Zum sozialen Zündstoff kommt nun noch der Lehrkräftemangel hinzu: Blick in eine Zürcher Sekundarstufe. (Bild: Keystone)
Man wird ja in der Schweiz gern angeschossen, wenn man Kritik an der Sekundarstufe übt. Nicht weil die Oberstufe ohne Fehl und Tadel wäre, sondern weil das duale Bildungssystem mit der Berufslehre neben der universitären Ausbildung in diesem Land fast ebenso identitätsstiftend ist wie Willhelm Tell. Ja, das Modell Sekundarschule und Berufslehre gilt als einer der Erfolgsfaktoren der Schweizer Wirtschaft. Und das wohl nicht zu unrecht.
Umso tragischer, dass die Sekundarschule in den Augen vieler Eltern heute nicht mehr als Wunsch-Bildungsziel für den Nachwuchs gilt. Der soll, wenn irgend möglich, ins Gymi. Man erklärt dieses Phänomen gern mit der übertriebenen Bildungsangst der Eltern in Zeiten der Globalisierung. Oder aber mit dem erzieherischen Optimierungstrend, der die ersten Karriereschritte ins Kinderzimmer vorverlegt hat. Beides mag durchaus seinen Teil zur Konjunktur der Gymnasien beigetragen haben. Allein aber erklären sie nicht, weshalb der Bildungswert der Sekundarschule innerhalb einer einzigen Generation so massiv hat einbrechen können.
Seit mein eigener Nachwuchs eingeschult ist und ich mich zwangsläufig vemehrt mit unserer Volksschule beschäftige, glaube ich nicht mehr, dass diffuse, theoretische Ängste die Eltern in die Arme von Lernstudios oder privaten Oberstufen treiben, sondern vielmehr ganz konkrete Einblicke in eine Bildungsstufe, die fast nur noch negative Schlagzeilen generiert: Der Schlägertrupp, der im vergangenen Dezember in Luzern die Polizei auf Trab hielt, bestand aus Sekundarschülern aus Luzerner Agglomerationsgemeinden. Die Jugendlichen, die sich in Wädenswil im Sommer letztes Jahr an einem Mädchen vergriffen, besuchten die Oberstufe in der Seegemeinde. Die brutalen Schläger von der Goldküste hatten vor kurzem die dortige Oberstufe abgeschlossen. Man könnte diese Liste beliebig verlängern.
Die Sekundarschulhäuser, einst Ausgangspunkt einer typischen Schweizer Berufskarriere, sind zu Problemschulen geworden. Zum sozialen Zündstoff kommt nun noch ein personeller Notstand dazu: Der Schweiz fehlt es an Oberstufenlehrkräften. Um die Auflösung von Sek-Klassen zu verhindern, stellen die Behörden aller Kantone vermehrt Primarlehrerinnen ein, die für diese Aufgabe nicht ausgebildet sind. Laut «NZZ am Sonntag» besitzt in den Kantonen Luzern und Solothurn ein Drittel der Oberstufenlehrkräfte kein Sekundarlehrerpatent. Im Kanton Zürich steht jeder achte Lehrer oder Lehrerin ohne entsprechende Ausbildung vor einer Sekklasse. Mit fatalen Konsequenzen: Die Lehrer sind stofflich überfordert, sie kämpfen häufig mit massiven Disziplinarproblemen – gerade weil die unerfahrenen Einsteigerinnen und Einsteiger gern in die unbeliebten Niveau B und C-Klassen gesetzt werden, welche die erfahrenen Lehrer nicht übernehmen wollen. Und sie hängen ihren Beruf bald wieder an den Nagel. «Eine Primarlehrkraft in der Sekundarschule», lässt sich Anton Strittmatter vom Schweizer Lehrerverband zitieren, «das kann im Einzelfall gutgehen.» Im heutigen Ausmass sei das aber hochproblematisch. «Es droht ein massiver Einbruch der Schulqualität.» Entspannung ist nicht absehbar. Im soeben erschienen Bildungsbericht jedenfalls ist zu lesen, dass «sämtliche pädagogischen Hochschulen zusammen nicht genügend neue Lehrkräfte ausbilden, um den Bedarf längerfristig zu decken.»
