«Eltern unterschätzen ihre Babys!»

Händchenhalten ist für ein Neugeborenes wertvoller körperlicher – und emotionaler – Kontakt. Foto: Bridget Coila (Flickr.com)

Mütter und Väter fotografieren ihr Neugeborenes, statt ihm direkt in die Augen zu schauen. Sie scrollen und wischen über das Display, statt das Baby auf ihrer nackten Haut zu spüren, zu riechen und zu bestaunen. «Oft machen die Eltern nach der Geburt ein Foto des Kindes, bevor sie es überhaupt anschauen», berichtete die stellvertretende Chefärztin der Frauenklinik im Triemli, Gabriella Stocker, letzte Woche im «Tages-Anzeiger»*. Und eine Hebamme sagte, bei der Hälfte der Mütter komme schon nach zehn bis fünfzehn Minuten das Smartphone ins Spiel.

Dieses Verhalten bereitet Fachleuten zunehmend Sorgen. Grund dafür sei der anfänglich so wichtige erste Beziehungsaufbau zwischen Kind und Eltern, auch Bonding genannt. Ein übermässiger Handygebrauch störe diesen Prozess, warnen sie. Denn es gelte, das Kind kennen zu lernen, miteinander vertraut zu werden, die Äusserungen und Bedürfnisse des Kindes und die eigenen wahrzunehmen. Diese Zeit sei prägend für den Rest des Lebens.

Wie aber kann man als Mutter und Vater dem Kind von Beginn weg eine sichere Bindung geben? Dazu ein Gespräch mit dem Kinderarzt Cyril Lüdin. Der Basler Arzt hat sich auf den Bereich Eltern-Kind-Bindung spezialisiert.

Cyril Lüdin.

Herr Lüdin, weshalb ist gerade bei der Geburt die Aufmerksamkeit der Eltern so wichtig?
Es geht um den ersten Eindruck und die Verbindung, die das Kind erhält. Ein starker erster Blickkontakt zwischen der Mutter und dem Kind oder dem Vater und dem Kind sind einzigartig. Das Baby sieht deren weit geöffnete Augen, hört ihre veränderten Stimmen, sieht ihre Mimik. Man darf nicht vergessen, das Baby stand schon als Ungeborenes während der Schwangerschaft mit den Eltern in enger Verbindung. Es nahm deren Stimmen und Stimmungen wahr. Kommt das Baby zur Welt, ist der Kontakt eine Bestätigung dessen, was es schon kennt.

Die Augen eines Babys sind in dieser Phase doch meist noch halb zu.
Das meinen viele Eltern, doch dem ist nicht so. Babys bekommen schon unglaublich viel mit. Ein Baby sieht bei der Geburt scharf, farbig und 30 bis 40 Zentimeter weit.

Unterschätzen viele Eltern ihre Babys?
Absolut, sie unterschätzen sie vollkommen! Das Ungeborene lebt die ganze Zeit in Symbiose mit seinen Eltern. Schon bei der Entdeckung der Schwangerschaft ist der Embryo bei vollem Bewusstsein. In der 20. Schwangerschaftswoche lächelt ein Baby aktiv. Es fühlt sich wohl, wenn Mutter und Vater entspannt und ihm zugewandt sind. Auch Phasen der Unsicherheit und Ängste werden wahrgenommen, dies mit entsprechender Mimik, sichtbar bei der Ultraschall-Kontrolle.

Aber das eigentliche Bonding geschieht direkt nach der Geburt.
Bonding ist die Zeit der Festigung der Eltern-Kind-Bindung. Entspannt sein, sich Zeit nehmen, langsam sein: das sind wichtige Voraussetzungen für den Aufbau einer Beziehung. Hantiert man aber mit dem Smartphone, direkt nach der Geburt oder beim Stillen, ist man emotional nicht beim Kind. Äussere Ablenkungen soll man deshalb möglichst minimieren.

Das Baby braucht uneingeschränkte Aufmerksamkeit.
Ja! Der Aufbau der elementaren Bindung zwischen Eltern und Kind ist von Anfang an wichtig. Ein Baby benötigt drei Dinge: Sprache, Berührung und Bewegung. Wobei ich mit Berührung die emotionale und taktile Berührung meine. Von grossem Vorteil dabei ist regelmässiger Hautkonktakt. Legen Sie sich das Baby auf die Brust, auf den Körper. Reden Sie mit ihm, streicheln Sie es, nehmen Sie sich diese Zeit und Ruhe.

Was löst die Berührung beim Baby aus?
Berührung löst eine wahre Kettenreaktion aus: Sie stimuliert die Bindungs-Hormone, das erweitert die Gefässe im ganzen Körper und aktiviert das kindliche Gehirn. Die ersten Tage und Monate können diesbezüglich prägend sein. Das Kind versichert sich mittels Körper- und Blickkontakt, ob die Eltern da sind. Das hat viel mit Wahrnehmung und Kommunikation zu tun. In dieser Geborgenheit ist das Baby viel ruhiger und schreit weniger. Wo Bindung besteht, herrscht Ruhe. Auch die Mutter erholt sich viel schneller von der körperlichen Anstrengung der Geburt.

Was, wenn ein Kind vieles davon nicht erhält?
Kinder mit emotional nicht verfügbaren Eltern werden unruhig. Wir beobachten eine erhöhte Stressanfälligkeit. Es entstehen Regulationsstörungen wie Schreien, Schlaf- und Fütterungsprobleme. Wir wissen, dass die ersten drei Jahre der Kindheit für die psychische und soziale Entwicklung des Menschen wichtig sind. Fehlende Geborgenheit und Sicherheit erzeugen Störungen, die ich in meiner Praxis schon bei Säuglingen und Kleinkindern feststelle. Diese problematischen Entwicklungen haben in den letzten Jahren eklatant zugenommen und bereiten uns Medizinern grosse Sorgen.

*Der Artikel «Handywahn im Gebärsaal» ist für TA-Abonnenten online verfügbar und für Nicht-Abonnenten mittelsTagespass zugänglich.

83 Kommentare zu ««Eltern unterschätzen ihre Babys!»»

  • Psychologin sagt:

    Ich bin auch überzeugt, dass Kinder resilienter (wiederstandsfähiger) sind als man denkt. Das heisst natürlich nicht dass alles egal ist. Natürlich sollte man den Handygebrauch im Auge behalten, wie so vieles andere auch. Aber man kann auf keinen Fall alleine vom Handygebrauch auf gelungenes oder nicht-bonding schliessen.

