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Nein, wir bügeln keine Unterhosen

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 6. März 2013

Ein Papablog von Maurice Thiriet.

ironingman

Superheld am Bügelbrett: Ironing Man bleibt eine Wunschvorstellung der Frauen. (Fotomontage: worth1000.com)

Die ehemalige Journalistin Sibylle Stillhart ist Mutter zweier Kinder und arbeitet jetzt beim Bund. Unlängst muss eine Kaffeepausen-Debatte in Stillharts Abteilung den Familien-Artikel zum Gegenstand gehabt haben. Jedenfalls veröffentlichte Stillhart dann am Samstag einem ganzseitigen Artikel in der «Aargauer Zeitung». Der Tenor: Männer beteiligen sich nicht an der Hausarbeit und mehr als Krippenplätze hälfe der arbeitstätigen Frau, «ein Mann, der zu Hause mit anpackt».

Den Beweis, dass die Männer im Haushalt nicht zu gebrauchen seien, führt Stillhart mit der bei komplexen Problemfeldern üblichen Verquickung von veralteten Umfrage-Ergebnissen und Zitaten dreier anonymer Kronzeuginnen, die sich aus dem engeren Bekanntenkreis rekrutieren.

So liest man, dass eine Auswertung des Bundesamts für Statistik (BfS) aus dem Jahre 2003 ergeben habe, «dass Frauen nach wie vor hauptsächlich zuständig sind für Haus- und Familienarbeiten». Diese Erkenntnis der drei Autorinnen der Studie sichert Stillhart mit den Aussagen der drei Kronzeuginnen ab. Die erste, «Gymi-Lehrerin Cornelia», Mutter zweier kleiner Töchter, ist jedes Mal angespannt, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt: «Wie sieht es wohl heute in der Wohnung aus?» Die zweite, die «Freundin, Sektionschefin» ist kinderlos und hadert damit, dass ihr Freund abends kein Sushi bringt. Die dritte, die «andere Freundin, Juristin», ist Mutter dreier Kinder und konstatiert dass sich ihr Mann «schleichend aus sämtlichen Haushaltsarbeiten zurückgezogen hat». Oha.

Kann man einer solch wasserdichten Beweisführung überhaupt etwas entgegenhalten?

Kaum. So führt Stillhart neben der BFS-Studie von weiblichen Autorinnen eine «repräsentative Umfrage» der deutschen Familienministerin Kristina Schröder im Herbst 2012 ins Feld, wonach 70 Prozent der befragten Mütter gesagt hätten, sie machten die Hausarbeit alleine. Die Studie, bei der nur Mütter befragt werden, gilt unhinterfragt als «repräsentativ». Politik und Gesellschaft bezichtigen die Männer der Haushaltsfaulheit aufgrund von Studien, bei denen Frauen andere Frauen in Sachen Haushalt befragen und deren Ergebnisse von Frauen interpretiert werden. Mit anderen Worten: Die Frauen haben auch im 21. Jahrhundert noch die alleinige Definitionshoheit darüber inne, was «Haushaltsarbeit» ist und was sie alles umfasst. Sie bestimmen damit über die Menge der anfallenden Hausarbeiten, von denen viele absolut sinnlos sind und beklagen sich dann, wenn die Männer diese nicht erledigen wollen.

Es bleibt also nur der passive Widerstand, der zivile Ungehorsam, die domestische Subversion.

Ein Freund, Informatik-Ingenieur und Vater zweier Kinder, weigert sich etwa, jeden Abend den Garten aufzuräumen: «Wozu? Die Kinder reissen sowieso am nächsten Tag alles wieder raus!» Ein anderer Freund, Abteilungsleiter und Vater eines Sohnes, lässt öfter leere Milchpackungen und Konfitüre-Gläser im Kühlschrank, da sie ihn «dort einfach nicht so stören». Und Stefan, Sek-Lehrer und Vater dreier Kinder, putzt das WC nur noch, wenn Besuch kommt. «Ich finde einfach, man soll auch mal sehen, dass die Wohnung bewohnt ist, es muss nicht immer alles klinisch rein sein», sagt er.