Das sind keine Worte, die Eltern ermuntern, stoisch an die Oberstufe zu glauben, den Kern des dualen Bildungssystems. Und ehrlich: Wer kann bei solchen Voten von Seiten der Schulbehörden, Eltern nicht verstehen, die alles daran setzten, ihr Kind erfolgreich durch die Gymiprüfung zu lotsen?
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Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub. 

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@Cara Mia
Ich sehe das Grundübel auch in den jahrelangen Sparübungen im Bildungswesen und dieselben Kräfte jammern jetzt über eine verfehlte Migration und Kuscheljustiz und fallen über unsere Nachbarn aus dem Norden her, die sich hier breit machen sollen. Dass 68 Mia. innerhalb von 48h für die UBS bereit standen, wird in die Geschichtsbücher eingehen! Das ist so ungeheuerlich, dass ich mich ebenfalls jedesmal darüber aufrege. Deshalb habe ich null Verständnis für irgend welche Sparübungen im Bildungswesen und auch bei den Sozialwerken. Eine Umverteilung der öffentlichen Gelder muss endlich stattfinden und nicht länger Beiträge am Lohn gekoppelt sein. Skandinavien kann ich da nur als Vorbild-Sozialstaaten immer wieder lobend erwähnen. Die haben es wirklich in den Griff bekommen und es ist bezeichnend, dass vorallem Frauen an den Schalthebeln der Macht dort sitzen – mit Quote notabene! Steht gerade ein interessanter Artikel darüber in der ‘annabelle’ über Norwegen.
@Cara Mia Einige die ich kenne konnten dank der PFZ für ihre Karriere in die EU. In der EU leben 400′000 CH-Bürger, davon 70′000 im Deutschland. Einige können sogar seit der PFZ ihre Dienstleistungen in der EU Anbieten. D.h. sie können ihre Mitarbeiter für einige Monate in die EU schicken. Früher mussten sie eine Zeitniederlassung Gründen und die Arbeitsplätze sind in der EU entstanden. Unsere Wirtschaft profitiert von den Bilateralen und der Globalisierung. Wir sind zum Glück eins der erfolgreichsten Länder. Wir sind sogar so erfolgreich, dass wir die nötigen Arbeitskräfte nicht finden. Beziehungsweise haben wir zu viele schlecht ausgebildete Schüler.
@alle Das Grundübel für mich ist der Schulpolitische Stillstand in der Schweiz und der politisch ideologische Kampf über die Richtige Schule. Eigentlich haben wir ein gutes Schulsystem und die Mehrheit schliesst auch mit Erfolg die Schule ab. Das Problem sind die ca. 30% Schulversager die früher problemlos einen Job gefunden haben. Aber jetzt existieren diese Jobs nicht mehr. Im Prinzip müssten wir nur diesen Schülern helfen. Für mich heisst das natürlich kleinere Klassen um diese Schüler aufzufangen und die wichtigste Schulstufe ist dabei die Primar. In der Oberstufe, während der Pubertät, sind doch die Defizite kaum mehr aufzuholen. Leider wird da dauernd gespart!!!!!! Gleichzeitig leisten wir uns eins der teuersten und ineffizientesten Schulsysteme. Wir leisten uns sogar 26 verschiedene! Das alles dient nur dem Ego von Regierungsräten. Die müssen natürlich ihr Amt rechtfertigen und so lassen sie die Bildungsbürokratie in unzähligen Schulversuchen auf die Schulen los. Dazu brauchen wir unzählige verschiedene Lehrmittel in teuren Kleinstauflagen. Die Spitze sind die Gemeinden die alle ihr eigens Schulhaus brauchen. In der Nachbarschaft habe ich drei Oberstufenschulhäuser in 10 bis 15 min Velodistanz. Ein absolut teurer Wahnsinn. Ich will eine Schweiz weit einheitliche Schule mit gleichem Lehrplan. Zudem müssten auch die Lehrer von bürokratischen Aufgaben und Ämtchen entlastet werden. Gelichzeitig müssten die Beschwerderechte der Eltern eigenschränkt werden. Damit nicht jede Prüfung per Anwalt angefochten wird. Und einen Quatsch wie die Schulpflege ist auch überflüssig. Tagesschulen, Mittagstisch etc… versteht sich von selbst und das könnten wir durch die abgeschafften 26 Schulbürokratien etc.. locker bezahlen.
