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Das Elend der wirtschaftlichen Bildung

Markus Diem Meier am Freitag den 13. Januar 2012
Vorlesung an der Universität Genf.

Volkswirtschaftslehre sollte die aktuellen Vorgänge besser verständlich machen: Vorlesung an der Universität Genf.

Vielleicht zum letzten Mal werde ich diesen Samstag als Volkswirtschaftsdozent wirken. 17 Jahre lang war das eine spannende Nebenbeschäftigung von mir. Ein passender Moment, um  in diesem Blog das Unterrichten dieses Fachs zum Thema zu machen.

Schon vor längerer Zeit habe ich in der «Weltwoche» moniert, wie wenig eigentlich das Vermitteln von wirtschaftlichen Kenntnissen in die generellen Lehrpläne einfliesst – hier der Text aus dem Jahr 2004. Der folgende Absatz fasst die Quintessenz zusammen:

Auch wenn ökonomische Themen mittlerweile beinahe alle grossen politischen Debatten bestimmen, wird an Schweizer Schulen noch immer weit mehr Latein gebüffelt, Biologie und Chemie, als dass die Heranwachsenden etwas über die grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhänge und Begriffe erfahren. Abgesehen von den Fachleuten, kann kaum einer ökonomischen Diskussionen folgen, nur wenige verstehen die Wirtschaftsberichterstattung.

Wie weit sich die Lehrpläne in der Allgemein- bzw. Grundausbildung seit dem Erscheinen des Texts diesbezüglich verbessert haben, weiss ich nicht. Doch selbst wenn Volkswirtschaftslehre tatsächlich vermehrt unterrichtet wird, ist es gut möglich, dass das wirtschaftliche Verständnis dennoch nicht zunimmt. Hier ein paar Gründe:

  • Die Vermittlung des Fachs kann dazu führen, dass Vorurteile geschürt oder bestätigt werden. Ein solches Vorurteil kann zum Beispiel dadurch entstehen, dass Lernende des Fachs das (mikroökonomische) Modell der vollkommenen Konkurrenz oder das Menschenbild des «Homo oeconomicus» für ein Abbild der Realität halten. Die einen schliessen dann daraus, vollkommen unregulierte Märkte seien in jedem Fall die beste Lösung. Andere sehen sich dann in ihrem Vorurteil bestätigt, die Ökonomen seien ausserordentlich weltabgewandt, besonders kaltherzig oder würden jegliche Ungerechtigkeit zurechtrationalisieren.
  • Dass durch den Unterricht von Volkswirtschaftslehre Vorurteile geschürt werden, muss keineswegs nur an den Dozierenden liegen. Auch der Lehrplan spielt eine wichtige Rolle. Wenn das Ziel zum Beispiel in der Mikroökonomie lediglich darin besteht, den Studierenden nur die Theorie der vollkommenen Konkurrenz, bzw. der perfekten Märkte zu vermitteln (die als Einführung vor einer weiteren Vertiefung allerdings äusserst brauchbar ist), dabei aber für die viel wichtigeren Einschränkungen der Realität, wie etwa die Bedeutung von Marktversagen, kaum oder überhaupt kein Platz vorgesehen ist, dann erhalten die Lernenden tatsächlich ein ziemlich verzerrtes Bild vom Denken und Forschen der Ökonomen.
  • Wenn Lehrpläne so aufgebaut sind, liegt das vielfach daran, dass man den Studierenden nur relativ eingängige Modelle zumuten will. So mühsam zum Beispiel das Modell der vollkommenen Konkurrenz für Einsteiger möglicherweise zu lernen sein mag, es ist immerhin in sich stimmig und auf jeden Fall viel einfacher zu vermitteln und zu lernen, als die weitergehenden und realitätsnäheren Modelle und Einschränkungen.
  • Weil Fachhochschulen den Universitäten nicht nachstehen wollen, unterrichten sie ihre Studierenden zuweilen in denselben abstrakten, in sich stimmigen theoretischen Modellen, wie sie Volkswirtschaftsstudierende dort anfänglich büffeln müssen. Nur dass die Kurse der Fachhochschulen mit diesen Modellen enden - anders als an den Universitäten. Ein Beispiel dafür ist in der Makroökonomie zum Beispiel das so genannte IS-LM/AS-AD-Modell. So büffeln die Leute dann all die Formeln und Grafiken und können sie an der Prüfung im besten Fall sogar perfekt wiedergeben. Doch die Modelle machen eigentlich nur als Instrumente für eine weitere Vertiefung Sinn. Sie müssten am Anfang einer umfassenden volkswirtschaftlichen Ausbildung stehen, keinesfalls an ihrem Ende. Wenn mit ihnen die Ausbildung endet, nützen diese Modelle für das Verständnis realer Vorgänge herzlich wenig und auch hier drohen Missverständnisse und Vorurteile.

Hier drei (nicht abschliessende) Punkte, die beim Wirtschaftsunterricht meiner Ansicht nach mehr Beachtung finden müssten:

  • Erklärungen konkreter, praktischer Vorgänge müssen Pri0rität haben vor abstrakten Modellen – ganz besonders dann, wenn für die praktische Relevanz der komplexeren Modelle keine Zeit vorgesehen ist. Es ist frustrierend, wenn man Studierende mit Formeln und Grafiken bombardieren muss, die diese sich für die vorgegebene Prüfung am Ende der Ausbildung einprägen müssen, während zum Beispiel Themen wie die ganz konkrete Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank nicht im Stoffplan enthalten sind. So müssen die Leute zwar Kurven herleiten und mit Buchstaben um sich werfen, erfahren aber nichts über die Bedeutung des Libor, des Reposatzes oder über den unstabilen Zusammenhang zwischen der Notenbankgeldmenge und den Geldmengen M1 bis M3. Nur leicht überspitzt gesagt, bleiben sie damit trotz dem umfangreichen Stoff, den sie büffeln müssen, in Bezug auf praktische Belange weitgehend ökonomische Analphabeten.
  • Sozialwissenschaften (wozu die Ökonomie zählt) sind keine exakten Wissenschaften. Hier wird versucht, die extrem komplexe Realität gesellschaftlicher Entwicklungen mit Modellen möglichst gut abzubilden. Diese Botschaft sollte meiner Ansicht nach am Anfang des Wirtschaftsunterrichts stehen: Die Studierenden müssen verstehen, dass die zu lernenden Modelle keine Naturgesetze darstellen, sondern historisch gewachsene Versuche sind, die Realität möglichst gut abzubilden und dass diese Modelle im Lauf der Geschichte stets auch weiter ergänzt, modifiziert und einige auch verworfen wurden - und dass diese Geschichte nie zu Ende ist. Ganz entscheidend ist auch, dass die Studierenden den Anwendungsbereich und die Einschränkungen der Modelle lernen und Hinweise erhalten, was für das Verständnis realer Vorgänge weiter beachtet werden müsste. Für mich persönlich war das Verständnis gerade der  restriktiven Bedingungen, unter denen ein wirtschaftliches Modell überhaupt gültig ist, das wichtigste, um ein solches Modell zu begreifen und ganz generell, um Einschätzungen wirtschaftlicher Vorgänge vorzunehmen.
  • Die Schulen (über ihre Lehrpläne) und die Dozenten müssen die Studierenden dort abholen, wo sie sind: Die Leute lesen täglich über wirtschaftliche Entwicklungen. Unsere Zeit müsste die beste Zeit für den Unterricht dieses Fachs sein. Daher sollte er auf Erklärungen der Vorgänge ausgerichtet sein. Oder genauer - weil endgültige, hieb- und stichfeste Erklärungen nicht existieren: Er sollte auf das Verständnis dessen ausgerichtet sein, was als Erklärungen in den Medien und von Experten herumgeboten wird. Der Wirtschaftsunterricht sollte den Leuten brauchbare Instrumente an die Hand geben. Wenn man die Leute dort abholt, wo sie sind, dann sind sie in aller Regel begeistert vom Fach Volkswirtschaft.

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Keine Kommentare zu „Das Elend der wirtschaftlichen Bildung“

  1. Dan sagt:

    Eigentlich sollte die ganze SP und DRS-Redaktoren mal in eine Grundkurs über die Funktion der Notenbank, dann wird den Schreiern vielleicht klar, dass PH nicht aus “moralischen” Gründen abdanken musste.

    • Urs sagt:

      Aber warum nur SP und DRS?

      Wo im Umfeld der SNB sind die da genau für was Verantwortlich? Wie öffentlich war denn das Zustandekommen der Entscheidung das einer gehen muss und der nächste kommt und wo genau bleibt da die Debatte der Oeffentlichkeit… wo die Mitbestimmung und Mitsprach(rechte)…

      …die gibt es dort nicht… die war auch nie vorgesehen…

    • Hansli sagt:

      Stimmt er musste wegen einer Hetzkampagne abdanken. Aller richtig gemacht und trotzdem rausgeekelt.

      • Era Dam sagt:

        Dan, Sie haben Hansli und seine Kumpanen von der “Mir fällt nichts Gescheites ein, so schreibe ich halt einen Satz mit $VP, Blocher, Mörgeli, Volch, Weltwoche oder Köppel”-Front vergessen.

    • Marc Meier sagt:

      Ich würde das gerne erweitern und alle Politiker in einen solchen Grundkurs schicken. Die einen haben’s noch nie gehört oder verstanden und die anderen haben’s vergessen oder ignorieren es bewusst.

      • Dietrich Rordorf sagt:

        Ja, alle Politiker sollten fundierte wirtschaftliche Kenntnisse haben. Aber vor allem bei den linken Politikern und Journalisten ist das Manko am grössten. In den letzten Tagen konnte man aus den linken Reihen des öfteren starke Unterstützung für Herrn Hildebrand ausmachen. Wurde Herr Hildebrand unterstützt weil er der erklärte Feind von Blocher war? (und man hat ja Blocher nicht so gern, also unterstützt man willentlich dessen Gegner.) Oder unterstützte man Hildebrand effektiv wegen seiner Geldpolitik? Im Grunde genommen verfolgt die Nationalbank mit ihrer “Kursstütze” die Partikularinteressen einiger weniger grossen Konzerne und Banken in der Schweiz, welche grosse Auslandsgeschäfte tätigen. (“Kursstütze” ist bewusst in Anführungszeichen, da eine Kursstütze anders ausgedrückt eben eine Vernichtung des Wertes des CHF ist. Natürlich spricht die SNB von “Kursstütze” und nicht von “Wertverminderung des CHF”, da letzteres auch Laien klar machen würde, was für eine miserable Politik die SNB verfolgt).

        Die zentrale Frage ist doch, ob es dem kleinen Bürger, mit seinen kleinen Ersparnissen auf dem Sparkonto und seinem kleinen Einkommen, schadet, wenn der Franken stark ist? Die Antwort ist eindeutig: Nein! Denn ein starker Franken bedeutet, dass dem kleinen Bürger seine Ersparnisse (real) mehr wert sind, und er sich mit seinem vertraglich fixierten Lohn bei fallenden Preisen (der importierten Konsumgüter) mehr leisten kann. Ein starker Franken stellt die wirtschaftlich und sozial schwächeren besser, da sie sich mehr leisten können, und die (bald) Rentnern, dessen Ersparnisse plötzlich mehr wert sind.

        Die SNB aber verfolgt mit ihrer Kursstütze indirekt die Partikularinteressen der grossen Konzerne und Banken in der Schweiz. Die Banken und Konzerne haben keine Freude, dass die Gewinne, welche bei den ausländischen Tochtergesellschaften in Euro oder USD anfallen, plötzlich nur noch ein Bruchteil dessen Wert sind, wenn sie an die Konzerngesellschaft in der Schweiz überwiesen werden (und somit zu einem “schlechten” Kurs in CHF gewandelt werden).

        Um die miserable Politik der SNB dann noch zu verteidigen, wird das Argument der Export-Wirtschaft angeführt. “Bei einem starken Franken könne die Export-Wirtschaft ja unmöglich mit ausländischen Firmen konkurrieren, der Absatz breche ein und Stellen müssten letztlich gestrichen werden. Eine Rezession breche über das Land herein.” lauten die Argumente. Das ist reine Panik-mache. In der Schweiz besitzen wir keine Rohstoffe und nur wenig Industrie, die mit Rohmaterialien hantiert. Kommt dazu dass die wenigsten Firmen ausschliesslich in der Schweiz produzieren. Der starke Franken reduziert auch die Preise der Input-Güter im Produktionsprozess, weil diese eben aus dem Ausland importiert werden müssen und entsprechend in Euro oder USD bezahlt werden. Auch werden (reale) Investitionen im Ausland günstiger: für weniger Franken erhält man mehr Euro oder USD, die im Ausland in Fabriken, Immobilien und Beteiligungen investiert werden können, welche in Zukunft für die Schweiz positive Kapitalerträge wirtschaften.

        Würden die linken Politiker solche Argumente besser verstehen, würden sie womöglich ihrer Positionen justieren.

        • Urs sagt:

          Linke sollen besser verstehen?

          Wo doch der globale Finanzraubzug rein bürgerlichen Urprung ist oder soll man den Neoliberalen Gesellschaftsumbau als Sozialistisch bezeichnen? Auch die heutige Ausgestaltung der Globaliserung, der regelbefreiten Finanzmärkte, die Steuerbefreiung für Kapitaleinsatz, die Steueroasen, die liberaliserung von Arbeitsgesetzen und so fort… was genau hat das mit links zu tun?

