
Die Kinder sind bei den Grosseltern und die Eltern landen im Bett. Nur nicht so wie erhofft: Eine Frau liegt mit Fieber darnieder. (Bild: Flickr/Perfecto Insecto)
Ein paar Mal im Jahr schicken wir die Kinder zu den Grosseltern oder zur Gotte für ein Wochenende oder länger. Dann haben wir Zeit für uns allein. Zeit zu Zweit. Sturmfreie Bude! Bloss der Gedanke daran ist schon sehr aufregend: Wir freuen uns jeweils sehr darauf.
Endlich können wir wieder mal tun und lassen, worauf allein WIR Lust haben: ausschlafen, rumhängen, ausgehn. Wir besuchen in Ruhe eine Kunstausstellung. Gehen stundenlang spazieren. Essen in Restaurants mit exotischen Küchen: Indisch! Libanesisch! Japanisch! Egal was: bloss KEINE Teigwaren und KEINE Pizza! Danach ins Kino, zum Theater, an ein Konzert, in eine Bar, einen Club. Der Abend soll rocken. Vielleicht hat es um diese Uhrzeit noch eine S-Bahn. Wenn nicht, dann halt in ein Taxi und zurück nach Hause. Tja. Und daheim natürlich auch wieder nur wir zwei.
So etwa malen wir uns das aus. Doch es kommt meist anders: Denn einer von uns beiden wird krank.
Es ist der Zeit-zu-Zweit-Effekt oder halt einfach Murphys Law. Insgeheim befürchten wir ihn bereits, wenn wir Wochen oder Monate vorher unser freies Wochenende planen – beziehungsweise die Kinderbetreuung organisieren.
Damit sind wir nicht allein. Es fällt mir auf, dass zahlreiche andere Elternpaare auch davon betroffen sind. Ich kenne zwar keine Statisitk darüber – doch in meinem Freundeskreis gilt es fast schon als Regel. Kaum übergeben die Eltern ihre Kinder mit Sack und Pack den Grosseltern… beginnts. Das Paar liegt am lang ersehnten Wochenende darnieder – einfach nicht auf jene Art, wie es sich erhofft hatte.
Danach erzählen sie dann leicht zerknirscht, dass die Tage zwar durchaus schön, doch nicht sonderlich romantisch gewesen seien. Man habe sich vor allem gegenseitig gehegt und gepflegt. Sich in der Apotheke mit Medis eingedeckt – und ja: auch mit einer Maxi-Packung Tampons. Sie hätten aber ausschlafen, lange frühstücken und sich unterhalten können ohne dauernd unterbrochen zu werden. Immerhin!
Aber was ist denn eigentlich los mit uns? Wir – damit meine ich uns und all die anderen Eltern – sind wohl einfach zu wenig locker und entspannt. Wir hangeln uns jeweils zu «unserem» Wochenende. Schrauben die Erwartungshaltung hoch bis ins Unermessliche. Wollen auch das gemeinsame Wochenende auf der Überholspur verbringen, statt endlich mal zur Ruhe zu kommen. Doch die viele Arbeit, die tausend Verpflichtungen im Alltag und das über Wochen aufgebaute Schlafmanko haben es in sich: Kaum müssen die Eltern mal nicht mehr etwas, merken sie, wie erschöpft und ausgelaugt sie eigentlich sind.
Doch das nächste Wochenende ganz ohne Kinder kommt bestimmt. Bis dahin wollen wir uns auch mal zwischendurch bewusst Zeit nehmen füreinander – und uns vor allem mehr Erholung gönnen. Zudem haben wir uns fest vorgenommen, uns rein gar nichts vorzunehmen. Wir tun so, als wäre «unser» Wochenende nichts Besonderes. Vielleicht schaffen wir es ja so, locker zu bleiben.
Was ist mit euch? Wie lautet euer Rezept an kinderfreien Wochenenden gesund zu bleiben?
Gabriela Braun ist Redaktorin bei der Zeitschrift «Gesundheitstipp», freie Journalistin und Mutter eines neunjährigen Sohnes. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Erlenbach ZH.




*Simone Munsch ist Ordinaria am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Fribourg und Mitautorin des Buches: «
*Andrea Wyssen ist Doktorandin und Assistentin am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Fribourg.
Susanne Taverna ist Dienstchefin beim «Bündner Tagblatt» und Mutter eines acht Monate alten Sohnes. Sie lebt mit ihrer Familie in Chur.

Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub. 

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