Leider sehe ich für die Schule schwarz, nicht einmal Harmos kann ohne grosse Widerstände umgesetzt werden. Die rechtskonservativen Ideologen werden unsere Schule zugrunde richten. (PS: Beim Militär waren sie bereits erfolgreich)
@Hansli
und wie willst deine Einheitsschule im Jura, in Neuenburg, in Waadt, in Genf, in Freiburg, im französisch sprechenden Teil vom Kanton Bern und last but not least im Tessin und im italienisch- oder romantsch sprechenden Teil von Graubünden lösen? Welches ist die Hauptsprache, welches die erste Fremdsprache, welches die zweite Fremdsprache? Welche Gemeinde wird in der Unterstufe angeschaut, in Geschichte und in Geografie, welcher Kanton wird im Detail angeschaut? Ich nehme an Zürich, weil die ja die wichtigsten sind und natürlich wird Deutsch und Englisch als erste Sprachen gewählt, oder sehe ich das falsch?
Zudem hab ich vor kurzem ein Interview gesehen von einem Professor für Europafragen, der hat gesagt, dass es für Schweizer immer noch vergleichsweise schwierig ist eine Arbeit im EU-Raum zu erhalten, Menschen aus den anderen EU-Ländern werden den Schweizern immer noch vorgezogen.
@Laura TI
Hauptsprache ist natürlich die jeweilige Landessprache, aber eben jeweils ein Lehrmittel und nicht dutzende. Mathe muss nicht immer neu erfunden werden, da reicht die Bücher zu übersetzen. Der Rest ist doch egal und ich hatte als ZH keine kantonsbezogende Geschichte / Geographie, wir hatten allgemein gehaltenen Unterricht über die ganze Schweiz. Die ganze Allgemeinbildung war sowieso Schrott. Erst an der Kanti hatte ich in dieser Beziehung einen brauchbaren Unterricht. Trauriger Tiefpunkt punkto Allgemeinbildung sind die Miss- und Mister-Schweiz Kandidaten. Welche Fremdsprache als erste Sprache gewählt wird, ist mir persönlich egal. Für jede Sprache sprechen gute Argumente.
@Hansli
das sehe ich ganz anders, wir haben in der Unterstufe zuerst über unsere Gemeinde geredet, damit sich das Kind ein Bild machen kann, Dinge auf Karten wieder finden kann, danach kam unser Amt dran, dann der Kanton, dann die Schweiz. Also müssten alle Geo-Bücher Kantonal geschrieben werden, anders geht es nicht und was die erste Fremdsprache angeht, da merkt man auch, dass dies wenig überlegt ist, denn sonst würde man dem nicht so wenig Gewicht beimessen. Und nur noch ganz am Rande, es gibt durchaus auch Menschen, die kein Gymi machten und trotzdem ihren Weg gehen, die sollen dann alle keine brauchbare Allgemeinbildung mehr erhalten, nur noch so eine Schnellbleiche ?
@Hansli
@Laura TI
Ich finde dieses “Einheitsschule”-Dingsbums eine Schnapsidee und zwar aus folgendem Grund: Jeder Lehrer muss aus seiner Lebenserfahrung, seinen persönlichen Möglichkeiten schöpfen. Sonst ist er nicht glaubwürdig den Schülern gegenüber, hat keine Autorität und kämpft mit Disziplinarproblemen.
Zudem hat jeder Kanton andere Bedürfnisse, sowohl von seiner Wirtschaft wie von seiner Siedlungsstruktur her.
