Leben


Archiv für die Kategorie „Gesundheit“

Kinderfreies Wochenende – und garantiert krank!

Gabriela Braun am Donnerstag den 24. Mai 2012
Mamablog

Die Kinder sind bei den Grosseltern und die Eltern landen im Bett. Nur nicht so wie erhofft: Eine Frau liegt mit Fieber darnieder. (Bild: Flickr/Perfecto Insecto)

Ein paar Mal im Jahr schicken wir die Kinder zu den Grosseltern oder zur Gotte für ein Wochenende oder länger. Dann haben wir Zeit für uns allein. Zeit zu Zweit. Sturmfreie Bude! Bloss der Gedanke daran ist schon sehr aufregend: Wir freuen uns jeweils sehr darauf.

Endlich können wir wieder mal tun und lassen, worauf allein WIR Lust haben: ausschlafen, rumhängen, ausgehn. Wir besuchen in Ruhe eine Kunstausstellung. Gehen stundenlang spazieren. Essen in Restaurants mit exotischen Küchen: Indisch! Libanesisch! Japanisch! Egal was: bloss KEINE Teigwaren und KEINE Pizza! Danach ins Kino, zum Theater, an ein Konzert, in eine Bar, einen Club. Der Abend soll rocken. Vielleicht hat es um diese Uhrzeit noch eine S-Bahn. Wenn nicht, dann halt in ein Taxi und zurück nach Hause. Tja. Und daheim natürlich auch wieder nur wir zwei.

So etwa malen wir uns das aus. Doch es kommt meist anders: Denn einer von uns beiden wird krank.

Es ist der Zeit-zu-Zweit-Effekt oder halt einfach Murphys Law. Insgeheim befürchten wir ihn bereits, wenn wir Wochen oder Monate vorher unser freies Wochenende planen – beziehungsweise die Kinderbetreuung organisieren.

Damit sind wir nicht allein. Es fällt mir auf, dass zahlreiche andere Elternpaare auch davon betroffen sind. Ich kenne zwar keine Statisitk darüber – doch in meinem Freundeskreis gilt es fast schon als Regel. Kaum übergeben die Eltern ihre Kinder mit Sack und Pack den Grosseltern… beginnts. Das Paar liegt am lang ersehnten Wochenende darnieder – einfach nicht auf jene Art, wie es sich erhofft hatte.

Danach erzählen sie dann leicht zerknirscht, dass die Tage zwar durchaus schön, doch nicht sonderlich romantisch gewesen seien. Man habe sich vor allem gegenseitig gehegt und gepflegt. Sich in der Apotheke mit Medis eingedeckt – und ja: auch mit einer Maxi-Packung Tampons. Sie hätten aber ausschlafen, lange frühstücken und sich unterhalten können ohne dauernd unterbrochen zu werden. Immerhin!

Aber was ist denn eigentlich los mit uns? Wir – damit meine ich uns und all die anderen Eltern – sind wohl einfach zu wenig locker und entspannt. Wir hangeln uns jeweils zu «unserem» Wochenende. Schrauben die Erwartungshaltung hoch bis ins Unermessliche. Wollen auch das gemeinsame Wochenende auf der Überholspur verbringen, statt endlich mal zur Ruhe zu kommen. Doch die viele Arbeit, die tausend Verpflichtungen im Alltag und das über Wochen aufgebaute Schlafmanko haben es in sich: Kaum müssen die Eltern mal nicht mehr etwas, merken sie, wie erschöpft und ausgelaugt sie eigentlich sind.

Doch das nächste Wochenende ganz ohne Kinder kommt bestimmt. Bis dahin wollen wir uns auch mal zwischendurch bewusst Zeit nehmen füreinander – und uns vor allem mehr Erholung gönnen. Zudem haben wir uns fest vorgenommen, uns rein gar nichts vorzunehmen. Wir tun so, als wäre «unser» Wochenende nichts Besonderes. Vielleicht schaffen wir es ja so, locker zu bleiben.

Was ist mit euch? Wie lautet euer Rezept an kinderfreien Wochenenden gesund zu bleiben?

gabi15x150Gabriela Braun ist Redaktorin bei der Zeitschrift «Gesundheitstipp», freie Journalistin und Mutter eines neunjährigen Sohnes. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Erlenbach ZH.

Essen, Essen, Essen – wenn aus Hunger Anfälle werden

Mamablog-Redaktion am Freitag den 18. Mai 2012

Eine Carte Blanche Prof. Dr. Simone Munsch und Andrea Wyssen*.

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Auch normalgewichtige Kinder können eine Essstörung haben: Ein Mädchen isst vor dem Fernseher.

