Diese Familie hat einen Vogel

  • Familienglück mit Elster: Die Blooms und Penguin. Alle Fotos: Cameron Bloom

  • Der Vogel wurde für die Familie zu einem echten Gefährten.

  • Penguin leistet bei der Küchenarbeit Gesellschaft.

  • So sieht es aus, wenn ein Vogel wie ein Mensch schläft.

  • Penguin gewöhnte sich schnell an die menschliche Umgebung.

  • Cameron Bloom hat Penguins Geschichte in eindrücklichen Bildern festgehalten.

  • Die Elster hilft beim Zähneputzen.

  • Penguin mit einem der Söhne.

  • Ob der Vogel sich auch musikalisch eingebracht hat, ist nicht bekannt.

  • Ein Stoffäffchen als Spielkamerad.

  • Traute Zweisamkeit.

  • Sams Mütze fand die Elster offenbar ganz bequem.

  • Neugierige Blicke.

  • Penguin half Sam, mit ihrer Querschnittlähmung fertigzuwerden.

Sie schläft und isst mit der Familie, schmust auf dem Sofa und hilft den Kindern beim Zähneputzen. Darf ich vorstellen: die wilde Elster Penguin, die mit der australischen Familie Bloom eine ganz spezielle Freundschaft einging.

Die Geschichte begann, als der neunjährige Noah die Baby-Elster am Boden fand und sie nach Hause brachte. Sie war vom Baum gefallen und etwa drei Wochen alt. Die fünfköpfige Familie im australischen Newport päppelte darauf den kleinen Vogel auf, den sie wegen seines schwarz-weissen Federkleids «Penguin» (Pinguin) nannte. Die Kinder und Sam, deren Mutter, bastelten für das Vogelweibchen ein kleines Nest, fütterten und umsorgten es, während Cam, der Familienvater und Profi-Fotograf, das Leben mit der kleinen Elster in Bildern festzuhalten begann. Entstanden sind dabei wunderbar zarte Fotos, die Vertrautheit und Glück ausstrahlen.

Ein Vogel als Familientherapeut

Dem Vogel ging es von Tag zu Tag besser. Um Penguin den Weg zurück in die Natur offenzulassen, liess die Familie die Verandatür auf. Nach vier Monaten begann er ums Haus zu rennen und kurze Ausflüge zu unternehmen und nach deren sechs draussen in den Bäumen zu schlafen. «Dieser Moment war wundervoll», erzählt Sam. «Wir freuten uns, dass der Vogel offenbar fähig war, alleine in der Wildnis zu überleben.»

Die Elster schlich sich danach zwar dennoch hin und wieder ins Haus, doch die Familie spedierte sie nachts wieder hinaus. Dennoch besuchte Penguin während zweier Jahre Sam, Cam und die Buben Rueben, Noah und Oliver regelmässig und nahm an deren Familienleben teil. Ein besonders emotionaler Moment war, als Penguin während zweieinhalb Monaten verschwunden war und exakt an Ruebens 13. Geburtstag die Familie besuchte. Rueben war ausser sich vor Freude. Sein Vater war wie so oft mit seiner Kamera zur Stelle und filmte.


Video: Cameron Bloom Photography (Vimeo)

Sprechen Cam und Sam von Penguin, tun sie es liebevoll. Sie haben mit der Elster nicht nur einen Freund gewonnen, sie sehen in ihr im weitesten Sinne auch eine Retterin: Denn nur ein paar Monate bevor die Baby-Elster vom Baum fiel, war auch Sam gefallen. Sie hatte sich in Thailand während der Familienferien an ein morsches Geländer gelehnt und war zwei Stockwerke in die Tiefe gestürzt. Seither ist sie querschnittgelähmt und im Rollstuhl. Es war schwierig für die sportliche Frau, mit dem Schicksalsschlag umzugehen. Sie verlor ihren Lebensmut; die Schmerzen und die eingeschränkte Freiheit machten ihr das Leben zur Qual.

«Dann kam Penguin in unser Leben und hellte es auf wundersame Weise auf», sagt Sam während unseres Telefongesprächs. Für Sam wurde Penguin zur Zuhörerin und Gefährtin. Für sie, ihren Mann und die Söhne kehrte die Freude am Leben und am Alltag zurück. «Sie brachte eine schöne Aufregung und viel Gelächter in die Familie und machte uns alle froh.» – «It was great.»