Die kantonsübergreifende Lehrpläne müssen nur das absolute, von allen einzuhaltenden Minimum strikte festlegen. Das sind Leistungsziele, die von allen eingehalten werden, insbesondere in Lesen, Schreiben, Rechnen. Alles andere soll lokal mit der Schulkommission der Gemeinde und kantonal mit der Erziehungsdirektion geregelt werden.
@Hansli: Die Ausbildung ist in der ganzen Bandbreite nicht gut, es stimmt nicht, dass wir ein “gutes Schulsystem” haben, leider. Vielleicht hast Du mit den Schulversagern recht, aber auch die andere Seite stimmt nicht. Beispielsweise der Numerus Clausus an der medizinischen Fakultät, dabei haben wir zu wenig Ärzte und müssen die dann importieren. Schweizer, die sich eignen würden, werden nicht ausgebildet. Der Grund liegt darin, dass die Kantone über die Universitäten bestimmen und sie bezahlen. Da wird dann halt kantonal gespart, je nachdem, wieviel Geld ein Kanton hat. Das ist absolut falsch, das gehört schweizweit geregelt. Auch Pflegepersonal bilden wir zu wenig aus, Schweizer Jugendliche finden keine Lehr- oder Praktikumsstellen. Dabei haben wir einen Pflegenotstand. Das ist einfach unglaublich.
Allzu zentralistische Ausbildungswege sind unter Umständen nachteilig, weil man unflexibel ist, etwa ein schlechtes Grammatikbuch nicht so rasch abschaffen kann. Aber ich bin überzeugt, dass die Vorteile überwiegen, gerade in einem derart kleinen Land wie der Schweiz. Ich sehe auch nicht, warum es nicht möglich sein soll, ein Dorf im Jura, Zürich und Locarno in einem System zu vereinheitlichen. Man kann ja diejenigen Belange, die unterschiedlich bleiben müssen – etwa mehrere Klassen in einem Zimmer bei wenig Schülern auf dem Land – auch individuell regeln. Wichtig ist die Flexibilität für die Bevölkerung und dass man bei einem Umzug nicht in ein absolut anderes System gerät und die Kinder damit Probleme haben.
@Widerspenstige
Bin ganz Ihrer Meinung betreffend der nordischen Länder. Dass bei uns ausgerechnet dann, wenn es um die verbesserte Teilhabe der Frauen geht, gegen Quoten geredet wird, ist leider typisch für die frauenfeindliche Haltung vieler Entscheidungsträger, es ist ein harter Verteilkampf, der Kuchen wird nicht grösser; wenn Frauen ihren Anteil haben wollen, müssen Männer zwangsläufig zurückstecken. Quoten gibt es in der Politik überall, sie werden akzeptiert und gefördert, weil damit Ungleichheiten ausgeglichen werden können. Im Kanton Bern hat z.B. der Jura einen ständigen Anspruch auf einen Regierungsratsitz, das ist auch eine Quote.
@KV-Lehrer S
@Matthias Eberhard
interessant wie unterschiedlich die Wahrnehmung hier ist. Aus Sicht von Matthias ist also die Schule zumindest ebenso schuldig was die Probleme angeht. Nun einen Schüler nicht als Menschen wahrnehmen – Woher mag das wohl kommen? Ich wage mal eine These: Kann es sein, dass durch die Verschiebung vom Klassenlehrer zu Fachlehrern ein Mangel an “Bindungsfähigkeit” entstand, wodurch die Schüler nur noch als Gegenstand betrachtet werden?
Demgegenüber die Aussage des KV-Lehrers welche mehrere andere Aussagen inklusive meiner eignen unterstreicht. Wo leben wir denn, wenn Ballett, Klavierunterricht, neben der Schule wichtiger sind als die Grundausbildung (Aus Sicht der Eltern)? Solche Sachen fördern zwar den EQ und können im Leben hilfreich sein, wenn dabei aber die Ausbildung von Grundelementen zu kurz kommt, haben wir über kurz oder lang doch ein Problem.
