Huch, jetzt war der Wanderkolumnist drei Wochen ausser Gefecht. Und alles, weil er zu der Wanderung im Urnerland die neuen Zweitschuhe einer anderen als seiner angestammten Marke anzog. Man ging dann viel weiter als geplant, siebeneinhalb Stunden; das Wetter war so schön.
Zuhause zeigten sich Riesenblasen seitlich an beiden Kolumnistenfersen. Sie blieben auch nach sechs Tagen geschwollen-blutig. Der Kolumnist humpelte in die Permanence am Zürcher Hauptbahnhof. Die Ärztin sagte, Blasenausputzen sei ein ganz und gar herrliches, weil unterhaltsames Handwerk. Und sie griff zu Skalpell und Schere.
In Erinnerungen schwelgen
Der Kolumnist wankte mit zwei Flachtrichtern an den Füssen heim, die mit Antibiotikasalbe gefüllt und dick verbunden waren. Der Rest: Warten, Verband wechseln, Salben, der Heilung zuschauen. Auf dem Arbeitsweg Sandalen tragen. Und bei prächtigem Herbstwetter vom Wandern träumen.
Zum Beispiel von jener Wanderung in der Gantrisch-Region letzten Herbst, die ich vom Sofa aus lustvoll noch einmal durchspielte. Sie beginnt mit einer Postautofahrt, die allein die Unternehmung wert ist: von der Station Thurnen im Gürbetal durch Kurven noch und noch zum Gurnigel hinauf. Auf dem Pass steigen fast alle Leute aus. Wir aber fahren weiter, Schwarzenburg zu. Unten in Sangernboden steigen wir aus. Dies ist Niemandsland, am Rand des grossen Kantons Bern gelegen, «strukturschwach», wie die Ökonomen sagen. Vor zwei Jahrhunderten lebten in Sangernboden 1000 Menschen. Heute sind es um die 300.
Die Wanderung führt durch Grasland und Wald als erstes zum Ottenleuebad. Man verzeihe den Ausdruck, aber der Ferienweiler serbelt, und der Skilift kämpft ums Überleben. Man kehre im Restaurant mit der Terrasse gegen Süden ein, konsumiere, kaufe etwas von den Auslagen, zum Beispiel die feinen getrockneten Birnenschnitze vom Hof Obereichi in Lanzenhäusern. Das ist aktive Wirtschaftsförderung.
Der Blick von der Pfyffe auf das Guggershörnli
Danach geht es in den traurig ausgedünnten Forst: Der Orkan Lothar versehrte den Landstrich 1999 schlimm, was nach dem Kulminationspunkt Pfyffe im Gebiet Gägger ein Themenpfad vorführt, der «Lotharsteg» oder auch «Gäggersteg». Doch zurück zur Pfyffe: Von ihr sieht man Berge und Hügel sonder Zahl, darunter das herzige Guggershörnli. In der Ferne erblickt man die Stadt Bern. Freude macht auch der Kretenpfad selber. An manchen Stellen ist er feinsandig, als sei man auf Rügen.
Unterhalb Gägger können wir bei Schwarzenbühl, das an einer einsamen Strasse liegt, im gleichnamigen Restaurant einkehren. Hernach die letzte Etappe: Auf der Strasse vorwärts nach Südosten, dann links abgezweigt und durch stille Waldstücke hinab nach Hirschhorn gehalten, einem apart gelegenen Dorf der Gemeinde Rüschegg. Nomen est omen: Gleich bei der Haltestelle des Busses Richtung Schwarzenburg geniessen wir im «Hirschen» den Schlusstrunk.
Die randständige Gegend ist tolles Wandergebiet, denkt der Kolumnist, während er sich beim Schreiben erinnert. Nun, da er wieder gehen kann, statt nur zu hinken, möchte er bald wieder dorthin und zum Beispiel den Muscherenschlund begehen. Noch ist der Herbst lang.
Route: Bushaltestelle Sangernboden – Burg – Ottenleuebad – Pfyffe – Gägger – Schwarzenbühl – Magerbad – Rüschegg-Hirschhorn.
Gehzeit: 4 ½ Stunden.
Höhendifferenz: 700 Meter aufwärts, 750 abwärts.
Charakter: Einfaches voralpines Gelände, aussichtsreich. Wenig begangen.
Höhepunkte: Die Gantrischkette. Die Einsamkeit dieser Randregion. Die Terrasse des Ottenleuebades.
Einkehr unterwegs: Ottenleuebad (Mo, Di Ruhetag). Schwarzenbühl (Di, Mi).
Fahrplan: Nach Sangernboden fahren wenige Kurse. Fahrplan studieren!
Karte: Landeskarte 1: 25 000 Nr. 1206 «Guggisberg».
Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com







Natascha Knecht ist Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin.
Geboren und aufgewachsen im östlichen Berner Oberland – dem Mekka für Kletterer, Alpinisten und Outdoorsportler –
entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Berge bereits in ihrer Kindheit. Sie lebt seit über zehn Jahren in Zürich. Natascha Knecht betreut im Outdoor-Blog die Ressort
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Laurens van Rooijen (38) ist seit 1989 mit dem Velo im Gelände und seit 2000 als Velo-Journalist unterwegs – bis Ende 2004 als Redaktor der Zeitschrift MOVE, seither als freischaffender Journalist in Sachen Fahrrad für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Web-Formate. Er schreibt neu im Ressort
Martin Sturzenegger (29) ist weder Profisportler noch Experte einer bestimmten Outdooraktivität. Als sportliches Highlight ragt der Bronzemedaille-Gewinn in einem Sprintbewerb für Kinder heraus. Im Outdoorblog betreut er das Ressort 





































Statt im Hirschen zu verkommen noch schnell zur Kirche rauf (5 Minuten) und rein und staunen: Da hängt einer der riesigen Holzschnitte des Rüschegger Ehrenbürgers Franz Gertsch (“Schwarzwasser II”). Man setzt sich kurz hin, wird ganz andächtig und verpasst womöglich noch das Poatauto!
(http://www.kirche-rueschegg.ch/fileadmin/user_upload/pdf_dokumente/Flyer_Gertsch-Text_Schwarzwasser_DIN_A4_Kopie.pdf)
Sehr schöne Bilder… Heimweh…
(
Herr Widmer: Hat man Ihnen nicht erklärt als Sie die neuen Wanderschuhe gekauft haben, dass Sie ca. 2 Wochen warten müssen bevor Sie sie erstmals benützen, da Sie anfänglich Blasen kriegen mögen
…. Spass beiseite. Ich weiss wovon Sie sprechen von Wegen neu-Schuh-Blasen und hoffe dass es Ihnen inzwischen besser geht. Freitags ist Ihr “Zu Fuss” Artikel das allererste dass ich ‘beliebäugle’ wenn ich den Tagi-Online anklicke! Bitte so weitermachen. Grüsse aus Kanada.
Danke an alle drei Kommentierer. Frust, dass ich das mit dem Gertsch in der Kirche nicht wusste! Anderseits, eben: So muss und darf ich noch mal in die Gegend. Th. Widmer.