          Schon aufgefallend as man wohl Kapital und dessen Früchte ohne weitere Restriktionen rund um den Globaus transferieren darf, Ferien, Renten, Unfallversicherungen, Arbeitsgesetzte, Gesamtarbeitsverträge rein National geregelt sind und der heutige Wanderarbeiter nur am verlieren ist.

          Was ist da links? Nichts… gar nichts.

          Alles bürgerlich, konservativ, authoritär und nach und nach regelt nicht mehr der Staat, die Parlamente, die Volskvertreter, die Volksmeinung welche Freiheiten uns zustehen sondern privatrechttliche Strukturen ohne jede weitere Mitspracherechte…

          Lobbying wird sogar als Demokratieersatz eingestuft… der Renditen und Effizienz wegen… was haben die Bürger davon? Alles so schön Neoliberal, bürgerlich, konservativ… authoritär…

          • Dietrich Rordorf sagt:

            Der “Finanzraubzug” wie sie monieren ist eben nicht rein bürgerlichem Urprungs, sondern zu einem grossen Teil den Zentralbanken zu verdanken, welche die Zinsen manipulieren und künstlich tief halten, und frei ihr “Fiat” Geld in Umlauf bringen. Die Finanzelite und Bankiers profitieren natürlich von diesem Geldsegen, was auch kein Wunder ist. Halten Sie mal einem hungrigen Hund eine saftige Wurst vor die Nase, und dieser wird nicht lange zögern und reinbeissen. Diese ganze “Geldpolitik” führt zu Preisblasen und den daraus folgenden Konsequenzen. Spätestens seit John Law zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit Papiergeld die erste Aktienblase verursachte, sollte der Menschheit eigentlich klar sein, dass Papiergeld durchaus gefährlich ist. Dem Papiergeld wird noch heute eine heilsame Wirkung zugesprochen, wie die aktuellen Zeitgeschehnisse zeigen.

          • Urs sagt:

            @Rordorf; ja sicher… stimmte ich Ihnen soweit zu.

            Blos, was hat das mit Links, Sozialistisch oder ähnlichem zu tun? Die halb privaten Nationalbanksysteme sind nicht linken ursprüngen entwachsen sondern bürgerlich-konservative-neoliberalen… genau das gleiche mit dem ewigen gerede von Unabhängigkeit der Nationalbanken und der Geldpolitik….

            Unabhängig von was, vom wem, für wen…?

            Resultat dieser aktuellen Form von Unabhängikeit ist ja gerade das primär Investoren, also die Besitzer von Kapital abgesichert werden und das noch zum Preis das man sich im Steuersubstrat der Standardlohnempfänger vergreift und diese zu Jahrzehnten Frohndienst abbestellt um die Schulden abzuzahlen…

        • Anh Toan sagt:

          @Dietrich Rohrdorf:

          Die Armen haben keine Franken, die Reichen viele. Wem hilft ein starker Franken?

          Dass die Rechten, die schon immer die Interessen der Armen vertreten haben, einen starken Franken wollen, widerspricht der Erkenntnis aus obiger trivialen Betrachtung.

          Irgendwo muss etwas falsch sein.

          • Anh Toan sagt:

            Zurück zum Thema: Braucht es zum Entwickeln / Verstehen meines Gedankenganges ein Volkswirtschaftsstudium, oder hätten fundierte Volkswirtschaftliche Erkenntnisse meinen eventuell fehlerbehafteten Gedankengang verhindert?

            Wir müssen denken lernen, nicht wissen.

        • Ulrich Schwendener sagt:

          @Rordorf: Schön zu sehen, dass es noch Leute wie Sie gibt, die den gesunden Menschenverstand noch aktiviert haben. Auch für mich ist es fragwürdig, dass die derzeitige Währungspolitik der Schweiz nur einseitig auf die Export- und Turismusindustrie ausgelegt ist. Der garantierte Mindestkurs verfälscht nicht nur den realen Wert des CHF, es verhindert auch die Effizienzsteigerung der Industrie. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Schweiz auch bei einem starken Franken konkurrenzfähig sein kann. Der teure Euro in der Vergangeheit hat dazu geführt, dass die Unternehmen fett und träge wurden. Wirklich effizienzsteigernde Massnahmen erfolgen meist nur wenn die Firmen unter Druck geraten.

  2. Alex Zatelli sagt:

    Wieviel der bestausgebildeten Ökonomen in den Zentral- und Geschäftsbanken haben die Finazkrise 2008ff vorhergesehen, ja wenigstens eine hohe Wahscheinlichkeit dafür dargelegt? Eben ….

    Bringt den SchweizernInnen einfach mal bei, dass jedes Jahr die eine oder andere Milliarde ihres grössten Vermögens (des BVG-Guthabens) intransparent in Kickbacks, “Berater”honoraren etc. versickert, und wie man Vorsorge-Geld effizient anlegt, z.B. wie die Schweden.

    Über die makroökonmischen Fähigkeiten der Durchschnittsbürger einfach mal mit “Economist” und “Müllmänner” googeln. Die Müllmänner waren in der Vorhersage wichtiger OECD-Grössen so gut wie Topmanager und besser als Wirtschaftstudenten.
    Macht die Leuten lieber mit Ideen der Vorsokratiker oder von Spinoza bekannt, damit sie den Respekt den tagesaktuellen Gscheitlern verlieren. Philosophie macht mehr Freude.

    Tausende von finanziell gesunden Gemeinden in der Schweiz beweisen, dass die autonom entscheidenden BürgerInnen ein besseres Gefühl für Finanzen haben als die Heerscharen der Risk-Topmänätscher der “systemreleventen” Banken.

    Landauf, landab z.B. predigt die Mehrheit der Ökonomen, dass tiefere Steuern besser und effizienter seien, obwohl es für diesen Zusammenhang keine Datengrundlage gibt. Im Gegenteil: in den meisten Bereichen hat es Skandinavien besser als der Rest der Welt. Ich meine: diesen Religionsunterricht bitte nur auf freiwilliger Basis.

    • Rolf Suter sagt:

      Bereits im Februar 2007 hat die NZZ in einem ausführlichen Artikel die kommende Finanzkrise beschrieben. Ich gebe Unterricht und habe diesen Artikel im Unterricht besprochen. Aber er war für viele Studierende zu anspruchsvoll. Der Grund ist, dass zu Zeit die Stundenpensen für den Volkswirtschaftsunterricht gedrittelt und geviertelt wird. Volkswirtschaftslehre ist eine Denkschule man lernt wie man analyisieren und Probleme lösen kann. Doch das braucht Zeit. Damit man etwas auswendig weiss, muss man es sieben mal durchgehen, damit man etwas kann, eine Anwendung lernt, muss man es 70 mal gemacht haben… Wenn man keine Zeit hat, kann man nicht mehr als die einfachen Modelle vermitteln. Ich denke auch, das rächt sich, wir merken das an vielen politischen Forderungen und dass das Volk heute jedem Rattenfänger nachläuft, nicht mehr weiss, sondern glaubt.

      • Alex Zatelli sagt:

        Natürlich gab es da und dort Leute und gute Journalisten die was ahnten. Aber das Gros der Ökonomen war nicht in der Lage, die grössten Verwerfungen seit 1929 zu erahnen. Oder wenn, haben sie geschwiegen.

        Wie gesagt: die SchweizerInnen haushalten auch ohne fundierte Ausbildung gut, wenn es um öffentliche Finanzen geht. Augescheinlich viel besser als in den Expertokratien in andern Ländern.

        • Karin Gut sagt:

          Das Problem ist die von den realwirtschaftlichen Entwicklungen abgekoppelte Finanz-”Industrie”, wo Gewinn nur noch durch Kaufen und Verkaufen im richtigen Moment zustande kommt. Plötzlich steigern sich irgendwelche Dinge in riesige Werte, plötzlich wollen alle nur noch verkaufen und die Sache sackt zusammen.

          • Linus Huber sagt:

            Das ist nicht das Problem, sondern das Symptom. Das Problem liegt in der Manipulation von Zinsen (und wenn dies nicht mehr funktioniert, die Anwendung von QE) der Zentralbanker, welche diese Symptome erzeugen.

    • will williamson sagt:

      Dass die Ökonomen die Krise von 2008 nicht voraus gesehen haben, ist richtig. Peter Lynch, erfolgreicher Investmentfonds-Manager, hat aber schon früher nicht viel von dieser Zunft gehalten. Er hat gemeint, wenn man alle Ökonomen dieser Welt einfach aneinander reihen würde, wäre es nicht das Dümmste, was man mit ihnen machen kann.

    • Thomas Meier sagt:

      Wie kommen Sie auf die Idee, dass die primäre Aufgabe der VWL die Vorhersage der Zukunft ist? Bei VWL geht es darum ein möglichst gutes Wirtschaftssystem aufzubauen und nicht die Zukunft vorherzusagen. Natürlich kann es z.B. für die Konjunkturpolitik nützlich sein, wenn man versucht Entwicklung vorherzusehen, um frühzeitig reagieren zu können, aber das ist nur ein Teilgebiet. Grundsätzlich sollten Ökonomen helfen aus der Vergangenheit Schlüsse ziehen zu können, wie man unsere Wirtschaft gestalten soll und damit war man sehr erfolgreich. Sämtlich Länder mit freier Marktwirtschaft haben wesentlich besser abgeschnitten als z.B. kommunistische Länder und Länder mit tiefen Steuern, wenig Regulierung usw. haben ebenfalls besser abgeschnitten. Das ist deutlich belegt mit Daten bzw. schauen Sie sich doch einfach die Welt an. Welche Länder sind führend? z.B. China ist erst erfolgreich, seit es sein Wirtschaft liberalisiert hat…

      • Alex Zatelli sagt:

        “Länder mit tiefen Steuern,… haben ebenfalls besser abgeschnitten.”

        Die Studien der OECD sind insofern eindeutig, als man genau dies eindeutig nicht auf der Basis von Tatsachen behaupten kann. Alle wirtschftalich erfolgreichen Länder sind mehr oder weniger Hochsteuerländer. (Zwergstaaten wie Singapur, Monaco etc. nehmen wir mal aus).

        Nach den fatalen Kapitalallokationen von 2005-2008 ist die These, dass Private immer effizienter sind als die öffentliche Hand sowas von gebodigt. Aber sowas!
        Oder ein konkretes Beispiel: die deutschen Exportgewinne (dank der Niedriglohnpolitik und dem aufwertungsgeschützten Euro) wären besser vom deutschen Staat in die Infrastruktur oder Bildung gesteckt worden als in ungeprüften AAA-Papierchen auf Bretterbuden in Alabama. Das dürfen Sie ruhig glauben.

        ” z.B. China ist erst erfolgreich, seit es sein Wirtschaft liberalisiert hat…”
        Der asiatische Pragmatimsus und die straegische Wirtschaftpoltik ist gerade das Gegenteil von dem, was die Markt-Religiösen predigen. Die Chinesen kümmern sich nicht um Wirtschfats-Theorien. Sie machen es wie gute Mediziner: was heilt, ist gut. Und nicht: “Die Theorie hat gesiegt, der Patient ist tot.”

      • will williamson sagt:

        Wenn Sie mit Ihrer Theorie richtig liegen würden, dann hätten diese “Schlüsse aus der Vergangenheit” dazu führen müssen, dass die “grösste Krise seit den 30-er Jahren”, wie sie von manchen bezeichnet wird, gar nicht hätte eintreten können.

        • Thomas Meier sagt:

          @Alex Zatelli: Vielleicht sollten Sie Ihren Zeithorizont etwas erweitern als die letzten 5-10 Jahre. Ich spreche von den letzten 50-100 Jahren und es macht bestimmt keinen Sinn Schlüsse für einen Zeitraum <10 Jahre zu ziehen. Dann wäre man in den 30er und 70er auch zu dem Schluss gekommen, dass das System gescheitert ist. Das Wirtschaftswachstum schwankt nunmal und das ist auch gut so. Aber zu Ihren Punkten:
          Steuern: Ich spreche nicht von extra tiefen Steuern, sondern grundsätzlich Steuern, Zölle, Abgaben und da sagt auch die OECD klar, dass man diese Abbauen sollen und wer das in den letzten 50 Jahren gemacht hat, war erfolgreich (z.B. komm. hatten ja faktisch 100% Steuern). Aber zu Ihren Punkten:
          2005-2008: Willkürlicher Zeitraum, zu kurz, Politiker hatten auch Schuld (Überregulierung, Eingriffe)
          China: Sorry, aber das ist lächerlich. Vor 20 Jahren durfte man in China noch nicht mal eine Firma gründen, wollen Sie ernsthaft behaupten, dass solche Faktoren nicht für den Aufschwung zuständig sind? Das gibt sogar die komm. Partei zu…
          @will williamson: Als ob immer alle so umgesetzt wird wie die Ökonomen wollen. Politiker beschliessen andauernd fehlerhafte Gesetze. Aber die letzte Krise ist sicher nicht gerade eine Meisterleistung der Ökonomie und man wird viel daraus lernen können (was aber auch wieder von den Politiker abhängt). Wie auch immer, niemand hat behauptet Ökonomie wäre perfekt und zwischen den 30er und heute liegen 70 Jahre, welche wirtschaftlich sehr erfolgreich waren, also fällt die Gesamtbilanz positiv aus.
          Ohnehin ist das ein bisschen ein Missverständnis. Karl Marx war auch Ökonom. Letztendlich kritisieren viele Leute die Ökonomie, meinen aber z.B. Neoliberalismus, was bei weiten nicht alle unterstützten. Hingegen gibt es aber ökonomische Prinzipien, welche sehr breit anerkannt sind, aber in der Realität sehr schlecht umgesetzt werden (z.B. Externalitäten internalisieren, Freier Handel usw.). Ich denke, darauf will auch Markus Diem Meier mit seinem Artikel hinaus. Viele Politiker verstehen den Effekt von Steuern gar nicht.

