Leben


Dirty Dan, der dicke Albert und ich

Jürg Buschor am Donnerstag den 26. Januar 2012


Im Schnee müssen Biker Gummi geben – nur welchen? Werbeclip eines Reifenherstellers.

Zugegeben – ich gehöre nicht zu der Sorte Mountainbiker, die sich vor jeder Tour die Frage stellt, welches denn für die aktuell herrschenden Bedingungen die ideale Bereifung ist. Die Reifen werden oft erst dann ausgetauscht, wenn das abgenutzte Profil es als ratsam erscheinen lässt oder die gehäufte Anzahl Rutschpartien die Alarmglocken klingeln lassen. Wenn die «Gummiphilen» und «Profilneurotiker» in meinem Umfeld zu ihren endlosen Diskussionen zum Thema ansetzen, schweige ich meist.

Dass ich mich in den letzten Wochen trotzdem des öfteren mit der Reifenfrage beschäftigt habe, hat weniger mit einer erhöhten Sensibilität als mit den aktuell herrschenden Wetterbedingungen zu tun. Das Thema drängt sich ganz einfach auf. Bis Mitte Dezember waren die Böden so knochentrocken, dass die Selbstreinigung der Reifen sich darauf beschränkte, den Staub durch die Kräfte des Fahrtwinds wegzupusten. Um die Weihnachtszeit versanken die Trails vielerorts unter einer weissen Schneedecke. Und auf die relativ kurze Zeit der hart gefrorenen Böden folgte das grosses Schlammfestival, das auch dieser Tage regelmässig für einen (temporär) dunklen Gesichts-Teint sorgt. Wir erleben gerade einen der wärmsten Januar-Monate der letzten Jahrzehnte. Es war auch schon einfacher, die ideale Bereifung für das Mountainbike zu finden.

Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber die Reifen des Weltmeisters. (schwalbe.de)

Nur allzu gerne erinnere ich mich an die phänomenale Fahrt Danny Harts, die dem jungen Briten im schweizerischen Champéry den Weltmeistertitel in der Abfahrt einbrachte. Trotz den misslichen äusseren Bedingungen und komplett aufgeweichten Böden fuhr der 19-Jährige wie auf Schienen der Ziellinie entgegen. Wieso also nicht dieser Tage auf Dannys Hausmarke Schwalbe zurückgreifen, um dem Schlamm Herr und Meister zu werden?

Aber vielleicht lassen die angekündigten Minustemperaturen ja bereits ab diesem Wochenende die Böden und den wenigen feuchtnassen Schnee wieder erstarren. Ob dann vielleicht nicht doch der nächste Reifenwechsel fällig wird? Am meisten Erfahrung bringen bei solchen Bedingungen wohl die Skandinavier mit, die von Mitte Oktober bis Ende April nichts anderes als gefrorene Böden, Schnee und Eis kennen. Mit bissigen Stahlspitzen durchsetzte Reifen bringen nicht nur am alljährlichen, auf Davoser Schnee stattfindenden Rennen Ride the Night ein Maximum an Halt und Griffigkeit, sondern zweifelsohne auch im winterlichen Mountainbiker-Alltag.

Apropos Winter und Schnee – wer erinnert sich noch an die zahlreichen gewagten Eigenkonstruktionen, die für das legendäre Iditabike-Rennen in Alaska konstruiert worden sind? Zur Serienreife haben es zahlreiche dieser Produkte (wohl mangels Nachfrage) zwar nie geschafft – eine witzige Randnotiz zum Thema Winterbiking sind sie jedoch alleweil.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Mountainbike-Bereifung im Winter gemacht? Welches ist Ihrer Meinung der beste Allround-Reifen? Welcher Faktor ist beim Winterbiking besonders wichtig: Profiltiefe? Reifenbreite/Reifendimensionierung? Selbstreinigungseigenschaften? Gummimischung? Wechseln Sie die Reifen abhängig von den herrschenden Bedingungen regelmässig aus oder benutzen Sie nur einen Reifen? Haben Sie Erfahrung mit Spike-besetzten Reifen?

11 Kommentare zu „Dirty Dan, der dicke Albert und ich“

  1. Stefan Mircher sagt:

    Alles was ich im Video sehe kann ich auch mit meinen normalen Reifen fahren und habe dies auch schon mehrfach gemacht. Spikes bringen natürlich immer etwas, aber wirklich benötigen tut man sie nur wenns vereist ist. Er fährt im tiefen Schnee und auf der weichen Piste, dort währe er aber mit einem Schlamm-Downhillreifen (z.B. Onza Greina) viel besser bedient.