  • Psychologin sagt:

    Mein Kind wurde per Kaiserschnitt mit einem Neuralrohrdefekt geboren. Sie wurde direkt nach der Geburt in den OP gebracht. Danach durften wir sie 2 Tage lang nicht auf den Arm nehmen wegen der Wunde. Insgesamt blieb sie 3 Wochen auf der Station. Während der Zeit konnten wir nicht dort übernachten, nur auf einem Stuhl danebensitzen. Es klingt in meinen Ohren wie Hohn über die paar Minuten (oder auch mehr) Handygebrauch als bindungsstörend zu sprechen. Es macht mich traurig, dass ich nicht so für mein Kind da sein konnte wie ich es gewünscht hätte. Und Aussagen wie die im Text machen mich traurig. Aber ich glaube fest daran, dass Bindung viele verschiedene Facetten hat und auch nicht nach Schema X aufgebaut oder zerstört werden kann. Das Gesamtbild über längere Zeit machts aus.

  • Adriano Maranta sagt:

    Ich bin Hausmann mit zwei kleinen Kindern, 15 Monate und 37 Monate alt. Bei mir ist das Handy nur von 22:30 bis 23:00 Uhr an. Wer was von mir will, kann auf den Telefonbeantworter sprechen oder mir ein SMS schicken. Ich antworte dann binnen zwei oder drei Tagen. Kaum etwas ist so dringend, dass ich stets erreichbar sein müsste. Auch unser Festnetztelefon ist während der Ruhezeiten abgeschaltet. Während der Kinderbetreuung (immerhin 14 Stunden täglich) herrscht bei mir Handyverbot. Auch meine Kinder kriegen das Zeugs (noch) nicht zum Rumspielen.

  • Thomas Schmitt sagt:

    „Wo Bindung besteht, herrscht Ruhe.“ ??? Und dies in Bezug auf neugeborene Babys! Wo man bereits in jedem Säuglingspflegekurs mitbekommt, dass es normal ist, wenn das Baby etwa am Abend schreit. Weil es das neu erlebte verarbeitet. Dass man sich deswegen nicht schlecht fühlen muss. Dass man nichts falsch gemacht hat. Und jetzt soll es doch so sein, dass Ruhe herrscht, wenn man das mit der Bindung richtig gemacht hat – wenn das Baby also schreit, macht man was falsch. „Danke“ dürften sich viele Eltern denken.
    Beim Thema Bonding sollte man auch bedenken, dass viele Eltern dieses gar nicht wie gefordert durchführen können, etwa weil das Kind zu früh geboren ist und auf der Station versorgt werden muss. Trotzdem glaube ich stark daran, dass auch diese Kinder sich gut entwickeln können.

  • Caroline sagt:

    Nicht jede Frau, die etwas auf dem Smartphone macht, vertreibt sich nur die Zeit. Es ist heute ein Kanal für vieles, was früher auch stattfand, nur anders: Kinderarzt anrufen, Foto schicken als Dank für ein Geschenk, Infos suchen zu Zahnen/Milchschorf/Stillproblem, Stellenangebote prüfen für die Zeit nach dem Mutterschaftsurlaub etc. etc. Ja, das macht man auch mal auf dem Spielplatz. Oder beim Stillen. Oder wann auch immer. Kinder müssen meiner Ansicht nach nicht permanent im Zentrum stehen. Und spätestens beim zweiten Kind ist stillen sowieso nicht mehr sehr still. Gleichzeitig Geschichten erzählen, Fragen beantworten, Unfälle verhindern sind unumgänglich.

    • Adriano Maranta sagt:

      Das kann man sicher so machen. Ist aber nicht notwendig. Ich habe auch zwei kleine Kinder, und mein Handy ist ein Mal am späten Abend, wenn die Kinder schlafen, für maximal 30 Min. eingeschaltet. Das Festnetz ist während der Ruhezeiten auch ausgesteckt, und einen Fernseher haben wir eh‘ nicht. Dafür mehr Zeit, um für die Kinder erreichbar und präsent zu sein. Das ist anstrengend, klar. Aber ich habe den Eindruck, dass es sich auszahlt: Beide Seiten (Kinder und wir Eltern) sind, mein‘ ich, recht verlässlich. Wir sind da, und es gibt kein Nonsense.

      • Caroline sagt:

        Ich finde das beeindruckend. Aber wann erreichen Sie den Kinderarzt? Das Grosi für eine Hüteanfrage? Die Kollegin für ein Spieldate? Den potenziellen Arbeitgeber oder den Handwerker, den Sie brauchen? Wann prüfen Sie die Öffnungszeiten eines Ladens? Mögen ihre Freunde alle so spät abends noch telefonieren oder whatsappen? Ich kann mir das irgendwie nicht vorstellen. Zudem bleibe ich beim Punkt, dass Kinder nicht ständig im Mittelpunkt sein sollten. Sie müssen lernen, dass Eltern nicht nur für sie da sind und warten/sich selber beschäftigen/sich zurücknehmen lernen.

  • Adina sagt:

    Eigentlich ist jedes Baby anders, manche brauchen viel mehr Aufmerksamkeit und getragen werden, andere hingegen haben lieber ihre Ruhe.
    Statt die Handys zu verdammen vertraut man besser den Eltern, dass sie das instinktiv schon richtig machen werden, bei jedem Kind eben anders.
    Manchmal muss man gleich nach der Geburt das Baby länger fern von der Mutter versorgen (bei gesundheitlichen Problemen zB unvermeidbar) aber zum Glück ist das hier so dass die Mama ihr Neugeborenes bei sich haben darf wenn sie das so will.
    Auch ich glaube dass Bonding viel länger braucht als nur eine intensive erste Zeit.

  • a.c. sagt:

    Wenn die esoterisch angehauchte Hebamme nach dem Notfallkaiserschnitt meiner Frau gleich ein paar richtige Schmerzmittel gegeben hätte und dafür auf die offenbar notwendige rituelle Rosenwasser-Ganzkörper-Waschung verzichtet hätte, wäre das dem Bonding viel zuträglicher gewesen als die paar Sekunden, die wir brauchten um unseren Lieben mittels Smartphone mitzuteilen dass Alles i.o. ist. Dafür hat aber dieselbe Hebamme uns für den Rest des Nachmittages mit demonstrativer Verachtung bestraft.

