
Immer in Bewegung: So genannte Strollercizer fitten durch New York. (Bild: Keystone)
Wer in Russland zu Hause gebären will, macht sich strafbar, denn Hausgeburten sind verboten. Aus diesem Grund pilgern jährlich Hunderte von Russinen ins ägyptische Dahab am Roten Meer, wo sie nach der Methode des russischen Wassergeburten-Gurus Igor Charkovsky ihre Kinder zur Welt bringen. Die französische Journalistin und Autorin Katie Breen hat dort eine Gruppe von Russinnen getroffen, die im beliebten Badeort nicht nur ihre Kinder geboren haben, sondern dort auch unter Anweisung der Fitnesstrainerin Lena Fokina eine äusserst umstrittene Mutter-Kind-Turnübung erlernen, bei der die wenigen Wochen alten Babys wie wild durch die Luft gewirbelt werden. Immer und immer wieder.
Fokina nennt ihre Akrobatik-Übungen Baby-Yoga, wobei sich jedem, der ein Minimum an Yoga-Kenntnissen besitzt und das Video betrachtet, die Nackenhaare sträuben. Es ist schrecklich, man kann es fast nicht zu Ende sehen. Die Übungen seien gut für das Kind und basieren auf Charkovskys dynamischer Babygymnastik, die in Russland schon seit Jahrzehnten praktiziert wird, rechtfertigte sich Fokina gegenüber «Mail Online», als die britische Tageszeitung vor einigen Monaten über die fragwürdige Methode berichtete und zahlreiche besorgte Kinderärzte auf den Plan rief. Laut Fokina würden die Übungen die Kinder physisch und intellektuell stärken: Sie würden dadurch schneller sprechen und laufen lernen.
Und genau dies bezwecken diese russischen Mütter auch: Sie wollen ihr Baby möglichst gut auf das harte Leben vorbereiten und das gehe nur mit Disziplin, erklärten sie gegenüber der Journalistin. In ihrer Reportage («Marie Claire Italia», Oktober 2012) zeigt sich Breen erstaunt, wie verbissen und so gar nicht entspannt sich diese jungen Mütter – die einen so weiten Weg für eine natürliche Geburt auf sich nehmen – auf diese extreme Form der frühkindlichen Förderung konzentrieren. «Sie scheinen besessen von ihren Kindern, vom Drang, jeden Moment dieser noch so jungen Leben zu kontrollieren» schreibt Breen.
Man mag dies jetzt als «typisch russischen Ehrgeiz» abkanzeln, doch auch bei uns scheinen viele Mütter, kaum dem Wochenbett entsprungen, oftmals von einem Ehrgeiz in Sachen Baby-Programm gepackt, der schon fast an Fanatismus grenzt. So habe ich Mütter getroffen, die einen Tagesablauf haben, der jeden Manager alt aussehen lässt: Morgendliche Yogaübungen mit Baby, dann füttern und anschliessend ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft, erneut füttern, über Mittag ins Babyschwimmen, am Nachmittag noch schnell ein paar andere Mütter zum Austausch treffen oder zum Osteopaten, um die Spätfolgen der Geburt zu behandeln, füttern, dazwischen immer wieder ein bisschen haushalten (waschen, kochen, aufräumen, einkaufen, etc.) und abends (notabene immer zur gleichen Zeit, denn das Kind muss sich an einen geregelten Ablauf gewöhnen) ein entspannendes Baby-Bad, gefolgt von einer beruhigenden Baby-Massage, füttern, dann das Einschlaf-Ritual und dann, endlich, Feierabend. Habe ich was vergessen?
