Leben


Nicole Althaus am Freitag den 5. Februar 2010

Einwegkommunikation

Jedes Wort ist zäh wie Kaugummi

Jeder Wortwechsel ist zäh wie Kaugummi

Irgendwann ist man schon so lange Mutter und denkt, man hat alles gesehen, da kommt nichts mehr, was einen aus der Fassung bringen könnte. Alles schon gehabt, schlaflose Nächte, endlose Tage, grundloses Glück, sinnloser Zoff. Doch dann kommt die Tochter eines Tages von der Schule heim und sagt einfach nichts. Nicht einmal das übliche «Was gibt’s?» am Mittag. Nein, sie markiert ihre Präsenz mit angenervtem Schweigen und spart ihre Worte, als seien sie kontingentiert, für den nächsten Anruf einer Freundin auf.

Das ist total normal, tröstet man sich, so sind Teenager nun mal. Aber fühlen tut man sich trotzdem ein bisschen wie damals in der Krabbelgruppe, als all die anderen süssen Fratze schon so was wie «Mammamma» zustande kriegten und der eigene unbeeindruckt weiter schwieg, als handle es sich beim Spracherwerb um eine freiwillige Angelegenheit: Man redete und redete und wartete, gespannt zuerst, dann ungeduldig und zuletzt doch ziemlich angespannt auf das erste Anzeichen einer kommunikativen Kontaktaufnahme seitens der Tochter.

Nun, in der Pubertät wiederholt sich diese mütterliche Einwegkommunikation: Sie besteht aus einem Sender, der viel sagt und gern viel hören würde, und einem Empfänger, der weder etwas hören noch etwas sagen will.

Nicht nur innerfamiliär übrigens ist die Kommunikation zäh wie Kaugummi.  Kolumnen? Eltern-Magazine? Blogs? Die drehen sich alle fast ausschliesslich um die ersten Jahre mit den Kids. Selbst befreundete Eltern, die früher immer ein Episödchen vom Nachwuchs zum Besten gegeben haben, sind plötzlich wortkarg. Teenager sind offenbar einfach nicht unterhaltsam genug, im wahrsten Sinne des Wortes. Wirklich hilfreich sind in diesen Tagen auch die geschwätzigen Sites mit den  Tipps für den Umgang mit Teens nicht: «Bleiben Sie im Gespräch!», rät man da allenthalben. Ja, das will ich doch! Aber dafür müssen Sender und Empfänger ab und zu ihre Rollen tauschen. Versuche ich es also damit: «Machen Sie keine Vorwürfe, zeigen Sie Ihr Interesse». «Schätzchen», wende ich mich an Tochter I, «Schätzchen, es interessiert mich, was du nach der Schule Spannendes gemacht hast, dass du so spät nach Hause kommst.» Tochter I guckt kurz hoch, legt ihre babyglatte Stirn dramatisch in Falten und schweigt. Ihr Blick allerdings sagt mehr als tausend Worte. Zusammengefasst und auf das Wesentliche gekürzt: «Du nervst!»

Ich lasse ihr also, das ein anderer Tipp einer weiteren einschlägigen Site, ihren Freiraum, schweige meinerseits  und lese die Zeitung. Am Abend setze ich mich zu ihr ans Bett, wie immer, und setze zum letzten Gesprächsversuch an. Was ihr denn am heutigen Tag besonders gefallen oder missfallen habe, frage ich.

«Nichts», antwortet sie.

Na, das ist doch ein Anfang.

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166 Kommentare zu „Einwegkommunikation“

  1. Mia sagt:

    @max: “über meine aktuelle Geschichte schreibe ich nicht”: das gibt mir doch mit jedem Buchstaben nur Recht. Ich habe längst Frieden mit meiner Mutter, aber das ändert die Vergangenheit nicht.

    @brunhild: seltsame Sprache (Settings und so). Ich bleibe dabei: wenn Sie es nötig haben, Klapse zu geben, dann sind Sie erzieherisch schwach. Es geht ohne. Jeder Klaps hinterlässt eine Wunde, und das werden Sie merken müssen, wenn die Kinder älter werden. Eine demokratische Erziehung erträgt keine autoritären Handlungen, Demokratie ist das Gegenteil von Machtdemonstration. Irgendwann kriegen Sie die Klapse zurück, Sie werden an mich denken.

  2. max sagt:

    @Mia: Denken Sie was Sie wollen. Wie gesagt, kein Kommentar.

