Jene Winterwanderungen sind die schönsten, die im Nebel beginnen – und dann zeigt sich auf einen Schlag die Sonne. Mit ihrem Licht schiesst die Freude ins Hirn und Gemüt, wild und rauschhaft. Oben auf der Bütschelegg, vor einem Jahr, wurde uns das genauso zuteil. Die Bütschelegg, 1055 Meter hoch, ist ein beliebter Ausflugspunkt zwölf Kilometer südlich von Bern. Man geht das ganze Jahr hinauf, muss im Winter allerdings manchmal kräftig stapfen. Liegt viel Schnee, empfehlen sich Schneeschuhe.
Als wir unterwegs waren, war das nicht nötig. Wir starteten in Toffen, im grauen Dunst. Steil das erste Stück durch den Wald. Nah Oberfeld reckte sich vor einem Bauernhof ein geschnitzter Bär zu Lebensgrösse empor. Liliane, stets zu Allotria aufgelegt, stellte sich vor den Bären, dessen Tatzen nun auf ihren Schultern ruhten. Sie verdrehte die Augen. Es sah aus, als werde sie von einem Grizzly angefallen.
Scharfe Currys an der Sonne
Vor der Bütschelegg geschah das Wunder, die Sonne kam und verzauberte Natur und Mensch: Eisperlen an jedem Zweig, der Schnee ein Kristallschatz, wir Wanderer im purlauteren Glück. Als wir dann oben waren, kehrten wir ein – und nun fällt mir ein, wie ich Monate danach in Signau in einer Wirtschaft zwei ältere Dörfler belauschte. Sie sprachen über die Bütschelegg. Der eine sagte: «Dert obe wirtet e Tamiu.» Der andere nach dreissig Sekunden: «Iu.» Und wieder sein Gegenüber, nach dreissig Sekunden: «Är machts gwüss rächt.» Wer die Emmentaler Seele kennt, weiss: Das ist ein Riesenkompliment.
In der Tat wirtet der Tamile Thekalolibawan Seevaratnam gut. Man bekommt bei ihm die üblichen Schweizer Gerichte, aber auch Currys. Meines, mit Poulet, war schön scharf. Hernach der Wanderung deutlich längerer zweiter Teil, den ich mit einer Warnung verbinden muss: Wenn man auf dem höchsten Punkt der Bütschelegg das Panorama genossen hat, kann man durchaus wie wir exakt Richtung Westen weiterziehen. Aber der kurze Abstieg durch das Wäldchen zum Weiler Liental ist brutal steil. Und er war vereist. Schlauer ist es, zurück zur Wirtschaft zu gehen und auf der signalisierten Wanderroute die Gefahr nordwärts zu umwandern.
Eine 900 Jahre alte Kirche
Nun deutete sich in den Hügelkuppen und tiefen Gräben bereits das nahe Schwarzenburgerland an. In einen solchen Graben stiegen wir ab, und auch das ist gewieften Wanderern vorbehalten: Unten am Bütschel-Bach ist winters alles glitschig und heikel. Wir meisterten die Passage, stiegen wieder auf und langten bei einer zweiten rustikalen Wirtschaft an: der von Borisried. Mit ihr unterhalte ich sozusagen eine lebenslange Beziehung und kehre immer wieder gern zu ihr zurück.
Später, bei Schneitershus, trafen wir bei dem einen Hof einen Bauern dabei an, wie er Schwartenwürste, paarweise an einer langen Stange aufgehängt, über den Hof trug; zum Räuchern, nehme ich an. Am Wander-Ende dann eine letzte Überraschung: die Kirche von Oberbalm, die in einigen Originalteilen gegen 900 Jahre alt ist. Hier siedelte einst der Eremit Sulpitius. Seine Gebeine zogen derart viele Menschen an, dass ein bedeutender Wallfahrtsverkehr entstand.
Nachdem auch dies erzählt ist, bleibt mir hier zum Schluss nur noch eines: den Lesern und Leserinnen der Kolumne ein gutes neues Jahr zu wünschen. Auf viele weitere Routen so schön wie diese!
Route: Toffen, Station – Oberfeld – Bütschelegg – Bungerten – Bütschel-Bach – Nussbaum – Borisried – Schneitershus – Oberbalm.
Gehzeit: Fünf Stunden.
Höhendifferenz: 850 Meter auf-, 600 abwärts.
Charakter: Weit, anstrengend. Bei viel Schnee braucht man Schneeschuhe. Unten am Bütschelbach kann der Weg vereist sein. Schuhkrallen und Stöcke helfen.
Variante: Auf die Bütschelegg und dann hinab zum Bus in Niedermuhlern dauert total 3 Stunden; diese Route ist einfacher.
Höhepunkte: Berner Höfe, Berner Bauernherrlichkeit. Der Rundblick von der Bütschelegg und im Kontrast dazu der Hades unten am Bütschelbach. Die Berner Alpen am Horizont. Die alte Kirche von Oberbalm.
Einkehr unterwegs: «Bütschelegg» (www.buetschelegg.ch) und «Borisried» (www.restaurant-borisried.ch) sind beide über den Jahreswechsel offen.
Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com







Natascha Knecht ist Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin.
Geboren und aufgewachsen im östlichen Berner Oberland – dem Mekka für Kletterer, Alpinisten und Outdoorsportler –
entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Berge bereits in ihrer Kindheit. Sie lebt seit über zehn Jahren in Zürich. Natascha Knecht betreut im Outdoor-Blog die Ressort
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Laurens van Rooijen (38) ist seit 1989 mit dem Velo im Gelände und seit 2000 als Velo-Journalist unterwegs – bis Ende 2004 als Redaktor der Zeitschrift MOVE, seither als freischaffender Journalist in Sachen Fahrrad für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Web-Formate. Er schreibt neu im Ressort
Martin Sturzenegger (29) ist weder Profisportler noch Experte einer bestimmten Outdooraktivität. Als sportliches Highlight ragt der Bronzemedaille-Gewinn in einem Sprintbewerb für Kinder heraus. Im Outdoorblog betreut er das Ressort 





































Grüezi
Danke für die ausgezeichneten Wandervorschläge und die Kommentare dazu.
Alles gute im neuen Jahr. Ich freue mich auf neue Wanderungen im neuen Jahr..
Grüsse
Jürg Widmer
Auch ich möchte mich für die interessanten Wanderberichte bedanken….es ist das erste was ich Freitags im tagi-online anklicke.
Bis 2008, kam ich regelmässig in die Schweiz und plante immer etwas extra Zeit um mindestens 3 Tageswanderungen zu machen. Bei meinem nächsten Besuch werde ich sicher die eine oder andere Ihrer Routen wählen.
Aus Kanada, wo ich seit 1969 zu Hause bin, wünche ich Ihnen eine guten Rutsch ins 2012 und viele weitere hiking adventures
Happy New Year
André Perret
Schöner Beitrag mit Schönheitsfehler: Die Drehkreuze (Bild 1) sind nicht als Spielgeräte gedacht. Schade, wenn die Mühe des Eigentümers für Bau und Wartung der einfachen Passagemöglichkeit mit so wenig Respekt quittiert wird. Bilder wie man es nicht machen sollte, hat es im Biker-Blog schon genug…