    Ich fahre das ganze Jahr durch und hatte noch nie Probleme auf Schnee, aber wenn es matschig wird, dann kommt man einfach nicht mehr vorwärts, weil die Reifen durchdrehen. In diesem Fall nützen aber auch Spikes nichts. Spikes die 5mm oder Länger sind würden im weichen Schnee viel mehr bringen als diese kurzen Stummel, aber die Verletzungsgefahr ist auch viel höher.

    Meiner Meinung nach ist der Beste Allroundreifen der Onza IBEX DH in 2.4 (http://www.onzatires.com/22-0-IBEX-DH.html), aber mit ~800 Gramm ist er nicht besonders leicht. Ich fahre diesen mit 1-1,5 Bar und er bietet Grip ohne ende, auch im Schnee.

    Ich fahre im Sommer und Winter immer die gleichen Reifen und habe noch nie Spikereifen ausprobiert. Auf einer frisch gefrästen Skipiste, bei Temperaturen unter -5 Grad, kann man auch problemlos mit normalen MTB Reifen fahren… Wichtig finde ich aber das man im Winter mit Flat-Pedalen fährt (wenn man dies nicht soviso macht), nicht nur weil man dann auch mit Winterwanderschuhe fahren könnte.

    Zur Gummimischung, ich denke beim Biken im Winter hat das nicht so einen grossen Einfluss.

  2. peter wichtig sagt:

    An Snowdownhills wie dem in Davos sind “Mit bissigen Stahlspitzen durchsetzte Reifen ” verboten. Macht ja auch kein Sinn weil man auf schnee fährt und nicht auf Eis!
    Man fährt dort in der Regel dicke Schlammreifen 2,5 Zoll Reifen mit mittlerer Gummimischung (weiche Gummimischung ist zu spröde), konkret den Maxxis Wetscream

  3. Renato Nüesch sagt:

    Verwende immernoch regelmässig Spikes Reifen, aber nur dann, wenn Minustemperaturen und Eisglätte angesagt sind. Dann fahre ich mit den Nokian Spikes zur Arbeit und geniesse die verdutzten Blicke von steckengebliebenen oder im Stau stehenden Autofahrern. Bei Eis ist es wirklich GENIAL. Man kann praktisch gleich schnell Fahren, wie auf trockenen Naturstrassen. Aber bei Schnee, wie im Video stimme ich zu, da sind die Spikes nicht notwendig.

  4. Thomas Schnee sagt:

    Wir waren die letzten paar Monate ein paar mal im Schnee (Piste) und hatten Anfangs alle ganz verschieden Reifen aufgezogen. RacingRalph, FatAlber, BigBetty in den verschiedene Breiten 2.1, 2.25, 2.4 aber auch Spikes war alles dabei. Mit der Zeit hat sich bei uns gezeigt, dass die breiteren und gröberen Reifen klar im Vorteil waren. Die Spikes brachten nur auf wirklich hartem Schnee oder Eis etwas. Ich fahre jetzt vorne BigBetty 2.4 und hinten FatAlbert 2.25 und das klappt ganz gut . Wer also wirklich im Schnee fahren will, kann sich meines erachtens die teuren Spikes sparen und dafür ein paar fette Schlammreifen aufziehen.
    Und wie Stefan oben geschrieben hat, Flat-Pedale! Die Klicker haben sich bei uns fast die Zehen abgefroren :-D

    Das eigentliche Problem ist sowieso, einen Ort zu finden wo man auf der Piste fahren darf bzw. auch die Bergbahnen benutzen darf! Die reagieren meistens sehr entsetzt und meinen das sei viel zu gefählich und so. Wenn wir aber Ski statt Räder dran hätten, dann dürften wir!?!

    @Jürg und Simon: Macht doch mal ein Bericht wo in der Schweiz Snowdownhill erlaubt ist!