Dass mittlerweile rund jedes fünfte Kind übergewichtig ist, ist eine bekannte Tatsache. Was jedoch nur wenige wissen: Etwa sechs von hundert normalgewichtigen und bis zu vierzig von hundert übergewichtigen Kindern haben regelmässig Anfälle von übermässigem und unkontrolliertem Essen, «Essanfallsstörung» oder auch «Binge-Eating-Störung (BES)» genannt. Es ist die häufigste Essstörung und tritt auch bei rund vier bis fünf pro hundert Erwachsenen auf. Die BES ist eine schwerwiegende, aber behandelbare Störung. Das folgende Beispiel aus der Praxis (Name geändert) zeigt, wie sich eine solche Störung entwickeln kann und welche Möglichkeiten zur Behandlung es gibt.

Seit einiger Zeit geht die 10-jährige Eva nicht mehr gerne zur Schule und ist oft reizbar. Sie verkriecht sich in ihrem Zimmer und will allein sein. Die Eltern sind beunruhigt und beschliessen, mit der Lehrerin Kontakt aufzunehmen. Von ihr erfahren sie, dass Eva seit ein paar Wochen oft geärgert und ausgelacht wird. Die Lehrerin vermutet, dass die Hänseleien etwas mit dem Gewicht des Mädchens zu tun haben und damit, dass sie mit körperlichen Aktivitäten Mühe hat. Eva war zwar immer schon etwas «pummelig», aber in letzter Zeit hatte sich das verstärkt.

Die Eltern sprechen mit ihrer Tochter und möchten mehr über ihre Schwierigkeiten und die Gewichtszunahme erfahren. Eva wird wütend und zieht sich in ihr Zimmer zurück. Schliesslich aber erzählt sie schluchzend, dass sie gar nicht so viel essen wolle, es aber manchmal einfach passiere, vor allem, wenn sie sich zurückgewiesen fühle. Eva erzählt auch von ihrem Versteck mit Süssigkeiten in ihrem Zimmer und dass sie heimlich isst, wenn sie traurig ist. Oft kann sie dann kaum mehr aufhören damit und hat danach ein schlechtes Gewissen. Ständig sucht sie irgendwo etwas Essbares und schämt sich dafür.

Eva leidet unter einer «Binge-Eating Störung (BES)». Das Hauptmerkmal dieser Störung besteht in Essanfällen, die vom Betroffenen nicht kontrolliert werden können. Im Unterschied zur Bulimia Nervosa versucht das Kind danach nicht, die Kalorien durch exzessiven Sport oder Fasten loszuwerden. Deshalb nehmen betroffene Kinder zu und leiden häufig unter teils krankhaftem Übergewicht (Adipositas). Vordergründig leiden sie vor allem unter ihrem Gewicht und den Hänseleien, weshalb die Notwendigkeit der Behandlung der BES erst spät oder gar nicht erkannt wird.

Menschen mit einer BES haben eine beeinträchtigte Regulation der Hunger- und Sättigungsgefühle und Grübeln ständig über Nahrung und ihre Figur nach. Das ist ein Teufelskreis: Häufig werden sie wegen ihres Gewichts ausgelacht, was sich negativ auf den Selbstwert und das Körperbild auswirkt. Dies führt zu unkontrollierten Essanfällen, was wiederum die psychische Befindlichkeit beeinträchtigt. Oft kommt es mit der Zeit zu weiteren psychischen Störungen.

Viele Kinder mit BES haben Schwierigkeiten, mit belastenden Gefühlen umzugehen. Sie greifen auf Strategien wie Rückzug, Selbstabwertung oder auch aggressives Verhalten zurück, auch bei zwischenmenschlichen Schwierigkeiten. Obwohl Eva nicht will, so steuert doch der starke Drang zu essen ihr Verhalten. Einige Kinder zeigen diese Impulsregulationsstörungen auch in anderen Bereichen, wie in der Schule oder zu Hause. Eine entsprechende Behandlung ist daher für sie enorm wichtig. Da Eltern die wichtigsten Rollenmodelle ihrer Kinder sind, sollten sie unbedingt mit einbezogen werden.

Im Rahmen einer psychologischen Behandlung lernt Eva nun, mit der Hilfe eines Tagebuchs, Zusammenhänge zwischen ihrem Essverhalten, ihren Gefühlen und Gedanken zu erkennen. Sie lernt, wie sie sich ablenken oder abreagieren kann, wenn der Drang zu essen auftritt. Am wichtigsten ist jedoch, dass Eva mit ihren Eltern herausfindet, wie sie sich gegen Hänseleien wehren kann. Im Rollenspiel übt sie geeignete Vorgehensweisen ein. Erst wenn Eva das anfallsartige Essen selbst regulieren kann, wird ein gemeinsames Ziel zur Gewichtsstabilisierung definiert.

