Leben


Archiv für die Kategorie „Schule“

Sind wir denn hier im Mädchenpensionat?

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 18. April 2012

Ein Papablog von Rinaldo Dieziger.

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Singende Internatsschüler im Film «Les Choristes».

Ich hatte es erfolgreich verdrängt. Und dann verloren die Bayern im Hinspiel 0:1 gegen Basel. Franck Ribéry verweigerte dem Trainer nach seiner Auswechslung den Handschlag. Uli Hoeness brüllte die Journalisten an: «Ihr und euer Scheiss-Handschlag. Sind wir denn hier im Mädchenpensionat?»

Da kam es wieder hoch. Nein, ich war nicht im Mädchenpensionat. Sondern in einem ganz normalen Internat. Sofern man ein (damals noch) von Kapuzinern geführtes Gymnasium so nennen kann. Und ja: In unserer Klasse gab es auch Mädchen. Doch die stanken. Wir waren zwölf. Sie wohnten in einem separaten Trakt. Ohne Spiegel. Nonnen dürfen sich selbst nicht ansehen. War bei den meisten besser so. Männliche Besuche wurden mit Schwanz abhacken, nein, aber immerhin mit Ultimatum geahndet: «Noch ein Mal und du bist raus!» Heile Welt klingt anders. Ich bezweifle, ob das Drillprogramm des FC Bayern da mithalten kann.

Morgenmesse um 06:00 Uhr. Altes Brot um 06:50 Uhr. Das frische räumten sie jeweils hinten ins Regal. Danach Lernsaal, jeder an seinem Klapp-Pult, der Aufseher sorgte für Mucksmäuschenstille. Ab 07:30 Uhr Unterricht. Bei Pater Ferdinand. Bei Bruder Klaus. Latein war Pflichtfach. Auferstehung der Toten. Zum Zmittag gab es mit Tomatensuppe verdünnte Ravioli aus der Büchse. Das Essen wurde vom Keller per Esslift in die Mensa gebeamt. Es folgten Mittagsstudium und Unterricht, Fleischkäse mit Spiegelei, Abendstudium, Lichterlöschen um 21:30 Uhr.

Darf man einem Kind so etwas antun? Es in eine Klosterschule stecken? Oder noch besser in ein britisches College. Wo es für 30′000 Franken im Jahr eine international anerkannte Matura, geschliffenes Oxford-Englisch und astreine Umgangsformen erhält. Und am Ende doch mit einem Ägypter durchbrennt. Wie Diana Spencer. Sie war auf dem Riddlesworth-Halls-Internat. Was bringt Eltern dazu, ihre Kinder ins Internat zu schicken? Wollen sie ihnen die bestmögliche Ausbildung ermöglichen? Oder sie mit all ihren Problemen einfach abschieben?

Und wenn das Kind es selbst will? So wie ich. Mit zwölf wollte ich weg. Weg von allem. Raus aus dem Dorf, wo mich jeder kannte. Ich war ein bunter Hund, mein Vater regierte als Bürgermeister. Die Besichtigung war genial. Internate von innen sehen ja heute nicht mehr aus wie bei Jane Eyre oder Neil Perry in «Der Club der toten Dichter». Ich sah Dreierzimmer. Ich sah vier Commodore 64 in einem Computerraum. Ich zählte die Tage bis zum Einrücken.

18 Monate später rief ich aus einer verlassenen Telefonzelle im Nirgendwo meine Mama an. Im Internat musste man Anrufe an der Rezeption anmelden und wartete zum abgemachten Zeitpunkt im Nebenzimmer, bis es klingelt. Es hatte sich einiges auf meinem Kerbholz angesammelt. Und ich hatte Heimweh. Diese unheimliche Stille in den langen, kalten Gängen, die Einsamkeit in den Stunden, die sie Freizeit nannten – schrecklich.