    • Jänu sagt:

      Habe/hatte zwei kleine Geschwister, viel jünger als ich, die ich grob geschätzt, sicher tausend Mal gewickelt habe. Dann wurde ich Vater. Das erste Kind war kaum an der frischen Luft, schon lag es auf meinem nackten Oberköper, das zweite war dann bei Mama. (Fotos haben wir erst im Wochenbett gemacht).
      Dann kam das Wickeln und der grosse Auftritt einer Hebamme. Sie befahl(!) mir, vor ihren Augen das Kind zu wickeln. Also machte ich es, wie ich es schon vorher so oft gemacht hatte. Kaum hatte ich mit meiner (sehr grossen) Hand die winzigen Beinchen vorsichtig gepackt, wurde interveniert: alles falsch. So und so! Meine Antwort: Ich mache es immer so, kein Kind hat darunter gelitten. Sie reagierte beleidigt und redete nur noch mit der Mama.
      DAS hatte gestört.

  • Anh Toàn sagt:

    Ich befürchte ein wenig, mein Kleiner beklagt sich später mal, ich hätte zu wenig Photos gemacht, alle seine Freunde hätten Hunderttausende Photos und Videos aus ihrer Kindheit. Meine Frau, Asiatin, da sind Photos noch wichtiger, hat sich beklagt, ich hätte zu wenig Photos gemacht gleich nach der Geburt, als sie nicht konnte.

    Persönlich mag ich weder fotografieren noch fotografiert werden. Es ist, zwar nur ein kleiner aber dennoch fast immer ein Absteller guter Laune, wenn jemand ein Photo machen will. Vermutlich deswegen werden in Asien und auch anderen Orten Hochzeitsphotos vor der Hochzeit gemacht, die wichtigsten Gäste und das Brautpaar in Hochzeitskleidung, treffen sich für ein Fotoshooting ein paar Wochen vor der Hochzeit. (Geht halt bei Geburten nicht)

  • Ein Arzt sagt:

    Die Handystrahlen tun noch ihr eigenes dazu. Es gibt immer mehr sehr besorgniseregende Studien, gerade im Zusammenhang mit Kleinkindern und Krebs. Aber die Lobby verweist natürlich auf die zu wenig lange Studienzeit und kann in diesem narrenfreien Zeitraum behaupten was sie will. Hier tickt eine enorme Zeitbombe.

    • Noch ein Arzt sagt:

      Deswegen sind unsere Handys aus, im Flightmode oder gleich ganz verbannt wenn die Kinder bei uns im Zimmer schlafen ( was häufig vorkommt, da Co-Sleeping irgendwie verlängertes Bonding ist – hat aber nichts mit dem Thema hier zu tun).
      Ehrlicherweise muss man noch ergänzen dass wir das auch wegen unseren eigenen Hirnen machen.
      Übrigens, viele dieser Studien untersuchen den Zusammenhang zwischen Tumoren und Kinder mit eigenem Mobile und nicht dem Mobilegebrauch der Eltern und Tumoren bei den Kindern. Das ist ja nicht ganz dasselbe, da beim Eigengebrauch das Mobil ja viel näher am Hirn ist. Aber es ist so oder so schon besorgniserregend, ja.

      • Kein arzt sagt:

        Ich frag mich schon manchmal, ob Eltern in den Augen von Fachleuten überhaupt noch irgendetwas richtig machen.
        Dieses permanente Eltern-Bashing halt ich für das, was den Kindern am meisten schadet, ob neugeboren oder schon ein wenig älter….

      • Noch ein Arzt sagt:

        @ Kein arzt: nicht aufregen, ist kein Elternbashing – nur ein Hinweis, dass es Hinweise gibt auf…..

        Schauen Sie selber z.B. in der Pubmed, Stichworte: children, cancer, mobile.
        Verbringen Sie ein paar Stunden mit Lesen und bilden Sie sich dann eine eigene Meinung. Danach machen Sie es natürlich wie Sie wollen, wir sind ja ein freies Land. Als Arzt ist man ja nur Berater, die Patienten sind heutzutage ja mündige Kunden (was ich gut finde).
        Vielleicht lösen sich in 20 Jahren alle diese Bedenken in Wohlgefallen auf, vielleicht nicht. So ist es halt in der Medizin, wäre ja schön.
        Trotzdem: meine Kinder schlafen nicht neben einem eingeschalteten Mobile bis klar ist dass diese Strahlen auf klein-kindliche Hirne bedenkenlos sind.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Dass der Handy und Selfiewahn nicht erst seit gestern krankhafte Züge angenommen hat ist nichts Neues. Da werden Bilder von Kindern in mehr oder weniger angezogenem Zustandim Netz gepostet, oft noch verschmiert auf dem Mamibauch. Dazu Kindervideos in intimen Momenten (Beerdigungen und Tierabschiede). Bademeister fischen täglich Kinder aus den Becken, weil Mami lieber mit dem Smartphone spielt, als ihre Brut zu beaufsichtigen.

    Ich war letzthin bei einer Pferdeaufführung und auch da haben Leute, anstatt die Aufführung live zu geniessen, lieber alles mit dem Smartphone gefilmt, was ich nicht nur schade fand, sondern auch sehr störend, wegen der erhellten Displays im dunklem Raum.

    • tststs sagt:

      Ich sehe jetzt nicht gerade unbedingt, dass Apple/Samsung/Huawei/Nokia die vier Reiter der Apokalypse sind, aber auch ich musste am letzten Zürifäscht den Rentner (!) vor mir auffordern, er solle doch bitte mal sein Smartphone runternehmen, dass ich das Feuerwerk auch noch ein wenig live und nicht nur auf seinem Display geniessen könnte…

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Das ist doch einfach schade: man stört dabei Andere und die Aufnahmen spiegeln ja dann auch nicht dieses grandiose Erlebnis wider.

        Auch bei Touristen zu beobachten: auf der Jungfrauterasse laufen diese mit dem Smartphone vor dem Gesicht herum, anstatt die Naturwunder live zu bestaunen.

      • Anh Toàn sagt:

        „Auch bei Touristen zu beobachten: auf der Jungfrauterasse laufen diese mit dem Smartphone vor dem Gesicht herum, anstatt die Naturwunder live zu bestaunen.“

        Man fährt ja dahin, um denen zu Hause erzählen zu können, dass man da war. Und wenn es kein Photo gibt, war es nicht.