Am Zentrum für Psychotherapie des Departements für Psychologie (Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie) an der Universität Fribourg werden regelmässig Behandlungen für Kinder mit BES und ihre Eltern angeboten.

munsch100*Simone Munsch ist Ordinaria am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Fribourg und Mitautorin des Buches: «Binge Eating bei Kindern» Behandlungsempfehlungen, erschienen im Verlag Beltz & Gelberg.

wyssen100*Andrea Wyssen ist Doktorandin und Assistentin am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Fribourg.

Ist langes Stillen jetzt wichtig, oder doch nicht?

Susanne Taverna am Sonntag den 13. Mai 2012
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Stillen ist plötzlich nicht mehr das Nonplusultra gegen Allergien: Ein Baby erhält die Brust. (Bild: Hamish Darby)

Jetzt mal ehrlich: Bin ich als Allergikerin nicht schon genug geplagt, wenn ich jährlich monatelang juckende Augen, Schnupfen, Husten und Kurzatmigkeit ertrage? In der Schwangerschaft ist dann auch noch fertig Cortison-Nasenspray und Anti-Histaminika. Chinesische Kräuter und Akupunktur bringen das werdende Mami grad so über die Runden. Kaum ist das Baby da, gehts aber auch schon wieder los.

Sechs Monate stillen ist mindestens angesagt bei allergiegefährdeten Kindern. Sechs Monate! Mehrmals Aufstehen in der Nacht, jederzeit verfügbar sein, der Partner «würde ja gerne helfen, aber ich kann ja nicht stillen». Nach Arbeitsstart Abpumpen wie beim Bauern, Milch einfrieren, Fläschli in die Krippe liefern… und weiterhin im Dunkeln den Junior andocken, während der Papa genüsslich seinen Schlaf einholt. Dabei arbeiten jetzt ja beide wieder… Ja hört das denn niemals auf? Der Sohnemann zieht dann selber die Bremse. Nach fünfeinhalb Monaten findet er, er habe jetzt genug lange mit der Brust gekämpft, die Versorgung mit der Flasche ist angesagt. Lieber effizient Trinken und dann auch noch grad in grossen Mengen (natürlich, ha!). Passt. Und nun, wo Papa die nächtliche Versorgung übernehmen könnte, wird natürlich durchgeschlafen.

Dann beginnt der Kampf mit dem Brei. Junior sitzt im Tripp Trapp und meckert, weil er mitessen will. Brei verschmäht er, er will richtiges Essen. Doch weil er ein Mami mit Heuschnupfen hat, darf er halt nicht alles. Und wählerisch ist er grad auch noch, als er dann endlich mit Verachtung doch noch den Brei nimmt. Rande und Fenchel, anderes kommt ihm nicht ins inzwischen mit zwei Zähnchen geschmückte Maul. Lieber hätte er schon etwas vom Zopf gekostet, das Frühstücksei verspiesen, an der Orange gesuckelt. Aber nein, ich will mir ja nicht den Vorwurf machen lassen, dass ich mit Laisser-faire meinem Sohn die Allergie eingebrockt habe. Bisher gibts keine Anzeichen, dass er auch Allergiker ist, die trockenen Hautstellen «lassen wir jetzt mal als trockene Haut durch», meint der Kinderarzt.

Und jetzt das: Kinderärzte und Ernährungswissenschafter empfehlen, die Kleinen möglichst früh mit praktisch allen Allergenen zu konfrontieren. Und vier Monate Stillen sind neuerdings ebenfalls genug. Habe diese Hinweise allerdings nur auf deutschen Internetseiten gefunden, deshalb gleich mal die Mütterberaterin darauf angesprochen. Und siehe da, auch hier scheinen jahrzehntelang weiter gegebene Ernährungstipps plötzlich nicht mehr gültig zu sein. Ausser Milch und Kiwi darf der kleine Mann nun alles essen. Natürlich nicht gesalzen und gezuckert und so, aber die «ellenlange» Liste mit Speisen, die ein allergiegefährdetes Kind nicht zu sich nehmen kann, wurde laut der Beraterin entsorgt.

Hab ich jetzt etwa mit all meinen Vorkehrungen genau das Falsche gemacht? Wir werdens in ein paar Jahren sehen. Ich persönlich bin übrigens gestillt worden. Mit 12 hat denn der Heuschnupfen dennoch zugeschlagen.