Zurück in der Kaffschule merkte ich erst, wie viel ich gelernt hatte. In Geografie, Geschichte, Grammatik und vor allem in diszipliniertem Denken. Vieles empfand ich, natürlich erst im Nachhinein, als Bereicherung. Mit Kameraden Klassenzimmer und Schlafzimmer zu teilen. Eine echte Lebensschule. Jahre später im obligatorischen Mädchenpensionat namens Rekrutenschule – das Flashback. Aber da wusste ich bereits, wie Mann das Leben fern der Heimat meistert: mit viel Selbstvertrauen, noch mehr Bier, mit dem einen oder anderen Scheiss-Handschlag und einem Hafen, der sich Zuhause nennt.

rinaldoRinaldo Dieziger (36) ist Gründer und Geschäftsführer von Supertext, der ersten Textagentur im Internet. Er ist letztes Jahr Papa einer Tochter geworden und lebt mit seiner Familie in der Stadt Zürich.

Nur noch ein Zeugnis?

Andrea Fischer am Dienstag den 17. April 2012

Zeugnisse gehören zum Schülerleben: Primarschüler mit Zeugnisordner (in Dresden). (Keystone)

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen bei Ihrem Lieblingsitaliener und bestellen wie immer die Spaghetti mit der hausgemachten Tomatensosse. Als der Teller kommt, hat es darauf nur halb so viele Teigwaren wie sonst und nur einen winzigen Klecks Sosse. Sie wundern sich und fragen den Kellner, ob er versehentlich eine Kinderportion gebracht habe. Mit einem bedauernden Lächeln erklärt er, dass man eben leider sparen müsse. Der Restaurant-Betrieb sei mittlerweile so zeitaufwändig geworden mit dem ganzen neuen Buchhaltungssystem, der Renovation und den vielen Teamsitzungen. Darum habe man beschlossen, nur noch halbe Portionen zu servieren und so wertvolle Kochzeit zu sparen, eins für zwei, sozusagen.

Vermutlich wären Sie vor den Kopf gestossen und entrüstet. Schliesslich scheint es völlig unsinnig, ausgerechnet dort zu sparen, wo der Sinn und Zweck der Sache liegt. In diesem Fall also beim Essen. Die Story ist an den Haaren herbeigezerrt. So was macht schlicht keinen Sinn. Aber genau so sinnlos kam es mir vor, als ich gelesen habe, dass es laut Beschluss des Bildungsrates fortan im Kanton Zürich nur noch ein Zeugnis gebe für Primarschüler bis und mit 5. Klasse, statt wie bis anhin zwei. Und zwar in der Zeitung, nicht in einem Informationsschreiben der Schule. Der Grund: Die Lehrer müssten entlastet werden.

Daran gibt es nichts auszusetzen. Lehrer müssen tatsächlich mit immer dickeren Pflichtenheften und grösseren Herausforderungen fertig werden. Hauptgrund sind die Verbürokratisierung der Schule und die oft kaum lösbaren Situationen infolge übersteigerter Integrationsanforderungen, die niemandem mehr gerecht werden. Ich habe also grossen Respekt vor dem Lehrerberuf und dem Engagement und Herzblut, mit dem ihn viele Lehrerinnen und Lehrer ausüben. Entlastung ist in der Tat angebracht. Die Frage ist nur, wo.

Wir sind in der glücklichen Lage, dass unsere Kinder von wirklich fähigen und liebevollen Lehrinnen unterrichtet werden. Auch privat kenne ich relativ viele Lehrer und bekomme kleine Einblicke in ihren Alltag. Was sie laut ihren Angaben weit mehr belastet als der Unterricht, immerhin der eigentliche Grund für ihre Berufswahl, sind die ewigen Kommissionen, Leitbilder, Sitzungen und Diskussionen um so unerhebliche Dinge wie die Wandfarbe von Schulzimmern. Das alles macht mürbe. Dass in diesem Wust von Aufgaben nun ausgerechnet beim Kerngeschäft, den Kindern, gespart wird, kann ich schlicht nicht nachvollziehen.

Laut Wikipedia wird das Zeugnis als eine zusammenfassende, urkundliche Beurteilung des Leistungsstandes eines Schülers definiert. Klingt feierlich und das ist es auch. Zumindest für die Kinder, die ich kenne. Da wird schon Wochen vorher diskutiert, wie das Zeugnis ausfallen könnte. Am Abend vor der Zeugnisausgabe ist grosse Aufregung angesagt und danach stolze Erleichterung oder halt Ernüchterung und Vorsätze. Natürlich kann man ganz grundsätzlich dagegen halten, dass Zeugnisse eben ein Zeugnis seien für die Leistungsorientiertheit unserer Gesellschaft und dass Zahlen der Individualität eines Kindes nie gerecht werden können. Diese Sicht hat sicher auch etwas für sich, wenn ich sie auch nicht teile. Täte ich das, würde ich meine Kinder in die Rudolf-Steiner-Schule schicken. Tue ich aber nicht.