  3. Anh Toan sagt:

    Sollte es den führenden Volkswirten eines Tages gelingen, Volkswirtschaft zu verstehen, soll diese auch gelehrt werden. Die Sache mit den Neutrinos, die schneller als Licht sind, kommt ja auch erst im Physikstudium, nicht an der Mittelschule.

    Aber wenn ich sehe, dass die Mehrheit in der Schweiz schon Mühe mit Prozentrechnen hat (Habe etwas für 100.00 inkl. 8% Mwst gekauft, Mwst also 8.00?), sehe ich andere Dringlichkeiten im CH-Bildungssystem.

    • Michael Schwarz sagt:

      @Anh Toan:

      Wenn Sie nicht in der Lage sind, MWSt. Brutto und Netto auszurechnen, werden Sie sicherlich keine Zulassung für ein Wirtschaftsstudium erhalten.

      • Reto Derungs sagt:

        @Schwarz: ich bin mir da nicht so sicher; an den Fachhochschulen scheinen sich inzwischen bereits Dozentinnen zu tummeln, welche ihren Doktor im McDonalds oder an einer Micky-Maus-Fernhochschule kriegten und sich ihre Mittelschulaufsätzli gegenseitig zu Habilitationsschriften hochstilisieren. Unter den Studierenden auch der Universitäten befinden sich immer mehr angehende Akademiker, welche ihre Maturität in einem Land erwarben, wo 90% der Jugendlichen der Hochschulreife zugeführt werden. – Zum Thema: Aehnlich wie bei der Einkommens- und Vermögensverteilung geht auch bei der Bildung die Schere immer weiter auf: Hier ein Heer von Ignoranten (mit oder ohne Hochschulabschluss), dort eine Handvoll Superhirne, welchen indessen leider selten ein grösseres Forum geboten wird; man will doch hören und lesen, was “man” versteht.

        • Thomas Meier sagt:

          @Derungs: Ich muss Ihnen Recht geben, dass die Qualität von FH-Dozenten oft etwas dürftig ist. Andererseits übertreiben Sie etwas. Ich war an FH und Uni und der Unterschied (aus Studierendensicht) ist bei weiten nicht so gross wie man immer tut. Gerade im Bachelor kommt es oft mehr darauf an, ob der Dozent gut erklären kann anstatt wieviele Dr. Titel er hat. Das ist ja ohnehin alles Grundlagenstoff und recht ähnlich.
          Ausserdem muss man sehen, dass die Wirtschaft mehr Akademiker braucht und es absurd ist, nur Uni zu betreiben, welche auf Top-Niveau sind und nur max. 20% der Bevölkerung Zugang haben. Nur mal als Vergleich: Ein (staatliche) CH FH kann immer noch mit einer Top 30 Uni in UK mithalten, sprich in anderen Ländern würde das was Sie als schlecht bezeichnen, immer noch zum besseren Drittel gehören. z.B. ETH Niveau gilt im Ausland als Eliteuni und man kann ja schlecht fordern, dass in CH 40% der Leute an eine Eliteuni gehen, oder? Das ist einfach nicht realistisch…
          Ausserdem sind FH gerechter, weil z.B. finanziell Schwache Teilzeit studieren können (Unistudium können sich viele nicht leisten) und es unser Bildungssystem durchlässiger macht, was wirtschaftlich gesehen viele Vorteile bringt.

          • Michael Schwarz sagt:

            @Thomas Meier:

            Ein Wirtschaftsstudium in einer FH ist ausgeschlossen, weil die FH direkt auf die Anwendung fokussiert sind, deshalb fehlen die FH-Dozenten den Tiefgang – man muss nicht verstehen, es anzuwenden. Im Punkt der Sozialforschung ist die FH weiter entfernt von Universitäten. Das Verständnis kann man nur erlangt werden, wenn man wirtschaftliche Forschung betreibt, in FH ist nicht der Fall. Sie produziert Masse anstatt Qualität. Wenn man Wirtschaft ernsthaft studieren will, ist die Universität die einzige Alternativ.

          • Thomas Meier sagt:

            @Schwarz: Wie bereits gesagt, ich hab beides erlebt und was Sie sagen ist theoretisch korrekt, in der Realität aber nicht so. Die FH ist nicht praxisnahe, man lernt genau das Gleiche wie an der Uni, nur meist etwas weniger vertieft. Z.B. lernt man an der FH vielleicht wie ein Model grob funktioniert und muss ein einfaches Beispiel rechnen können, an der Uni muss man dann die kompliziertere Variente / Abwandlungen davon auch noch können. Ihre Aussage “Masse anstatt Qualität” ist eigentlich auch richtig, wenn auch wieder übertrieben. Letztendlich braucht die Wirtschaft nicht nur Topqualität. Viele Unistudenten sind auch überqualifitiert. Gerade BWL ist sehr theoretisch und in der Praxis kann man z.B. bei einer Bank als Projektmanager auch problemlos nach einer FH arbeiten. Was bringen einem da irgendwelche theoretischen Projektmanagement Modelle aus einem Master in der Praxis? So gut wie nichts, oft kann man solche Jobs sogar ohne Studium machen (nur erhält man ohne Studium den Job nicht). Das Gleiche mit der Masterarbeit, für die Praxis in 80% der Fälle nutzlos.
            Wie auch immer, ich verstehe natürlich, dass die Unis irgendwie ihr Territorium zu verteidigen versuchen, aber Konkurrenz hat noch nie geschadet, finde ich…

          • Michael Schwarz sagt:

            @Thomas Meier:

            Wenn die aktuelle Problematik den Dozenten von UNISG nicht verstehen, weil die Themen übermässig komplex sind, dann kann man bei FH gleich vergessen. Die FH-Dozenten haben weder die ausreichende Qualifikation noch den Verstand mit Komplexität der Finanzwirtschaft auseinanderzusetzen. Das Diplom Msc. Banking&Finance ist ein Staubfänger, taugt nichts – die Spezialisierung sollte primäres Ziel eines Hochschulstudiums sein, nicht Generalisierung.

            Bemerkung: wenn man genau nimmt, ist BWL keine Wissenschaft. Das ist auch die Erklärung warum viele erfolgreiche Unternehmer nicht studiert haben, oder das Studium abbrach – es gibt zahlreichen Beispiele, die Sie sicherlich während Ihres Studiums in FH gehört und gelesen haben, Menschen wie Steve Jobs, Bill Gates, Zukerberg usw. Die Unternehmensführung ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst für sich.

          • Thomas Meier sagt:

            @Michael Schwarz: Mich würde mal interessieren was Sie studiert haben? Ziemlich ignorant Ihre Ansicht, da scheinen Sie wohl einen Fensterplatz gehabt zu haben… Ausserdem ist die HSG jetzt auch nicht gerade so das Mass aller Dinge. HSG ist gut in BWL und nicht in VWL und wie Sie richtig erkannt haben, ist BWL nicht wirklich eine Wissenschaft, also sind die HSGler vielleicht auch nicht gerade die schlausten Leute, da müssen Sie schon eher an die ETH gehen…
            Ohnehin kommen Sie mir nicht gerade schlau vor, wenn Sie Dinge sagen wie “Wenn die aktuelle Problematik den Dozenten von UNISG nicht verstehen, weil die Themen übermässig komplex sind, dann kann man bei FH gleich vergessen. Die FH-Dozenten haben weder die ausreichende Qualifikation noch den Verstand mit Komplexität der Finanzwirtschaft auseinanderzusetzen.”!? Sie sind sich schon bewusst, dass es an der FH tonnenweise Dozenten mit Dr. Titel von der HSG hat? Ziemlich paradox. Ausserdem behandelt man im Bachelor keine allzu komplexen Dinge. Den MSc an der FH halte ich aber auch für einen Witz.
            Wie auch immer, der Arbeitsmarkt für FH Absolventen ist sehr gut, oft besser als für Uniabsolventen. So gesehen gibt der Markt den FHs recht und ihre Existenz scheint berechtigt. Dagegen können Sie kaum was sagen, das ist eine Tatsache. Die meisten Jobs sind nicht sehr komplex…

  4. Michael Schwarz sagt:

    @Markus Meier:

    Ihre Beschreibung ist absolut zutreffen, weil ich die gleiche Kritik während meines Wirtschaftsstudiums aussprach. Die Wirtschaftstheorie muss man nicht büffeln, sondern muss man sie verstehen. Das Verstehen meine ich die Zusammenhängen begreifen. Die Klausur sollte eigentlich ein Nebenprodukt eines Studiums sein, weil das Verstand der Klausur kein Garant ist für das Verstehen – man muss nur die Grafik und Gleichung merken, dann kann man die Klausur bestehen. Das hat aber mit einem seriösen Wirtschaftsstudium nichts zu tun.

    Die meisten Wirtschaftsdozenten trauen die Studierende nicht zu, deshalb bringen sie Stoffe, die einfach darstellbar sind, keinen Widerspruch aufweist. Die wirtschaftswissenschaftlichen Theorie ist immer induktiv, d.h. nach Karl Poper ist die Wirtschaftswissenschaft kein wissenschaftliches Disziplin. Solange man Black-Schwam noch nie gesehen hat, kann man es behaupten, dass Black-Schwam nicht gibt.

    Wie ich zuvor in diesem Blog schrieb, die Wirtschaftswissenschaft als ganzes zu begreifen, vor allem mit ihrer Dynamik, Instabilität und Vernetzung, stellt eine richtig intellektuelle Herausforderung dar, es braucht zwei Leben um die Wirtschaftswissenschaft von Grund aus zu begreifen. Ein Wirtschaftsstudium ist nicht dafür da, anzugeben, oder als Werkzeuge Geld zu machen, Reich zu werden. Die Wirtschaftswissenschaft dient die Menschen, welche die Gesellschaft zu einer bessere machen will. Über dieses Thema habe ich vor einem Jahr darüber geschrieben. Die Realität ist natürlich eine andere, die Abschlüsse werden wie Derivat gehandelt, je teuer der Uni war, desto besser und teuer verkauft sich später.

    • will williamson sagt:

      Lieber Herr Schwarz, für einen “Studierten” haben Sie aber einen ziemlich verwirrlichen Schreibstil und auch in der Grammatik und der Rechtschreibung könnten Sie noch einiges verbessern. Dass Markus Meier recht hat, weil Sie die gleiche Kritik angebracht haben, finde ich auch interessant. Sind Sie besonders autorisiert, um derartige Kritiken zu äussern?

      • Michael Schwarz sagt:

        @will williamson

        Ihre Kritik wurde zum Kenntnis genommen. Herr Meier hat das gesagt, was ich zum Rektor damals sagte, das sollte eine Bestätigung sein, keine Überheblichkeit oder Ignoranz.

  5. Anton Schneider sagt:

    @Satellit
    Dann vergleichen Sie aber auch, was die Schweden für die Steuern vom Staat erhalten.
    Der Rest sind einach aus dem Zusammenhang genommene Behauptungen.

  6. Urs sagt:

    Ja, und nun? In wlche Richtung soll es denn nun gehen… einfach weiter so wie heute die Neoliberale Schiene fahren oder doch mehr Sozialismus (nicht so wie heute vermehrt für Unternehmen/Investoren/Aktionäre anstatt für den Mensch und sein Lebensumfeld) dafür weniger ideologisch pervertierte Wettbewerbsdoktrin?
    Es gibt im grossen ganzen stets die beiden Ansichten das der Mensch grundsätzlich egoistisch, faul usw. ist und deshalb angetrieben werden muss oder man ist eher Humanist und denkt das die Menschen sich schon zusammen raufen auch wenn nicht konstanter Druck aufgebaut wird…
    Insgesamt aber nimmt sich die Oekonomie zuviel raus und ist zu dominant geworden… fast könnte man die Oekonomie als den Chef der Sozialwissenschaften ansehen und alle anderen Fakultäten haben sich zu fügen… so istes heute… besteht der Mensch also nur aus Geld, Kalkulation und am Ende Bilanzen oder gibt es da noch mehr…

    • will williamson sagt:

      Ihre Überlegungen kann man zusammenfassen in der Frage, ob der Mensch für die Wirtschaft oder die Wirtschaft für den Menschen da ist. Grundsätzlich besteht da natürlich eine reziproke Beziehung. Dem Sinne nach sollte aber die Wirtschaft prioritär dem Menschen dienen und nicht der Mensch der Wirtschaft. Heute ist das leider umgekehrt.

      • Urs sagt:

        Mich stört nur schon die Ueberheblichkeit und Medienpräsenz der Oekonomie und deren Arroganz für alles menschliche irgendeine Erklärung parat zu haben. Die Reden viel…. erklären aber nur einen kleinen Teil dessen was den Mensch ausmacht. Das fängt für viele bereits an wenn einer der beliebig austauschbaren Finanzticker am Bildschirmrand vorbei zieht… die Relevanz dieser Information geht den 99% komplett ab… die haben nichts davon und doch suggeriert dies permanent eine übergeordnete Wichtigkeit… mehr aber eben nicht.

