Leben


Nicole Althaus am Freitag den 5. Februar 2010

Einwegkommunikation

Jedes Wort ist zäh wie Kaugummi

Jeder Wortwechsel ist zäh wie Kaugummi

Irgendwann ist man schon so lange Mutter und denkt, man hat alles gesehen, da kommt nichts mehr, was einen aus der Fassung bringen könnte. Alles schon gehabt, schlaflose Nächte, endlose Tage, grundloses Glück, sinnloser Zoff. Doch dann kommt die Tochter eines Tages von der Schule heim und sagt einfach nichts. Nicht einmal das übliche «Was gibt’s?» am Mittag. Nein, sie markiert ihre Präsenz mit angenervtem Schweigen und spart ihre Worte, als seien sie kontingentiert, für den nächsten Anruf einer Freundin auf.

Das ist total normal, tröstet man sich, so sind Teenager nun mal. Aber fühlen tut man sich trotzdem ein bisschen wie damals in der Krabbelgruppe, als all die anderen süssen Fratze schon so was wie «Mammamma» zustande kriegten und der eigene unbeeindruckt weiter schwieg, als handle es sich beim Spracherwerb um eine freiwillige Angelegenheit: Man redete und redete und wartete, gespannt zuerst, dann ungeduldig und zuletzt doch ziemlich angespannt auf das erste Anzeichen einer kommunikativen Kontaktaufnahme seitens der Tochter.

Nun, in der Pubertät wiederholt sich diese mütterliche Einwegkommunikation: Sie besteht aus einem Sender, der viel sagt und gern viel hören würde, und einem Empfänger, der weder etwas hören noch etwas sagen will.

Nicht nur innerfamiliär übrigens ist die Kommunikation zäh wie Kaugummi.  Kolumnen? Eltern-Magazine? Blogs? Die drehen sich alle fast ausschliesslich um die ersten Jahre mit den Kids. Selbst befreundete Eltern, die früher immer ein Episödchen vom Nachwuchs zum Besten gegeben haben, sind plötzlich wortkarg. Teenager sind offenbar einfach nicht unterhaltsam genug, im wahrsten Sinne des Wortes. Wirklich hilfreich sind in diesen Tagen auch die geschwätzigen Sites mit den  Tipps für den Umgang mit Teens nicht: «Bleiben Sie im Gespräch!», rät man da allenthalben. Ja, das will ich doch! Aber dafür müssen Sender und Empfänger ab und zu ihre Rollen tauschen. Versuche ich es also damit: «Machen Sie keine Vorwürfe, zeigen Sie Ihr Interesse». «Schätzchen», wende ich mich an Tochter I, «Schätzchen, es interessiert mich, was du nach der Schule Spannendes gemacht hast, dass du so spät nach Hause kommst.» Tochter I guckt kurz hoch, legt ihre babyglatte Stirn dramatisch in Falten und schweigt. Ihr Blick allerdings sagt mehr als tausend Worte. Zusammengefasst und auf das Wesentliche gekürzt: «Du nervst!»

Ich lasse ihr also, das ein anderer Tipp einer weiteren einschlägigen Site, ihren Freiraum, schweige meinerseits  und lese die Zeitung. Am Abend setze ich mich zu ihr ans Bett, wie immer, und setze zum letzten Gesprächsversuch an. Was ihr denn am heutigen Tag besonders gefallen oder missfallen habe, frage ich.

«Nichts», antwortet sie.

Na, das ist doch ein Anfang.

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166 Kommentare zu „Einwegkommunikation“

  1. Brunhild Steiner sagt:

    @Mia: interessieren würde mich nun aber schon ob es in Ihrer Kindheit auch so Gespräche gab wie ich sie im gestrigen 18:08 post beschreibe? Denn diese bilde ich mir nicht nur einfach ein und bewege mich komplett realitätsverneinend durchs Leben! ;-)

  2. Laura A. sagt:

    @Mia
    ich hab gerade mit dem gleichwertig ein Problem, Kinder können nicht gleichwertig sein, weil es ihnen schlicht an Erfahrung und Weitblick mangelt. Eine Strafe muss für mich zwingend mit der “Tat” zu tun haben, sonst kann das Kind ja den Zusammenhang nicht erkennen, aber vielleicht meinen wir ja dasselbe nur nennen wir es anders.
    Ich kann dich beruhigen, bei mir als Alleinerziehenden und Vollzeitarbeitenden klappt es auch nicht immer mit dem authoritären Erziehungsstil, manchmal lass ich auch etwas duchgehen, wo ich eigentlich hätte hart bleiben sollen. Nun denn, sie sind gross geworden und ich finde, sie sind so geworden, wie ich es mir sie erhofft habe.