    Allerdings fällt mir auf, dass Sie fremde Äusserungen in Ihrem eigenen Denkschema interpretieren und fremde Meinungen nicht einfach stehen lassen, sondern auch noch zurechtweisen. Kommt mir nicht besonders erwachsen vor, ehrlich gesagt.

  3. Mia sagt:

    @max: das ist mir zu unsachlich, ich äussere mich nun nicht mehr.

  4. Brunhild Steiner sagt:

    @Mia: interessant finde ich dass Sie jetzt schon mehrmals im Nachhinein gemachte Aussagen wieder abschwächen. Erst die grosse Dramatik bezüglich Vertrauensverlust, nie mehr vertrauen können etc. und nun haben Sie schon längst mit der Mutter Ihren Frieden gemacht?
    Das Setting ist keine seltsame Sprache sondern der Ausdruck für die Gesamtheit einer Situation, Lage, Umgebung in der z.Bsp. Erziehung stattfindet. Die Gesamtschau eben im Gegensatz zum rauspicken eines einzelnen Aspektes.
    Mit Überzeugung eine Meinung vertreten ist in Ordnung, nicht in Ordnung sind Ihre Festlegungen mir gegenüber, Sie wissen wirklich viel zu wenig von mir und meiner Familie um beurteilen zu können ob ich erzieherisch schwach bin, alles zurückbekommen werde und dannzumal noch an Sie denken werde.
    Ist es nicht so, dass es Sie einfach ärgert dass mich nicht habe bekehren lassen? Und nun kommt das schärfere Geschütz?
    Demokratische Erziehung gibt es nicht, Demokratie geht immer von gleichgestellten Partnern, mit gleichen Rechten und Pflichten aus, dieses System auf Kindererziehung zu übertragen finde ich sehr fragwürdig. Und autoritär mit destruktiv und schlecht gleichzusetzen blendet viel zu viel aus. Sie können mit jedem Denkansatz was Gutes oder was Schlechtes drehen.

  5. Mia sagt:

    @Brunhild: doch, demokratische Erziehung gibt es, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratische_Erziehung. Aber dazu müssen Sie sich damit auseinandersetzen, und das tut man natürlich nicht, wenn man bereits von seinem Erziehungsstil total überzeugt ist. Also lassen Sie es gut sein.

    Eigentlich ist es müssig, mit Ihnen über meine Mutter zu reden. Ich bin längst erwachsen und der Vertrauensverlust betraf die Kindheit, die Zeit eben, in der Vertrauen zur Mutter besonders wichtig wäre. Heute kann ich sie richtig einordnen, auch ihre Schwäche erkennen, die eben zu diesem autoritären Erziehungsstil geführt hat. Sie macht sie mir schon lange keine Angst mehr, früher, als ich Kind war, tat sie das aber. Heute brauche ich sie nicht mehr, und deshalb ist Vertrauen auch nicht sonderlich wichtig. Ich verstehe sie heute aus ihrer ganzen Geschichte und Zeit heraus, und deshalb habe ich auch meinen Frieden mit ihr gemacht. Nicht “Frieden mit ihr”, denn besprechen kann man das mit ihr nicht, und das ist auch nicht nötig.

    Sorry, ich weiss, dass Sie das anders sehen. Aber wer zu Klapsen greifen muss, dem fehlen andere Argumente und Mittel, also besteht da eine Schwäche. Und nun lassen wir das, Sie sehen es anders, und das akzeptiere ich. Mir tun einfach alle Kinder Leid, die unter Handgreiflichkeiten leiden müssen, egal mit welchen netten Worten (”Klaps”) man das nun schönreden mag.

  6. Brunhild Steiner sagt:

    @Mia: wer sagt denn dass ich mich nicht damit auseinandergesetzt hätte?
    Klar ist es müssig über Ihre Mutter zu reden, ich nehme das auf was in den posts kommt, und wenn dann eine Mutter kommt geh ich darauf ein. Ich finde es gut dass Sie das so eingeordnet haben, zu Beginn hats wirklich anders geklungen.
    Aber die Atmosphäre der Angst, das zerstörte Vertrauen usw. die Sie beschreiben und erlebt haben, ist eine ganz andere Dimension als das was ich erlebe.
    Und ich habe wirklich Mühe wenn “uns schönredenden Klapsvertretern oder Geständigen” dann jedesmal so die Hölle heiss gemacht wird. Aber es wird wohl nicht das letzte mal gewesen sein…
    Doch meistens gefallen mir Ihre posts ja.