        Besser wäre, die Nachrichten würden sich mal mit Zivilgesellschaftlichen Belangen auseinandersetzen… so in dem Sinne das “Investordays” nicht in die Schlagzeilen kommen, dafür aber die Arbeitslosenzahlen, Entlassungen, Unternehmen die wieder mal die Löhne nicht anpassen und/oder Mitarbeiter entlassen, sich Steueroasen zu nutze machen, Steuerhinterziehungssystematiken erklären und mit ebensolcher Präsenz in den Nachrichten verbreiten…

        …genauso wie man über Jahre die Arbeitslosen, die Sozialhilfeempfänger die Invalidenrenter in Grund und Boden gestampft hat und diese mit massiver Repression begleitet…

        Vergleicht man aber die letzten Jahrzehnte und was da alles beinahe exklusiv zu Gunsten für die in der Regel Steuerbefreiten Investoren Platt gemacht und geopfert wurde muss man sich nicht wundern wenn es viel zu korrigieren gibt.

        Der Globalisierung, also den zu Grunde liegenden WTO Handelsverträgen, fehlen jegliche sozialen Komponenten… die sind da drin schlicht nicht geregelt. Dafür werden die Nationalstaaten einem totalitären Wettbewerb (Standort und Steuern) ausgesetzt bei dem diese nur verlieren können… und die dort lebenden Menschen mit ihren Ansprüchen ebenfalls… diese pervertierte Ideologie der Liberaliserung, der Staatsverachtung, der Eigenverantwortung, des Eigennutzes, eines totalitären Wettberbs usw. ist vollumfänglich in die WTO Verträge eingeflossen…

        Deshalb gilt heute nicht mehr Bürger (Zivilgesellschaft) gegen Staat sondern Bürger gegen Unternehmen und deren Verbände… bei jeder Liberalisierung entstehen nicht primär Freiräume für den einzelnen sondern Freiräume für die Anprüche von Investoren, Finanzmärkte, Unternehmen…

        Das ganze hat ca. 30 Jahre gedauert und es geht immer noch weiter… die Brandstifter versuchen also auch noch die Feuer zu löschen…

  7. Sergej Rickenbacher sagt:

    Mein anfänglicher Verdacht, dass hier durch Rüdiger Hoffmanns Horn “Volkswirrtschaft den Volkswirtschaftlern” geblasen wird, wich einer interessierten Lektüre. Danke für die durchdachten Überlegungen, welche die Ökonomie weder als Heilslehre noch als Naturwissenschaft darstellen – zwei Aspekte, die sich vielleicht Alex Zatelli und Anh Toan nochmals durch den Kopf gehen lassen könnten. Grüsse von einem Nicht-Ökonomen

  8. Ernst Zbinden sagt:

    Dass wichtigste was man in Ökonomie lernen kann, dass eine wirtschaftliche Aktion die Handlungsparameter von anderen verändern, welche diese wieder zu Anpassungen ihrer Entscheide bewegen wird, welche sie im allgemeinen aus einer Optimierung ihrer wirtschaftlichen Situation ableiten. Damit die berühmte Frage: Was dann? systematisch analysiert, quantifiziert und beantwortet wird.

    Geradezu tragisch ist die Aussage, dass die Studierenden ökonomische Analphabeten in Bezug auf die Anwendung der (sehr nützlichen) Modelle seien. Falls dem so ist, sollten die Professoren (a) ihre Ausbildungsprogramme umgehend ändern oder (b) sich von der Lehre (Forschung?) verabschieden. Ökonomische Ausbildung und Forschung macht nur dann und nur dann Sinn (bzw. ist nur dann wirtschaftlich), wenn die ausgebildeten Ökonomen die wirtschaftliche Realität verstehen, erklären und damit wirtschaftlich sinnvoll gestalten können. Gleiches gilt für die wirtschaftswissenschaftliche Forschung.

  9. martin sagt:

    oh ja, unbedingt noch mehr wirtschaftswissen; als ob sich nicht schon in den neunzigerjahren ein paradigmawechsel durchgesetzt hätte, der von den gymnasien bis zu den universiäten wissen zum blossen instrument und den menschen damit zur reinen funktion degradiert hat. unbedingt sollten die konzerne auch noch den rest an universiiäter forschung vereinnahmen, sodass dann gar nichts mehr bleibt ausser diesen sinnfreien vokablen wie leadership, business …

  10. Was der Artikel aussagt, lässt sich in zugespitzter Form auch gleich hier nachlesen:
    http://www.spiegel.de/spiegel/unispiegel/d-82971119.html

    Zeit, dass sich etwas ändert am Unterricht in solchen Fragen!

  11. W.Hürlimann sagt:

    Solange Prüfungen immer mehr zum Abbilden einer spezifischen Thematik verkomment wird Verstehen und Denkvermögen zurückgebildet. Das auswendig Gelernte geht vergessen, zurück bleiben Fetzen an Theorien, das zumindest vermittelt auch die Erfahrung in der Praxis. Nur einzelne Personen im Geschäft sind tatsächlich in der Lage eine Arbeit voranzutreiben, der Rest wartet auf Anweisungen oder läuft irgendwo mit. Dabei spielt es keine Rolle ob diese Schlüsselpersonen Gelehrte im akademischen Sinne sind oder einfach interessierte Neugierige Menschen, die etwas bewegen wollen.
    Das Ausbildungssystem heute verfolgt das quantitative Ziel der Wirschaft, bringt einfach mehr Akademiker. Ziel muss jedoch sein, Talente und Persönlichkeiten indiividuell zu erkennen und zu fördern. Oft sind es auch unbequeme oder infrovertierte Leute. Das ist zum grossen Teil Aufgabe der Wirtschaft und nicht der Grundschule. Die Wissenschaft bestraft sich selber, wenn Dissertationen durch abschreiben und umwandeln des Textes einfacher zu erstellen sind, als Schlussfolgerungen in einer Diplomarbeit zu einem eidg. Fachausweis. Wissen ist vor allem verstehen und Folgen daraus zu ziehen, nicht auswendig gerlerntes Abzubilden.

  12. will williamson sagt:

    Vor einiger Zeit habe ich mal einen renommierten Ökonomieprofessor auf einen Physiker aufmerksam gemacht, der in der Klimadebatte eine Aussenseiterposition einnimmt. Die Antwort war, einer der sich ausserhalb des Mainstreams bewege, sei nicht ernst zu nehmen. Das scheint auch für die Ökonomen zu gelten. Die haben wie die Pferde ihre Scheuklappen, um ja nicht links und rechts zu sehen. Da ist es auch kein Wunder, dass alle zusammen die Krise verschlafen haben.

  13. Tim sagt:

    Stimme Ihnen zu, komischk, dass das sonst niemandem auffällt.

  14. Fritz sagt:

    Wirtschaftliche Kenntnisse werden total überbewertet! Wenn ich sehe was man für einen Intellekt haben muss um in wirtschaftlichen Fragen mitsprechen zu können scheint ja ein Jus- oder Physikstudium vollkommen ausreichend zu sein. Einem Naturwissenschaftler stellt sich so oder so immer wieder die Frage was Wirtschaft mit Wissenschaft gemein hat und der Schluss ist meist: „in etwa dasselbe wie Astrologie“! Solange die Psychologie zu keinen exakten und rechenbaren Vorhersagen zu gebrauchen ist, wird auch die Wirtschaftswissenschaft nicht viel mehr sein als eine Esoterikveranstaltung. Kein Wunder hat es ursprünglich weder einen Nobelpreis für Wirtschaft gegeben noch hat Plato Wirtschaftler als geeignet für die Führung eines Staates erachtet. Viele unserer gesellschaftlichen Probleme lassen sich auf diese totale Überbewertung von Wirtschaftskenntnissen zurück führen. Wenn sie unsere Jungend statt den Grundlagen weiter solche Pseudowissenschaften vermitteln wollen müssen sie sich ab den nächsten Wirtschaftskrisen nicht wundern! Tut mir leid, aber Buchhalter bleiben Buchhalter und haben schlicht zuwenig Bildung um zu verstehen warum sich die Erde dreht und der Apfel vom Baum fällt. Vor Jahren versuchte mir ein Topbänker weiss zu machen, dass Geld sich von selbst vermehrt…. Beati pauperes spiritu!

  15. Leo sagt:

    Das Unwissenschaftliche ist das besondere Merkmal bei den Wirtschafts-Wissenschaften.
    Im Wirklichen handelt es sich um Wirtschafts-Ideologien ohne exakte Grundlagen, die sich gleichen und im Gesamten als Wirtschaft-Monokultur funktionieren und wahrgenommen werden.
    Wenn man diese nun noch auf Schulstoff für die Unterstufe herunter brechen soll, erhalten wir etwas so unwissenschaftliches wie
    den Religionsunterricht.
    Gemeinsam ist ist diesen Pseudo-Wissenschaften der monotheistische “Brand” von Gott und Geld.
    Es gibt nur einen wahren Gott oder Wert, aber der soll sich segensreich für Alle, ins Unendliche beschleunigen und multiplizieren
    lassen können. Das wäre folglich die Botschaft für die noch zu Bildenden.

    • Urs sagt:

      …schon früh, sehr früh in unserem Leben hier und heute wird uns mit unzähligen Beispielen beigracht…

      “…vom Tellerwäscher zum Millionär…”… die meisten glauben daran, ein ganzes Leben lang, oft verbunden mit einer gewissen Erkenntnis das da etwas wohl nicht ganz richtig ist mit diesen Aussagen…

      Schon früher, aber sicher heute hingegen trifft wohl eher … “…vom Tellerwäscher zum Sozialhilfemepfänger…” zu… da sich diese Kapitalistisch Benachteiligten trotz aller Rufe zur Besserung der Situation mittels der üblichen Kennzahlen stetig vermehren wird primär mit Verneinung, Ignoranz und eben auch Repression dazu beigetragen das die meisten von uns weiterhin mit den Aussagen “..vom Tellerwäscher zum millionär…” aufwachsen….

      Doch die Frage sei erlaubt, für wen genau rackern wir uns eigentlich so ab wenn doch gerade das Entgelt für geleistete Arbeit mit immer kleineren Anteilen abgegolten wird… u.a. die OECD, nicht gerade eine Sozialistische noch Linke Organisation, äussert sich seit Jahren das der Anteil des Entgeltes für die Lohnempfänger am gesamten Produktionsprozess immer kleiner wird und in folge die Reichen immer reicher und die Armen immer Aermer…

      Besonders schräg im Raum stehen all die Taktgeber die uns Tag für Tag die Erfolge des aktuellen Oekonomischen und auch Gesellschaftlichen Systems beweisen sollen… dumm nur, das immer mehr Menschen am eigenen Leib spüren das die Aussagen schlicht gelogen sind…

  16. Dave sagt:

    Leider ist es tatsächlich so, dass gerade die Einführung in die Wirtschaftswissenschaften mit der eingehenden Betrachtung perfekten Märkte die Ökonomen am meisten prägt. Der Homo Oeconomicus wird dann zum Selbstbild und ein Job bei McKinsey oder einer Grossbank das erklärte Ziel. Warum? Die Antwort liefern die Lohnstatistiken…

    • Michael Schwarz sagt:

      @Dave:

      Wenn das Reichtum und Status der Motivation eines Wirtschaftsstudiums ist, das wäre eine Verschwendung der gesellschaftlichen Ressource.

      • Thomas Müler sagt:

        @Michael
        Nun, wir leben in einer freien Gesellschafft wo sich die “gesellschaftlichen Ressourcen” selbst entscheiden können für was sie sich einsetzten wollen. Die Entscheidung was verschwendung ist, Arbeit für den Staat/Allgemeinheit für wenig Geld oder Arbeit für Private (viel Geld) obliegt dem Einzelnen.
        Wenn sie die Wirtschaftliche Entwicklung von Staaten anschauen in denen keine/sehr wenig Privatwirtschaft existiert sehen sie den Vorteil dieser Wahlfreiheit.

        • Urs sagt:

          Hr. Müller, woher blos kommt dann die Aussage “Sozialismus für Unternehmen… oder Sozialismus für Reiche..” wenn doch die Privatrechtlichen und Indivdiuellen Entscheide per se eine höhere Wertigkeit haben als Staatliche…?

          Oder anders, wer bedient sich am Effizientesten an den Möglichkeiten welche die Staatliche Macht bietet? Die Bürger, die Zivilgesellschaft allgemein, die Unternehmen und deren Verbände, bestimmte Berufsgruppen oder bedient sich der Staat einfach nur an sich selber wie ja so mancher glaubt…

          Gerade die USA als stetiger Vorzeigefaktor ist sehr zentralistisch aufgebaut. Besonders wenn es um die Expansion der Macht und somit auch künftiger Umsatzkanäle im Ausland geht… die EU tut es gleich und selbst hier in der Schweiz geht das meiste nicht ohne Unterstützung aus Bern…

          Das globale Rahmenwerk an das sich die mächtigsten Nutzniesser halten sind die WTO Verträge… darin dürfen sich auch alle anderen bewegen

  17. Beat Waldmeier sagt:

    Die Diskussion über Sinn und Unsinn des Wirtschaftsunterrichts ist auf jeden Fall sinnvoll und ich danke dem Autoren dafür. Es ist tatsächlich die Gefahr besonders bei der Vermathisierung des Stoffes gross, die logischerweise reduzierten Modelle der VWL als die absolute Wahrheit darzustellen und zu vergessen, dass Wirtschaftskreisläufe hochkomplexe Systeme sind. Wer das weiss, dem ist klar, dass Zukunftsmodelle gar nicht den Anspruch haben können, die Zukunft fehlerfrei zu erkennen. Und überhaupt: Es wird für alles immer einen geben, der das vorausgesagt hatte, nur nützt das in der Gegenwart nicht viel….