Ich wollte wissen, ob ich mit meinem Befremden in dieser Sache völlig neben den Schuhen stehe und habe eine ganze Reihe von Kindern gefragt. Die Empörung war gross. Sie fanden einhellig, Zeugnisse seien doch megawichtig und überhaupt, warum keiner sie gefragt hätte. Und irgendwie kommt mir der Vergleich mit dem Restaurant dann doch nicht mehr so abstrus vor. Auf jeden Fall nicht abstruser, als der Entscheid des Bildungsrates.

Pfadiherz versus Goldküsten-Neurosen

Gabriela Braun am Donnerstag den 12. April 2012

Mit diesem Beitrag heissen wir Gabriela Braun im Mamablog willkommen. Sie vertritt Nina Merli, die anfangs Woche ihren Mutterschaftsurlaub angetreten hat.

Geht doch: Kind allein im Wald. (Bild: Keystone)

Geht doch: Kind allein im Wald. (Bild: Keystone)

Ein Handy für Notfälle, ein Shuttledienst für den Mittagstisch und Kurse in Verteidung? Geht es um die «Sicherheit» meines Kindes, bin ich wohl retro. Es besitzt KEIN Notfallhandy. Es geht NICHT in einen Selbstverteidigungskurs. Und ich hole es meist NICHT bei Dunkelheit abends vom Hort ab, sondern lasse es alleine heim laufen. Der Hauptstrasse entlang oder durch die Waldlichtung beim Tobel.

Für ein neunjähriges Kind ganz normal, könnte man meinen. Doch da wo wir leben – in einem Dorf an der Zürcher Goldküste – führt dieses Verhalten schon mal zu Diskussionen. Hier können viele Eltern nicht genug auf Nummer sicher gehen. Sie chauffieren und eskortieren ihre Kids überallhin.

Die überängstliche Art irritierte mich das erste Mal vor bald fünf Jahren. Mein Sohn kam in den Kindergarten. Dieser befindet sich am Rand des Tobels. Was für ein wunderschöner Ort, war mein erster Gedanke. Welch ein Glück, darf er durch eine Waldlichtung und über Brücken, wenn er mit anderen Kindern den Hügel hoch zum Mittagstisch geht. Mein altes Pfadiherz schlug höher: Womöglich sehen sie während des zehnminütigen Spaziergangs den dort ansässigen Reiher?

Andere Eltern jedoch hatten völlig andere Assoziationen zum Ort: Natur = Gefahr! Was, wenn ihr Kind in den Bach fällt, von Schülern geplagt oder gar von einem Unbekannten mitgenommen wird? Zum Mittagstisch gelangten ihre Kids fortan per Sammeltaxi.

Mein Sohn lief als einziger. Das fand ich nicht sonderlich toll für ihn. Doch ich wollte mich dem Gruppendruck nicht beugen. Zu fremd war mir das ängstliche Denken der anderen – und ist es noch immer. Ich will meinem Kind doch Stärke und Vertrauen vermitteln, nicht Angst. Fürchte ich mich dauernd, färbt das irgendwann ab. Ängstliche Eltern machen ängstliche Kinder, davon bin ich überzeugt. Mein Sohn soll lernen, Gefahren selbst einzuschätzen und dabei auf sein Gefühl zu hören. Er soll durch die Waldlichtung beim Tobel gehen können, ohne Angst vor grossen Kindern zu haben oder irgendeinem «bösen Mann».

Um ihm Sicherheit zu geben, begleitete ich ihn ein paar Mal. Er zeigte mir seine «Zanetapfe»-Sammlung, und ich erklärte ihm, weshalb ich nicht will, dass er den gefrorenen Froschweiher betritt. Das war mir enorm wichtig und er verstand. Passiert ist zum Glück nichts – abgesehen von den paar nassen Stiefeln, die er aus dem Bächlein zog und einer Znünitasche, die im Tümpel landete. Nach einem Jahr ging er den Weg gemeinsam mit neuen Kindergartenkindern.

