
Finanzminister und Zentralbankpräsidenten posieren für ein Gruppenfoto am jährlichen Treffen des Internationalen Währungsfonds in Washington. (Foto: Reuters)
Es ist nicht allzu lange her, da erklärte der französische Präsident François Hollande, dass die Eurokrise «hinter uns» liege. Auch die österreichische Finanzministerin Maria Fekter war der festen Meinung, die Euro-Schuldenkrise sei «weitgehend vorbei»: «Im Hinblick auf die Schuldensituation der einzelnen Staaten ist Europa über dem Berg.»
Wenn man solche Statements liest, fragt man sich einmal mehr, in welcher Welt die europäischen Staatschefs und Finanzministerinnen eigentlich leben. Mit der Wirklichkeit haben solche Aussagen jedenfalls nichts zu tun. Sie sind allenfalls Futter für Satiriker. In Frankreich kursieren bereits mehrere Videos, die sich über die Behauptung des Staatspräsidenten lustig machen, zum Beispiel dieses hier.
Denn: Welchen Indikator man auch nimmt, die Botschaft ist stets dieselbe: Es geht immer weiter abwärts. Das Wachstum stottert, die Arbeitslosigkeit wächst, die Staatsschulden steigen, und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Europäische Union erreicht immer neue Tiefstwerte. Sogar die EU-Kommission, die für ihre allzu optimistischen Wachstumsprognosen bekannt ist, hat ihre Erwartungen kürzlich nach unten korrigiert.
Besonders beunruhigend ist, dass die Krise nun auch Nordeuropa voll erwischt hat. Die Niederlande befinden sich seit längerer Zeit in einer Rezession, Frankreich ist eben in eine Rezession geschlittert, Finnlands Wirtschaftswachstum hat sich bei Null eingependelt, und in Deutschland und Österreich ist die Wachstumsrate unter die Marke von einem Prozent gefallen. Gleichzeitig bleibt der Euro eine starke Währung gegenüber Dollar, Pfund und Yen, was die Nachfrage nach den Exporten der Eurozone dämpft. Wohin man auch schaut, es ist kein Wachstumsimpuls sichtbar.
Man kann die Lage auch anders zusammenfassen: Zur Zeit befinden sich von den fünf grössten Volkswirtschaften vier in einer Rezession, nämlich Frankreich, Italien, Spanien und die Niederlande. Von den Problemen der “lateinischen” Länder hört man viel, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie das Vorurteil von den bequemen katholischen Ländern bestätigen. Das Beispiel der Niederlande zeigt aber, dass weder die Konfession noch die geographische Lage viel über die konjunkturelle Lage eines Landes aussagt. Denn bei den Niederlanden kann man beim besten Willen nicht behaupten, das Land habe seine strukturpolitischen Hausaufgaben vernachlässigt. Auch die Geschichte mit den hohen Löhnen passt nicht. Die niederländischen Lohnstückkonsten sind nur unwesentlich gegenüber den deutschen gestiegen, und die Leistungsbilanz befindet sich seit langer Zeit im positiven Bereich.
Das Problem ist einmal mehr der Zuwachs der privaten Verschuldung vor der Finanzkrise – wie in Irland und Spanien. Während der Boomjahre 2003-07 waren die Zinsen für die niederländische Wirtschaft eindeutig zu niedrig, was einen Konsum- und Immobilienboom in Gang setzte. Heute gehören die privaten Haushalte der Niederlande zu den am meisten verschuldeten in Europa, wie die Grafik von Morgan Stanley Research zeigt. Der Aufschwung der Niederlande wird deshalb lange auf sich warten lassen, und damit dürfte auch die politische Unterstützung für eine solidarische Währungsunion weiter schwinden.
Die Euro-Krise ist keineswegs vorbei, sondern nur in ein neues Stadium getreten. Während in der ersten Phase volatile Finanzmärkte für Turbulenzen gesorgt haben, sind es jetzt negative Rückkoppelungseffekte, die auf das Wachstum drücken und die Währungsunion strapazieren. Weil es sich in der zweiten Phase nicht um spektakuläre Ereignisse handelt, ist die Medienberichterstattung zurückhaltender geworden. Diese Zurückhaltung als Zeichen eines nahen Krisenendes zu deuten entspringt reinem Wunschdenken.















Markus Diem Meier (Jg. 1963) ist stellvertretender Chefredaktor der «Finanz und Wirtschaft» und leitet das Onlineportal
Tobias Straumann (Jg. 1966) ist Wirtschaftshistoriker mit Spezialgebiet Finanz- und Währungsgeschichte. Er lehrt an den Universitäten Basel und Zürich.
Mark Dittli (Jg. 1974) ist Chefredaktor der 






