  18. Andres Müller sagt:

    Die Volkswirtschaftslehre ist in höchstem Mass ein Politikum, nicht nur weil sie vorwiegend aus nicht exakten Wissenschaften zusammengesetzt ist, sondern weil es bei Ökonomie um existenzielle Grundlagen geht, bis hin zu ethisch -moralischen Dimensionen. Blocher glaubt zum Beispiel, dass Wirtschaftsethik, da keine exakte Wissenschaft -überhaupt nicht gelehrt werden solle. Er unterschlägt dabei, dass die von ihm immer wieder zitierte “Wettbewerbsfähigkeit” innerhalb von Regeln geschieht, die auf aktuellen Geldtheorien basieren. Bevor man Volkswirtschaft zu unterrichten beginnt, sollte zuerst die Geschichte der Geldtheorien besprochen werden. Die aktuellsten Geldtheorien enthalten neoliberale Konzepte und sie sind gültig weil die Politik nach ihnen operiert. Die Studenten müssen zuerst einmal lernen dass Wettbewerb unter jeder Geldtheorie eine andere Bedeutung erhält, weil Geldtheorien kulturspezifische Massstäbe ansetzt. So muss eine Firma, je nachdem in welchem Kulturkreis sie operiert ihre Strategie ändern im Hinblick auf ihre Wettbewerbsfähigkeit. Um das zu verstehen studieren Sie am besten einmal die Geschichte von Konzernen, die es schaften einige Jahrzehnte bis Jahrhunderte zu überleben. Tun Sie das zum Beispiel mit der Krupp Industriellenfamilie. Sie werden dann sehen, Wettbewerbsfähigkeit ist in hohem Mass von Kultur und Politik abhängig. Es ist einfach nicht wahr was Blocher sagt, dass Wirtschaftsethik keine Lehrberechtigung habe, dass zum Beispiel ein Thielemann überflüssig sei und das Marktwirtschaft an sich (Zitat Blocher) “Marktwirtschaft ist ein hochethisches Prinzip” sei. Blocher wehrt sich dagegen der Wirtschaft Rahmenbedingungen zu setzen durch den Staat, tatsächlich versucht er aber höchst selbst seine Vorstellungen als Unternehmer der Ökonomie aufzudrängen. Ein reines lazes faire der Wirtschaftsehik ausschliesslich in die Hände von Unternehmern, führt zu Sklaverei. Das geht aus der Wirtschaftsgeschichte der “alten” und neuen Welt hervor. Es müssen den Unternehmern Bedingungen gesetzt werden, etwa was die Rechte der Arbeitnehmer anbetrifft und in der Ökologie, etwa Vortschriften zum Umgang mit Ressourcen und der Umwelt. Es ist nicht nur Unethisch wie auch Blocher glaubt, dass maroden Banken mit allen Mitteln das Überleben garantiert wird, es ist auch die soziale Dimension eines drohenden Konkurses zu berücksichtigen. Ökonomen wie Kruman (und auch Herr Hildebrand) haben darauf hingewiesen dass den Banken zu wenig Eigenmittel abverlangt wurden, aber der Herr Blocher möchte nun nicht nur die neuen Basel III Regulierung aushebeln, er möchte überhaupt keine Regulierung, wer es dann nicht schafft soll halt untergehen. Bocher möchte die Unternehmer zu den alleinigen Trägern von Ethik machen, wer Erfolg hat bestimmt die Ethik. Damit tut Blocher das was er den Wrtschaftsethikern vorwirft, nämlich das kurzfristige Denken priorisieren. Blocher will die SNB durch Leute wie Oswald Grübel ersetzen, welcher zusammen mit Joe Ackermann die Basel III Regulierung aufgeweicht und verzögert hat.

    An den Schulen sollte ausführlich die Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftsethik sowie die kulturellen Grundlagen der Geldtheorie gelernt werden, denn dazu haben sie beim Eintritt in einen Konzern meistens keine Zeit mehr. Ich denke hier liegt das grösste Defizit, mangelndes Wissen in Wirtschaftsetik und sozio -kultureller Relevanz des ökonomischen Handelns führten aus meiner Sicht massgeblich zur Finanzkrise. Es muss an die Studenten auch die Frage gestellt werden, welche Anforderungen die Demokratie an die in der Wirtschaft tätigen Menschen einfordert, Stichworte Transparenz und Bundesverfassung, gesetzliche Grundlagen von Praktiken.

    Bereits beim Eintritt in eine Firma sollte den Menschen klar werden was die konkreten praktischen Vorgaben bewirken denen sie beim Stellenantritt begegnen, sie sollten auch bereits ihre Stellensuche nach Kriterien der Wirtschaftsethik und Ökologie organisieren können. Auch was das Lernen von praktischen konkreten Vorgängen anbetrifft, muss immer wieder auf die Folgen in einer Gesellschaft aufmerksam gemacht werden. Nach dem Stellenantritt ist sowiso jede Praxis denen der neue Mitarbeiter begegnet, ein Sonderfall, das kann gar nicht in der Schule alles vorweg genommen werden. Hier wäre es sinnvoll einige Wochen Praktikum absolvieren zu können, wozu die Konzerne durchaus noch mehr Hand bieten sollten.

  19. will williamson sagt:

    “Blocher glaubt zum Beispiel, dass Wirtschaftsethik, da keine exakte Wissenschaft -überhaupt nicht gelehrt werden solle.”

    Haben Sie mitbekommen, dass er sich vor einiger Zeit an der UNISG als Nachfolger von Professor Ulrich für den Ethik-Lehrstuhl beworben hat?

    • Andres Müller sagt:

      Natürlich habe ich davon gehört, ich war gegen Blochers Kanidatur aktiv.

      Blocher: “Wirtschaft ist ethisch, sonst ist es keine Wirtschaft. [Rollt mit den Augen] Was aber völlig überflüssig ist, das sind die Lehrstühle. Ethik ist auch keine Wissenschaft.”

      Frage an Blocher: Weshalb wollten Sie dennoch Ethikprofessor in St.  Gallen werden?

      Blocher: “Der Lehrstuhl besteht nun einmal!” [...] ….[fuchtelt mit den Händen]“.

  20. Bravo für die Aussage des Artikels. Wirtschaft sollte “konstruktivistisch” unterrichtet werden: Den Umgang mit Modellen und Annahmen üben: deren Analyse, Kritik, das Erstellen eigener Modelle, die Konfrontation verschiedener Modelle, und das Untersuchen der praktischen und politischen Folgen eines bestimmten Denkens. Also nicht Wahrheiten lehren, sondern das Denken schulen.

  21. Rudolf Mühlemann sagt:

    Der Artikel von Markus Diem Meier bringt es auf den Punkt. Meiner Meinung nach muss der Bereich “Ökonomie” auch währen der gesetzlichen Schulpflicht behandelt werden. Natürlich immer altersgerecht. Wenn das gut, also praxisnah, gemacht wird, stellt sich der Lernerfolg fast automatisch ein. Die SchülerInnen merken, wie spannend und wie wichtig der Faktor Wirtschaft im Leben
    von uns allen in Tat und Wahrheit ist. Leider ist dieses Fachgebiet von linken Ideologen, oder, was noch schlimmer ist, von linken Idealisten, dämonisiert worden. Finden sich also genügend Lehrpersonen, die das Thema “Wirtschaft” behandeln können und wollen?

    • Urs sagt:

      Linkes Gedankengut in Unterrichtsmaterialien wo diese doch teils von den Branchenverbänden gesponsort werden und ganze Lehrstühle von Unternehmen finanziert werden…?

      Liberaliserte Märkte als das ultimative Ende der Gesellschaftlichen bzw. Oekonomischen Entwicklung betrachten… und dann?

  22. Anita M. Dürr sagt:

    Markus Diem Meier hat Recht: Oekonomie heisst in der Berufslehre “Wirtschaftskunde”, Volkswirtschaftslehre an Fachhochschulen, und fristet ein klägliches Dasein, wenn die Lehrperson es nicht fertigbringt, die Theorie direkt mit aktuellen Vorgängen zu verbinden. Dann allerdings werden die Lehrlinge wie Studenten plötzlich interessiert, fragen nach, informieren sich und merken, wie sehr sie das alles persönlich betrift und was für Möglichkeiten/Werkzeuge sie haben/bekommen.
    ABER: Genau DAS wollen die Lehrmeister nicht! Ein Lehrling, der etwas versteht, das der Meister nicht versteht…. Das geht doch nicht!! Es geht also nicht um die Sache, sondern um persönliche Eitelkeiten. Und das geht bis hinauf in die Politik, in die Berufsbilldungsämter und Verbandsspitzen. Dass dadurch das ganze Land Schaden nimmt, weil KMU-Chefs, Gewerbler einfach nicht verstehen was abgeht, nicht merken, wenn Politiker sie belügen, nicht einsehen, wie wir vom Ausland abhängen, usw. – egal – Hauptsache ich bin im FACH gut. Bloss reicht das eben nicht, um – wie das jüngste Beispiel zeigt – z.B. zu verstehen, was eine Nationalbank ist, welche Funktion sie hat und dass der Kauf von ein paar US$ nichts mit Insidergeschäften zu tun haben kann.
    Und so fallen wir alle gemeinsam auf die Schnauze, weil wir uns schlicht weigern, mehr Wissen zu haben, hören auf die mit der grössten Klappe und jammern hinterher. Markus Diem Meier hat zu 150 % Recht!!

  23. Taric Trent sagt:

    Anstatt mit Menschenbildern, Glaubenssätzen und mathematischen Modellen die Studenten zu verblöden und ihnen stupide Apologetik des Handels als essentielle Erklärungen des Wirtschaftssystems/der Menschennatur zu verkaufen wäre mit Smith, Ricardo und Marx anzufangen dem Gegenstand wie der Wissebegierigkeit der Schüler angemessen.

    • Baer sagt:

      @ Trent: Adam Smith war – gemessen an heutigen Massstäben – linksradikal, das darf man heute gar nicht mehr unterrichten, nur noch kontextlos zitieren (Unsichtbare Hand, etc. etc.). Was schrieb Smith? Arbeitsteilung mache dumm und ignorant und müsse staatlich eingeschränkt werden, Unternehmer seien die denkbar schlechtesten Politiker, Staaten seien dafür da, die Reichen vor den Armen zu schützen, Gesetze zum Schutz der Arbeiter seien immer gerecht, Unternehmer handeln nach verwerflichen, egoistischen Leitprinzipien. Das waren Adam Smiths Ansichten in seiner Wealth of Nations. Solche Gedanken darf man jungen nicht in die Köpfe setzen. Sie müssen lernen, Adam Smith anzubeten. Lesen sollen sie ihn nicht. So läuft das.

  24. nico.cazzetig sagt:

    boah, das (neue) proletariat schlägt zurück! es haben sich mittlerweilen einige änderungen in der REALEN welt zugetragen. für provinzos und dinos steht es ziemlich schlecht. man liest hier fast nur wunschdenken , schadenfreudigkeit und es kommt ab und zu auch der tenor vor “hach, was hat die schweiz im ausland bewerkstelligt in der vergangenheit…welche grössen” eben in der vergangenheit. europa ist hoffnungslos überaltert, produktionen sind ausgelagert worden, arbeitsplätze verloren gegangen (uh ja richtig die wirtschaft, bitte welche wirtschaft?????) jeder auf der erde macht den gleichen mist und hofft ihn gewinnbringend zu verschachern. die 75000 (ja richtig) italienischen arbeitnehmer welche jeden tag ins tessin kommen sind von sich aus (!!!!!!) gekommen. macht nur nicht das es den leuten der kragen platzt, sonst ist es dann aus mit cüpli- und happy-hour-mentalität

  25. H.Trickler sagt:

    “Das Elend der wirtschaftlichen Bildung” vermag am Freitag den 13. Hinz und Kunz allesamt zu kompetenten Kommentatoren aufsteigen.

    Dass die Schulbildung junger Eidgenossen des den früheren Vorsprung zu anderen Ländern insgesamt eingebüsst hat kümmert dagegen wenige.

  26. Ein sehr informativer Beitrag. Ein weiters Problem ist, dass Lernpläne auch punkto Aktualität und Praxisbezug je länger je mehr nicht mehr mitzuhalten vermögen. Dies wirkt sich gerade in dynamischen Themen wie Marketing, E-Commerce oder Personalwesen nachteilig oder je nachdem sogar schädlich aus. Der Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Weiterbildungsinstituten und Dozenten aus der Praxis ist äusserst wichtig, sonst vergrössert sich der Gap zwischen Lerntheorie und Wirtschaftspraxis immer mehr und die Lerninhalte verlieren an Wert und Nutzungsqualität – zum Nachteil Studierender, die dafür viele wertvolle Zeit investieren.