Das ein KMU Betrieb heute oft Mühe hat qulifizierte Leute zu (er)halten hat nicht zuletzt auch mit damit zu tun, dass es heute kaum noch möglich ist einen Prüfling durch einen Test rasseln zu lassen Die Abschlussquote soll ja bei 100% liegen, damit man diesen aber erreicht müssen die Noten nach unten geschoben werden, obschon das diejenigen zuviele Fehler machen. So zumindest habe ich es von Lehrpersonen erfahren.
Ich glaube, das Grundkonzept der Sekundarschule war und ist nicht falsch. Aber ein Sekundarlehrer braucht wieder breiteren Handlungsspielraum. 2. müssen wir die Ideologie vom modularen Fachunterricht schnellstens überdenken. Da gehören meines erachtens auch Teilautonome Schulen dazu.
Baustelle Schule
Mir scheint eines der wenig beachteten Grundübel der heutigen Schule liege in den Wahlangeboten. Um den SchülerInnen Wahlmöglichkeiten zu bieten, braucht es grosse Schulen. Welche Probleme aber grosse Schulen generieren braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Wichtig ist, dass die Lehrer grosse gestalterische Freiheit geniesssen und Gelegenheit haben ihre Lebensfreude und Kreativität in den Unterricht einzubringen. Die Qualität muss weniger durch Tests, als über die Lehrerausbildung und Teamteaching gesichert werden.
Die Schule sollte wie eine Naturwiese und nicht wie ein Getreidefeld aussehen. Ernteerfolg ist nicht das einzige Qualitätsmerkmal!
@max Verbindliche schweizweite Lehrpläne in der jeweiligen Landesprache und Mathe sind für mich absolut zwingend. Wie da der Lehrer “Lebenserfahrung, seinen persönlichen Möglichkeiten schöpfen” einbringen kann, versteh ich nicht. Mathe, Grammatik und Orthographie ist überall dasselbe. Ich will eine Schule die mit klaren schweizweiten Lehrplänen unterrichtet. Vergleiche würden dann schnell Probleme aufzeigen. Wie Cara Mia auch geschrieben hat, der Wohnortswechsel wäre dann auch für Familien kein Problem.
@Cara Mia Mit Schulsystem bezog ich mich auf die obligatorische Schule. An der Uni haben wir nicht nur in der Medizin gravierende Ausbildungsprobleme. Eine der Ursachen ist der pervertierte Kantönligeist.
@Laura TI Eine brauchbare Allgemeinbildung hatte ich nicht bis Ende Sek. Das war ein totales Chaos. Z.Bsp. hatten ich 4-mal das Schlüsselblümchen, weil jeder Lehrer frei in der Gestaltung ist. Ein bisschen Koordination kann auch da verlangt werden. Eine gute Allgemeinbildung braucht niemand zum überleben, aber ohne wird niemand die Karriereleiter hochsteigen.
@Cara Mia 20. März 2010 um 17:47: „Man muss das Unbehagen der Schweizer gegenüber der Migration aber ernst nehmen. Viele haben Angst davor, fremdbestimmt zu werden, … Es haben also viele hierzulande das Gefühl, nichts mehr zu sagen zu haben und nur noch bezahlen zu müssen. Das ist genau das, was ursprünglich ja zur Gründung der Eidgenossenschaft geführt hat…“
Da sprichst Du meines Erachtens etwas ganz wichtiges an. Nämlich, dass unter der Kritik an teilweise sachlich guten Vorschlägen in der Politik das Gefühl der illegitimen Fremdbestimmung ist.
Das Gefühl, man tue auf demokratisch und mit Abstimmungen abgesegnet, danach aber wird diametral entgegengesetzt zum Volkswillen eingeführt, oder über den Verordnungsweg am offensichtlichen Volkswillen vorbei.
