
Ein beneidenswerter Kerl, frei von allen Bindungen: George Clooney in «Up in the Air» (2009).
Dem heutigen Blogpost muss ich eine Warnung vorausschicken. Das Thema könnte ihre emotionale Stabilität gefährden. Oder sie nerven. Aber es muss mal gesagt sein. Manchmal ödet es an, eine Familie zu haben und man fragt sich, ob die Entscheidung dafür richtig war. Mir ging es so am Samstagnachmittag. Ich stand im Zoo vor dem Schimpansenkäfig und betrachtete die Tiere dabei, wie sie sich gegenseitig mit Bananen bewarfen, dazu der Soundtrack meiner Kinder, die zu wissen verlangten, warum die Affen so komische Hintern haben. Statt einen Exkurs über die Evolutionstheorie zu halten, dachte ich an ganz andere Hintern. Jene, die jetzt gerade bei der einzigen Basler Fashionshow der Modeklasse über einen Laufsteg defilierten, behängt mit den Kreationen dieser jungen, hoffnungsvollen neuen Generation junger Modetalente. Lieber als über Schimpansen und das anstehende Zvieri hätte ich mich darüber unterhalten, welche Kollektion jetzt State of the art ist und welche nicht.
Das kam so. Jüngst rief meine schöne Freundin, Mutter und Single, mich an. Sie ist frisch verliebt in einen kinderlosen Mann, erzählte mir von einem Nachtessen mit ihm. «Wir redeten über unsere Träume, Wünsche und Pläne. Und ich musste mich zusammennehmen. Manchmal macht mich das so neidisch.» «Inwiefern?», fragte ich vorsichtig. «Er hat sein Leben, seinen Job, kann auf Reisen gehen, tun, was er will. Diese Freiheit.»
In solchen Situationen fühle ich mich jeweils wie das Ehepaar Roth aus Woody Allens «Husbands and Wives». Als ihre besten Freunde ihnen mitteilen, dass sie sich trennen wollen, wollen die Roths davon nichts hören und sind schliesslich so aus dem Häuschen, dass am Ende ihre Ehe dabei draufgeht. So geht es mir, wenn andere die Frage stellen, ob es nicht doch bessere Lebensformen als die familiäre gibt.
Also bellte ich wie ein pawlowscher Hund mein «Ja, aber!» ins Telefon und leierte etwas über die Tiefe der Erfahrung des Kinderhabens herunter und dass Freiheit eben auch nicht alles ist. Dann fragte mich meine Freundin, ob ich mit ihr zur Diplom-Modeschau der Basler Modefachklasse kommen wollte. Ich wollte, konnte aber nicht, weil ich meine Nichte zu Besuch hatte.
Neid ist kein besonders edles Gefühl und deshalb steht man auch nicht gern dazu. Besonders nicht vor sich selber. Aber es gibt ihn. Er nährt sich an der Vorstellung all der freien Menschen da draussen, die ihre Nachmittage nicht im Zoo verbringen, lange Reisen planen, sich spontan für irgendwelchen Unsinn entscheiden, und man argwöhnt, dass man in eine stupide biologische Falle getappt ist, welche die smarteren Freunde elegant umschifft haben. Als ich die wirklich hässlichen Schimpansenhintern studierte, mich dann umdrehte und der versammelten Elternschaft in ihrem gelangweilten Trott zusah, dachte ich, dass ihnen wie wahrscheinlich auch allen andern der Eltern hier die Tiefe dieser Erfahrung manchmal, nun ja, am Arsch vorbeigeht.
Abends sah ich mir den Film «Up in the Air» an. George Clooney spielt darin einen Downsizing-Experten, Prototyp des überzeugten Bindungslosen, der durchs Land jettet, aus dem Koffer lebt und Vorträge darüber hält, wie viel besser ein Leben ohne materiellen und emotionalen Ballast ist. Die Frauen um ihn missbilligen seinen Lifestyle mehrheitlich. Ausser der Geschäftsfrau Alex, die genauso selbstbewusst und smart wie er das bindungsfreie Leben zelebriert und mit der er eine unverbindliche Affäre beginnt.