        Glauben Sie, die Touristen welche durch Pyramiden stapfen, interessieren sich dafür? Die wollen zu Hause erzählen, dass sie da waren.

      • tststs sagt:

        Schön, dass Sie hier noch das Wort „schade“ benutzen können! Ich würde eher ein anderes Wort mit s-c-h schreiben… 😉

      • tststs sagt:

        @Anh Toàn: Natürlich, so viel Profilneurose habe auch ich, dass von jedem Konzert ein Selfie mit Bühne im Hintergrund gemacht werden kann. Oder Selfie mit Pyramide, oder Selfie mit Sandstrand, oder Selfie mit zu verspeisendem Insekt.

        Ich (und glaubs auch TvS) spielen eher auf diejenigen an, die das gesamte Erlebnis filmen wollen und so das Erlebnis eigentlich verpassen…

      • Anh Toàn sagt:

        @tststs Ich fands eben so gut mit Tourist: Ein Tourist ist für mich jemand, der eben nicht interessiert ist an dem, was er besucht: Interesse bedeutet dazwischen, darin sein. Ein Ägyptologe, von mit aus auch ein Baustatiker sind interessiert an Pyramiden.

        Eltern sind interessiert an ihren Kindern, Touristen nicht an dem, was sie fotografieren.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Anh Toan

        Eben. Ich finde es schade. Ich bin ebenso wie Sie fast ein Fotophobiker. Wenige Fotos genügen, um in Erinnerungen zu schwelgen. Ich muss nicht jedem Hinz und Kunz Fotos herumzeigen, um zu beweisen, dass ich dort war.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        tststs

        schmunzel…

        Nein, dieses Wort benutze ich nur bei grösseren Katastrophen…..

      • Nala sagt:

        Ich finde das immer sehr schockierend, wie Menschen heute alles nur noch durchs Display anschauen. Wir waren letztes Jahr 4 Monate auf Weltreise und ich habe grade mal knapp 350 Fotos gemacht… Das meiste fand ich nicht fotografierbar, sondern wollte es einfach nur ganz intensiv mit den Augen, den Ohren und der Nase in mich aufnehmen. Fotos sind alle im Hirn gespeichert. Aber die meisten schauen mich komisch an, wenn ich sage, dass ich rund 330 Fotos gemacht hätte. Die meinen ich hätte so 3′ – 4’000 machen müssen… Wo bleibt da das persönliche Gefühl und Erlebnis des ganzen?

  • tststs sagt:

    Ich frage mich bei dieser ganzen Handy im Gebärsaal Diskussion eigentlich nur eines:
    FÜR WEN werden diese Aufnahmen gemacht?

    (Habe so die Vermutung: einzig und allein für die externe Festplatte…)
    😉

    • maia sagt:

      Mir wollten tatsächlich schon Bekannte solche Aufnahmen vorspielen und sie waren ziemlich eingeschnappt, dass ich diese nicht sehen wollte.

  • tststs sagt:

    Hmmmm, ich weiss, der Begriff „bonding“ hat seine Bedeutung, aber ich würde gerne mal folgenden Gegengedanken aufführen:
    Nach der Geburt muss aus zwei Gründen nichts „gebondet“ werden:
    1) Das Baby ist schon gebondet, man muss lediglich diese Verbindung aufrecht erhalten.
    2) Ist das Konzept des Bondings eigentlich vergebene Liebesmüh‘ in den ersten paar Wochen. Gemäss Hirnforschung kann das Neugeborene in der ersten Zeit sowieso nicht zwischen dem eigenen Ich (Subjekt) und einem Objekt, an das es sich binden soll, unterscheiden. Es ist eh alles Ich.

    Nur mal so als Gedanke…

    Und bitte nicht missverstehen: Das heisst nicht, dass nicht eine für das Baby angenehme und sinnvolle Umgebung gestaltet werden soll (was wahrscheinlich mit Bonding gleichgesetzt werden kann)

  • - stahel sagt:

    Ja, da beobachtete ich bei einem Spaziergang auf einem Balkon, in der Abendsonne ein weinendes, etwa eineinhalb Jahre altes Kind. Das stand da mit dem Rücken zum Geländer, derweil zwei Frauen auf Liegestühlen in ihre Iphones schauten und das Kind plärren liessen. Das hat mich zutiefst betrübt, zumal es nicht die einzige Beobachtung von Ahnungslosigkeit ist.

    Und was da im Bericht steht, wäre auch für mich hilfreich gewesen, vor langer Zeit.

  • Christina sagt:

    Das alles war unseren einfachen Grossmüttern intuitiv selbverständlich. Was nun? Es wäre Zeit, auch die Konsequenten zu ziehen und Leihmutterschaft zu verbieten! Aber ach, möglichst ohne Aufwand ein Kind kriegen, wenn Frau es sich leisten kann, als ob das die einzige wertvolle Lebensperspektive einer Frau wäre!

    • Nina Bretscher sagt:

      Unsere Grossmütter durften, sofern sie nicht zu Hause gebaren, nicht „bonden“. Das Kind wurde von den eifrigen Krankenschwestern gleich im Kinderzimmer verstaut und überwacht, da es ja nicht sein kann, dass die Natur ohne Eingreifen alles richtig macht. Streng nach der Uhr wurden die Kleinen alle vier Stunden den Müttern zum Stillen gebracht und nach exakt 30min wieder eingesammelt. Soviel zu ihrem „früher war alles besser“. Das Baby- freundliche „Rooming In“ im Spital gibt es erst seit Mitte der Achtziger.

      • Adriano Maranta sagt:

        Danke für diesen richtigen und wichtigen Hinweis.

      • Doris sagt:

        @Nina: Kann ich bestätigen, bei mir als Baby der frühen 1950-Jahre war dieser rigide Zeitplan normal, auch wurde nachts nicht aufgestanden, wenn Babies schrien.
        Tagsüber im Stubenwagen in separatem Zimmer. Motto: Das Baby braucht Ruhe. Früher war gar nicht alles besser, ausser, dass es eine handylose Zeit war, das war wunderbar.

    • Anh Toàn sagt:

      Die älteste Leihmutter der „Geschichte“ findet sich im alten Testament. Abraham hat mit der Sklavin Hagar ein Kind gezeugt.