Aus diesen Gründen ist auch ein Notfallhandy bei uns kein Thema – also eines jener speziellen Telefone, die durch einen Tastendruck die gespeicherte Nummer wählen. Ich kann mir nicht vorstellen, wozu er es brauchen sollte – und will es auch gar nicht. Dann müsste ich mich ja damit befassen, dass es theoretisch möglich wäre, dass etwas ganz Schlimmes geschieht. Doch dagegen sträube ich mich. Nennen Sie mich von mir aus abergläubisch, blauäugig oder naiv.

gabi15x150Gabriela Braun ist Redaktorin bei der Zeitschrift «Gesundheitstipp», freie Journalistin und Mutter eines neunjährigen Sohnes. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Erlenbach ZH.

Ohne Stress an die Gymiprüfung?

Mamablog-Redaktion am Freitag den 9. März 2012

Eine Carte Blanche von Ruth Etienne Klemm*

SCHWEIZ ST. GALLEN STEINER SCHULE

Nächsten Montag gilt es Ernst: Die Aufnahmeprüfung ans Lang- und Kurzgymnasium findet erstmals Mitte März statt – für viele Schüler sind die Prüfungen mit grossem Stress verbunden. (Keystone)

Die Gymiprüfung ist für die allermeisten Schüler eine grosse Herausforderung und je nach Temperament und persönlichem Umfeld Grund für Stress und Prüfungsangst. Dieser Druck kann sich in Spannungszeichen äussern, die «vorher» nicht oder mindestens nicht im gleichen Ausmass zu beobachten waren: Kinder können «plötzlich» nervös, unleidig und lustlos oder sehr anhänglich werden. Aber auch häufiger in Streit mit Geschwistern und Kameraden geraten, schlecht ein- und durchschlafen, über Übelkeit klagen oder Bauch- und Kopfschmerzen haben.

Hilfreich in dieser Situation ist, wenn Eltern und Lehrpersonen die Kinder ernst nehmen und beruhigen, sie bei ihren Vorbereitungen unterstützen. Indem sie sie auf die möglichen Fragestellungen vorbereiten (die ist deutlich anders als Aufgabenstellungen in der Primarschule), ihnen helfen, sich über die eigene Motivation klar zu werden, sie in zeitökonomisches Lernen einführen – und vor allem: Ruhe und Humor bewahren.

Es ist hilfreich zu wissen, dass die erste Gymiprüfung nicht die letzte Chance für eine weiterführende Schule ist. Neben dem Langzeitgymi gibt es auch das Kurzzeitgymi (die Kinder sind dann auch etwas reifer) wie auch Anschlussmöglichkeiten nach der Berufsausbildung. Angst generiert Spannung und diese wirkt sich negativ auf die Denkfähigkeit aus, sie blockiert das Denken! Das kann man bei der Gymiprüfung am allerwenigsten gebrauchen. Spannung begegnet man am besten mit Entspannung, denn Geist und Körper können nicht gleichzeitig angespannt und entspannt sein.

Es gibt viele gute Entspannungsmethoden (Atem- und Yogaübungen, Autogenes Training , PME etc.), die man sich vor Prüfungen aneignen kann. Zu wissen, dass man sich in der Not entspannen und dadurch wieder handlungs- und denkfähig werden kann, ist zusammen mit dem sicheren Wissen, gewissenhaft auf die Prüfung gelernt zu haben, das A und O einer guten Prüfungsvorbereitung. Oft hilft es den Kindern, wenn sie an die Prüfung ein «Krafttier» (z. B. einen Löwen oder einen Adler), einen speziellen Stein oder sonst ein Symbol im «Hosensack» oder im Etui mitnehmen, um sich immer wieder mal an genau diese erarbeiteten Kompetenzen zu erinnern. Die gute Vorbereitung hilft auch, das innere negative «Tonband» («ich schaffe es eh nicht») abzuschalten, denn sie wissen es nun besser und können die negativen durch positive Gedanken ersetzen.