Cronyismus (Vetterliwirtschaft) hast du auch erwähnt. Würde Freizügigkeit aber voll konsequent eingeführt, bedeutete dies:
In den mangels Wettbewerb verfetteten Marktbereichen in der Schweiz würden inländische Anbieter und Verteiler nicht überleben. Umgekehrt würden diejenigen Schweizer Firmen, die seit Jahrzehnten mit weltweit bester Effizienz und Produktivität arbeiten, auch grossen ausländischen Firmen deren Heimmarkt schlichtweg wegschnappen.
Du hast Recht, das war damals mit den Habsburgern gleich.
Es gab dann etwas später eine ‚Boston Tea Party’ wo die Briten verscheucht wurden.
Schnellvorlauf nach 2010: es gibt wieder ‚Boston Tea Parties’. Verscheucht werden sollen die sich um Demokratie sich fouttierenden Funktionäre in Neubern am Pot-Au-Mac Fluss (Pottomac river).
Vielleicht sollten Schweizer auch Boston tea parties veranstalten. Irgendwer hier wird vielleicht einen kulturell passenderen Titel dazu finden.
@Hansli
Vier mal Schlüssleblümli. Das gab es bei uns nicht, weil der Kanton vorgab, bis zu welchem Schuljahr welche Themen durchgearbeitet sein mussten. Wenn ich fragen darf, wann ungefähr in der obligatorischen Schule?
Ich bin einverstanden, dass in den Fächern Lesen, Schreiben, Rechnen verbindliche Lehrziele für die einzelnen Schuljahre vorgebeben sein sollen für die ganze Deutschschweiz. Ein Lehrplan ist etwas anderes. Der gibt viel detailliertere Vorgaben.
Deklarations-Irrtum! Heute läuft alles unter dem Begriff Sekundarschule – der Titel SEK muss für ALLES hinhalten. Die Herausforderung durch die Schüler sind eigentlich die gleichen, bloss weilten jene früher in der Realschule (oder Abschlussklasse zb. TG). Vermischt man beide, steigen höhe Begabte mit mangelnder Disziplin eher ab, umgekehrt jedoch andere kaum auf. Zu verdanken habe wir diese Allvereinigung den ja nickenden Gutmenschen. Denjenigen, die nicht bereit sind, im Denken eben auch (die bösen) Pole zuzulassen. Damit alles noch gehobener klingt (der Zweck der Uebung): man könnte ja alles auch auf Gymmi umbenennen, A B C D usw. Dann würde die hiesige Schlagzeile lauten: der Niedergang der Gymmnasialstufe..
Bei einem einheitlichen Schulsystem müsste der Unterrichtsstoff fächerübergreifend, wo möglich, stattfinden z.B. in ‘Werken/Zeichnen’ kann in Französisch in der Deutschschweiz und in Deutsch in der Romandie/Tessin erfolgen. Ebenfalls darf in ‘Mensch und Umwelt’ der Romands in Deutsch erfahren, wo welches Dorf steht und umgekehrt in Französisch in der Deutschschweiz/Tessin. Es darf ruhig auch in unkomplizierter Atmosphäre die andere Sprache (z.B. I/Sp, F) mündlich gelernt werden, und als Lektion vertieft D/E unterrichtet werden. Hier ist ein kluges innovatives Miteinander gefordert.
Es darf nicht länger in 26 verschiedene Schulsysteme und Bücher und Infrastruktur investiert werden. Das können wir uns schlicht nicht mehr leisten. Ebenfalls entfällt bei einem einheitlichen Schulsystem das Problem für Eltern/Kinder bei Wohnungswechsel in einen anderen Kanton.
@Pippi Langstrumpf
Ich bin für eine Quote wie in Skandinavien, weil es funktioniert und bereits in Norwegen 44,2% Frauen in Verwaltungsräten sitzen. Die besagten Frauen wurden übrigens von einem Norwegischen Wirtschaftsökonom gefördert, welcher die Wichtigkeit für eine gut funktionierende Wirtschaft sah. Ja, auch wir haben eigentlich eine Quote für Regierungsratssitze etc. – einfach versteckt.