    Ein schöner Gedanke, der mit dem Lebens-Trainer

    Das mit der seelischen Tankstelle kann ich nachvollziehen, war für mich der Grund, weshalb ich den Sprung über die Alpen gewagt habe und bis heute habe ich es nicht bereut.

  3. Mia sagt:

    @Brunhild: ich habe lernen müssen, dass die Wahrnehmungen von Mutter und Tochter total verschieden sein können, deshalb bin ich vorsichtig mit der Antwort. Meine Mutter und ich haben uns eine Zeitlang gemailt, weil reden schlecht ging, und ich war vollkommen baff, wie sie die Vergangenheit sieht, und umgekehrt natürlich auch. Wenn ich nun also sage, ich konnte nicht derartige Gespräche führen, dann würde sie das bestreiten. Ich habe ihr klar nicht alles erzählt, was mich beschäftigt hat. Natürlich habe ich mit ihr auch Probleme beredet, das wurde so erwartet. Eine Mutter merkt ja auch, wenn etwas nicht stimmt, und ich war kein Meister im Vorlügen. Also waren so Gespräche wohl möglich. Ich fühlte mich aber nie wohl, immer unterlegen, und bin so früh ausgezogen, wie das nur ging (ich studierte). Später habe ich mich dann endlich getraut, ihr nichts mehr zu erzählen.

    @Laura: wegen dem Mut zum Sprung beneide ich Dich … Gleichwertig ist nicht gleich: hat mit “Wertigkeit” zu tun! Ein Kind ist so viel “wert”, wie ein Erwachsener, das ist gemeint. Aber es kann nicht gleich viel, noch nicht, und darf deshalb auch nicht gleich viel. Der Wert ist eine innere Grösse, irgendwie.

    Das war ja auch immer das Thema der Gleichberechtigung: Frauen und Männer sind nicht gleich, aber gleich viel wert. Das sehen nicht alle so, noch immer nicht…

  4. Laura A. sagt:

    @Mia
    hast mich grad nachdenklich gemacht mit deinem letzten Eintrag. Das, was du erlebt hast mit deiner Mutter kann man wohl auf viele Ebenen ausdehnen, ich werde bei der nächsten Gelegenheit meine Kinder mal darauf ansprechen, wie sie das erlebt haben früher und wie es jetzt aussieht, ich denke, so eine Standortbetimmung kann auf keinen Fall schaden. Danke jedenfalls für deinen Input.
    Ich glaube ich verstehe jetzt, wie du das meinst mit dem gleichwertig, für mich ist das eigentlich ganz klar, dass jeder Mensch den gleichen inneren Wert hat, die einzige Frage, die ich mir in dem Zusammenhang stellen muss ist, wie viel Wert, Platz dieser Mensch in meinem Leben einnimmt und bei meinen Kinder ist es wohl so, dass die einen der grössten Werte einnehmen.

  5. Brunhild Steiner sagt:

    @Mia: ich meine eigentlich Gespräche wo sich die Mutter hingesetzt, die Kinder rundherum, und sie gefragt hat, “wie geht es euch denn so mit mir, letzthin war ich wohl wieder mal obermühsam, wie habt ihr denn das so erlebt usw etc., und klar, dem Alter entsprechend. Also Gespräche die nicht einfach so entstanden sind, sondern wo die Mutter quasi regelmässig in einer guten Atmosphäre “Feedbackstunde”abhielt. So eine Art Familienrat wär das wohl, bloss dass es in dem Rahmen vorallem um die Mutter geht. Gab es sowas? Und zählen würde es natürlich nur, wenn auch jedes Kind die Freiheit fühlte ehrlich sein zu dürfen. Aber irgendwie befürchte ich aus den Zeilen, dass es mit dieser Sicherheit nicht gross bestellt war?

  6. Mia sagt:

    @Brunhild: sorry, da war mir zuviel Kinderwagen, Überblick verloren…

    Nun, wie war denn das bei Ihnen? Dieses Familienrat-Ding (ist es überhaupt das, was Sie meinen?) gab es doch gar nicht vor den 68-ern. Was die Eltern sagten und taten war Gesetz. Aber vielleicht sind Sie ja jünger und fragen nicht provokativ.