      • Marcel Zufferey sagt:

        War das nicht Hägar..?

      • Christina sagt:

        Hagar war keine Leihmutter, sondern eine Nebenfrau,, die ihr Kind gepflegt hat und schliesslich zusammen mit ihm von Sarah, der Frau Abrahams, in die Wüste geschickt wurde, als diese selber doch noch ein Kind bekam. Siehe Genesis 16, 1ff.

    • tststs sagt:

      War es für die Omas intuitiver? Oder war es einfach weniger angebracht, Sorgen/Beschwerden/Probleme zu äussern?

    • 13 sagt:

      @ Christina
      Mir persönlich wäre es neu, dass Leihmutterschaft in der Schweiz erlaubt ist….

  • Jane Bissig sagt:

    Hm, drei Gedanken:
    1. „Schon bei der Entdeckung der Schwangerschaft ist der Embryo bei vollem Bewusstsein“ finde ich sehr heikel. Ich persönlich habe mich jeweils sofort mit diesen Zellhaufen verbunden, mit Herz und Kopf. Aber ich bezweifle doch stark, dass das da schon gegenseitig war. Das Gehirn des Embryos ähnelt ja erstmal noch etwa dem einer Seegurke, falls die überhaupt eines haben. Heikel aber vorallem wegen dem Thema Abtreibung.
    2. Sicher können auch Väter versuchen, bald schon eine Verbindung aufzubauen. Vor und nach der Geburt. Ist auch genauso bewegend und wichtig. Aber die konsequente Zusammennennung im Interview irritiert mich doch ein wenig. Zumindest während der Schwangerschaft gehe ich schon davon aus, dass mit der Mutter mehr „Kommunikation“ geschieht.

    • Jane Bissig sagt:

      3. Ein Tipp für die, die es noch vor sich haben: Lasst Euch die ersten Stunden und Tage auch nicht von zuviel Besuch zerstückeln. Ist natürlich Geschmackssache, aber ich bereue jede Minute, in der ich das Kind nicht einfach zusammen mit dem Vater in Ruhe angucken und anfassen konnte.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Jane Bissig
        konsequenterweise müssten nun eigentlich alle Störfaktoren berechnet werden, ich wette bondingunterbrechende Frischgeborenen-Begutachter und wohlmeindende Anrufer kommen da evtl auf ganz beträchtliche Zeitkontingente welche tatsächlich, zumindest in den ersten Tagen/Wochen anderweitig weit besser investiert wären; nicht nur ins eigene Baby sondern auch die eigene Erholung!

      • Jane Bissig sagt:

        Klar. Auch Erholung der Eltern. Und ja, mich haben auch die unglaublich vielen und ineffizient organisierten Termine im Spital-Wochenbett gestört (anderer Ort kam nicht in Frage). Aber das mit dem Besuch hat man am ehesten selber in der Hand. Und das geht ja genau von der Zeit ab, die man zwischen Terminen, Schlafen und dem anfangs wahnsinnig aufwendigen Bébé-Handling hätte fürs selige angucken und halten.

  • Martin sagt:

    Ich denke sehr sehr gerne an die Zeit zurück. Die Geburt meiner Tochter war der schönste Moment, den ich je erleben durfte. Sie hat kam raus, hat angefangen zu atmen, wir haben uns in die geschaut. ich habe mich sofort in sie verliebt. Ich habe sie enorm vorsichtig gestreichelt und geküsst. die Schnur habe ich selber durchtrennt, und auf Video aufgenommen.

  • harybo sagt:

    ein gross teil der eltern sollte man bestrafen und verbieten kinder zu bekommen oder gar zu adoptieren,purer egoismuss einfach so aus einer mommentaner laune ,viele mütter tun dem kinde bevor es überhaupt geboren, schon gosses leid an ,rauchen, drogen uswusf zwei müter oder zwei väter ganz gross in mode,und von gestöhrten linken politiker-rinnen unterstützt, was für ein gefühl müssen solche ,und von den bedüfnissen das ein kleinkind hat, umsolch eine endwicklung noch zu fördern.

    • Reincarnation of XY sagt:

      mommentan ist die Menschhheitt so gestöhrt, dass mann sie gans verpieten sohlte.

      (Aber eigentlich war das vor 10’000 Jahren schon so.)

      • tina sagt:

        ernsthaft, öffentlich und schriftlich über ganz offensichtliche rechtschreibestörung witze machen xy???? zumal die aussage ja genug stoff für witze bietet

    • Brunhild Steiner sagt:

      irgendwie ist das jetzt aber auch nicht grad aus der Ruhe heraus und objektiv…

  • 13 sagt:

    Ich schliesse mich roxy an. Ohne die Bedeutung des Körperkontakts bei Säuglingen, Kinder oder allgemein Menschen kleinreden zu wollen, ist die Behauptung, das sei eine „neue Entwicklung“ eine sehr selektive Wahrnehmung. Immerhin war es noch vor wenigen Jahren, so dass
    – Babys gleich bei der Geburt zum Waschen, Wägen und Untersuchen weggenommen wurden, die Mutter bekam sie teilweise viel später.
    – man kein Rooming-In kannte.
    – nach Uhr gestillt wurde und die Babys wurden auch nur dann gebracht.
    – das Stillen ohnehin sehr schnell aufgegeben wurde, weil es so ja nicht klappen kann.
    – die Väter bei der Geburt überhaupt nicht dabei waren und die Kinder erst nach Tagen direkt sahen. Auch später wurden sie von der Babypflege ausgeschlossen.
    – das Tragen als Verwöhnung betrachtet wurde.

    • 13 sagt:

      – die Kinder ab dem ersten Tag im eigenen Zimmer schliefen und auch sehr bald mit dubiosen Schlafprogrammen zum Durchschlafen gebracht wurden.

      Ja, es mag sein, dass die eine oder andere Mutter zuviel am Handy hängt, aber dieses „früher war alles besser“ ist hier eher nicht angebracht. Und so leid es mir tut, meine Kinder wurden als Neugeborene zwischen 8 und 12 Stunden am Tag gestillt, ganz so wie sie es brauchten. Und dass man daneben dann halt einfach mal schläft, liest, isst, telefoniert, TV schaut oder ja, im Internet surft, ist eigentlich nachvollziehbar. Das Elternbashing ist hier kaum nötig.