Der Film hat ein paar schöne Momente. In einer Szene muss Clooney seinen zukünftigen Schwager, der in der Nacht vor der Hochzeit kalte Füsse gekriegt hat, dazu bringen, doch noch vor den Traualtar zu treten. «Ich sah schon alles vor mir, wie ich heirate, ein Haus kaufe, ein Kind kriege, dann ein zweites, Weihnachten, Thanksgiving, Schulabschluss, Enkelkinder. Ich sagte mir: das kann es doch nicht gewesen sein!», meint der Schwager. Das spricht Clooney natürlich aus dem Herzen, aber weil er den Schwager überzeugen muss, sagt er: «Sie haben recht. Aber denken Sie mal an die wichtigsten Momente in ihrem Leben. In wie vielen davon waren sie alleine?»
Das stimmt versöhnlich, denn natürlich ist der Neid auf die Kinderlosen ziemlich kindisch. Niemand, den ich kenne, möchte zurück und missen, was die eigenen Kinder ihm geben. Freiheit mag schön sein, aber neues Leben zu begleiten, ist down to earth. George Clooney überzeugt im Film übrigens nicht nur den Schwager, sondern auch sich selbst. Er realisiert, dass er Alex liebt, dass er Verbindlichkeit möchte und wartet ihr auf, um ihr das zu gestehen. Als als er vor ihrer Haustür steht, erweist sich, dass sie einen Mann und eine Familie hat. Der arme Clooney steht also alleine da, kann nicht landen und ist zu seinem Dasein in der Luft verdammt. Aber der poetischen Gerechtigkeit sei hier versichert: es gibt auch wichtige Momente im Leben, in denen man alleine ist.
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Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub. 

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@Lea. auf ihren 23.02-Post. understand?
nicht dass ich was dagegen hätte, ich geniesse oft die späte stunde im wltweiten netz mit einem glas bourbon oder noch öfter einer hübschen flasche znfandel rosé, manchmal ist die flasche leer am ende
…und lausche dazu goulds goldberg-variationen oder bill evans feingliedrigen kunstwerken während ich meinen nächsten besuch in florenz plane und bei einem kleinen mitternachtshappen bei kerzenschein uber den verfall des abendlandes nachdenke. dann noch rasch die dobermänner rauslassen, die brav beim cheminée mit den jagdtrophäen warten.
aber nicht heute. Ta, ta.
ich meinte die Anspielung auf Medis.
@Max
Was ist eigentlich das Thema: Schimpansenhirn, Schimpansenkäfig, Schimpansenhintern?
Nein Max, das Thema ist Schimpansenranzen.
@max
das wort als solches ist frauenfeindlich, ansonsten die frauen als definierter hängender busen zu verstehen wären
die anwendung/benützung in der allgemeinen öffentlichkeit gebietet sich nicht, in der privaten öffentlichkeit jedoch schon und das sind männerrunden; dito zum hängebauch, -ranzen, den sie auch unter männern verteilen
der umstand, dass wir männer eher unempfindlicher gegenüber frauen reagieren auf solche titel, können sie unter graduellem entwicklungsvorsprung abhaken.
@ Roland Strasser
Warum nur Dobermänner und keine Doberfrauen????????????
Ich liebe Kinder, bin aber selbst ungebundene Single.
Ich denke, dass viel von den komischen Reaktionen meiner Mütter-Freundinnen “Sag kannst du nicht kapieren, dass ich keine Zeit habe” in wirklichkeit die reine Eifersucht sind…
@soso: Man muss hier auch sehen, dass sie manches organisieren liesse, theoretisch. Aber man läuft halt schon zeitweise auf den Knochen, auch wegen dem Schlafmangel bei kleinen Kindern. Man mag einfach nicht. Entlastung wäre manchmal super. Eifersucht ist vielleicht zuviel gesagt, man will ja nicht tauschen, aber man sehnt sich manchmal schon nach etwas anderem als Pampers und Gläschennahrung. Aber das geht vorüber.
@Eni: nur wenn ich auch einen Schildkröterich, einen Bienenkönig und einen Antilopen haben darf!!!!!