Langsam weiten die Männer ihre Kompetenz in Sachen Haushalt aus und entwickeln das Selbstbewusstsein, selbst zu bestimmen, welche Arbeiten wirklich gemacht werden müssen und welche nicht. So stellt eine Studie des BfS von 2009 fest, dass Väter in Familien mit kleinen Kindern «von 1997 bis 2007 ihr Engagement im Haushalt um 7,2 Stunden pro Woche erhöht» haben.

Das ist etwa das, was drinliegt. Denn sie werden nicht anfangen, Unterhosen zu bügeln und Zimmerpalmen abzustauben.

mauriceMaurice Thiriet ist seit 2008 Inlandredaktor beim «Tages-Anzeiger». 2011 wurde er mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.

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287 Kommentare zu „Nein, wir bügeln keine Unterhosen“

  1. Luisa sagt:

    Für Frauen mit Mann im Haushalt gibt es nur eines: Solange nichts tun, bis er tut.
    Dann tut er entweder Haushaltarbeiten oder ausziehen.
    So einfach ist das.

  2. Ted sagt:

    Möglich dass Frauen etwas mehr putzen weil sie die kleineren Hände haben, um die Augen vor dem Dreck zu bedecken :D

    • Rahel sagt:

      Oder die kürzeren Beine um schneller davor wegzurennen……… :-)

      • Ted sagt:

        aha…du meinst also mit kürzeren Beinen schneller zu sein…? No !…genauso Pech haben Menschen mit kurzen Beinen im Bus, da steht nämlich niemand auf…weil alle denken, die sitzt ja schon :D

      • Rahel sagt:

        Nein, das habe ich eigentlich nicht so gemeint! Eigentlich sollte es heissen “zu kurze Beine um schnell davor wegzurennen……”! ( ja, ja, Fensterplatz, gäll Alien…….. :-) )
        Danke fürs Korrigieren Tedilein :-)

  3. Rahel sagt:

    Wer sagt denn, dass Männer im Haushalt nicht zu gebrauchen sind? Sie machen gewisse Sachen vielleicht anders als wir Frauen, aber das muss doch nicht unbedingt heissen, dass das Resultat falsch oder eben unbrauchbar ist! Wenn wir Frauen den Männern dauernd suggerieren dass sie’s im Haushalt eh nicht bringen, wen wunderts dann, dass sie gänzlich die Lust verlieren, mit Hand anzulegen?

    • alien sagt:

      Also Rahel, die Lust verloren, Hand anzulegen, ist mir nicht. Die Frage ist nur, WORAN…

      • Rahel sagt:

        Aber, aber, Alien…………. :-)

      • alien sagt:

        Ich meinte zwar Hand anlegen am Haushalt… aber mir gefällt Deine Art, zu denken, Rahel…

        :_D

      • Rahel sagt:

        Jaaaaaaa klar doch an den Haushalt, hüstel, wo auch sonst……………..hab ja auch nix anderes gemeint 8-)

        Dito ( betreffend die Art zu denken ) :-)

  4. Hans Saurenmann sagt:

    Manchmal frage ich mich schon wie das durchschnitts Alter aller Blogger ist, es ist doch voellig klar dass sich ein Leben in drei Abschnitten einteilen laesst, bis zwanzig Kind, bis vierzig fuer die Kinder da und Familie, bis 65 fuer den Lebensabend, wo ist das Problem? Heiraten zwingt zu Kompromissen, entweder man ueberlebt und ist zufrieden oder man ist geschieden! Das Alt werden ist entscheidend, und Zahltag einer Frau fuer den SERVICE den SIE erbracht hat bis 65! All die geschaedigten und Emanzen die auf der Strecke geblieben sind haben das nachsehen, oder muessen wir alle Taliban werden!!

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