  27. Ergänzung: Wirtschaft ist keine Mathematik. Anstelle von komplexen in der Praxis ohnehin meistens versagenden und untauglichen Modellen und Philosophien sollte das Verständnis für die aktuelle Praxis und das permanente und empirische Lernen aus dieser im Vordergrund stehen.

  28. Fredy Marty sagt:

    Dass der SNB Präsident VW-Kenntnisse als Grundlage für seine Tätigkeit benötigt (bzw. für seine Wertschöpfung) ist klar. Die wenigsten generieren aber Wertschöpfung mit VW – mehr Wertschöpfung bringen da wohl eher Kenntnisse von Biologie, Chemie ev. auch Latein (bspw. in der Medizin). Volkswirtschaftlich ergibt sich wohl ein höher Nutzen, wenn die Schüler Chemie etc. lernen (d.h.der Lehrplan darauf ausgerichtet ist). Die durchaus interessanten Zusammenhänge und Theorien der VW kann man sich ja in der Freizeit zu Gemüte führen. Zum Verstehen der News und um ein bisschen Mitzuplaudern genügt das alleweil.

  29. Era Dam sagt:

    “Die Ökonomie des Schenkens” oder wie mit Gutscheinen der SNB der Schweizer Franken verwässert, Volksvermögen vernichtet und die Bilanzen von Bund und Kantonen geschönt werden, wäre bspw. ein instruktiver Blogbeitrag im Sinne von praktischer (volks-)wirtschaftlichen Bildung. NMTM, bitte übernehmen Sie!

  30. karl manz sagt:

    Der Professor hat recht. Was an der Harvard Business School gepredigt wird ist unwissen. Das Grund Problem ode Root Cause in der Wirtschaft und in der Politik ist die Tatsache dass ehrlichkeit ueberhaupt keinen Stellenwert mehr hat. Es wird gelogen, gestolen und manipuliert im grossen Stil. Wir kommen aus diesem Mist nicht mehr heraus, Harvard oder was auch immer. Siehe Bush, Clinton, Obama. Das sind alles Luegner im grossen stil. Im Grunde hat auch Dr. PH mit Wahrheit umzugehen Schwirigkeiten gehabt.

    • Andres Müller sagt:

      Ich denke auch das im Kern gelehrt wird auf Ethik zu pfeiffen, indem man dezidiert mitteilt dass ethisches Denken eine Schwäche beim täglichen Wettbwerb sein könne. Das Fach Wirtschaftsethik wird vornehmlich genutzt um solche Schwächen zu erkennen und zu vermeiden. Deshalb wird von anderen Professoren unablässig über die Thielemänner gespottet. Sozialisten, so steht es im Raum -wenn’s nach Thielemann gehen würde hätte man morgen ein alle verarmendes Gutmenschentum oder den real existierenden Sozialismus.

      Wie wenn ein Bankräuber um die Gepflogenheiten von Schalterbeamten kennen zu lernen einen Kurs in Bankkundenberatung nehmen würde, wird Wirtschaftsethik besucht um das Gegenteil zu erreichen, nämlich die Vermeidung von Ethik beim Geschäft.
      Es heisst, würde man auf die Ethiker hören, so hätte man die sichere Medizin um überall den schwarzen Peter zu ziehen. Deshalb wird empfohlen, die Wirtschaftsethik zwar zu besuchen -sie aber zu nutzen wie ein Tiger der darin geübt sein muss das schwächste Opfer zu erkennen um erfolgreich bei der Jagd sein zu können. Die Spieltheorie gibt dazu den passenden Rahmen, der Student lernt wie ethisches Verhalten im Spiel der Realwirtschaft den Untergang bedeutet. Manchmal werden an den Uni unter der Hand kurose Theorien verbreitet, zum Beispiel mit Hinweis auf Israel. die Juden hätten gelernt sich zu verteidigen und würden daher nicht mehr zum Opfer, und das würde sch nun auch in der Ökonomie zeigen, wo Juden sehr oft die Nobelpreisträger stellen. Tilo Sarrazin -schon gelesen?

      An der HSG St. Gallen gab es in letzter Zeit Informationsveranstaltungen die darauf hinaus laufen die Demokratie als zu schwerfällig beim Lösen von Wirtschaftsproblemen darzustellen, was auch für die Wirtschaftsethik gilt -dass diese verzögernen Enfluss hätte -wer über Ethik nachdenkt verpasst die Realität -so der Tenor zu dem oft auch Politiker aus Bern anreisen.

      Solche Anti- Wirtschaftsethik zahlt sich in barer Münze aus. Einer der Grossmeister dieses Fach heisst Joe Ackermann. Mit seinem Institute of International Finance IIF, dem unter anderem auch der Blocher-Banker Oswald Grübel angehört, hat er erfolgreich Basel III verzögert und abgeschwächt und in der Schweiz kann man darauf zählen dass die Blocherei Grübel irgendwo in die Beamtenspitze einschleusen will. der jüngste Streich war heute die angedrohte Ablehnung des “freiwilligen” Schulden-Cutting für Griechenland. Die Spieltheorie bewegte die Dame in Position um den Bauern zu schlagen. Man lernt zu lügen, indem man sagt man würde noch Bedenkzeit benötigen -in Wirklichkeit dient das dazu den Bankrott der Griechen abzusichern um die CDS Versicherung auslösen zu können, oder um von der EZB Kreditgeschenke zu erheischen. Gleichzeitig nutzt man Hebelpapiere um gegen den Euro zu wetten, zumindest sind bei einst von geretteten Banken Papiere im Umlauf mit denen man gegen die eigene Währung wetten kann.

      Ich denke, um die Wirtschaftsstudenten zu retten, muss man z.B. darauf verzichten solche Banken zu retten die Hebelpapiere gegen die eigene Währung handeln. Mir erscheint es immer wichtiger bei den Banken ein Exempel zu statuieren. Man sollte die Konzerne zerschlagen und ihre Lobby derart durchleuten, wie man das auch bei Islamisten tun muss. Ich halte Banker für ebenso gefährlich wie Islamisten -vermutlich sind sie sogar weit gefährlicher. Der Staat sollte die Geldstöme der Banken auf Schwarzgeld durchleuchten und auf Währungsgeschäfte. Die CEO von “to big to fail” Banken könnte man durch Wirtschaftsethiker ersetzen.

  31. Michael Schwarz sagt:

    Es ist wieder mal Zeit über die Vergangenheit nachzudenken. Die heutigen Studenten sind pragmatisch, realistisch und Fantasielos. Sie haben kein Interesse an der Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft, hauptsächlich hat man Diplom in die Tasche, danach wird man Geldverdient, wenn man Glück hatte, wird man zum CEO XY Konzern, bekommt man die Gelegenheit Mio. oder Milliarde zu veruntreuen – Demokratie, unbekannt.

    Quantitive Finance und Financial Engineering, das sind Zauberworte des modernen Cityboys. The Risik Controlling and Risik Modelling sind die Methode, die der Cityboy anwendet, das Geld der Steuerzahler und Kunden abzunehmen – die Schäden gehen in die Billion Bereich. Geändert wird es nichts, warum auch wenn die Zentralbank den Banken stützen wird mit billigem Geld.

  32. Eva Einstein sagt:

    Lehrpläne mit Löcherun für Wirtschafts-Wissen,, Wie aber steht es denn mit unserer politischen Grundbildung.
    Machen sie eine Umfrage, fragen sie den einfachen Bürger auf der Strasse wie direkte Demokratie den wirklich funktioniert.
    zwei drei Fachausdrücke und die Fragezeigen in den Gesichtern nehmen Ueberhang. Eigentlich ein Armutszeugnis für Bildungsland Schweiz. Das Vertrauen in die Politik sinkt mit dem schwindenden Interesse am Urnengang, Ausrede – die da Oben machen ja doch was sie wollen, wie oft hörten wir genau diesen Satz in Arenas und töglichen Krisen-Talks!

  33. Michael Schwarz sagt:

    Das Modell der vollkommenen Konkurrenz ist das Ende eines sozio-ökonomischen Systems. Wir bewegen uns in dieser Richtung des vollkommenen Marktes durch der Beschleunigung der Globalisierung. Das ist auch der Grund warum das System instabil wird. Die Einkommensverteilung von Unten nach Oben wird durch das Streben nach vollkommen Markt beschleunigt.

    Von sozialökonomischem Aspekt betrachtet ist das vollkommene Konkurrenz Modell nicht nur nicht gibt, auch falsch, bzw. dies führt den Untergang einer Gesellschaft – Kriege und Raub sind die Folge. Eine Gesellschaft, die reibungslos funktioniert, benötigt einen Portion des Ungleichgewichts, somit das System stabil funktioniert – das bedeutet nicht ein System nur noch aus Ungleichgewicht bestehen soll, wenn ein System zu stark in der Richtung des Ungleichgewichts bewegt, kann es zum Systemkollaps führt.

  34. Max Marta sagt:

    @Markus Diem Meier
    VIelen Dank für den Artikel. Welche Literatur würden Sie denn einem interessierten Laien empfehlen, der die Grundzüger der Volkswirtschaft verstehen, sich aber ein zusätzliches Studium ersparen will?

    • Baer sagt:

      Für einen Mainstream-Einstieg würde ich (Wirtschaftslehrer am Gymi) Ihnen das verbreitete Gymi-Lehrbuch “Volkswirtschaft verstehen” von Eisenhut empfehlen. Juristen in an der UZH lernen auch damit VWL. Kaum Mathe, alles ein bisschen drin, nach wichtigen Themen gedliedert.

      • Urs sagt:

        Hallo Baer, ich vermisse neue Einträge in Ihrem Blog… wenn ich das grad mal so direkt sagen darf….die bestehnden habe ich alle durchgelesen…. aber, nur nicht hetzen lassen :-)

      • Max Marta sagt:

        Vielen Dank für die Antwort!
        Nun bin ich ein wenig verwirrt. Meinen Sie “Volkswirtschaft verstehen” von Bernhard Beck oder “Aktuelle Volkswirtschaftslehre” von Peter Eisenhut?
        Merci.

        • Baer sagt:

          Pardon Max Marta – Aktuelle Volkswirtschaftslehre meinte ich. Das Buch von Beck ist inhaltlich zwar besser, es erklärt die Begriffe besser und liefert mehr Hintergrundwissen und Beispiele, aber es ist viel dicker. Ideologisch ist Beck überdies spürbar “offener” als Eisenhut, wenn man das so sagen darf. Aber Eisenhut ist schneller gelesen.

          @ Urs: Das freut mich, dass sie sich damit befassen. Leider habe ich weniger Zeit, als ich für den Blog gerne hätte. Aber vielleicht interessiert Sie diese Website, die ich momentan mit Hilfe einiger Makroökonomen der Unis Lugano und Fribourg bastle. Einfach auf meinen Namen klicken.

  35. Blogverfasser: Dr. Fred von Gunten, Master of Economics, Universität Sydney und dipl. Handelslehrer, Universität Zürich. Senior Researcher, Strategie und internatio¬naler Wettbewerb, Universität Freiburg. Email: alfred.vongunten@unifr.ch.

    Die von Markus Diem Meier angesprochene Problematik ist ein Weltproblem, nicht nur in der Schweiz bestehen Schwierigkeiten, diese finden sich in sämtlichen Län¬dern. Immerhin ist zuzugeben, dass heute im Fachbereich Wirtschaft und Gesell¬schaft (W + G oder auch W + R) an Gymnasien und Berufsschulen Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge vermittelt werden. Ob diese ausreichen, darüber lässt sich streiten.

    Nachstehend folgen Kommentare zu einigen der gemachten Aeusserungen.
    Weshalb nimmt das wirtschaftliche Verständnis nicht zu? Diem Meier nennt einige Gründe, u.a. „dass Vorurteile geschürt oder bestätigt werden … beispielsweise durch das „(mikroökonomische) Modell der vollkommenen Konkurrenz oder das Menschenbild des «Homo oeconomicus», welche als ein Abbild der Realität dargestellt werden.“

    Von der Textbuchversion der Neoklassischen-Analyse kommt die Forschungsliteratur je länger desto mehr weg. Leider ist es so, dass zu viele Lehrmittel auf der Sekun¬darschulstufe II sich noch vorwiegend, um nicht zu sagen ausschliesslich, auf dieser Ebene bewegen, bei den Fachhochschulen dürfte dies wesentlich weniger der Fall sein.

    Die Hauptschwierigkeit liegt darin, dass die Wirtschaftswissenschaften seit langer Zeit mit der Methodologie des Reduktionismus Schwierigkeiten haben und nur mit einer sehr grossen Zeitverzögerung Aenderungen nachvollziehen, welche in den anderen Wissenschaftsdisziplinen bereits vor langer Zeit eingetreten sind. In den Lehrplänen auf der Sekundarschulstufe II ist diese Problematik notgedrungen in „verdünnter Form“ so lange zu finden, bis sich oben endlich etwas ändern wird. Ueber die Ausbildung der Lehrkräfte müssten sich diese Aenderungen auch unten bemerkbar machen, eine Erscheinung, welche bis heute leider unerfüllt geblieben ist.