@ Lea
Mit meinem Beitrag teile ich mit, dass ich die heutige Zeit einfach sehr schätze (nicht alles, mache nicht jeden Saich mit) . Oft werden die guten alten Zeiten beklagt, ich mag einfach die natürliche Art der Kinder . Ich neige in fortgeschrittenem Alter zu Uebertreibungen, lieber euphorisch als verbittert, ich möchte niemand belehren hier im Blog, schätze einfach das Angebot Mamablog und die Beiträge von Frau Althaus und Frau Binswanger, die bei mir so authentisch rüberkommen. Vor ein paar Jahren sass ich oft am Marktplatz Basel im Strassencafé. Bekam dann auch Gespräche mit, oft waren es alte Frauen, die sich über ihre Töchter beklagten . Können
Sie damit etwas anfangen ? Ist kein Angriff auf Sie
Ist zwar schon ein Weilchen her: aber AFAIK noch nicht beantwortet:
Pippi: “was heisst friggin’ – ich fand nur fried egg?”
Ein anderer Euphemismus für f$cking.
Aaarghhhh … Liebe Mama-Blog-Schreiber(innen) und liebe Mama-Blog-Leser(innen) und aussen – ich weiss, ein Blog ohne Kommentare ist kein richtiger Blog aber mir scheint dass der Kommentarbereich langsam aber sicher zu einem persönlichen Chat-Forum einiger Habitués wird, das inhaltlich immer öfter und immer weniger mit der jeweils gebloggten Thematik zu tun hat. Ich klicke äusserst gerne und oft durch die unterschiedlichen Meinungen zum jeweiligen Thema aber ich bin es je länger je mehr leid aus 100-300 Kommentaren immer die feinen Kommentarfrüchte aus dem ganzen Chat-Hick-Hack rauszuschälen! Wie wärs mit ein bisschen Contenance in dieser Beziehung – oder braucht’s vielleicht sogar ein separates Mama-Blog-Fan-Chat-Forum in dem sich all die Menschen mit viel Mitteilungsbedürfnis und Zeit richtig austoben können?
@ Cara Mia
Also, von Müdigkeit lasse ich mich nicht davon abhalten in den Ausgang zu gehen, dann könnte ich überhaupt nie raus, denn müde bin ich immer. War auch schon bis 5 Uhr morgens im Ausgang und dann um 10.00 h im Geschäft, habe das meiner Chefin gesagt und sie fand, dass man mir das nicht anmerken würde. Ist doch auch gut, oder?
@ Roland Strasser
Natürlcih dürfen Sie. Und einen Ameiserich und Fliegerich und und Papageierich.
Ich will dafür eine Hengstin und eine Hahnin
@Pippi: “was heisst friggin’ -> Ist Kiddy-Englisch für freaking.
@Uebersetzer: Merci!
@dandelion:
Ich bin Ihrer Meinung und werfe mal in die Runde, ob vorallem die betroffenen Männer (nur die Störefriede) sich nicht hier im MAMABLOG verirrt haben und einen eigenen PAPABLOG oder MÄNNERBLOG eröffnen und selber unterhalten. Ja, das ist mit Aufwand verbunden (igitt-igitt!) und die benötigte Lebenszeit und Einsatzbereitschaft wie es die beiden Blogmütter hier leisten, wird wahrscheinlich nicht gerade hoch bezahlt, die Mann dann damit verbringt, das Ding am Laufen zu lassen – täglich!
Und selbstverständlich dürften die Frauen im PAPABLOG auch sehr direkt ihre Meinung äussern und über die Männer motzen was das Zeug hält, ohne gleich verbannt oder gesperrt zu werden…Wie lange wäre die Lebenszeit dieses neuen Blogs? Eine Woche oder ein Monat?
@Widerspenstige: Nein, nur vier Minuten…. das ist ja genau das frustrierende. die sind fertig wenn ich erst am anfangen bin.
…alte, ungeölte, ratternde Motoren haben halt schon etwas länger, wenn sie nach all den jahren in der werkstatt mal wieder angelassen werden…ist schon klar, dass man mit einem traktormotor keine rennen fahren kann…deshalb tun wir MÄNNER das mit den flitzigen sportwagen, gerne auch ausländischer bauart…es geht uns oft einfach um das fahrgefühl!
Strasseralarm.
wusste gar nicht dass in der Schweiz Automobile gebastelt werden. Ausser diesen lächerlichen Sbarros mit Pierre Cardin Interieur.
Wenn ich’s gern mit Gearz mache, kaufe ich das entsprechende Toy und lass das Stopftierchen in der Ecke.
@Lea: “Ist Kiddy-Englisch für freaking.”
Oder so. Wobei freaking auch eigentlich nur dem Real Bad Word ausgewichen ist.
Ich finde das herzig im Englisch. Blooming, bleedin’, bloody, heck, rhymes with banker…