Hollywood zeigt Interesse

Cam begann eine Auswahl der insgesamt 14’000 Bilder auf einem eigenen Instagram-Account zu publizieren. Aus Spass, wie er sagt – und um andere Menschen an den Fotos und ihrer Freude teilhaben zu lassen. Innert Kürze hatte die Seite viele Fans, bald schon meldeten sich Verleger. Mittlerweile gibt es ein Buch davon, neu auch auf Deutsch. Irgendwann soll auch ein Film entstehen: Die US-Schauspielerinnen Naomi Watts und Reese Witherspoon haben sich die Filmrechte gesichert.

Cameron Bloom und Bradley Trevor Greive: Penguin Bloom. Fotobuch. Knaus-Verlag, 2017. 208 Seiten, ca. 28 Fr.

«Ihre» Elster sah die Familie vor eineinhalb Jahren zum letzten Mal. Sie vermissen Penguins Gesellschaft, aber hoffen, dass es ihr gut geht. Wahrscheinlich habe sie nun selber eine kleine Familie, sagen sie. Die Blooms retteten seither zwei weitere Elster-Babys. Auch sie habe die Familie ins Herz geschlossen, sagt Cam. Doch die Beziehung zu ihnen sei nicht dieselbe wie zu Penguin. «Sie war schon etwas sehr Besonderes.»

 

Die beiden Autoren des Buches, Trevor Greive und Cameron Bloom, spenden 10 Prozent ihrer Tantiemen an die gemeinnützige Stiftung «Wings for Life», die sich für Rückenmarkforschung engagiert. Ziel ist, eine Heilung für Querschnittlähmung zu finden.

14 Kommentare zu «Diese Familie hat einen Vogel»

  • Flo, die echte! sagt:

    eine wunderbare Geschichte , eine Geschichte die in unserer Zeit aufzeigt was Freunschaften bedeuten kann.
    Freundschaften zu Tieren ersetzen keine Freundschaft mit Menschen, aber auch sie spenden uns echte/n Trost, Zuneigung und Vertrauen, etwas was nicht oft anzutreffen ist.
    Gerade in der heutigen Zeit wo man zig tausene von Freunden auf allen sozialen Plattformen generieren kann sind echte Freunsschacften, auch zwischen Mensch und Tier, etwas kostbares.
    Etwas was mich persönlich immer traurig stimmt; im Alter gehen wunderbare und kostbare Freundchaften oft durch Todesfälle verloren – umso wichtiger sind die Erinnerungen daran.

  • Georg sagt:

    Auch als grosser Vogel-, Hunde-, Katzen- und Pferdefreund bestehe ich darauf: Tiere haben im Mund und bei den Esswaren von Menschen nichts verloren, es sei denn sie seien selbst Nahrung. Wer es nicht glaubt, soll, bevor er protestiert, lernen, worum es geht.

    • Flo, die echte! sagt:

      Lieber Georg; also wenn ich ihren Kommentar so lese vermute ich, das sie den Sinn und Zweck dieser schönen Geschichte nicht wirklich erfasst haben
      Schade für sie

  • 13 sagt:

    Eine traurige und wunderschöne Geschichte. Die Fotos dazu sind einfach nur wow!

  • mila sagt:

    Eine wunderbare Geschichte- wollte ich schon heute morgen schreiben. Dsnke dafür!

  • Laura Fehlmann sagt:

    Ohne Wenn und Aber: Eine wunderschöne Geschichte.

  • Claudine Hollinger sagt:

    In Australien werden diese Vögel zwar Magpie genannt, aber der korrekte deutsche Name des Cracticus tibicen ist Flötenvogel. Der wunderbare flötende Gesang dieser Vögel ist vor allem am Morgen oft zu hören. Die australian magpies haben rein gar nichts mit Elstern zu tun.

  • Mario Monaro sagt:

    Eine schöne Feel-Good-Story. Sollte man sich mindestens einmal am Tag gönnen, damit man nicht völlig in Zynismus abdriftet. Tolle Fotos, die da gemacht wurden.

  • Blog-Redaktion sagt:

    Liebe Leserinnen und Leser, Sie können wieder Kommentare verfassen. Entschuldigen Sie bitte die technischen Probleme. Die Redaktion

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