    Mit den in der Textbuchökonomie dargestellten Modellen lässt sich keine vernünftige Markt- und Wettbewerbsanalyse durchführen, selbst wenn dies nach wie vor von vielen behauptet wird. Allerdings wäre es zweckmässig, den jungen Menschen die Vorzüge und die Grenzen reduzierter Analyse im Detail zu erklären, wozu auch die Praxis des „Tiefer Eindringens in die Materie“ gehört. Dies hängt auch damit zusammen, weil diese Analyse den Wettbewerb in der Praxis gar nicht erklärt, – dazu sind umfangreiche Fallstudien erforderlich, – sondern zunächst als eine Allgemeine Wirtschaftsordnungsanalyse darzustellen ist. Weil diese Problematik nicht einmal an Universitäten Gegenstand des Lehrplanes ist, dürfte es noch eine Weile dauern, bis sich diese Einsicht selbst auf der Ebene der Sekundarschule II durchsetzen wird.
    Bereits vor drei Jahrzehnten haben sich einige Forscher über diese Problematik auf¬gehalten und sind dabei zum Schluss gekommen, dass es sich bei dieser Analyse um eine „messy area“ = d.h. kein klar strukturiertes Gebiet handelt. Heute ist leider zu folgern, dass die Situation wesentlich schlimmer geworden ist, weil überhaupt keine Uebereinstimmung vorhanden ist. Damit nimmt natürlich die Gefahr von Krisen zu, zumal die Politik von der Wissenschaft beeinflusst wird.

    Diem Meier erwähnt „drei (nicht abschliessende) Punkte, die beim Wirtschaftsunterricht seiner Ansicht nach mehr Beachtung finden müssten“:

    • Der Fallstudienansatz ist heute weit verbreitet und findet auf mehreren Ebenen Anwendung. Damit lassen sich bereits wesentliche Verbesserungen errei¬chen. Allerdings müssen die Grenzen dieser Methode aufgezeigt werden (diese sind als Teil eines Ganzens darzustellen, vgl. unten). Schliesslich sind die Fallstudien dem entsprechenden Lehrniveau anzupassen.

    • Diem Meier beklagt die Tatsache, weshalb „Themen wie die ganz konkrete Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank nicht im Stoffplan enthalten sind.“

    Ueber die Lernplattform der SNB „iconomix.ch“ ist Einiges gegangen, allerdings wird das Ganze hier auch nicht angesprochen, obwohl gerade diese Institution wesentliche Mittel zur Verfügung hat, welche anderswo nicht vorhanden sind. Historisch wäre es ausserdem angezeigt, die Mängel der extremen monetaristischen Analyse, wel¬che von 1974 – 2000 die Politik der SNB bestimmte aufzuarbeiten und den jungen Menschen zugänglich zu machen. Die Schweiz ist in dieser Beziehung zu Recht stark kritisiert worden und es dauerte mehrere Jahrzehnte, bis diese extreme Auffassung überwunden werden konnte. Viv Hall, damals in Sydney und heute Dozent an der Universität in Wellington erklärte dem Autor des Blogs „wir können unsere Arbeitslosen nicht in die Tasmanische See hinausschieben, so wie die Schweizer die ausländischen Arbeitslosen über die Grenze abschieben“.

    • Auf Grund der gemachten Erfahrungen hängt dies nicht nur von den Lehrplänen ab, sondern auch von den zur Verfügung stehenden Lektionen und den verwendeten Lehrmitteln. Der Blogger-Verfasser hat mehreren Gymnasien und Berufsschulen anerboten, an solchen Lehrmitteln zu arbeiten und diese im Unterricht zu testen. Leider hat man es vorgezogen, veraltete Lehrmittel weiter zu verwenden und in einem Fall die vorhandenen Bestände im Keller aufzubrauchen, bevor über zweckmässigere Lehrmittel reflektiert wird. Diese fallen nicht von selbst vom Himmel, genau so wie das Manna in der Bibel auch nicht.

    • Diem Meier’s Aussage, „Sozialwissenschaften (wozu die Ökonomie zählt) sind keine exakten Wissenschaften“ ist an und für sich richtig.

    Allerdings wird damit nicht versucht, „die extrem komplexe Realität gesellschaftlicher Entwicklungen mit Modellen möglichst gut abzubilden“. Mit Verlaub, hier ist es über das letzte Vierteljahrhundert hinweg vor allem darum gegangen, eine bestimmte Ideologie, in diesem Falle die laissez-faire Marktideologie möglichst früh unter die Leute zu bringen (das sog. Marktmodell). Ansonsten wäre die zu Ende gehende Neo-Liberale Phase gar nicht möglich gewesen. Was heute bei der Ernennung eines Dozenten an einer akademischen Institution zählt, ist die Anzahl Publikationen, wel¬che ein Kandidat/In vorzuweisen hat, genau nach diesem Muster, welches hier beklagt wird: „Die Studierenden müssen verstehen, dass die zu lernenden Modelle keine Naturgesetze darstellen, sondern historisch gewachsene Versuche sind, die Realität möglichst gut abzubilden und dass diese Modelle im Lauf der Geschichte stets auch weiter ergänzt, modifiziert und einige auch verworfen wurden – und dass diese Geschichte nie zu Ende ist.“ Diese Einschätzung ist zwar richtig, aber unvoll¬ständig, die reduzierten Modelle entsprechen der reinen Analyse und müssen in die anderen Sub-Systeme des Nationalstaates integriert werden. Die Forschungsliteratur ist voll von diesem und jenem, nur die Erklärung des Ganzen hat es bisher äusserst schwer gehabt und in der Schweiz will man davon überhaupt nichts wissen. Ausserdem befinden sich darunter Ansätze, welche als falsch einzustufen sind – gerade diese M.E. Porter Analyse ist so ein Fall, – aber darüber gebietet es sich an dieser Stelle nicht zu sprechen.

    • „Die Schulen (über ihre Lehrpläne) und die Dozenten müssen die Studieren¬den dort abholen, wo sie sind.“
    Diese Aussage ist richtig, Lernende sollten nachvollziehen können, wer was sagt und mit welchem Hintergrund und vor allem, wo sich die Leute befinden. Dafür müssen jedoch die Konturen und die verschiedenen Niveaux eines Wirtschaftssystems zur Verfügung stehen, ansonsten geht dies nicht. Die Lehrkräfte bringen diese Voraussetzungen in den meisten Fällen noch nicht mit, zumal sie in der Ausbildung mit glei¬chen oder ähnlichen Konzepten konfrontiert werden, wie dies in der Fachausbildung der Fall ist. Dem Autor dieses Blogs ist es in der Handelslehrerausbildung in Zürich auf jeden Fall so ergangen, wo nach dem Prinzip „alter Wein aus neuen Schläuchen“ doziert wurde.

    • „Abgesehen von den Fachleuten, kann kaum einer ökonomischen Diskussion folgen, nur wenige verstehen die Wirtschaftsberichterstattung.“

    Diese Aussage ist richtig, bildet jedoch keine grosse Ueberraschung, solange fundamentale Einsichten unterdrückt und be- und verhindert werden. Im Endeffekt ist von einem organisierten sozio-ökonomischen Wirtschaftssystem auszugehen und an dieser Konzeption beissen sich die Leute seit langer Zeit die Zähne aus. Es kann doch etwas nicht stimmen, wenn während zwei Jahrhunderten Analyse gemacht wird und eine solche Konzeption nur zwischen den Zeilen oder in besonderen einge¬weihten Zirkeln diskutiert wird, so wie dies bei den Angelsachsen der Fall war. Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung will von einer solchen Konzeption nichts wissen und stellt auch keine finanziellen Mittel zur Verfügung, der Autor dieses Blogs kann darüber ein ziemlich langes und trauriges Lied singen.
    Erst im Moment, wo das Ganze, d.h. ein organisiertes sozio-ökonomisches Wirtschaftssystem in den Vordergrund gerückt wird, beginnen ein Teil der verschiedenen Modellansätze überhaupt Sinn zu machen.
    Die Breite wäre auf der Sekundarschulstufe II vorhanden, diese müsste jedoch ausgenützt werden, um der Problematik Herr zu werden. Auf der Ebene der Fachhoch¬schulen ist von der gleichen Problematik auszugehen, sofern überhaupt eine ver¬mehrt praxisorientierte Ausbildung erreicht werden soll. In den Wirtschaftsbereichen ist dies leider auch nicht der Fall, bald 20 Jahre nach deren Einführung wird dort über eine „zu akademische Ausbildung“ gejammert, der entgegengewirkt werden soll. Diese dürfte so lange anhalten, bis man selbst dort zugibt, dass bei der Analyse von einem Wirtschaftssystem auszugehen ist.

    • „Wenn man die Leute dort abholt, wo sie sind, dann sind sie in aller Regel begeistert vom Fach Volkswirtschaft.“
    In der Analyse von Wirtschaftssystemen deckt die Volkswirtschaft vor allem die Oberseite ab, jene Bereiche, die sich innerhalb befinden, sind Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre und der Industrieanalyse. Da sich beide Bereiche gegensei¬tig ergänzen, wird der übliche bestehende Knatsch zwischen diesen Disziplinen überflüssig. Die Volkswirte erdreisten sich ohnehin, in den Bereich der BWL hineinzudringen, ohne die damit bestehenden Probleme anzusprechen. Bei den Lehrlingen und den Gymnasiasten wäre dies ja gerade der (Lehr)Betrieb, aber die BWL ist in diesem Bereich äusserst schwach bestückt und hat ausserordentlich Mühe, neben dem Bestehen von Wahrnehmungsproblemen die Perspektive in Richtung eines Wirtschaftssystems zu erweitern. In einem Drei-Ebenen Wirtschaftssystem wird dieser Mangel behoben. Es ist diese Konzeption, welche die Zukunft nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Vermittlung von wirtschaftlichen Kenntnissen auf der Sekundarschulstufe II dominieren wird.

    Markus Diem Meier hat auf dem zweiten Bildungsweg studiert und konnte damit die Praxis aus eigener Anschauung kennenlernen, so wie der Autor dieses Blogs ebenso. Aber damit ist es leider nicht getan. Das Problem geht tiefer. Auf der Ebene der Sekundarschulstufe II ist zwar – das letzte Mal vor der Tertiären Ebene – die Möglichkeit der Breite vor der Tiefe vorhanden (auf der tertiären Stufe steht vor allem die Tiefe im Vordergrund). Diese wird entweder nicht oder dann zu wenig ausgenützt, Diem Meier hat einige der Gründe dafür aufgezeigt. Von der Hauptproblematik hat er jedoch nicht gesprochen. So wie bisher verschiedentlich aufgezeigt, hängt diese mit der Analyse von Wirtschaftssystemen zusammen. Die Forschungsliteratur ist Ende der 1970er anfangs der 1980er Jahre sehr nahe an dieser Problematik gewesen, der Autor dieses Blogs ist dabei wie die Jungfrau zum Kinde in diese Fragestellung hineingekommen, nachdem er eine Literaturübersicht über die bestehende Wettbewerbs- und Marktanalyse an der Universität in Sydney verfasst hatte und gleichzeitig bei der Australischen Wettbewerbsbehörde in Canberra das „Policy Concept of Mar¬ket Power and Competition“ entwickelte. Was sich danach ereignete, ist alles andere als lustig gewesen. Ohne es zu wissen, hatte er damit ein Wirtschaftssystem erklärt, das er einige Zeit später zurück in der Schweiz erlebte. Dabei traten Einsichten hervor, welche nicht nur auf der Ebene der Forschung und der Wirtschaftspolitik, son¬dern auch auf der Ebene der wirtschaftlichen Bildung auf der Sekundarschulstufe II von Bedeutung sind. Praktisch sämtliche Erkenntnisse wurden unter den Teppich gekehrt, nicht nur bei den Forschungsinstitutionen, sondern ebenso auf der Ebene der wirtschaftspolitischen Anwendungsebene. Die Schweiz ist in dieser Beziehung ein äusserst harter Brocken. Ausserdem scheut man sich nicht davor, mit kriminellen Machenschaften zu brillieren, welche im Ausland keine Chance haben, toleriert zu werden. Der auf dem Bild dargestellte Dozent an der Universität Genf gehört auch zu diesem Verein, der Platz reicht hier leider nicht aus, um diese Machenschaften auch noch darzustellen.

    Bei der Analyse von Wirtschaftssystemen ist der Hebel anzusetzen und dann dürfte sich im Laufe der Generationen die Situation nach und nach verbessern. Sofern Herr Diem Meier und auch Herr Straumann wirklich ein Interesse daran haben, dass sich etwas ändert, dann müssten Sie sich für die vorhandenen Ergebnisse und die dabei gemachten Erfahrungen interessieren.

    • Michael Schwarz sagt:

      Prof. von Gunten

      Sie forschen die Funktion des Marktes bzw. die Preisbildung seit fast 20 Jahren. Hat Ihre Forschung zu brauchbarem Ergebnis geführt? Verstehen Sie heute besser wie die Krise entsteht, wo die Ursachen sind, wie wir die Krise in Zukunft vermeiden können? Die grundlegende Frage ist es, ob ein Gleichgewicht im Markt überhaupt gibt?

      • Urs sagt:

        Hr. Schwarz, noch Grundlegender ist die Frage, wer das Gleichgewicht am Ende definiert… und wer dafür bezahlt.

        • Michael Schwarz sagt:

          @Urs:

          Gute Frage, wer und was definiert den Gleichgewichtspreis wenn die Marktmacht das Ungleichgewicht verursacht, wer sollt in der Lage sein, das Ungleichgewicht zu korrigieren. Durch der Liberalisierung des Staates kann der Staat die Korrekturfunktion nicht mehr ausführen. Das ist auch die Hauptursache der Krise und des Ungleichgewichtes.