      • Martin sagt:

        wow, 12 Stunden, klingt sehr aufwendig

      • 13 sagt:

        Das ist es, aber es ist ja auch nur die erste Phase und die geht vorbei. Es pendelt nach einigen Wochen ab und nimmt drastisch ab. Ausserdem sind nicht alle Kinder gleich. Und immer noch weniger aufwendig als immer Schoppen machen, ist es trotzdem (ich habe Erfahrung mit beidem).

      • tina sagt:

        hust. die meisten hier haben erfahrung mit beidem 13 ;-). aber 12 stunden täglich fürs stillen und für schoppen noch mehr….? man muss ja nicht gleich so dermassen offensichtlich übertreiben, das ist ebensowenig der sache dienlich wie der total übertriebene blog text, der so daher kommt, als ob eltern permanent das handy dem baby bevorzugen würden.

      • Jane Bissig sagt:

        Finde ich jetzt etwas unpassend, 13 Übertreibung vorzuwerfen. Es gibt Babys, die wollen alle zwei Stunden trinken und dann trinken sie langsam und dann kanns schon mal sein, dass man es die Hälfte der Zeit an der Brust hat. Wie sie ja auch schreibt, war es nur eine Phase. (Selber hatte ich zum Glück einen effizienten Trinker. Aber Menschen sind halt unterschiedlich)

      • tina sagt:

        klar gibt es ausnahmen jane bissig, aber wohl nicht bei der dauer der schoppenzubereitung 😉

      • mila sagt:

        Bin bei 13. Meine Tochter hat auch in den ersten Wochen oft und lange gestillt. Aber das Schoppenmachen hätte mich weitaus mehr genervt (auch wenn sie den Schoppen schneller geleert hätte…). Das Stillen/selbst Pausieren habe ich (meist) genossen.

      • 13 sagt:

        @ Tina
        Zum Stillen: Ja, ich hatte zwei davon. Eben, in den ersten Wochen, danach war es schnell besser.
        Zum Schoppen: Das haben Sie etwas falsch verstanden. Nein, das Schoppen machen und verfüttern dauert selbstverständlich keine 12 Stunden am Tag, so habe ich das auch nicht gemeint. Aber auf die gesamte Still/-Schoppenzeit betrachtet, empfinde das Schöppeln als anstrengender, gerade da sich das Stillen eben meistens schnell einstellt und man keine 12 Stunden mehr damit beschäftigt ist. Schon nur aus dem Haus gehen, ist halt aufwendiger, gleich wie nachts aufstehen.

      • tina sagt:

        13, naja falsch verstanden. du hast wörtlich geschrieben, 8-12 stunden stillen sei weniger aufwendig als schoppen machen. aber eben, schon klar dass das nicht stimmen kann und ich fänds halt gut, wenn eine solche behauptung auch einigermassen plausibel ist, weil es sonst kontraproduktiv ist. wie ich ja beschrieb. und das ist schade, denn eigentlich hätte man ja etwas zu sagen

      • tina sagt:

        also konkret: ja ich finde auch, man verbringt so viel zeit mit dem kind während dem stillen und schoppen geben, dass es auf der hand liegt, dass man die zeit auch nutzt um mal nebenher etwas anderes zu machen.

      • 13 sagt:

        @ Tina
        Nein. Ich habe geschrieben, dass das Stillen in der ersten Phase aufwendig ist, sich aber das wieder legt und es drastisch abnimmt und dass Stillen trotzdem weniger aufwendig ist als das Schoppen geben. Dass sich dieser höhere Aufwand des Schoppengebens auf die 8-12 Stunden am Anfang und nicht allgemein aufs Stillen bezogen hat, war deine Interpretation, die ich richtig gestellt habe.

      • tina sagt:

        eben. dieses trotzdem bezieht sich recht eindeutig auf das lange stillen. aber egal. habe ichs halt falsch verstanden, war bestimmt die einzige ;-). ebenso wie ich auch den autor des blogs sicher falsch verstanden habe und martin frey, die natürlich nie wirklich aussagten, dass mütter primär auf ihr handy starren und darum emotional nicht beim kind sei.
        aber ich konnte mich offenbar selber nicht verständlich machen, denn bin ich ja der gleichen meinung (es braucht nicht 100% zuwendung um es zuwendung zu nennen). aber ich finde, wenn einem eine sache wichtig ist, dann dient es der sache mehr, wenn man sich nicht dermassen drastisch ausdrückt dass es unglaubwürdig wirkt

    • Martin Frey sagt:

      Das stimmt alles, 13, aber wir sind nun mal weiter als vor 50 Jahren, insofern sind die Vergleiche mit vergangenen Zeiten wenig zielführend. Und dass der übertriebene Gebrauch von elektronischen Devices (nicht nur Smartphones) nicht nur einer guten Eltern-Kind-Beziehung, sondern auch einer guten kindlichen Entwicklung an sich eher abträglich ist, scheint mir wichtig zu erwähnen. Grad weil es teils epidemische Ausmasse annimmt. Nicht nur im Gebärsaal.
      Aber klar, mit derartigen Warnungen (Elternbashing ist das nämlich nicht) liegt man natürlich ein Stück weit quer in der Landschaft. Insbesondere bei Leuten, die selber dabei kein Problem sehen, respektive nicht gewillt sind, an ihrem Lifestyle Anpassungen vorzunehmen.

      • 13 sagt:

        „Fehlende Geborgenheit und Sicherheit erzeugen Störungen, die ich in meiner Praxis schon bei Säuglingen und Kleinkindern feststelle. Diese problematischen Entwicklungen haben in den letzten Jahren eklatant zugenommen und bereiten uns Medizinern grosse Sorgen.“
        Ich kann das einfach nicht ganz glauben, wenn ich in meinem Umfeld halt sehe, wie liebevoll und teilweise sogar aufopfernd heute zu den Säuglingen geschaut wird und wieviel Kritik man gerade dafür von der älteren Generation einstecken muss….jetzt trag es nicht immer, lass es mal schreien, gib mal Schoppen, gib es mal ab….
        Ich will damit auch nicht Smartphones etc. schönreden, ich muss mich oft selber daran erinnern, aber irgendwie steht man heute schon zwischen Helikopter- und Rabenmutter.

