«Alles nur e Phase»

Eltern wissen, wovon in diesem Song die Rede ist: «Alles nur e Phase» von Sam National (Youtube).

«Als wir Ihren Artikel über die Pubertät Ihrer 7-jährigen Tochter gelesen haben, haben wir laut rauslachen müssen», schrieb mir Sammy Frey vor ein paar Tagen. Nicht, weil er und seine Frau sich über die Teenie-Allüren meiner Tochter amüsiert hätten, sondern weil ich damals das Elternmantra schlechthin in meinen Text eingebaut hatte: «Es geht allen gleich, und – ommmmm – es ist nur eine Phase.»

Immer und immer wieder habe man ihm das als frischgebackenem Papa gesagt, so Frey, «im Moment hat uns das zwar jeweils wenig geholfen, aber im Nachhinein haben eigentlich alle recht behalten».

Song zu Ehren der «Phase»

Nach zweijähriger «Alles nur e Phase»-Dauerbeschallung – Freys Tochter ist mittlerweile zweieinhalb Jahre alt – hat Sammy Frey alias Sam National beschlossen, dem Elternmantra einen Song zu widmen. Erst konzentrierte er sich nur auf die Kleinkindphase, die er aus eigener Erfahrung kannte. Der Pubertäts-Mamablog allerdings habe ihn inspiriert, in seinem Umfeld nach weiteren Beispielen älterer Kinder zu fragen, «und am Ende hatte ich so viele, dass es schwierig war, die besten auszuwählen».

Nach nur einem Tag hatte der Song «Alles nur e Phase» bereits 10’000 Klicks auf Youtube, und er wurde auch auf Facebook fleissig geteilt. Ein deutliches Zeichen, dass viele Eltern sich und ihre Kinder darin wiedererkennen. «Das beruhigt mich irgendwie», sagt Frey lachend, «und ich sage das ganz ohne Schadenfreude.»

Selbstzweifel der Eltern

Obwohl das Lied witzig gemeint ist, spricht der Musiker und Sekundarlehrer Frey im Songtext auch die Selbstzweifel an, die einen in solchen Momenten befallen. «Das Schwierige an den Phasen ist meiner Meinung nach, dass man sie oft nicht gleich als solche erkennt», sagt der 39-Jährige, «man rennt und macht und tut, und erst wenn dir jemand sagt: ‹Händ mini im Fall au gmacht›, hältst du inne und kommst zum Schluss, dass das dann wohl nur eine Phase ist.»

Wobei das «nur» fast schon sarkastisch wirkt, wenn man selber in der Phase steckt. «Als ich wegen meines zahnenden Kindes extrem an Schlafentzug litt, half es mir im Moment auch nicht gross, dass das nur eine Phase ist», sagt Frey, «ich wollte bloss, dass es endlich vorbei ist.»

Das ist es unterdessen, und Frey kann wieder darüber lachen. Im Moment. Denn wie singt er so schön? «Es isch alles nur e Phase, und es git nur eis, wo du chasch sicher si: Di nächschti Phase, die chunnt scho gli.»

Welche Phase war für Sie die bisher schlimmste? Und finden Sie den Satz «Alles nur e Phase» beruhigend, oder geht er Ihnen bloss auf die Nerven?

13 Kommentare zu ««Alles nur e Phase»»

  • Jänu sagt:

    Ein grauenhafter Song, ganz übel, ja richtig übelst. Ist viel schlimmer als das Gequengel von Kindern. Ich weiss, wovon ich rede, unsere Kleinere war mehr als ein Jahr ein „Schreikind“, musste immer(!) herumgetragen werden. Heute ist sie ein Goldengel, supersüss.

  • Susi sagt:

    Als ich zu meinem Mann mal wieder sagte: „Isch nur e Phasä!“ meinte er: „Jaja, das ganze Leben ist eine Phase!“
    😀

    • Muttis Liebling sagt:

      Von meiner Freundin Christiane, die auch das Buch ‚Liebe wird oft überbewertet‘ geschrieben hat, der Anfang eines Liedtextes. Die ganze Veröffentlichung hat Christiane verboten. Es passt zu gut zu (postnatalen) Depressiönchens.

      Ist das wieder so ne Phase
      oder bleibt das jetzt für immer so stehen?
      Werd ich jemals noch in diesem Leben
      wieder aufstehn, mich anziehn
      und auf die Straße gehn?

