Schweizer Tausendernote als Krisenindikator

In der Krise wird gehortet: Tausendernoten. (Keystone/Martin Rütschi)

Seit der grosszügigen Liquiditätsspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) sehen die kurzfristigen Prognosen für die Eurozone wieder etwas besser aus. An den grundlegenden Problemen hat sich freilich nichts geändert. Vor allem die neusten Zahlen zur Arbeitslosigkeit sind beunruhigend. In Südeuropa ist ein Teufelskreis in Gang gekommen: Sparmassnahmen führen zu einem Rückgang des Wachstums und der Steuereinnahmen, was wiederum zu neuen Sparmassnahmen zwingt. Selbst Irland, dessen Politik oft als vorbildlich gepriesen wird, ist immer noch in einer schwierigen Situation.

Auch sind die Zinsen für italienische und spanische Staatsanleihen immer noch zu hoch. Sie wurden zwar dank der Geldschwemme der EZB von 7 auf 5 Prozent reduziert, aber 5 Prozent sind immer noch teuer für ein Land, das mitten in einer Rezession sparen muss. Eine weitere Reduktion der Zinssätze scheint aber schwierig zu sein. Die 5-Prozent-Grenze ist nicht zu knacken (Italien, Spanien).

Dass die Krise längst nicht ausgestanden ist, glauben offenbar auch die Halter von Schweizer Tausendernoten. Wie die folgende Grafik zeigt, ist die Wachstumsrate immer noch überdurchschnittlich, und es ist kein Trendbruch festzustellen. Die Leute bleiben misstrauisch und horten weiterhin Bargeld. Die Schweizer Tausendernote ist offenbar besonders beliebt.

Dass der Indikator zuverlässig ist, zeigt ein Blick auf vergangene Krisenzeiten. So stieg zum Beispiel der Bestand an 1000er Noten während der Aktienmarktkrisen 1987 und 2001/02. Auch der Lehman-Schock von 2008/09 ist gut sichtbar. Die Grafik zeigt ferner, dass nach einer Krise jeweils eine starke Korrektur eingesetzt hat. So war 1990 sogar eine Abnahme der Tausendernoten zu beobachten. Auch 2003 war die Wachstumsrate vorübergehend unterdurchschnittlich. Die Korrektur nach dem Lehman-Schock war hingegen zu klein. Wir leben immer noch in aussergewöhnlichen Zeiten.