    Ich weiss nicht genau, worauf Sie hinaus wollen. Geht es in die Richtung: ich bin ja so kommunikativ, setze mich mit den Kindern hin, halte Feedbackstunde, gute Atmosphäre und so, bin also eine gute Mutter und da liegen Klapse drin? Ich will nicht provozieren, ich will nur wissen, wie Sie das meinen.

    Das tönt ja gut, was Sie da schreiben, und wenn Sie das so halten, dann ist das super. Aber warum brauchen Sie dann noch Klapse? Wie kann ein Kind sich bei Ihnen sicher fühlen, wenn Sie handgreiflich werden? Da nützt doch alles harmonische Reden nichts. Was wissen wir schon, ob unsere Kinder wirklich ehrlich sind. Ich würde das nie so behaupten, wie Sie, obwohl ich sicher bin, dass sie mir gegenüber ehrlich sind. Aber wissen kann ich das so wenig wie Sie.

    Irgendwie finde ich das, was Sie da schildern, sogar noch schlimmer, als das, was ich hatte. Dieses Verständnisvolle, und dann kriegt man doch was um die Ohren. Das sind fragwürdige Doppelbotschaften.

  7. max sagt:

    @Mia
    Aus Ihrem Einwurf und auch dem von anderen Frauen könnte man immer wieder meinen, dass die Alten von früher blöde waren und im Umgang miteinander den gesamten gesunden Menschenverstand wegliessen. Das lese ich bei Rollenbildern von Vater und Mutter, bei Rollenbildern von Mutter und Kind oder Vater und Kind.

  8. Brunhild Steiner sagt:

    @Mia: Sie haben die Vertrauensfrage aufgebracht und, wie ich das verstanden habe, in einem Rundumschlag allen Eltern die in irgendeiner Form zu körperlichen Methoden greifen (und da ist immer noch nicht geklärt ob das die einzige, eine unter vielen, wie häufig usw) zu verstehen gegeben, dass diese niemals ein gutes Vertrauensverhältnis zu ihren Kindern aufbauen könnten, sondern bloss Zerstörung ernten. Belegt haben Sie diese Aussage mit Ihrer eigenen Erfahrung.
    Ich hingegen sage, Vertrauen hängt an ganz vielen Faktoren und nahm an, dass in Ihrem Umfeld vielleicht noch anderes nicht so optimal lief was dieses Vertrauen eben behindert hat. Mit der vorherigen Antwort konnte ich mir keinen Reim machen, deshalb die Nachfrage.
    Auf was ich hinaus will? Dass ich es nicht in Ordnung finde wenn man von sich selber so auschliessend auf andere schliesst, Sie behaupten zu wissen dass unsere (unsere jetzt als “alle Kinder von (immer noch undefiniert!) “klapsenden” Eltern” gemeint) ein gestörtes Vertrauen haben. Dass wir den Aussagen unserer Kinder nicht trauen könnten, Sie zwar auch nicht wie Sie anmerken, aber den Aussagen “unserer” Kinder trauen Sie vermutlich noch weniger als derer Ihrer Kinder.
    Und das stört mich sehr, denn so kann sich die Diskussion nicht entwickeln, alles was Klapseltern in diesem Kontext sagen ist schon mal per se nicht vertrauenswürdig und ohne Hand und Fuss.

  9. Laura A. sagt:

    @Mia und Brunhild
    Ich wurde von meinen Elternauch ab und zu körperlich gestraft, zwar immer so, dass ich genau nachvollziehen konnte weshalb. Ich habe auf der anderen Seite aber auch viel Liebe und Zuspruch erfahren von ihnen. Ich habe ein sehr inniges, herzliches, vertrauensvolles Verhältnis zu ihnen, hab das immer gehabt, weil sie immer fair zu uns waren. Ich denke nicht, dass man generell sagen kann, dass ein Kind kein Vertrauen aufbauen kann zu einem Menschen dem mal die Hand ausrutscht. Ich würde sogar weiter gehen und sagen, dass ein Kind weniger Vertrauen aufbauen kann zu einem Menschen, der psychischen Terror macht als zu einem, der körperlich straft. Ich selber hatte das grosse Glück, dass ich nie zuschlagen musste bei meinen Kinder, aber hätte ich es gemacht, hätte sich deshalb mein Verhältnis zu ihnen nicht verändert, so lange es nicht zur Gewohnheit wird und nicht in Prügel ausartet.