Susanne TavernaSusanne Taverna ist Dienstchefin beim «Bündner Tagblatt» und Mutter eines acht Monate alten Sohnes. Sie lebt mit ihrer Familie in Chur.

Weshalb fahren Familien auf Homöopathie ab?

Gabriela Braun am Donnerstag den 10. Mai 2012
Mamablog

Homöopathie kann eine weitere Möglichkeit sein, dem eigenen Kind zu helfen: Mutter mit Neugeborenem und homöopathische «Chügeli». (Bilder: Keystone).

Kaum ist das erste Kind auf der Welt, beginnen sich viele Eltern für Homöopathie zu interessieren. Es ist häufig ihre erste Begegnung mit den «Chügeli». Das bestätigen Homöopathen und die Regale von Buchläden: Dutzende Ratgeber und Nachschlagewerke versuchen dem Laien diese Alternativmedizin näherzubringen. Viele Buchtitel richten sich dabei explizit an Familien.

Die meisten dieser Bücher behandeln die Selbstmedikation: Eltern erfahren, wie sie selber bei ihren Kindern mit homöopathischen Mitteln körperliche und psychische Beschwerden lindern können. Mit einer homöopathischen Apotheke von dreissig verschiedenen Globuli und der Hilfe eines Taschenbuchs soll man die meisten kleineren Notfälle und Verletzungen, Beschwerden und Krankheiten behandeln können.

Doch so einfach ist das nicht: Klagt das Kind über Schmerzen, können gemäss den Ratgebern 13 verschiedene Mittel passend sein – je nachdem ob die Schmerzen brennend, stechend oder wellenförmig sind. Und ob das Kind dabei Durst empfindet oder unruhig ist und vor Schmerz schreit. Die Eltern müssen also die Art des Schmerzes bestimmen sowie den allgemeinen Zustand des Kindes erfassen können.

Das ist anspruchsvoll. Und alles für eine Behandlung, deren Wirkung umstritten ist.

Weshalb also ist die homöopathische Behandlung für Eltern derart attraktiv? Vor allem wohl, weil sich viele Eltern gegenüber der Schulmedizin eine Alternative wünschen. Sie sind irritiert, wenn ihnen der Arzt bei einem normalen grippalen Infekt eine Handvoll chemischer Medikamente in die Hand drückt, damit sie diese dem Kleinkind verabreichen. Die Eltern setzen mit der Homöopathie auf eine natürliche Methode, die im Gegensatz zu Medikamenten keine Nebenwirkungen hat.

Hinzu kommt, dass man damit nichts falsch machen kann – vorausgesetzt natürlich, man versucht sich nicht an schweren oder chronischen Krankheiten. Dies erlaubt es den Eltern auszuprobieren: Hilft ein Mittel nicht relativ bald, war es wohl einfach das falsche. Es gilt ein neues zu wählen, ganz nach dem Prinzip «nützt’s nicht, so schadet es auch nicht». Wird der Schmerz, der Husten, oder der grippale Infekt danach nicht rasch besser, kann man ja noch immer zum Arzt, so die Überlegung.

Auf diese Weise handle auch ich manchmal. Ich sehe die Methode rein pragmatisch: Homöopathie kann eine weitere Möglichkeit sein, dem eigenen Kind (oder auch sich selbst) zu helfen. Weshalb also nicht einfach ausprobieren? Doch ich muss zugeben: Ich pröble nicht lange, denn allzu viel traue ich mir auf diesem Gebiet nicht zu. Wird der Zustand des Kindes mit den Kügelchen nicht schnell besser, wähle ich wenn nötig relativ rasch die Nummer der Homöopathin oder des Arztes.

Zwei Mal erlebten wir bislang mit den von der Homöopathin verschriebenen Kügelchen Erfolge: Eine langwierige Bronchitis des Sohnes verschwand nach der Behandlung innert Tagen. Die zahlreichen vom Arzt verschriebenen Medikamente hatten dies nicht geschafft. Ein anderes Mal waren es hartnäckige Warzen an den Füssen, die nach den Globuli innerhalb von 24 Stunden verschwunden waren. Ein Vereisen beim Arzt wurde hinfällig.

Ob diese Erfolge nun das Ergebnis der homöopathischen Mittel oder einer eingebildeten Wirkung waren ist unwichtig. Hauptsache es hat geholfen.

gabi15x150Gabriela Braun ist Redaktorin bei der Zeitschrift «Gesundheitstipp», freie Journalistin und Mutter eines neunjährigen Sohnes. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Erlenbach ZH.