      • Martin Frey sagt:

        Ich glaub das Ihnen und Ihrem Umfeld gerne, 13. Das ist aber trotzdem kein Bashing, sondern halt ein Beschrieb anderer Realitäten als vielleicht der Ihrigen. Sie sollten nicht den Fehler machen, von Ihrem Umfeld auf alle zu schliessen.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Ok, lassen wir mein Umfeld. Sie glauben wirklich, dass sich die Eltern heute weniger mit den Säuglingen abgeben, als dies noch vor sagen wir 20-30 Jahren (=eine Generation) der Fall war?

      • Martin Frey sagt:

        @13:
        „Sie glauben wirklich, dass sich die Eltern heute weniger mit den Säuglingen abgeben, als dies noch vor sagen wir 20-30 Jahren (=eine Generation) der Fall war?“
        Sagen wir es so, im Vergleich zu vor 15-20 Jahren definitiv. Dh. vor der ganzen Social Media-SMS-Smartphone-Manie. Die neuen Erkenntnisse über Bonding und dergleichen wurden damals bereits augenommen und umgesetzt, aber die Mütter (über die reden wir hier mehrheitlich) waren nicht in dem Ausmass permanent mit dem Smartphone beschäftigt wie heute.
        Ich sehe sehr oft Mütter, die sich, egal wo und in welchem Setting, primär mit ihren Smartphones beschäftigten und ihre irgendwann halt um Aufmerksamkeit buhlenden Kinder ignorieren. Auch da, pauschalisieren kann man das nicht, aber ein (ungünstiger) Trend ist es sicher.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Ok, ich sehe das etwas anders. Ich denke, dass das Smartphone vielfach einfach andere „Ablenkungen“ ersetzt hat. Da war es dann halt das Buch, der Haushalt, die Arbeit, Freunde etc. Ich weiss auch nicht, ob Sie noch Kleinkinder haben, aber ich erlebe auf dem Spielplatz etc. viel öfters Frauen (ja, insbesondere Frauen), die die Kinder keinen Schritt alleine machen lassen und sich permanent als Spielkamerad zur Verfügung stellen, als diejenigen, die auf der Bank sitzen und auf das Handy starren. Aber so hat wohl jeder seine Wahrnehmung. Die Wahrheit liegt ja bekanntlich irgendwo dazwischen.

      • Martin Frey sagt:

        Wie Sie sagen, 13, die Wahrnehmung ist sicher ein Stück weit verschieden. Aber dass man Buch, Haushalt, Arbeit, Freunde mit elektronischen Devices gleichsetzen kann, glaube ich weniger. Denn nichts von dem hat ja im Vergleich zu früher signifikant abgenommen, das Smartphone und alles, was damit zusammenhängt, ist vielmehr dazu gekommen, und fungiert heute für viele als permanenter Begleiter 24/7 inklusive WC und unter die Dusche… 😉 Zudem spielt das Ablenkungs- wie auch Suchtpotential elektronischer Devices in einer anderen Liga. Nicht von ungefähr wird auch im Strassenverkehr, Badeanstalten immer eindringlicher vor damit verbundener Unachtsamkeit gewarnt.
        Nebenbei, ich bin auch regelmässig auf Spielplätzen anzutreffen.

      • tina sagt:

        vielleicht sollte man nicht den fehler machen, martin frey, zu schliessen, dass eine mutter den ganzen tag hauptsächlich auf ihr handy starrt, nur weil Sie sie soeben im tram dabei beobachteten.

      • 13 sagt:

        „Denn nichts von dem hat ja im Vergleich zu früher signifikant abgenommen, das Smartphone und alles, was damit zusammenhängt, ist vielmehr dazu gekommen“

        Ist das so? Ich bin nicht ganz überzeugt. Wo man früher immer ein Buch/Zeitung/Zeitschrift dabei hat, hat man eben das Smartphone uns liest darauf. Freunde verständigt man auch eher per Nachricht als 1-2 Stunden am Telefon zu hängen, die Arbeit erledigt man je nach Arbeit auch teilweise per Handy, der Haushalt ist dank Maschinen ohnehin weniger geworden. Ich bin auch der Meinung, man kann es nicht 1:1 aufrechnen, aber die Smartphonezeit etwas relativieren. Und wie Tina zurecht sagt, man sieht eben nur Momentaufnahmen.

    • Ruth sagt:

      Wo leben Sie denn, dass all die schlimmen Dinge, die Sie auflisten, noch „vor wenigen Jahren“ üblich waren?
      Selbst bei meiner ersten Entbindung vor 30 Jahren war all das schon lange Vergangenheit! Und dass mein Vater vor über 60 Jahren bei der Geburt mit dabei war, übrigens genau so selbstverständlich wie andere Väter, wird Sie wohl überraschen.
      Aber natürlich glaubt jede Generation, dass die Alten altmodisch waren und sie alles besser machen werden. Zum Glück wird man älter und hoffentlich etwas weiser…

      • 13 sagt:

        @ Ruth
        Umgekehrte Frage: Wo bitte schön, war es vor 60 Jahren normal, dass die Väter bei der Geburt dabei waren? Ich kam vor 35 Jahren in Südeuropa auf die Welt. Nach einem Lungenkollaps wurde meine Mutter nach 2 Tagen überhaupt darüber informiert, dass ich noch lebe, nochmals 12 Stunden wurde ich ihr das erste Mal gebracht, mit der Begründung, vor dem Milcheinschuss bräuchte man ja auch nicht zu stillen. Mein Vater sah mich durch die Scheibe. Wickeln, umziehen, baden etc. durften sie erst zu Hause. Ok ja, es ist nicht die Schweiz, aber bei meinen Freunden (in der CH) war kein einziger Vater im Gebärsaal dabei. Länger als 6 Monate gestillt wurde eines, die meisten nur sehr kurz und eben nach Uhr. Überhaupt war die Stillrate sehr tief, was eigentlich bekannt ist.

  • fritz hohenlohe sagt:

    die überbemutterung, bzw. das nicht arbeiten wollen von gewissen frauen und so tun, als ob sich frau aufopfert für die kinder, machen kinder kaputt und auch die ehe.
    zahlen tun das die kinder und die ex männer.
    zeit, dass frauen ihren anteil am einkommen regenerieren. in der zeit von gleichberechtigung.
    das zum thema unterschätzung von säuglingen/kinder.