  10. Mia sagt:

    @max/Brunhild/Laura:

    Die frühere autoritäre Erziehung hatte Vor- und Nachteile. Sie gab Sicherheit, der Tarif war immer klar. Das ist wohl das, was Max auch gut findet. Es gab aber wenig Nähe und viel Angst. Kinder galten nicht viel. Letztlich hat die klare Hackordnung aber auch einen Hitler ermöglicht. Man hat das “Kadavergehorsam” genannt, kann man ja googlen, wenn man will.

    Daraus hat sich dann die antiautoritäre Bewegung entwickelt. Man wollte unter allen Umständen verhindern, dass ein derartiger absoluter Gehorsam nochmals zu einem derart fürchterlichen Verhalten führen kann. Man wollte, dass die Kinder selber denken lernen, eigene Werte entwickeln. Die Erziehung war völlig gewaltlos, Schläge waren tabu. Das waren die 68-er.

    Das kam dann bekanntlich auch nicht gut. Den Kindern fehlten Grenzen. Sie waren relativ agressionsarm, aber auch eher schwach. Prügeleien gab es keine, auch keine Jugendgewalt. Man lernte, und aus den Fehlern entstand dann die Lehre der demokratischen Erziehung. Darüber haben wir ja bereits ausführlich geschrieben, zudem kann das ja jeder, der sich dafür interessiert, selber nachlesen. Nach wie vor sind Handgreiflichkeiten undiskutierbar.

    Heute entwickelt sich wieder eine Art Ohrfeigenclub, wie ich zu meinem Leidwesen feststellen muss. Ich halte das für falsch. Gewalt kann auch psychisch sein, da hat Laura völlig Recht. Wir reden ja nicht alles andere gut, sondern sind bloss der Ansicht, dass Handgreiflichkeiten immer falsch sind. Ein Kind, das nie geschlagen wurde, wird beispielsweise auch nie zu einem Schläger, umgekehrt schlagen viele zu, die selber geschlagen wurden (”hat mir ja auch nicht geschadet”). Natürlich werden nicht alle geschlagenen Kinder Schläger, aber eher. So wie Kinder von Alkoholkern eher auch zu Alkoholikern werden und so weiter.

    Ich schliesse nicht von mir auf andere, aber auch, so wie es auch Max tut, nur dass er das halt gut fand, so wie auch Laura.

    Wenn wir wollen, dass die Jugendgewalt nicht weiter eskaliert, dass unsere Gesellschaft gewaltfreier wird, dann müssen wir ernst machen und in der Kleinzelle, nämlich der Familie, damit anfangen. Wenn da Gewalt stattfindet, und sei es noch so subtile (Klapse, Haare ziehen, Ohrfeigen, was weiss ich schon, was Sie “harmlos” finden), dann muss man sich nicht wundern, wenn die Kinder sich prügeln und danach als Jugendliche gewalttätig werden. Sieht so Vertrauen aus? Urvertrauen zumal? Urteilen Sie doch selber, Sie brauchen mich nicht, Sie müssen dies nur zu Ende denken.

  11. Schutzengel sagt:

    Die Schule wird immer teurer – die Lehrer sind überfordert – jetzt bekommen sie Entlastung ebenso die Schulleiter – dafür bekommen Kinder weniger Unterricht mehr Freizeit, was wieder die Betreuungsangebote Mittagstisch und Krippen fordert und die Eltern zur Kassa bittet – für eine Volksschule die eigentlich kostenlos und adäquat für jedes Kind sein sollte so will es die Verfassung. 175 Jahre Volksschule gepflegt. sinnlos unheilvoll schwerkrank in Würde sterben lassen würde das Budget enrom entlasten und alle extrem fordern eine ganzheitliche GrundschulBildung endlich zur freien Wahl zu stellen. Lobbyisten fordern es seit dem letzten Jahrtausend.