  7. Mia sagt:

    Danke für die Blumen! Nur noch schnell, dass Sie das anders erleben: Klar, Sie sind ja die Mutter. Fragen Sie meine Mutter, die würde vehement von sich weisen, dass wir sie fürchteten, und ist überzeugt, dass sie die beste aller Mütter war und meine Vertraute. Als Kind hat man da eine andere Sichtweise. Aber wie auch immer: ich bin so oder so erwachsen geworden. Und ich masse mir nicht an, in der Erziehung keine Fehler zu machen.

  8. Auguste sagt:

    @ max

    hmm…, sie täuschen sich, wenn sie den eindruck haben, dass mich ihre kommentare nerven. allerdings habe ich festgestellt, dass ihre resonanzarmen beiträge eine andere (bessere) qualität haben als jene, die selbst clint und den duke wie etwas zurückhaltende zeitgenossen aussehen lassen. der holzschnitt ist zwar auch eine kunstform, aber eine ziemlich beschränkte. und manchmal ist das ausbleiben einer nachlesbaren reaktion eine lautere reaktion als das schulterklopfen in times roman von einigen zweifelhaften mitschreibern.

  9. max sagt:

    @auguste
    Pardon, die Bildungslücke, wer sind clint und duke? Und wie kann ich meine Texte für den Blog formatieren?

  10. Auguste sagt:

    @ max

    hmm…, eastwood und john wayne. anders rum wird ein schuh draus – wie kann ich meine texte de-formatieren?

  11. max sagt:

    @Auguste

    Nein, es ist keine Kunstform sondern die Grundlage für rasche, präzise und im Notfall lebensrettende Entscheidungen. Das eine bedingt das andere. Sorgsames Beobachten, langes Nachdenken, langwierige und detaillierte Recherchen münden bei mir immer in kurzgefassten (”holzschnittartigen”) Aussagen. Diese sind die Grundlage, wenn keine Zeit mehr zum Herumdiskutieren bleibt und rasch entschieden werden muss. Insbesondere helfen sie mir sofort zu unterscheiden, auf wen ich mich verlassen kann und wen ich links liegen lassen muss.

    Die holzschnittartigen Aussagen sind auch der Stopper, wenn ich in einem Forum gängigen Klischees entgegenhalte und Gedanken anregen möchte. Ich kenne ja die Schreiber hier im Blog nicht, kann meine Worte nicht einem Zuhörer anpassen. Also bleibt nur der Schuss ins Blaue und dann schauen was kommt. Ich lese alle Antworten aufmerksam und merke mir, was immer ich an neuem dazulerne.

    Wir leben in einer konformistischen Zeit. Konformismus ist heute der gängige, zerstörerische Fluchtweg aus der individuellen Freiheit. Da kann ich Erich Fromms Anatomie der menschlichen Destruktivität als Lektüre empfehlen. Die Klischees an denen sich die Leute festhalten, sind süffig, nett, angepasst, brav. Die Worthülsen dafür sind “soziale Verantwortung”, “sozialkompetent”, “konfliktfähig”, “ökologisch”…. und letztlich die Wohlstands-Illusion, dass man alle Probleme mit genug Geld aus der Welt schaffen kann.

    Der Mamablog interessiert mich, weil Eltern unabdingbar mit den Realitäten konfrontiert sind und in jedem Fall schon Erfahrungen mit Situtationen haben, wo brav sein nicht funktioniert.

  12. Laura A. sagt:

    @Mia
    ich hab gerade den Link zur demokratischen Erziehung angeschaut. Dort geht ganz klar hervor, dass alle Familienmitglieder gleichberechtigt sind, das kann in Ausnahmefällen ab einem gewissen Alter der Kinder funktionieren, aber bestimmt nicht mir Kleinkindern. Ich gebe da auch zu bedenken, dass der Erziehnungsberechtigte ja auch Verantwortung trägt, was, wenn die Kinder einen überstimmen, wenn der 12, 13 und 14 jährige findet, sie wollen zu dritt in die Erwachsenendisco gehen und ich als Alleinerziehende kann nur noch mit dem Kopf nicken weil überstimmt? Irgendwie geht das nicht ganz auf. Machbar ist das in meinen Augen mit verantwortungsbewussten Teenagern in gewissen Bereichen des Zusammenlebens, aber als Erziehungsstil in meinen Augen fragwürdig.

  13. max sagt:

    @Nicole Althaus
    Die Tochter die da sagte “Du nervst”, liest die auch Mamablog?