«Wer bleibt zu Hause, du oder ich?»

Susanne Taverna am Sonntag den 22. April 2012
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Eltern dürfen drei Tage der Arbeit fern bleiben, wenn ein Kind krank ist: Auch Väter sind gute Krankenschwestern.

Ist der Zögling einmal krank, fängt die grosse Rätselei an. Wer bleibt denn nun bei ihm zu Hause? In die Krippe kann er nicht, weil er möglicherweise die anderen Kinder ansteckt, dasselbe gilt für die Nachbarin, deren Nachwuchs auch nicht den Viren ausgesetzt werden soll. Und nicht nur das, ein krankes Kind ist ja auch um einiges anstrengender als ein gesundes, es möchte den ganzen Tag die Nähe eines Elternteils spüren und am liebsten vom Morgen bis zum Abend auf dem Arm getragen werden. Auch das möchten die Eltern niemand anderem zumuten, vielleicht höchstens noch den Grosseltern, doch auch die stehen nicht immer auf Abruf bereit.

Eine verzwickte Situation also. Gesetzlich geregelt ist: Eltern dürfen bei Vorweisen eines Arztzeugnisses drei Tage der Arbeit fern bleiben und das Kind pflegen. Viele Unternehmen drücken dabei ein Auge zu, wenn die Krankheit etwas länger dauert und lassen das Mami (ja, meistens ist es die Mutter, doch dazu später mehr) auch mal vier oder fünf Tage nach dem Nachwuchs schauen. Doch nicht alle tun oder können dies. Kürzlich schnappte ich beim Kinderarzt auf, dass eine grosse Unternehmung in der Region, die vornehmlich Frauen angestellt hat, nun strikte auf diesen drei Tagen bestehe. Und auch eine befreundete KMU-Inhaberin meinte, dass sie es sich einfach nicht leisten könne, eine Mitarbeiterin länger als diese drei Tage krank zu schreiben. Schon auch verständlich, diese Seite. Aber schliesslich geht es ja hier um ein krankes Kind, mag da das Elternherz aufbegehren! Mein Herz jedenfalls schlägt dafür, dass kranke Kinder wenn immer möglich Betreuung eines Elternteils erhalten.

Zudem stellt sich auch die Frage, weshalb denn eigentlich meist die Mutter daheim bleibt und das Kind umsorgt. Ist es der Mutterinstinkt? Oder doch viel mehr ein uraltes Rollenverständnis? Eigentlich können – wenn der Nachwuchs nicht mehr gestillt wird – beide Elternteile genau gleich gut auf ihr Kind aufpassen. Meinen vielleicht die Männer, die oft mehr Prozente als die Frauen arbeiten, dass sie dadurch mehr Recht auf Arbeit haben? Falls ja: Ganz bestimmt ist dem nicht so. Gerade bei wenigen Stellenprozenten ist es umso wichtiger, dass frau diese auch erfüllt. Und in meinen Augen kommt es auch nicht darauf an, welche Position die Elternteile inne haben. Auch ein Chef ist Papi, genau wie eine Angestellte Mami ist, und umgekehrt. Wichtige Sitzungen? Was ist denn wichtiger als die Gesundheit des Kindes?

Ich muss zugeben, bei uns ist diese Situation erst ein Mal aufgetreten. Wir haben uns diese Pflegetage redlich geteilt, aber natürlich gab es Diskussionen. Der zweite Krankheitstag an meinem ersten Arbeitstag in der Woche, viel los im Büro, der Sohnemann mit Magengrippe flach. Bei meinem Partner standen Sitzungen an, Termindruck. Schliesslich bin ich einen Tag zu Hause geblieben im Wissen, dass der Partner den nächsten Tag übernimmt. Was übrigens auch den psychischen Stress wesentlich vermindert hat, wusste ich doch, dass ich nach einem derart anstrengenden Tag dann den kleinen Sohnemann in andere pflegende Hände übergeben und so quasi entlastet zur Arbeit gehen konnte. Am dritten Tag kam dann noch die Grossmutter turnusgemäss zum Zug. Ich hoffe, das mit dem Aufteilen bleibt auch weiterhin so. Denn wer in einem schlimmeren Fall so rechnet, der kann sein Kind sechs Tage lang mit Elternhänden pflegen, drei Tage Papi und drei Tage Mami, sollte es einmal nötig sein.

Susanne TavernaSusanne Taverna ist Dienstchefin beim «Bündner Tagblatt» und Mutter eines acht Monate alten Sohnes. Sie lebt mit ihrer Familie in Chur.

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