  12. Schutzengel sagt:

    Es gibt so viele tolle Herzblutpädagogen die nicht jammern sondern einfach machen, Pestalozzi steht hinter dem Kind und hilft ihm es selbst zu tun Liebevoller Coach. Nicht umsonst vor dem Globus in Nachbarschaft der reichen Geldinstituten, Die heilige Kuh das Bankgeheimnis ist geknackt, es ging plötzlich sehr schnell das macht Hoffnung dass eine andere heilige Kuh das Amtsgeheimnis und die unseligen LaienSchulPflegen auch endlich dem Mauerfall zum Opfer fallen, Die Zeit ist reif sie rast uns davon, und morgen stehen wieder zuviele Jugendliche ohne Abschluss, Lehre , Job ohne MittelschulAnschluss vor dem Aus. Der direkte Weg in die Sozialhilfe ist keine Alternative für ehemals reiches Bildungsland Schweiz,
    BeSINNung auf Pestalozzi der here Stadtheld tut Not – Herz Hand und Kopf Rhetorik bringt nichts, Menschenbildung durch SelbstwertAUFbau nicht FächerUnterricht. Längst wissen wir WIE. wir müssen nur endlich wollen! Pestalozzi ist schon 183 tot und trotzdem können wir es ohne Freiwillige nicht mehr schaffen, Ohne Zwang mit Herzblut eben.

  13. Schutzengel sagt:

    Arme Kinder in der reichen Schweiz, eine Tatsache – da bringt wegsehen einfach nichts mer, Solage soz. Herkunft immer noch den BildungsERfolg bestimmt, werden wir den Anschluss an die Spitze wohl nirgends schaffen, Zustände an Uni hat dieses Blatt in Zusammenhang mit Deutschen Bashing aufgezeigt, Es gibt sehr zu denken, Ohne Empathie das globales Bewustsein, werden wir es NIE schaffen,

  14. Brunhild Steiner sagt:

    @Mia: ich kann Ihnen jetzt keine Studie verlinken aber bin mir sehr sicher dass Sie bei den gewalttätigen Jugendlichen noch ganz andere gemeinsame Kriterien finden würden als ob es einen Klaps gegeben hat oder nicht. Vermutlich war das dort eben nicht mehr ein Instrument unter vielen, sondern schon eher im missbräuchlichen Bereich. Ganz zu schweigen von der generellen emotionalen Vernachlässigung mit allen bekannten Auswirkungen.
    Es wird hier oft von der körperlichen Gewalt geredet, aber was ist denn mit der nicht-körperlichen? Ich meine jetzt das gewalttätige Verhalten einiger Erwachsener in entscheidungswichtigen Positionen die Verheerendes über ganz viele Mitbürger gebracht haben? Wurden die als Kinder geschlagen? Oder hat da vielleicht anderes gefehlt was genauso wichtig gewesen wäre? Unter diesen Gewalttätern leide ich nämlich genauso wie unter den gewalttätigen Jugendlichen, bloss habe ich gegen jene noch weniger Handhabe (sprich gar keine)… .

  15. Brunhild Steiner sagt:

    …und, das hätt ich beinahe vergessen, ich finde es halt immer noch nicht in Ordnung, dass Sie allen Eltern mit Methoden im Erziehungsrepetoire, welche Sie gar nicht gutheissen, einfach so gestörtes Vertrauen unterstellen, zerstörtes Vertrauen voraussagen und deren Aussagen oder Wahrnehmungen von vornherein als “kann ja gar nicht stimmen” betrachten.

  16. Mia sagt:

    @Brunhild: jede Handgreiflichkeit ist missbräuchlich. Sie dürfen auch einem andern Erwachsenen keinen Klaps geben, ohne mit dem StGB in Konflikt zu geraten. Warum wohl? Und wir haben von der psychischen Gewalt geredet, sowohl Laura als auch ich. Die ist auch übel, rechtfertigt aber die physische Gewalt nicht.

    Ich brauche keine Links um zu wissen, dass es noch andere Dinge gibt, die Kindern zu schaffen machen (können). Drogen- oder Alkoholsucht der Eltern, ein Streitklima (psychischer Terror), und so weiter und so fort. Dass es aber noch anderes gibt, heisst nicht, dass die Klapse harmlos sind.

    Mir fällt bloss auf, dass Sie sich so aufregen und ständig dranbleiben. Eigentlich könnte Ihnen meine Meinung ja so lang wie breit sein. Könnte es sein, dass Sie selber nicht so richtig überzeugt sind von Ihrer Klapserei? Das wäre ein guter Ansatz, damit aufzuhören.