@Widerspenstige
Sie nehmen Norwegen als Vorbild für die Schweiz? Das ist zum totlachen. Norwegen hat riesige Ölreserven für den Export, nimmt extrem viel Steuergelder damit ein. Die Leute könnten in Saus und Braus leben. Stattdessen wird das Geld in einer doktrinären, politisch gesteuerten Wirtschaft verschlissen und das Land macht auch noch Schulden!
@einheitliche Lehrmittel: Wenn es nur die Geographie ist, kann ja jeder mit seinem Kapitel anfangen …
. Es geht aber um viel mehr, um die Stundenpläne, die Anzahl Wochenstunden, den Jahresstoff, die Geschichte, und so weiter und so fort. Natürlich kann Muttersprachenunterricht und Fremdsprachenunterricht nicht gleich erteilt werden, also werden die Französischbücher der Romandie anders sein, als die in der Deutschen Schweiz oder im Tessin.
@max: die Schweiz hat auch unglaubliche Vermögen. Für den Strassenbau und die Banken. Hopp, und 68 Miliarden sind da…
@max Wir sind eins der reichsten Länder der Welt und Geld ist da für Kühe, Strassen und Panzer. Dann reicht das Geld natürlich nicht für unsere Kinder……. Naja, besser gesagt, wir leisten uns ein teures Bildungssystem mit geringem “Output” im Vergleich zu den kosten.
Die Schule wird vollkommen überschätzt.
Ein Kind, dass altersgemäss genug schläft, anständiges Essen bekommt, Zeit mit seinen Eltern und anderen Kindern verbringt, draussen spielt und sich bewegt, zuhause ein Angebot von Büchern und anderen Anregungen wie basteln, handwerken und Zeichnen hat, die Anfänge der Haushaltsführung lernt – Ämtli wie WC putzen, kochen, staubsaugen und ähnliches plus die Regeln des sozialen Kontaktes mitbekommt (Besuch haben, grüssen, reden mit Bekannten, sich ausdrücken können) wird seinen Weg als guter oder weniger guter Schüler machen.
Diese Kompetenzen sind noch wichtiger als alles Halbwissen, dass man sich in jeder Schule aneignen kann. Dieses Wissen macht einem zu einem Menschen, der den Alltag bewältigen kann.
Die Schule ist genausowenig perfekt wie die ganze Gesellschaft, zu der wir alle gehören und zu deren Unperfektheit wir alle beitragen. Unsere Umwelt spiegelt uns selbst wider. Manchmal ist das zwar unangenehm, aber wahr.
Ausserdem haben wir alle immer das Gefühl, dass das, was wir vermissten, für unsere Kinder wichtig sei. Bis sie zur Schule rauskommen, hat sich die Welt aber schon wieder verändert
So hat jedes Kind das Schulsystem, das seine Eltern gerne gehabt hätten (hätte ich doch damals in der Schule Englisch gelernt, Computerwissen angehäuft, in Mathe war ich gut, da hätte ich den Sekundarschulstoff bewältigt, aber das war nicht möglich usw…)
Und die Wirtschaft fordert auch immer ganz kurzfristig das, was sie gerade jetzt braucht. Bis das dann in der Schule gelandet ist, braucht man in der Wirtschaft bereits wieder was anderes.
Das Allermeiste habe ich vom Leben gelernt und kann damit gut leben. Trotz Studium, Fachhochschule und so weiter.
Es ist eine Illusion, dass die Schule wichtig ist. Sie ist da und bietet einen Dienst an. Das ist gut so. Aber wichtig ist das Leben, Freunde, Anregung, Spass, Familie und das Geliebtwerden. Und das kann und muss die Schule nicht alles erledigen.
Das ist theoretisch schon richtig. Leider müssen aber unsere Kinder diese Schule absolvieren, wenn sie, beispielsweise, studieren wollen. Es soll da welche geben, die dieses Ziel tatsächlich verfolgen. Und da wäre es doch SEHR nett, die Schule wäre ansatzweise ein wenig anders….