Logisch tun sie das alles zum Wohl des Babys, aber ist das nicht doch ein bisschen zu viel des Guten? Ist es sinnvoll, sein ganzes Leben nur noch nach dem Baby auszurichten? Ich habe auch ein paar Mal Yogaübungen zusammen mit meiner Tochter gemacht (wobei «zusammen» eigentlich bedeutet, dass sie auf der Matte liegt und ich vor ihr rumturne…) und für das Babyschwimmen habe ich mich ebenfalls angemeldet, doch stehe ich auf der Warteliste, und vor Januar wird sich da nichts tun. Meine Tochter wird mir das verzeihen, denn am zufriedensten ist sie ohnehin, wenn sie bei mir – den Blick nach vorn gerichtet – im Babycarrier hängt und «dabei sein darf», wenn ich koche, durch die Wohnung wusle, mich schminke, die Haare föhne oder (im Stehen) diesen Blog schreibe. Vielleicht bin ich ja ein fauler Sack, aber wenn ich gemeinsam mit meiner Tochter gemütlich auf dem Bett liege, sie am Bauch kitzle, sie dabei laut kichert und quietsch und mich dermassen glücklich anstrahlt, dass ich sie auf der Stelle auffressen könnte, dann stellt das bestimmt jegliches Baby-Förderungsprogramm in den Schatten.



Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle» ist heute Reporterin bei Newsnet und leitet den Mamablog. Sie ist Mutter einer Tochter und lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Zürich. 




































































Zum Video: Ungefähr einen Zehntel von dem Herumgewirbel, das man auf dem Video sieht, hat mein Mann mit meinen Kindern jeweils auch gemacht, und ehrlich gesagt, sie haben es geliebt. Allerdings würde ich es nicht so lange und an einem Stück machen und allgemein weniger intensiv, als man das auf dem Video sieht, aber wer weiss, vielleicht hört man ja in zehn Jahren, dass genau solches Herumturnen den Babies unglaublich förderlich sei.
“vielleicht hört man ja in zehn Jahren, dass genau solches Herumturnen den Babies unglaublich förderlich sei.”
Vielleicht “hört man” in zehn Jahren, dass Faustschläge ins Gesicht für die Babies unglaublich förderlich seien (wovon übrigens nicht allzu wenige Leute nach wie vor überzeugt sind). Inwiefern wäre dies eine Rechtfertigung dafür?
Ja also dieses Filmchen ist ja wirklich grauenvoll, wenn’s nicht so tragisch wäre, wäre es zum Lachen. So werden die Russen also zu Alkoholikern. Haben deren Eltern eigentlich keinen gesunden Menschenverstand?
Oh mein Gott. Dieser Post ist grauenvoll. So werden die Schweizer also zu Rassisten.
Franz, Du kannst dagegen sein, was Du siehst, aber daraus gleich auf den Nationalcharakter und Alkoholprobleme zu schliessen ist wirklich idiotisch.
es sind ja russen. mafiosi vodka trinkende kartoffelklos fresser oder so. der gesunde menschenverstand fliesst die volga runter und ein fidler fiedelt trunken ueber die schneeverhangenen daecher moskaus. oder so etwa geht der stereotyp. nicht vergessen die mit stutz deponieren den plastiksackweise am paradeplatz. das ganze ist nur ein youtube viral video thingy.
Meine Rede. Dieser Artikel bläst die Sache weit über jede Proportion auf.
Wie wärs, wenn man Mamablog abschaffen würde? Dann hätten die Mamis mehr Freizeit und müssten nicht mehr solchen Quatsch wie hier lesen.
weiss denn jemand, ob das Filmchen echt ist?
so wie es aussieht ist es gewissen Müttern langweilig und dann machen sie auch mal dummheiten.
aber wehe dem der da dreinredet. wir alle wissen, dass man da nicht mit gesundem Menschenverstand rechnen kann und unterlässt es dagegen etwas zu unternehmen.
meine güte – wo bleibt hier der gesunde menschenverstand? im MUKI-turen, sagt man, man soll die kinder nicht an den armen haltend durch die luft schwingen, die achsel-gelenke seien noch nicht ausgebildet!!! hilfe!!! musste nach 10sekunden das video abschalten – GRAUENVOLL!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
ich bin gerne ein fauler sack und höre, höre auf mein herz und verwöhne meine mädchen mit schmusen, spielen, massieren, rumblödeln…