    • 13 sagt:

      Stimmt! Immer diese Frauen, die 30 Minuten nach der Geburt das Kind fotografieren oder gar anschauen anstatt aufstehen und arbeiten zu gehen, wie sich das gehört! Geht ja gar nicht! Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen?

    • Reincarnation of XY sagt:

      Ich kenne wunderbare Familien, da war die Mutter Hausfrau. Und gerade dieser Punkt, hat die Familie und die Kinder emotional zusammengehalten, gestärkt – alles Gute halt, das man sich vorstellen kann.
      Natürlich gibt es wohl auch solche Beispiele wie Ihres, Herr Hohenlohe. Aber eben: unfähige Eltern sind unfähig, ob sie Handys haben oder nicht, ob sie Hausfrauen sind oder nicht.
      Nur wer ein nicht auszufüllendes Defizit hat, meint stets, es seien diese Äusserlichkeiten, welche den Schaden anrichten. Aber der Schaden kommt stets von Innen, von der Unfähigkeit echte Liebe zu vermitteln.

      • Lambda sagt:

        Roxy: Ich denke, dass Äusserlichkeiten eine wichtige Rolle spielen können. Bin ich unausgeschlafen, bin ich eine viel schlechtere Mutter als im ausgeschlafenen Zustand: ungeduldiger, empfindlicher, genervter. Gleiches gilt für äusseren Stress: ist die finanzielle Sicherheit der Familie in Gefahr, macht man sich Sorgen über andere Dinge, etc., hirnt man evtl. irgendeinem Problem nach, statt aufmerksam bei den Kindern zu sein.
        Natürlich kann ich mir Mühe geben, zu genug Schlaf zu kommen und meinen Problemen in Gedanken nicht zu stark nachzuhängen, etc., aber wenn die Sorgen von Anfang an nicht da wären, wäre die Situation doch eine andere.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Solange sich denn die Männer auch an Kinderbetreuung und Haushalt beteiligen ist dem nichts entgegenzusetzen, nur bitte gönnen Sie doch den Müttern nach der Geburt wenigstens noch ein paar Wochen Schonzeit….

  • Reincarnation of XY sagt:

    Ich nerve mich ja auch, wenn bei Rockkonzerten jeder 5. gar nicht mehr dabei, sondern nur noch hinterm Handy ist, also finde ich den Beitrag richtig.
    Andererseits muss ich, wenn ich diese Wort lese, schon sagen, dass wir eine sehr arme emotional verstörte Generation sein müssen. Zu unserer Zeit, wurden neu geborene Babys in Massenschlägen untergebracht und der Mutter nur kurz zum Stillen gegeben und dann wieder ab in den Massenschlag, der Rest der Familie konnte es dort durch eine dicke Glasscheibe erspähen. Dritte Reihe, das zweite von Rechts.
    Da scheinen mir ein paar Handyaufnahmen relativ harmlos dagegen.
    Aber ok, ich bin ja auch weit weg von Menschen, die mehr und mehr in einer Trueman-Show leben.

    • Selina sagt:

      Richtig, als 70-er Jahre-Massenschlagkind sollte ich also auch bindungsgestört sein. Ich mag mich nicht mehr an den Massenschlag erinnern, dafür aber umso mehr an meine liebevollen Eltern bei denen ich geliebt und geborgen aufwachsen durfte. Bonding ist sicher wichtig und die meisten Eltern die ich kenne gehen vernünftig mit ihren Handys um. Und apropos Stillen: wenn man ein Neugeborenes stundenlang stillt (so kam es mir jedenfalls vor) ist man froh um etwas Abwechslung. Habe dazu Bücher gelesen, ab und zu auf dem Handy herumgespielt und manchmal sogar TV geschaut (Ton natürlich auf ganz leise!!). Mein Sohn hat sicher keinen Schaden davon genommen, trank genüsslich an meiner Brust und ich war auch zufrieden!

      • Reincarnation of XY sagt:

        Sie bringen es auf den Punkt Selina: bei den Eltern, bei denen es nicht klappt mit der Bindung, klappt sie nicht, wegen des Handys, wegen der 70er oder wegen irgendetwas.
        Bei denen, wo es klappt, klappt es trotz all den Dingen. Es muss einfach das Gesamtpaket stimmen. Wir sollten uns nicht zu sehr auf die ersten 3 Jahre oder 3 Tage konzentrieren, sondern einfach Tag für Tag für unsere Kleinen mit Liebe da sein. Aus Fehlern lernen, Aufmerksam bleiben etc. – es nützt den Kindern nämlich auch wenig, wenn sie 3 super erste Lebensjahre haben, aber danach kaum Verständnis und Orientierung finden.

      • tststs sagt:

        „Wir sollten uns nicht zu sehr auf die ersten 3 Jahre oder 3 Tage konzentrieren…“
        Word!

  • Isabelle sagt:

    Dieser Handywahn ist katastrophal! Es zeigt sich immer mehr im sozialen Bereich der Jugendlichen und auch schon Primarschulkinder! Eltern, lasst euer Handy zu Hause und widmet euch eurer Kinder! Seid froh, dass ihr welche haben könnt!

    • maja sagt:

      Herr Lüdin vergisst ganz, dass auch das Baby erschöpft ist nach der Geburt. Früher wurden die Neugeborenen
      in den Spitäler gleich getrennt von den Mütter. Waren damals auch sogenannte Fachleute, die genau wussten was falsch und richtig ist.

  • Brunhild Steiner sagt:

    „Schon bei der Entdeckung der Schwangerschaft
    ist der Embryo bei vollem Bewusstsein.“
    Einverstanden, ich gehe allerdings davon aus dass diese Sichtweise mehr als umstritten ist… .
    Ob sich ein werdendes Elternpaar durch diesen Artikel vom „sekundenschnellen Dokumentationsdrang“ abhalten lassen wird? Das Thema „Umgang mit neuen Medien/Technologien“ scheint nicht nur in Schulklassen, sondern auch Geburtsvorbereitungskursen wichtig zu werden.

    Was mir auch noch wichtig wäre, kein schlechtes Gewissen wenn den Eltern vor lauter Erschöpfung/Anstrengung (vielleicht kümmert sich Papa dann lieber um seine ko-geschlagene Partnerin?) die ersten „bondings“ zu viel sind. In der Regel kümmert sich die Pflege sehr liebevoll um die Neuankömmlinge.

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