  14. Auguste sagt:

    @ max

    hmm…, vielleicht ist mein leben nicht stürmisch genug, um immerzu im BG4 (bereitschaftsgrad 4 = “sofort abseckle” mil. jargon)
    zu verweilen. meine erfahrung sagt mir allerdings, dass die fähigkeit den situationsgerechten BG zu wählen, vieles über eine führungsperson aussagt. auch über “opinion-leader”.

    eine hervorragende möglichkeit die eigene position/ansicht hier und da zu überprüfen, ist das regelmässige lesen der kolumne von peter schneider im tagi vom mittwoch. das ist ein richtiger mann – wie wir. er raucht zigarre, hat familie mit kindern, die manchmal nerven, mag schwarze strapse und wartet einmal wöchtlich mit zuweilen verblüffenden und humorvollen blickwinkeln zu alltagsfragen auf. grossartige, unkonventionelle lektüre.

  15. Brunhild Steiner sagt:

    @Mia: wenn Ihre Mutter Sie im Kindesalter regelmässig gefragt hätte, wie Sie den Erziehungsstil erleben, mit was Sie Mühe haben und so, hätten Sie Ihr ehrliche Antworten geben können, oder war die Stimmung so vergiftet dass die Kinder nur noch drauf achteten möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten?
    Wenn ich mit meinen Kindern (7, 9, 11) diese regelmässigen Gespräche führe, dann zögern diese nicht mir auch Unangenehmes zu sagen. Deswegen vermute ich, dass unser Vertrauensverhältnis nicht gestört ist. Ich erlebe den Evaluierungsprozess als sehr offen und transparent. Und, das sollte ich nun vielleicht noch zur Klärung anfügen, dieses Alter ist definitiv auch nicht mehr die Hochsaison der umstrittenen Methode.
    Was Laura A noch zum demokratischen Stil sagt sehe ich ebenso, ich denke die Methoden richten sich nach Alter/Situation,
    mal ist es das Kapitel 3 aus Buch Nummer 5 und mal Text 8 aus Buch 7. Ich glaube nicht mehr dass eine Methode oder ein Konzept alles abdeckt, finde das auch gar nicht nötig. Auch hier lebe die Biodiversität ;-)

  16. max sagt:

    @auguste

    Also, nein ich bin ja offensichtlich nicht im BG4, wenn ich mir Zeit nehme, zum Beobachten, Nachdenken, Recherchieren. Aber im BG4 fangen Sie auch nicht erst an, den Rucksack zu packen, lesen den letzten Brief ihrer liebsten noch einmal durch und suchen sich ein gutes Plätzchen für dessen Aufbewahrung.

    Also, die Holzschnitte, das sind meine gepackten Rucksäcke, um bei Ihrem Jargon zu bleiben.

  17. Eni sagt:

    @ max

    Danke vielmal für Ihr Angebot aber ich werde mich hüten meine Identität Preis zu geben. Habe in etwa verstanden was Katharina sel. dieser Welt mitteilen wollte aber lassen das Ganze noch Wortwörtlich von einer Freundin übersetzen.
    Danke vielmal nochmals.

    Eni

  18. Mia sagt:

    @Laura A./Brunhild: Es geht im Wesentlichen um die Erziehung zur Demokratie. Natürlich kann ein Baby nicht abstimmen. Aber bereits am Anfang muss der Respekt der Persönlichkeit des andern gegenüber da sein, auch wenn der andere ein Baby ist. Was die Mitsprache angeht, so ist es ein Prozess. Ihr Beispiel funktioniert schon deshalb nicht, weil die Kinder in dem Alter ja noch abhängig sind. Sie können mich in den Belangen, die altersmässig noch nicht in ihr Ressort fallen, nicht überstimmen, denn ich bin verantwortlich. Wesentlich ist auch, natürliche Konsequenzen dort eintreten zu lassen, wo dies möglich ist, und nicht zu strafen. Ist eine natürliche Konsequenz nicht möglich, muss man eine Ersatzkonsequenz wählen, nicht eine Strafe. Beispielsweise kann man einen Vierjährigen nicht unters Auto rennen lassen, damit er mal sieht, wie das ist. Rennt er aber auf die Strasse ohne zu schauen, dann kann er halt nicht mehr raus zum Spielen, dies die Ersatzkonsequenz. Werden die Kinder älter, wächst das Mitspracherecht überall dort, wo sie eben fähig sind, mitzuentscheiden. Dies hilft ihnen, selbstbewusste, verantwortungsvolle und zufriedene Erwachsene zu werden.

    Dieser Ansatz der Konsequenz (anstatt Strafe und anstatt Laisser Faire) ist sehr wichtig, will man nicht in ein autoritäres oder antiautoritäres Muster verfallen.