  17. Brunhild Steiner sagt:

    @Mia: ich muss Sie enttäuschen, der einzige Grund weshalb ich hier dranbleibe ist dass ich es nicht fair finde wie alle in denselben Topf geschmissen werden. Und wenn Sie die anderen Threads zu diesem Thema anschauen, werden Sie sehen dass überall dasselbe Muster läuft. Es gibt die sehr vehement auftretende Fraktion derjenigen die jegliche körperliche Erziehungsmassnahmen als missbräuchliche Handgreiflichkeit ablehnen.
    Dann gibt es die, welche der Meinung sind es liesse sich durchaus dosiert und überlegt einsetzen, und zwar ohne Vertrauenszerstörung.
    Und dann gibt es die ganz Extremen welche fast schon mit den Ohrfeigen angeben, welche ich ablehne.
    Ihre Meinung ist nicht das was mich zum Widerspruch herausfordert, es sind Ihre Unterstellungen die mich stören.
    Und dass Sie bis jetzt ausgewichen sind. Sie beweisen den Vertrauensverlust mit Ihren Erlebnissen des Geschlagenworden seins, auf mein Nachfragen, was die anderen Faktoren in Ihrem ehemaligen Familienumfeld betrifft, ob sonst alles optimal war und einfach diese Schläge (Schläge mit Wucht? Dosierter Klaps?) das Vertrauen kaputtmachten, hab ich bis jetzt keine konkrete Antwort. Sollte aber im Gegenzug einfach Ihre Pauschalisierung schlucken? Nein, da ziehe ich ein dranbleiben vor.

  18. Mia sagt:

    @Brunhild: wissen Sie, es hat keinen Sinn, wir sprechen nicht die gleiche Sprache. Ich weiche Ihnen nicht aus. Aber wie Sie selber sagen, geht es ja nicht darum, weshalb ICH “das Vertrauen zu meinen Eltern verloren habe”. Denn gerade Sie sagen mir ja, dass ich von mir auf andere schliesse, also brauchen wir wirklich nicht bei mir zu bleiben. Es geht bei mir um Momentaufnahmen, die Angst, nicht zu wissen, ob es nun eine Ohrfeige gibt oder nicht. Ich wurde nicht windelweich verdroschen, meiner Mutter rutschte “nur” die Hand aus. Aber das hat gereicht für diese Unsicherheit. “Handscheu” wurde ich, wie man bei Hunden so schön sagt. Achtung Deckung. So. Und ich habe nicht sämtliches Vertrauen verloren, da war einfach kein Grundvertrauen.

    Schläge gehen anerkanntermassen mit Vertrauensverlust einher, das wird Ihnen jeder Psychologe bestätigen und muss man doch gar nicht lange diskutieren. Eine Hand die zärtlich ist, und dann wieder schlägt, der kann man doch nicht trauen.

    Oder kündigen Sie Ihre “Klapse” an und lassen die Kinder darüber abstimmen, ob sie nun Haue wollen oder lieber Hausarrest oder was auch immer? Wohl kaum. Das kommt in der Regel fürs Kind aus heiterem Himmel, denn sonst wäre es ja weg gerannt.

    Aber ich finde, wir sollten das Thema nun lassen, das artet sonst in einem Religionskrieg und das brauche ich nicht.

  19. max sagt:

    @Schutzengel

    Ich habe Ihre Einträge gelesen. Das ist happig viel auf einmal und ich weiss grad nicht: Auf welchen Gedanken möchten Sie als erstes eine Antwort?

  20. Brunhild Steiner sagt:

    @Mia: ich lass es dennoch drauf ankommen, gerade das “die Hand die schlägt und dann wieder lieb ist” Beispiel finde ich so naiv! Bei der Hand soll das Kind also einen Unterschied machen können, aber beim ganzen Menschen, oder dem Mund der einmal eine Strafmassnahme ausspricht, eine sehr unangenehme Konsequenz verhängt, und dann später etwas Nettes sagt, da entsteht kein Durcheinander für das arme Kind?
    Das, was das Kind verunsichern wird und das Vertrauen beschädigt ist Unsicherheit woran es ist, Nicht nachvollziehen können, auch nicht ausrechnen können wohin sich die Situation entwickeln wird, bezüglich Konsequenzen etc. weil keine verbindlichen Richtlinien existieren. Und das bringt man mit jedem Erziehungsstil fertig.
    Zum weitern verweise ich auf die anderen Threads wo mehrmals drauf hingewiesen wurde dass zwischen klar angesagter, dosierter, wenn Sie so wollen “Haue” und aus heiterem Himmel verprügelt werden Welten liegen.
    Ich denke dieses Thema wird sowieso immer wieder mal auftauchen, also ziehen wir uns warm an, bei dem herrschenden Wetter sowieso keine schlechte Idee. ;-)

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