  5. serienreife?

    http://surlybikes.com/bikes/moonlander
    http://surlybikes.com/bikes/pugsley
    http://salsacycles.com/bikes/mukluk_ti/

    klar doch, es gibt seit ein paar jahren reifen, felgen ,gabeln und rahmen zu kaufen.
    dazu hat die dicke reifen sache diverse rehmenbauer dazu gebracht auch mit solchen gefährten zu experimentieren.
    ganz neu sind prototypen mit vollfederung von salsa unterwegs

    http://salsacycles.com/culture/prototype_talk_full-suspension_fatbike/

    gruss christoph

  6. Beto Perez sagt:

    Darf man eigentlich mit Spikes einfach so rumfahren, oder gib es da gesetzliche Vorlagen?

    • Stefan Mircher sagt:

      Ein MTB ist soviso nicht “Strassentauglich”, darum kannst du alle Reifen montieren die du willst. Auch bei strassentauglichen Velos, z.B. CityBikes oder ReiseRäder gibt es keine Gesetzlichen Bestimmungen (soviel i weiss, Irrtum vorbehalten) welche Reifen du Montieren darfst, aber überall wo Spikes verboten sind, z.B. in Tiefgaragen, solltest du mit dem Bike auch nicht fahren. Ich nehme mein Bike immer in die Wohnung, weil mein sehr teures Bike nichts im Velokeller verloren hat, falls das bei dir auch so ist, würde ich mit Spikes aufpassen. Spikes beschädigen Parket, Steinboden, Linoleum, … der Hausabwart oder der Vermieter wird keine Freude haben :D

      Beim Auto darf man mit Spikes auch einfach rumfahren :D

  7. Christian sagt:

    Mein Tip fuer zuercher-winter Verhaeltnisse d.h. Schnee und Schlamm :
    Vorn : Maxxis Swamp Thing 2.35 Super Tracky (weiche Gummi Mischung fuer besseren Grip)
    Hinten : Maxxis Swamp Thing 2.35 60a (haertere Gummi Mischung fuer laengere Lebensdauer und besseres Rollverhalten)

  8. Daniel Küttel sagt:

    Meine Beobachtung ist oftmals eher, dass nicht der Reifen ein Rolle spielt, sondern die Fahrtechnik. Wenn es mich hinlegt im Schnee, dann oftmals nur weil ich falsch Bremse oder zu schnell mit dem Vorderrad einlenke und es mir so das Vorderrad wegzieht. :o ) Am liebsten habe ich es im frischen Schnell zu fahren, das knirscht so herrlich, versteckt aber leider auch viele Gefahren im Strassenverkehr und nicht selten trage ich das Bike am Montagmorgen zur Arbeit anstatt zu fahren, und das nur weil ich die zerschlagene Bierflasche unter der Schneedecke nicht gesehen habe. :o ((

    Am gefährlichsten wird es wenn der STrassendienst anfängt Salz in die Schneemassen zu mischen. Dann wird der Schnee so seltsam dick, matschig, aber doch irgendwie sandig, und dort ist es mit jeglichem Grip vorbei. Der Schnee lässt den Pneu nicht mehr gerade absacken, viel mehr rutscht man permanent zur Seite weg. Gerade bei Strassen die ein leichtes seitliches Gefälle haben, ist das enorm gefährlich.

    Ach jaaa und ich hasse jede Einfahrt zu einer Tankstelle im Winter und bei Regenwetter. Der Bodenbelag bei vielen Tankstellen werden bei Nässe glatter als so manch vereiste Strasse. Aufpassen auch hier, hat mich erst am Freitag morgen hingelegt als ich bei der Tanke in Hegnau zum Geldautomaten fahren wollte und zwischen der Tanksäule durch zirkuliert bin. SCHWUBS war ich weg.

    Ich fahre im Winter 2 Dicke Pneus von Meridian. Aber ich denke, ich werde mir mal die ein oder anderen Reifentipps der Kommentatoren/-innen hier abschauen und austesten.

  9. Robert sagt:

    Wow, ich hätte echt nicht gedacht, daß es Leute gibt, die bei solchen Temperaturen biken. Respekt! Da muß man wohl besonders aufpassen, daß man keinen Skifahrer überfährt ;)

  10. tömsi sagt:

    Bei griffigen Schneeverhältnissen (wie jetzt) braucht es einen Reifen mit gutem Profil, das ist schon alles. Spezielle Reifen sind nicht nötig. Ich fahre immer mit den selben wie auch sonst das Jahr über. Im Moment hab ich auf meinem “Schneebike” Specialized All Mountain Reifen Butcher und Purgatory drauf. Die funktionieren vorzüglich. Spikes braucht es nur auf Eis!

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