    Strafen sind immer willkürlich, wenn sie nicht mit der “Tat” zusammenhängen. Körperstrafen erst recht. Sie erniedrigen das Kind, anstatt es aufzubauen.

    Meine Jüngste ist 16, die älteste 19, es hat sich bisher vollständig bewährt. Ich bemühe mich immer, als Mutter vollkommen authentisch zu sein. Das ist nicht möglich, wenn man manipulativ erzieht, schlägt, droht (und die Drohung womöglich gar nicht wahr machen kann) oder sonstige Machtspielchen austrägt. Spätestens mit 14, 15 dreht sich das nämlich. Kinder sind unglaublich stark, viel stärker als wir, bloss merken sie das noch nicht. Sobald sie es aber merken ist abgedankt mit allen Machtspielchen.

    Das ist Ihnen vielleicht zu theoretisch, und das kann ich stehen lassen. Falls es aber ein Denkanstoss sein sollte, umso besser. Fühlen Sie sich als Mutter nicht zu mächtig oder gar zu wichtig, sondern als Sparring Partner, dann ist dies meines Erachtens der richtige Weg. Wer sich auf einen zu hohen Sockel stellt, fällt irgendwann tief.

  19. Laura A. sagt:

    @Mia
    danke für deine Ausführungen. Ich hätte deine “Ersatzkonsequenz” Strafe genannt, weil es für meine Kinder sicher die schlimmste Strafe gewesen wäre, wenn sie nicht mehr draussen spielen konnten. Dass man jedes Kind als eigenständige Persönlichkeit wahrnimmt und respektiert, ist für mich eigentlich logisch, trotzdem behaupte ich, dass ich meine Kinder authoritär erziehe, ICH setze die Grenzen, solange sie klein sind, ICH bestimme, was ich ihnen zutrauen kann, ICH bestimme, welche Freiheiten ich ihnen gebe. Da ist keine Spur von Demokratie vorhanden. Trotzdem sind meine Kinder gross geworden und haben durch die Sicherheit, die ich ihnen gebe, stark werden können, ich habe sie angeleitet zu einem selbständigen Leben, dazu eigenverantwortlich zu denken und zu handeln, dazu rücksichtsvoll mit sich selber und mit ihrer Umgebung umzugehen, das war aber kein demokratische Prozess, das war authoritäre Erziehung, mit Grenzen, die eingehalten wurden, mit Strafen, wo nötig.

  20. Mia sagt:

    Hm, vielleicht meinen wir ja das Gleiche. Autoritär ist für das Kind undurchschaubar, im Stil von “weil ich es sage”. Demokratisch meint nicht antiautoritär, sondern gleichwertig, nicht gleichberechtigt im Sinne eines Stimmbürgers. Das Kind in seinen Fähigkeiten als gleichwertigen Partner sehen. Ein demokratischer Führungsstil bleibt ein Führungsstil, aber unter Einbezug der Meinungen der Mitarbeiter. Du bist ja verantwortlich, also musst Du auch sagen, wann die Kinder was können. Aber sie dürfen ihre Meinung äussern, und Du nimmst sie ernst, ohne dass Du sie bestimmen lässt. Wenn Du sie zur Selbständigkeit erziehst, dann musst Du sie ja zwangsläufig auch Verantwortung übernehmen lassen. Strafen – dies nach der Definition von Dreikurs und “Kinder fordern uns heraus” – sind immer unabhängig von der Tat und deshalb eine Machtdemonstration, Konsequenzen haben mit dem Verhalten zu tun. Eine Ohrfeige ist immer nur eine Strafe, eine Machtdemonstration und hat eigentlich in der Erziehung nichts zu suchen.

    Naja, das ist halt so die Theorie, und da kann man sich einfach bemühen, dem Rechnung zu tragen, aber immer gelingt das halt nicht. Du ziehst Deine Kinder alleine auf, ich nicht ganz (der Vater der Kinder war aber häufig nicht vorhanden), ich habe immer (ausser Haus) gearbeitet. Da muss man die Kinder einerseits zur Selbständigkeit erziehen, andererseits kommt man aber ab und zu an seine physischen und psychischen Grenzen, und dann klappt es auch nicht so ganz mit dieser demokratischen Sauce.

    Ich habe mir immer gesagt, ich bin der Lebens-Trainer meiner Kinder, meine Aufgabe ist es, mich überflüssig, nicht, mich unentbehrlich zu machen.

    Das Tessin ist so schön – ich wollte, ich wäre auch dort ansässig! ;) Immerhin bin ich oft im Tessin, habe dort sozusagen meine seelische Tankstelle.

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