          Hr. Prof. von Gunten kann diese Frage sicherlich beantworten. Ich bin gespannt auf seine Antwort.

    • Urs sagt:

      Hr. von Gunten; erstmal danke für den Blog-Eintrag. Ist für mich als aussenstehender doch ein interessanter Einblick in die Bildung… wen mir auch ein paar konkretere Details fehlen.

      Was ich in zahlosen ähnlichen Analysen von anderen in gleicher oder ähnlicher Position immer wieder mitbekommen habe ist eben, das primär auf die heutige aktuelle “Markt-Liberaliserung” oder anders, die missbrauchten Aussagen von A. Smith zum Thema “die unsichtbare Hand” als ultimative Gesinnung Wert gelegt wird. So wie ich und andere feststellen läuft diese Denkrichtung seit ihren konkreten Anfängen seit ca. 30 Jahren und dies so umfassend das es heute kein Land mehr gibt in dem ein alternatives Gesellschafts- noch Wirtschaftsmodell gelehrt und schon gar nicht praktiziert wird (ein paar Ausnahmen vor allem in Südamerika gibt es, doch selbst die sind nicht wirklich alternativ) in dieser Zeit hat man zahllose Gesellschaftliche Anpassungen (ich betrachte hier primär Europa) vorgenommen um diese Ziele zu erreichen… das was allgemein unter dem Begriff Neoliberal und der Umsetzung dieser Theorien zusammengefasst werden sollte.

      Für mich nach wie vor ein Armutszeugnis im wahrsten Sinne des Wortes.

      Effektive Opposition war und ist unerwünscht und ganz in diesem Sinne wurde auch die Präsenz in den Medien bequem eingerichtet die ja elementar ist um das früher erlernte nicht vergessen zu machen und/oder zu festigen. So kommt es, das bereits von jünsten Kinderjahren an die Marktgläubigkeit nach dem TINA Prinzip in uns eingeimpft wird. Dies mein Eindruck… nach und nach hat man auch zahllose Lehrpersonen (und nicht nur diese) entsprechend ausgetauscht so das möglichst konsequent “eine richtige Lehre” verbreitet wird…

      Das überaus listige an dem ganzen ist, das den Vertretern die in Massen in den Medien ihre Worte loswerden dürfen herzlich wenig entgegengesetzt werden kann weil diese überaus eloquent und logisch daherkommen. Ja in der Tat, die unsichtbare Hand ist leicht zu begreifen aber schwer zu beweisen… und findet doch unzählige Mitläufer und Fürsprecher. Selbst dann wenn man sich am Ende in das eigene Fleisch schneidet…

      Das der Mensch ganz allgemein aber denoch nicht “Neoliberal” ist bzw. sein möchte lässt sich meiner Meinung nach daran feststellen wie stark die Wähleranteile der Liberalen Parteien (den offensichtlichsten Fürsprechern der Neoliberalen Agenda) gesunken sind…

    • Sehr geehrter Herr Schwarz,

      Sie stellen mehrere Fragen, dazu einige kurze Antworten:

      1. Auf der Suche nach einer allgemeingültigen Wettbewerbstheorie – das übliche Thema bei sog. Mainstream Volkswirten – habe ich keine solche finden können, sondern bin, wie im Text erwähnt, vom Paulus zum Saulus geworden, indem ich ein organisiertes Wirtschaftssystem identifizierte. Damit wird bereits klar, dass Sie wohl oder übel als schwarzes Schaf behandelt werden, was nicht immer eine angenehme Angelegenheit ist.

      2. In einem organisierten Wirtschaftssystem, das sich laufend weiterentwickelt, gibt es wegen der bestehenden Dynamik keinen Gleichgewichtszustand mehr. Dies ist weder makroökonomisch möglich und auf der Ebene der Industrie ohnehin nicht.

      3. Die Vorstellung der unsichtbaren Hand ist ein Mythos, mit dem man vor allem die jungen Menschen und jene, welche nicht viel gelernt haben, beglücken kann. Sofern Sie Manager kennen, welche nach dieser Devise leben, lassen Sie es uns wissen. Deren Unternehmen dürften relativ rasch Konkurs gehen. Gerade deshalb ist es unverständlich, weshalb dieser Mythos nach wie vor weiter verbreitet wird.

      Sie haben allerdings Recht, solange so wichtige Personen wie Alt Fed Präsident Allan Greenspan von diesem Mythos reden, wird es rasch gefährlich (im New York Times Blog von Nobelpreisträger Paul Krugman Ende März 2011 wird darüber berichtet). Dies bedeutet, es muss unter allen Umständen aufgezeigt werden, weshalb diese Vorstellung unrealistisch ist und auf der wirtrschaftspolitischen Ebene nicht verwendet werden sollte. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es nicht gut herauskommt.

      4. Wie im Text erwähnt, sind wichtige Erkenntnisse heausgekommen, diese werden jedoch unterdrückt, weil diese den etablierten Kreisen nicht passen (auch dem Dozenten auf der Photo nicht, der war mein “directeur de thèse”). Klar dürfte sein, in organisierten Wirtschaftssystemen darf nicht einfach dereguliert werden, wie es einem so passt, ansonsten wird die Funktionsfähigkeit beeinträchtigt. Dies ist die Einsicht in der heutigen Krise. Leider wurde in den letzten zwei Jahrzehnten gerade das Gegenteil gemacht, weil behauptet wurde, “Märkte seien kompetitiv per se”, d.h. diese würden automatisch nach einem Gleichgewicht streben und Regulierung sei nur in bestimmten Fällen erforderlich. Dagegen wissen wir schon lange, weshalb Märkte im realen Bereich “nicht kompetitiv per se” sind, ansonsten fragen Sie eine Wettbewerbsbehörde. Bei den Finanzmärkten haben wir die gleichen Erfahrungen gemacht. Dies bedeutet, die Analyse ist in dieser Beziehung leider nicht richtig gewesen. Aber selbst hier gibt es viel zu viele Forscher, welche nach wie vor vom Gegenteil überzeugt sind.

      5. In der Analyse von Wirtschaftssystemen gibt es sehr viele Schwierigkeiten, eine davon ist folgende: es ist nicht sichtbar in der Wirklichkeit, weshalb solche Systeme in sich geschlossen sind, was bedeutet, diese sind oben geschlossen. Die Schweizerische Elite will dies bis heute nicht zugeben, trotz den vielen Ansätzen, welche jetzt wieder diskutiert werden. Ausserdem muss die Ebene der Betriebswirtschaftslehre einbezogen werden, damit wir vom bestehenden Zwei-Ebenen Wirtschaftssystem mit Mikro- und Makroebene zu einem Drei-Ebenen Wirtschaftssystem gelangen, dies nach bald einem Jahrhundert!

      Diese Antworten belegen eines, die Situation ist nicht so einfach, deshalb muss die Arbeit weitergehen.

      Mit freundlichen Grüssen

      Fred von Gunten

      • Michael Schwarz sagt:

        @Prof. von Gunten:

        Vielen Dank für Ihren ausführlichen Beitrag, Ihre Analyse stimmt mit der empirischen Erfahrung überein. Das ist auch der Grund warum ich frage stellen, aber bis heute keine passende Antwort erhalten habe – je mehr man weis, desto mehr Frage hat man.

        Das Problem der Unberechenbarkeit der wirtschaftlichen Entwicklung liegt in der Interaktion zwischen den Ebenen der Mikro und Makro, die wieder auf das gesamte Wirtschaftssystem auswirken wird. Bis heute haben wir die Wechselwirkung zwischen der Ebene der Mikro und Makro nicht richtig verstanden, weil die Wechselwirkung äusserst komplex ist. Deshalb gibt es heute keinen konkret theoretischen Ansatz der konjunkturellen Schwankungen – Keynes hat es nicht schafft die Ursache der konjunkturelle Schwankungen zu erklären.

        Das Verständnis des Wirtschaftssystems und der Wechselwirkung steckt noch im Kinderschuhe. Die Politiker haben offensichtlich kein Interesse an der Stabilität eignes Wirtschaftssystems, sie wollen Wettbewerbsvorteile schaffen, die technologische Entwicklung voran treiben, aber vergessen Sie dabei, alle Entwicklung und Errungenschaft auf die Stabilität eignes Wirtschaftssystem beruht, ohne die Stabilität ist die technologische Entwicklung instabil, bedroht sie jede Zeit umzukippen.

        Diese Frage sollte die Politik und Notenbanker sich stellen. Viele Verständnisse haben Sie für die Wirtschaft wirklich entwickelt.

        • Guten Abend Herr Schwarz,

          Es folgen einige zusätzliche Ergänzungen zu den gestellten Fragen. Heute ist zwischen zwei grundsätzlichen Fragestellungen zu unterscheiden:

          Einerseits, zwischen der Analyse des Wettbewerbs und darüber bestehen sehr verschiedenartige Auffassungen, neben den Volkswirten befassen sich die Betriebswirte und natürliche auch andere Disziplinen damit, beispielsweise die Soziologie etc. Da sich die Forschung auch damit befasst, was in der Vergangenheit geschehen ist, wird mit den Erkenntnissen von heute darüber reflektiert, was Adam Smith im ausgehenden 18. Jahrhundert gemeint haben könnte (Dogmengeschichte). Hier lässt sich darüber streiten, in wiefern eine solche Sicht nützlich ist, in Anbetracht der gravierenden Schwierigkeiten, welchen wir uns gegenüberstehen.

          Andererseits spielt die Wirtschaftsorganisation in den einzelnen Industrien eine Rolle, d.h. die Art und Weise wie die verschiedenen Industrien organisiert resp. reguliert werden sollen (Banken, Versicherungen, Stromerzeugung, Nahrungsmittel, Waldwirtschaft etc.; hier gibt es eine Nomenklatur der Wirtschaftsaktivitäten = NOGA, welche aufzeigt, was darunter fällt). Verantwortlich dafür ist der Staat, im Besonderen der Bundesstaat, teilweise auch die Kantone, für kleinere Bereiche wie die Abfallwirtschaft werden auch die Gemeinden tangiert. Bei dieser Arbeit wird eigentlich klar, weshalb wir es mit organisierten Systemen zu tun haben. In diesem Prozess ist selbstredend die Politik tätig, d.h. die einzelnen Parteien. Diese sind für diese Fragen mitverantwortlich, dabei hört man so ziemlich alles, was man hören kann.

          Bei der analytischen Erklärung für organisierte Wirtschaftssysteme, von denen wir zu Beginn gesprochen haben, da hapert es gewaltig. Deren analytische Struktur ist bei meinen Forschungsarbeiten hervorgetreten und diese muss schliesslich mit den anderen Sub-Systemen des Nationalstaates integriert werden. Es ist besonders hier, wo die Schwierigkeiten bestehen. Weil die Wirtschaftswissenschaften Vorrang haben, ist bei den anderen Wissenschaftsdisziplinen eine Tendenz zu beobachten, dass im Endeffekt auf die Lösung der Wirtschaftsfritze abgestellt wird. Und bei denen dominiert nach wie vor die Makro- und Mikroebene, also das Zwei-Ebenen Wirtschaftssystem. Meinerseits arbeite ich daran, dieses zu einem Drei-Ebenen Wirtschaftssystem zu ergänzen, mit Einbezug der Betriebswirtschaftslehre und der Industriekonzeption. Dies kommt praktisch einer halben Revolution gleich.

          Richtig ist, dass nach 1989 der organisierte Kapitalismus Oberhand gewonnen hat, mit all den Uebertreibungen neoliberaler Prägung, mit welchen wir uns heute herumschlagen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es eine Vielzahl von Mischformen gibt, Staatskapitalismus ist in Asien anzutreffen und natürlich all jene Volkswirtschaften in Mittel- und Südamerika, welche nach wie vor oder wieder zur Planwirtschaft zurückkehren möchten.

          Weil sich der Blog mit dem „Elend der wirtschaftlichen Bildung“ befasst, sah ich mich herausgefordert, einen Beitrag zu schreiben. Wirtschaftliche Bildung sollte keine religiösen Züge annehmen, weil sowohl eine Beeinflussung stattfindet und in mehrerer Hinsicht die Vernebelungsgefahr besteht. Beispielsweise, indem die Leute vom „freien Markt“ reden, aber gleichzeitig über wirtschaftsorganisatorische Massnahmen debattieren. Diesen offensichtlichen Gegensatz gilt es zu erklären, leider ist die Mehrzahl der Lehrpersonen dazu kaum in der Lage.

          In dieser Beziehung kann ich Sie beruhigen, mir ist es gleich gegangen, zunächst wurde ich auf die main-stream Schiene geschoben bis zum Augenblick, wo ich in „down under“ feststellen musste, dass dies so nicht zutrifft. Es war übrigens mein damaliger Chef, ein Volkswirtschaftsprofessor, welcher sagte, mit dieser Analyse stimmt etwas nicht. Und danach hat ein Lernprozess begonnen, der bis heute nicht abgeschlossen ist.

          Abgeschlossen ist jedoch meine Stellungnahmen im Blog. Good luck and good bye.

          Fred von Gunten

          P.S. Keynes ist dafür bekannt geworden, einen Mangel an Nachfrage in einer Volkswirtschaft festgestellt zu haben, von dort stammt der Begriff des Nachfragemanagements.

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