Meine Tipps für die Kinder: Früh genug mit Lernen und den Vorbereitungen beginnen. Eine Entspannungstechnik lernen. Essen und Trinken nicht vergessen, im Notfall etwas zu essen an die Prüfung mitnehmen. Sich auf die Prüfung konzentrieren und sich nicht von Nervosität anderer anstecken lassen. Den Prüfungsablauf beherzigen: Zuerst alles durchlesen, mit der leichtesten Aufgabe beginnen, sich vergewissern, dass man die Aufgabe richtig verstanden hat. Alles aufschreiben, was man weiss und lieber zu einer nächsten Aufgabe weitergehen, als sich blockieren lassen. Am Schluss unbedingt alles nochmals durchlesen. Wenn Panik droht, sein Krafttier hervorholen, sich an die eigenen Kompetenzen erinnern, die Entspannungstechnik anwenden und weiterfahren mit den Prüfungsaufgaben. Zum Schluss soll man sich loben, denn man hat sein Bestes gegeben und hat es nun geschafft.

Ruth Etienne Klemm *Dr. phil. Ruth Etienne Klemm ist Schulpsychologin und Mitglied des Schulpsychologischen Dienstes der Stadt Zürich.

Schule 2012: Die Vermessung der Bildung

Mamablog-Redaktion am Freitag den 13. Januar 2012

Eine Carte Blanche von Beat W. Zemp*.

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Ja zu Leistungsmessungen, aber kein Wettbewerbszirkus: Ein Schüler an der Tafel. (Keystone)

Zwei Entwicklungen im Schweizer Bildungswesen sind für das kommende Schuljahr und die weitere Zukunft der Volksschule bedeutsam: Zum ersten Mal haben sich die kantonalen Bildungsdirektionen auf Grundkompetenzen geeinigt, die an allen Volksschulen zu vermitteln sind. Auf dieser Basis wird momentan der Lehrplan 21 ausgearbeitet, der im kommenden Schuljahr 2012/13 in eine breite Vernehmlassung geschickt wird. Zudem liegt nun erstmals auch ein Konzept zur schulischen Leistungsmessung vor, mit dem die Erreichung dieser Bildungsziele überprüft werden soll. Die Kantone setzen damit einen Auftrag um, der in der Bundesverfassung im Artikel 62 Absatz 4 verankert ist (Harmonisierung der Ziele der Bildungsstufen).

PISA und andere Langzeituntersuchungen über Schulleistungen arbeiten mit Stichproben. Und das ist gut so, denn die Resultate dieser Leistungsmessungen können wichtige Impulse für die Entwicklung des Bildungswesens ergeben. Testet man hingegen alle Schüler zum gleichen Zeitpunktmit mit dem gleichen Test, kann man auch Ranglisten von Schulen herstellen, die dann aber zu einem sinnlosen Wettbewerb führen: Was können Schulen dafür, wenn sie in benachteiligten Stadtteilen oder ökonomisch schwachen Landesgegenden liegen? Wie sollen Lehrpersonen zur Integration von lernschwachen oder behinderten Schülerinnen und Schülern motiviert werden, wenn sie nachher mit durchschnittlich schlechteren Klassenleistungen öffentlich abgestraft werden?

«Die Hauptaufgabe von Lehrerinnen und Lehrern ist das Unterrichten.» So beginnt das neue Berufsleitbild des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH). Hinter dem banal tönenden Satz steht eine Abkehr von der Verzettelung des Berufsauftrags durch die ständige Delegation von Nacherziehungsaufgaben an die Schule. Lehrerinnen und Lehrer wollen vor allem einen wirksamen Unterricht machen, der Schwächeren und Leistungsstarken zu bestmöglichen Bildungserfolgen verhilft. Leistungsmessungen, Schulreformen und Schulverwaltungen sind zwar nötig, müssen sich aber ganz in den Dienst des Kernauftrags Unterrichten stellen. Bei ungenügenden zeitlichen, räumlichen oder personellen Unterrichtsbedingungen muss die Lehrerschaft die drohenden Nachteile für die Schülerinnen und Schüler kommunizieren. Das hat mit Jammern nichts zu tun, sondern zeugt von einer professionellen pädagogischen Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler!

*zempBeat W. Zemp ist Zentralpräsident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer. (LHC)

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