      Mein Zimmer mein Kosmos
      mein Sofa die Erde
      mein Fernseher die Sonne
      nonstop Tageträumerei
      ich bin so müde
      vergähne mein Leben
      im Zeitlupentempo
      hasse es und doch egal

      • Adina sagt:

        Muttis Liebling, wissen Sie wie das hier:
        „Werd ich jemals noch in diesem Leben
        wieder aufstehn, mich anziehn
        und auf die Straße gehn?“
        sich anfühlt? Wie es sich anfühlt wenn man denkt „ich schaffe das alles nicht mehr“ und „es ist mir egal ob morgen noch ein tag ist oder nicht“?
        Falls nicht, dann sparen Sie uns bitte solche Kommentare. Danke.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Die schlimmste Phase war das 1. Lebensjahr mit meinem älterem Sohn: stundenlanges Schreien mehrmals täglich, kurze Schlafzeiten mit viele Unterbrüchen brachten mich an meine physische und psychische Grenzen. Unterstützung gleich Null, ausser der immer gleiche „gute“ Ratschlag, dass ich ihn halt schreien lassen soll.

    Nach 12 Monaten wurde es dann entspannter, obwol er erst mit 6 Jahren durchschlief.

  • Coffee Toffee sagt:

    Ich finde das Mantra hilfreich. Man weiss, dass nach ein paar Wochen wieder ein wichtiger Schritt in die Eigenständigkeit vollbracht sein wird. Blöderweise trifft das Mantra auch auf die guten Phasen zu.

  • Vierauge sagt:

    das ist auch unser Mantra (mit 2 inzwischen mehr oder weniger erwachsenen Söhnen).
    Wichtigste Erkenntnis: mit anderen drüber reden hilft! Als unsere 2 sich vor Jahren mal wieder die Butter auf dem Brot nicht gönnten und sich dauernd stritten wie die Raben, kam ich auf einer Dienstreise mit meinem Chef, der Kinder im gleichen Alter hat, auf dieses Thema – und er sagte: “ deine auch? manchmal könnte ich wahnsinnig werden!“ Da ging es mir gleich etwas besser, weil ich nicht alleine war mit dem Problem.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Meine Buben stritten sich nie, bis sie 10 und 13 Jahre alt waren. Erst ab dann, wurden die Interessen der Beiden so verschieden, zzmal der Kleine infolge Kopfverletzungen nicht ganz altersentsprechend ist. Diese Phase dauerte dann ca 2.5 Jahre, seither hat der Ältere wieder in diese für ihn typische Nachsicht gefunden.

      • Elisa sagt:

        Streiten lernen ist aber sehr wichtig und kann man vorallem mit Geschwistern lernen. Sag ich mir zumindest immer, wenn sich unsere Jungs die Köpfe einschlagen…

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Warum müssen Geschwister streiten? Irgendwann lernen sie das auch mit anderen Kindern.

      • Karl von Bruck sagt:

        @vS – Schluesselkinder, die bei Vollzeitarbeit beider Eltern ab 7 von 8 bis 6 mit dem Hausschluessel um den Hals in der Schule und auf der Strasse waren, konnten das noch lernen. Heute gibts immer mehr Kinder, die nicht einmal mehr den Schulweg schaffen, ohne massiv zu pruegeln oder gefaehrlich gepruegelt zu werden. Eine angemessene Streitkultur waere viel wichtiger als vieles vom Berufsschrott, der oft spaeter ungebraucht in Kinderhirne getrichtert wird. Wenn der Vater oder gar die Mutter jubelt, wenn der Kleine im Sandkasten dem anderen das Scheufelchen ueber den Schaedel zieht, wenn der ihm das Kesseli klaut, bevor er es auch nur mit verbal deutlichem Reklamieren versucht, braucht sich ueber die von der Juxtiz gedeckte statt gedeckelte Gewaltkultur der „Grossen“ nicht zu wundern…..

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Nun, meine Kinder haben nie von sich aus körperliche Gewalt gegen andere Kinder gebraucht.

        Sie verherrlichen die Verwahrlosung von Schlüsselkindern und vergessen, dass dies meist Kinder von alleinerziehenden Müttern waren, welche auch übermässig oft Probleme machten.

        Heute sind es eher Migrantenkinder, wo die Eltern Betreuungsgelder sparen wollen um sich den BMW leisten zu können. Auch diese fallen oft als gewalttätig auf.

      • Karl von Bruck sagt:

        @vS – Nehmen Sie doch nicht alles persoenlich!

        Es gibt genug Eltern, deren Kinder gar untereinander ungestraft, wenn nicht gar gelobt, einander die Koepfe einschlagen.

        Wenn ein Kind alt genug ist, zwangsgeschult zu werden, sollte es auch alt genug sein, sich selbstaendig auf der Strasse bewegen und durchsetzen zu koennen. Schluesselkinder, die im Alter von bis zu 7 Jahren richtig betreut und instruiert wurden, waren alles andere als verwahrlost. Wenn das System auf Kindergewalt kaum und ab 15 bis 18 nur viel zu mild reagiert, muss man sich ueber das Ergebnis im Erwachsenenalter nicht zu wundern, zumal gar auch Erwachsene nach Gewalttaten zu oft sofort entlassen werden, statt bis um Urteil wegen Wiederholungsgefahr in U-Haft behalten zu werden….

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.