderung eine kompetente Person mit. Ich empfehle mich
Lieber Herr Widmer, falls man ihnen nahelegen darf, empfiehlt sich den See im Sommer bei klar blauem Himmel zu umrunden. Dann wird m.E. der See selbst zu einem optischen Genuss.
Wenn ich im nächsten Jahr den Hallwilersee-Lauf mache, werde ich anstatt in 2h in 3h den See umlaufen, und dabei die schöne Landschaft geniessen. Es ist war, es ist wirklich noch ein sehr schöner unberührter See. Und Eglifitet.. mmhhh…aber die Pommes…. dann lieber mit Reis oder Gemüse.
Sehr schön. nicht weit von meiner alten Heimat. und die Speisekarte macht mich neidisch und gibt mir Heimweh. Lese hier gerne mit.
greetings from Califormia.
Wenn wir schon von guten und sehr guten Restaurant reden wollen, so ist natürlich der Bären Max im Restaurant Bären Birrwil zu empfehlen, http://www.baeren-birrwil.ch/menu/baeren.asp, oder dann auf dem Heimweg in Seon das Restaurant Bänziger, eine Top Adresse für Leute doe sich bei ausgezeichneten Speisen von Marianne Müller und Martin Bänziger verwöhnen lassen wollen.
http://www.restaurant-baenziger.ch/
was regt ihr euch alle so auf wegen den frites. geht ihr nach england, irland oder australien esst ihr bestimmt mal fish and chips. also, so what???? sind doch bloss kartoffeln!!
Generell würde ich niemals im farblosen Februar eine Seeumrundung machen,nun jeder hat seine pers. Vorlieben betreffend
Flora- und Faunavielfalt.In den Leserartikeln scheint das wichtigste Thema die Esslokale zu sein,bei solch einem garstigen Wetter fast verständlich . Wenn wir wandern,gehen wir quasi nie zum Mittagessen in ein Restauarant -nicht wegen den Kosten.Sondern
primär , man ist zu stark an eine Route und Zeit gebunden.
Ebenso absorbiert der Körper die Energie zur Verarbeitung der neuen Kalorienaufnahme ,anstatt zum laufen..meinen wichtigsten
Ziel.